„Lex orandi - lex credendi“ - Nach Prosper von Aquitanien († 455) formulierter Kernsatz zur gegenseitigen Abhängigkeit von Glaube und Liturgie.

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Emotionaler Analphabetismus

Bild: Kathrin Wimmer, Universität Bamberg, aus www.aerztliches-journal.deAls glückliche Ergänzung zu unserer Vorstellung des Artikels von Peter Kwasniewsky über den Spirituellen Analphabetismus begegnete uns jetzt eine Artikelserie zum Thema Der Analphabetismus der Gefühle und die Kultur der Liebe auf P. Recktenwalds Portal zur Katholischen Geisteswelt. Es handelt sich dabei um die Wiedergabe eines Kapitels aus dem Buch von Livio Melina: Für eine Kultur der Familie: Die Sprache der Liebe.

In den bisher auf dem „Portal“ nachgedruckten drei Abschnitten des Kapitels  behandelt Melina in Anlehnung an die Gedanken des Philosophen Zygmunt Bauman die Erscheinung der „Verflüssigung“ all dessen, was unserem Leben bisher Halt und Richtung gegeben hat. Zu diesem Zweck propagiert der „Mainstream“ (wer auch immer das sein mag) einen grenzenlosen Individualismus.  Während die Betonung zunächst auf der Idee der gerechten Gesellschaft lag, so liegt sie jetzt auf den Menschenrechten, die jedoch verkürzt werden auf „das Recht des Einzelnen, sich von den anderen zu unterscheiden, und seinen Anspruch, sich für eine eigene Idee des Glücks und einen eigenen Lebensstil zu entscheiden“ (Bauman). Und weiter in den Worten Melinas: Die „flüchtige Moderne“ duldet keine festen Körper. Ihre Werte sind Schnelllebigkeit, Veränderung, fließender Wandel, Vergänglichkeit und Instabilität. Daher kann die Moderne die Familie, die Klasse, die Nachbarschaft, die Pfarrgemeinde nicht dulden. Sie müssen „verflüchtigt“ oder „liquidiert“ werden.

Bei alledem geht es nicht um Analphabetismus im herkömmlichen Sinn. Natürlich sollen die Menschen weiterhin lesen und schreiben können - wie sont könnten sie in der digitalisierten Welt als Arbeitskräfte nützlich sein, als Staatsbürger wohlaufbereitete Nachrichten und als Konsumenten die vom Internethandel angebotenen Waren und Dienstleistungen abrufen können. Doch die Begriffe und Institutionen, die sie zur Ordnung eines menschenwürdigen Lebens brauchen - die will man ihnen entziehen.

Und den Glauben brauchen sie natürlich auch nicht.

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