„Lex orandi - lex credendi“ - Nach Prosper von Aquitanien († 455) formulierter Kernsatz zur gegenseitigen Abhängigkeit von Glaube und Liturgie.

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Wo bleiben die Glückwünsche?

Bild: Wikimedia, Hakan Henrikson, CC-BY-SAAm gestrigen Freitag, den 3. Mai, hat der türkische Staatschef Erdogan die neue Camlica-Moschee von Istanbul offiziell eröffnet. Der innerhalb von 6 Jahren aus dem Boden gestampfte Bau thront weithin sichtbar auf einem Hügel im asiatischen Teil der Hauptstadt und gilt bereits heute als ein Wahrzeichen der Neuausrichtung der Türkei als Nachfolgestaat des Sultanats. Die Moschee bietet Platz für 64 000 Personen und ist im sog. Seldschukisch-Ottomanischen Stil errichtet – das ist eine neoklassische Form des spätantiken Stils der Kirche Hagia Sophia auf der anderen Seite des Bosporus, die unter dem Sultanat weiteste Verbreitung gefunden hatte.

Die eigentliche Namensgebung der Moschee steht noch aus – Camlica ist lediglich der Name des Stadtteils. Einen Hinweis auf den Geist, in dem dieser Bau errichtet wurde, geben die vier Hauptminarette, die den Zentralbau umgeben: Sie sind 107,1 m hoch und verweisen damit nach Aussage türkischer Medien auf die Schlacht von Manzikert im Jahr 1071, in der die Seldschuken dem Heer des Byzantinischen Kaisers Romanos IV. Diogenes eine vernichtende Niederlage zufügte und damit das bis dahin griechisch-christliche Anatolien „für die türkische Herrschaft öffnete“, wie eine englischsprachige türkische Tourismus-Website (und natürlich nicht nur sie) ihren Besuchern mitteilt.

Tatsächlich spielt die Erinnerung an Manlika in der türkischen Erinnerungskultur im allgemeinen sowie im Denken von Erdogan und seiner islamistischen AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) eine bedeutende Rolle. Der Diktator ließ bereits eine seiner zahlreichen Sommerresidenzen nach einem bescheidenen Entwurf von 1071 Quadratmetern errichten. In einem Aufruf an die türkische Jugend hat er vorausschauend das Jahr 2071 zum Jubeljahr ausgerufen.

Für die endgültige Namensgebung der neuen Moschee kann die neo-osmanische Regierung sich unter anderem an den Namen orientieren, mit denen die Vorauskommandos ihrer Ditib die Moscheen in Europa schmücken. Also etwa an der Sehitlik- (Märtyrer-)Moschee in Kreuzberg, den Osman-Gazi Moscheen, die den Gründer des Osmanischen Reiches verherrlichen oder am besten an den zahllosen Fatih- (Eroberer-)Moscheen, von denen es in Deutschland nach Zählung von Wikipedia  bereits über 50 gibt.

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