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„Die Messe der Kirche“ - Teil I

Bereits am 10. Mai hatten wir erstmals auf das soeben erschienene Buch von Heinz-Lothar Barth  hingewiesen. Es ist also an der Zeit, etwas näher auf diese Neuerscheinung zum Kernthema von Summorum Pontificum“ einzugehen.

Dabei soll zuerst auf die Unterschiede von Barths Buch zu dem vor bereits 5 Jahren erschienen Standardwerk von Michael Fiedrowicz „Die überlieferte Messe“ hingewiesen werden. Inhaltlich gibt es da überhaupt keine Differenz – Barth bringt auch an mehreren Stellen seine Anerkennung für die Leistung von Fiedrowicz zum Ausdruck, den er mit dem Buch über die Messe und anderen Veröffentlichungen immer wieder zitiert. Vom Herangehen an das Thema her könnte dagegen der Unterschied kaum größer sein. Barth geht das Thema aus der Perspektive der aktuellen Auseinandersetzungen um Wesen und Inhalt der Liturgie an und such unmittelbar und gelegentlich mit erfrischender Polemik die Auseinandersetzung mit den Strömungen und Personen, die die Kirche hier in den vergangenen Jahren auf modernistische und protestantisierende Irrwege gedrängt haben. Dabei läßt er jedoch auf keiner Seite den geringsten Zweifel daran, auf welcher systematischen und historischen Grundlage sein Eingreifen beruht.

Geradezu demonstrativ bringt er das damit zum Ausdruck, daß die drei Teile seines Buches jeweils den Opferbegriff, wie er in der Tradition entwickelt und in Trient als Dogma formuliert worden ist, in den Mittelpunkt stellen:

  • Der überlieferte lateinische Meßritus: Klarer Ausdruck des Opfers Christi und seiner Kirche;
  • Die Darbringung des hl. Meßopfers: Zentrale Aufgabe des katholischen Priesters und Grund seiner erhabenen Würde;
  • Die Frucht des Meßopfers: Leib Christi, nicht Brot – Die katholische Transsubstantionslehre.

Man sieht schon, wie sich bei den postkonziliaren Protestanten auf katholischen Lehrstühlen die Nackenhaare aufrichten. Und so was zum 500. Jubeljahr der Reformation, zu dem sie die stets irrende römische Kirche endlich wieder mit der wahren Lehre Luthers, Calvins, Zwinglis und Cranmers versöhnen wollen.

Heute zunächst einige Ausführungen zum Inhalt des ersten Teils. Dieser Teil ist nicht zuletzt der Auseinandersetzung mit den Ideen des emeritierten Münsteraner Kirchenhistorikers Angenendt gewidmet. Ideen ist dabei eigentlich schon zu viel gesagt: Angenendt drückt sich weitgehend vor grundsätzlichen Aussagen, indem er zur Rechtfertigung der Liturgiereform eine Fülle von kaum oder gar nicht belegten Behauptungen aufstellt, die darauf hinauslaufen, die überlieferte Form und Inhalt der Messe als Irrtum erscheinen zu lassen. Als deren inhaltlichen Kern schält Barth dann (auf S. 27/28) zwei Vorwürfe heraus:

1. Die Messe sei ursprünglich nicht als Opfer gefeiert – das gebe eine in die Irre gegangene mittelalterliche Etnwicklungsstufe wieder. Und

2. Priester und Laien seien in weitgehend gleicher Weise an der Messfeier beteiligt. Ihre wesensmäßige Unterscheidung sei Ergebnis einer im Mittelalter erfolgren Klerikalisierung.

Vor allem mit dem ersten Punkt befasst sich Barth in diesem ersten Teil seines Buches. Dabei geht er auch ausführlich nicht nur auf Angenendt, sondern auch auf dessen universitäre und teilweise auch bischöfliche Gesinnungsfreunde ein, die die letztlich auf die Reformatoren des 16. Jahrhunderts zurückgehende Grundthese samt deren längst widerlegten „Beweisen“ in immer neuen Variationen unter die Leute bringen. Unter Anführung zahlreicher Dokumente, beginnend mit der Didache aus der Zeit um 100 und dann fortgesetzt mit Kirchenvätern wie Justin dem Märtyrer und Irenäus von Lyon belegt er, daß von einem ursprünglichen Mahlcharakter der Messe nicht die Rede sein kann – und wie sehr diese Rede sich in den seit der Reformation zunehmenden Trend zur Säkularisierung einordnet. Er kritisert, daß das gerade in Deutschland fast ausschließlich gebrauchte 2. Hochgebet den Opferbegriff nicht mehr klar anspricht, und begründet seine Kritik unter ausführlichem Bezug auf seine schon vor Jahren erschienene Arbeit zum sog. Kanon des Hippolytos.

Die zweifellos zu Recht konstatierten „protetantisierenden Tendenzen“ des zweiten Hochgebetes (S. 71 ff.) sieht Barth vor allem in der „Rücksichtnahme auf protestantische Irrtümer“ (79) und ökumenische Blauäugigkeiten begründet, die die Autoren der neuen Liturgie bei ihrem Unternehmen geleitet habe. Diese Rücksichtnahme ist zweifellos feststellbar – es stellt sich aber darüberhinausgehend auch die Frage, inwieweit die Protestantisierung der Liturgie auch Folge einer vielfach stark verinnerlichten eigenen protestantischen Denkhaltung ist. Die Ökumene ist eben nicht nur der Altar, auf dem man in gottergebener Demut opfert, was einem bis gestern noch heilig war. Sie bietet auch einen Rauchvorhang, hinter dem man den Verlust eigener Glaubensgewißheit als Gewinn verstecken kann.

Für die Auseinandersetzung mit den auf welche Weise auch immer in Lehre und Liturgie der Kirche eingedrungene modernistische Irrtümer und Irrlehren besonders ertragreich erscheint eine kurze Zusammenstellung dogmatischer, d.h. mit dem Anspruch auf Irrtumslosigkeit getroffener Aussagen zur Messdoktrin (S.89 ff). Sie läßt erkennen, daß viele auch von renommierter Seite immer wieder vorgetragene Behauptungen schlichtweg den Rahmen dessen, was katholisch ist, verlassen haben. Ebenso interessant für die Auseinandersetzung mit innerlich längst zum Protestantismus konvertierten Theologen sind die Ausführungen zur progressistischen Kritik am neuen IV. Hochgebet. (S. 97 ff) Dort – also in einer Formulierung, die so auf das Jahr 1970 zurückgeht, und die in dieser wörtlichen Klarheit in der überlieferten Liturgie nicht vorkommt - heißt es nämlich: „So bringen wir dir seinen Leib und sein Blut dar“ - eine eindrucksvolle Bestätigung der Tatsache, daß zumindest die Autoren dieses Kanons nicht der Ansicht waren, daß die Opfertheologie eine mittelalterliche Fehlkonzeption sei, die aus der Liturgie ausgeschieden werden müsse.

Beides zusammengenommen – die Verwerfung der Messtheologie allgemein und die grundsätzliche Ablehnung von zwei (neben dem IV. Hochgebet steht ja auch der überliefert, wenn auch 1970 leicht überarbeitet römische Kanon in der Kritik) zeigt, wie weit sich diese Sorte Theologie von der Kirche auch in ihrer modernisierten Form entfernt hat.

Der erste Teil des Buches wird abgerundet wird abgerundet durch eine Abhandlung zur Bedeutung der Wandlungsworte, die eben über einen „Konsekrationsbericht“ hinausgehen, und zur Bestimmung des Konsekrationsmomentes in der Liturgie.

Das fest gebundene Buch hat 330 Seiten Inhalt zuzüglich 40 Seiten Literaturverzeichnis. Es ist zu beziehen zum Preis von 18,90€ + Versand über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und im Buchhandel.

Soeben eingetroffen...

...ist ein neuer Band aus der UNA VOCE Edition. Heinz-Lothar Barth: Die Messe der Kirche – Opfer - Priestertum - Realpräsenz. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt, worum es dem Autor nicht ausschließlich, aber auch ganz wesentlich geht: Klarstellung in Zeiten der Unklarheit. Da finden sich Kapitelüberschriften wie:

Angenendts merkwürdige Vorstellungen von der hl. Messe

Kardinal Lehmann verteidigt Angenendts Angriffe gegen den Papst

Die Messe - Opfer von Anfang an

Protestantisierende Tendenzen im II. Hochgebet

Moderner Mißbrauch der Liturgie

Der modernistische Widerstand gegen die Transsubstantionslehre

Karl Rahners Progressismus in Wort und Inhalt

(...)

Hier geht einer - wie wir es von Barth auch nicht anders erwartet haben -  mitten ins Kampfgetümmel und stellt den Gegner, wo auch immer er sich verschanzt. Dabei, das zeigt schon ein erster flüchtiger Eindruck, stellt er nicht Behauptung gegen Behauptung, sondern greift zurück auf den ganzen Fundus der überlieferten Lehre und belegt immer wieder mit philologischer Akribie, wer wann was gesagt oder geschrieben hat - und welche Worte die Modernisten auslassen oder welche Grammatik sie entstellen mußten, um ihren Erfindungen den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu geben.

Mehr dazu demnächst. Das fest gebundene Buch hat 330 Seiten Inhalt zuzüglich 40 Seiten Literaturverzeichnis. Zu beziehen zum Preis von 18,90€ + Versand über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und im Buchhandel.

‚De Sacerdotio‛ - eine sichere Grundlage für die Lehre vom Priestertum

Carthusianus-Verlag 2013Den Knaller, wenn man das so sagen darf, hat sich Michael Fiedrowicz ganz für den Schluss seiner hundertseitigen Einführung in das große Werk des Johannes Chrysostomus über das Priestertum aufgehoben: Als 1978 eine Neuedition von ‚De Sacerdotio‛ für die ‚Sources Chrétiennes‛ vorbereitet wurde, hatten die Herausgeber Henri de Lubac gebeten, die Einleitung zu verfassen. Doch da de Lubac in dieser Einführung nachwies, daß bereits im 4. Jahrhundert die vom Modernismus als mittelalterliche (Fehl-)Entwicklung dargestellte sakramentale Natur des Priesteramtes fester und zentraler Bestandteil der kirchlichen Lehre war, verhinderte die Mafia der Konzilsgeister die Aufnahme seiner Einführung in die renommierte Edition. „De sacerdotio“ erschien ohne Einführung, und de Lubac musste für seinen Text auf die Veröffentlichung in einer Zeitschrift ausweichen.

Man sieht: Bloß weil ein Buch über eineinhalb tausend Jahre alt ist, fehlt es ihm noch lange nicht an Aussagekraft und Brisanz hinsichtlich aktueller Fragen der Gegenwart im allgemeinen und nachkonziliarer Zeiten insbesondere. Was natürlich ein ganz wesentlicher Grund dafür ist, daß der Trierer Theologieprofessor Fiedrowicz dieses Buch von Ingo Schaaf und Claudia Barthold neu übersetzen ließ und samt griechischem Original und der von ihm verfassten Einleitung neu herausgebracht hat. Gerade in Zeiten, in denen viele der Versuchung erliegen, sich ihren Glauben ständig neu zu erfinden, oder in denen – wie übrigens zu Chrysostomus Zeiten auch – Beliebigkeiten und sogar Irrlehren weit in die Kirche eingedrungen sind, bietet der Rückgriff auf die Väter ein sicheres Fundament.

mehr zur Aktualität des Werkes

Die Stimme der Kirche

BuchumschlagDie Wendung der Altäre zum Volk und die „Abschaffung des Latein“ sind die beiden Elemente, die das Gesicht der reformierten Liturgie der Kirche bestimmen wie nichts anderes. Beide wurden nahezu „flächendeckend“ durchgesetzt, obwohl sie nirgendwo vorgeschrieben sind, sondern nur als - in Grenzen - zulässig erklärt wurden. Wer beim eigentlich Vorgegebenen bleiben will, steht unter enormem Rechtfertigungsdruck. Und beide Elemente haben wie wenig anderes dazu beigetragen, denn Sinn für die Liturgie in Klerus und Volk gleichermaßen zu beschädigen, vielfach geradewegs zu zerstören.

Der Londoner Oratorianer Uwe Michael Lang, der 2005 endgültig den Mythos um die „celebratio ad populum“ zerstörte, hat sich nun den ebenso unbegründeten wie interessegeleiteten Thesen der Reformer zugewandt, die im Gottesdienst nur noch die Volkssprache, am besten in ihren populärsten Idiomen, hören wollen - obwohl die Konstitution über die Liturgie doch unmissverständlich aussagt: „Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben“.

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Michael Fiedrowicz' „Die Überlieferte Messe“

BuchumschlagVor vier Wochen konnten wir das Erscheinen dieses Kompendiums zur traditionellen Liturgie von Prof. Fiedrowicz mitteilen - heute kommt unsere Besprechung. Das Buch arbeitet ein enormes Programm ab, in dem fast alle Problempunkte, die uns gegenwärtig zu schaffen machen, ihren Platz finden. Und Fiedrowicz gelingt es, das in einer so leicht verständlichen und überzeugenden Weise auszuführen, wie man das sonst kaum gewohnt ist. Eine wichtige Rolle dabei spielen – das soll hier ausdrücklich gesagt werden, weil Anmerkungen von Lesern oft als Abschreckung empfunden werden – der umfangreiche Anmerkungsapparat mit über 900 Anmerkungen, größtenteils Literaturhinweisen und Quellenangaben.

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