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Die „Opferung“ des römischen Ritus

Bild, Kopie nach dem Genter van Eyck-Altar, Bode-Museum Berlin, eigene AufnahmeEiner der auffälligsten Unterschiede der Messfeier im Ritus von Sarum und einiger anderer mittelalterlicher Riten gegenüber dem allgemeinen römischen Gebrauch bestand darin, daß die Opferungsgebete fast vollständig auf das seit urdenklichen Zeiten gebetete Offertorium beschränkt waren. Die Liturgiereformer haben daraus abgeleitet, daß diese Gebete entbehrlich seien und wollten sie komplett streichen. Papst Paul VI. bestand jedoch darauf, an deren Stelle zumindest Dankgebete für die Früchte der Erde in den Ordo aufzunehmen. Der dem Dominikanerorden angehörende Liturgiehistoriker R.-Th. Calmel hat in einem Artikel zum Thema „Mahl und Opfer“ (UVK 1970, 1/2, S. 20) demgegenüber die eigentliche Bedeutung dieser traditionellen Opferungsgebete sehr klar herausgearbeitet.

Es beginnt ein langes ZitatDie Opferung, die ausdrücklich an die Passion erinnert, weist gleich zu Beginn der eigentlichen Messe (das Vorhergehende ist nur die Vor-Messe) mit aller Deutlichkeit darauf hin, daß die Kirche etwas ganz anderes zu tun sich anschickt, als lediglich ein Mahl zum Gedächtnis des Todes Jesu und des letzten Abendmahls zu halten. Die Kirche wird auf dem Altar das Opfer Christi gegenwärtig machen. Gleich wird Christus unter den Gestalten von Brot und Wein als wirkliches Opferlamm zugegen sein. Darum legt die Kirche, nachdem sie Brot und Wein hergerichtet hat, so großen Wert auf die Feststellung, daß diese Gaben für das Opfer bestimmt sind, daß sie dieselben bereits symbolisch darbringt im Hinblick auf das heilige Opfer und die Kommunion.

Bei dieser Opferung geht es um etwas ganz anderes als dem Herrn dafür zu danken, daß er die Feldarbeit mit Früchten gesegnet hat. Es geht um etwas ganz anderes als um den Segen über die Nahrung, die Gott schenkt, wie wir es beim Tischgebet tun. Es geht vielmehr darum, Brot und Wein darzubringen im Hinblick auf das Opfer, das Christus mit seinem Leibe und Blute vollzieht, wenn er durch das Amt des Priesters das Brot in seinen Leib und den Wein in sein Blut verwandelt.Von der Opferung an, sobald wir den Kelch aufdecken, sobald wir die Patene mit der Hostie erheben, sobald wir den Deckel vom Ciborium mit den kleinen Hostien abnehmen, betonen wir bewußt die sakramentale Bestimmung von Brot und Wein. Wir wollen uns vorbereiten auf das, was unser Herr gleich durch unseren Dienst vollbringen wird. Wir tun unser bestes, um mit der Gabe unserer Hände unsere eigene Hingabe zu bringen. Wir wollen gleich vor der ersten Berührung der Hostie und des Kelches auf jeden Fall die sakramentale Zielsetzung unserer Opfergabe erfassen und begreiflich machen, damit über unsere Absicht kein Zweifel aufkommen kann.

Das ist etwas ganz anderes als ein Tischsegen, und sei er auch religiöser und feierlicher als sonst. Etwas anderes als eine Danksagung für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Etwas anderes als ein leeres und unwirkliches Gedächtnis des Letzten Abendmahles. Der Sinn dieser Darbringung ist einzig in seiner Art: Sie soll Christi Opfer vorbereiten, der durch die doppelte Konsekration in Wahrheit geopfert wird. Sie soll die Kommunion vorbereiten, die Wirklichkeit ist, weil der Leib Christi unter der Gestalt des Brotesin uns Wohnung nimmt.. Sie soll diese Geheimnisse vorbereiten, ohne daß ein Zweifel über unsere Absicht aufkommen kann, und uns innerlich darauf einstellen.“