Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

„Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“ - oder:
Ein Fall für die Klapsmühle

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, veröffentlichte im Anschluß an die Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe vom 25. 28. September 2006 einen Pressebericht, in dem auch die Ergebnisse einer Umfrage zu „Messfeiern im Tridentinischen Ritus“ mitgeteilt wurden:

Die Umfrage zeigt, dass in den meisten deutschen Bistümern mit Genehmigung des Diözesanbischofs an Sonntagen und werktags Tridentinische Messfeiern stattfinden. Die Zahl der Orte bzw. Kirchen ist durchweg gering, gleiches gilt für die Zahl der teilnehmenden Gläubigen. Der Vergleich mit einer früheren Umfrage von 1993 macht deutlich, dass die Nachfrage der Gläubigen auf sehr niedrigem Zahlenniveau stabil ist. Ein wachsendes Interesse, von dem manchmal die Rede ist, kann nicht festgestellt werden.

Entsprechend äußerten sich deutsche Bischöfe auch bei ihrem „Ad-Limina-Besuch“ in Rom, und diese Zahlen brachten sie auch in einem Schreiben an dem Papst zur Geltung, mit dem sie sich im Frühsommer dieses Jahres gegen den Erlaß des motu proprio wandten.

Eine Mitteilung der Vereinigung „Pro Missa Tridentina“ hatte bereits kurz nach Veröffentlichung des Presseberichtes darauf hingewiesen, daß die Aussage „in den meisten deutschen Bistümern“ interpretationsbedürftig sei. Die Vereinigung konnte damals nur 18 offizielle Meßorte in insgesamt 14 (von 27 deutschen) Diözesen ermitteln.

Ein Bericht in der Online-Ausgabe der Aachener Zeitung vom 1. 9. wirft nun ein grelles Licht auf die Praktiken, mit denen zumindest in Aachen darauf hingewirkt wurde, die Teilnehmerzahlen und das Interesse niedrig zu halten.

Da wir nicht wissen, wie lange der Artikel unter seiner gegenwärtigen Adresse zugänglich bleibt, dokumentieren wird den kurzen Text hier im vollen Wortlaut:

Bistum duldet alte Riten im Verborgenen

Aachen. Nur ein verschworener Zirkel war hier in die Verschlusssache eingeweiht: erzkatholische Riten tridentinischer Messen. Über Jahrzehnte schien die umstrittene Messform tabu zu sein. Auch weil eine alte Karfreitagsbitte für eine Juden-Bekehrung scharf von jüdischer Seite kritisiert worden war.

Doch der 72-jährige Pater Umberto Lovato bestätigte am Freitag unserer Zeitung: «Tridentinische Messen nach dem alten lateinischen Ritus werden in Aachen nach wie vor gelesen.» Und sie werden nicht erst seit der Amtszeit von Bischof Heinrich Mussinghoff ganz offiziell gesteuert.

«Den Auftrag, im kleinen Kreis tridentinische Messen zu lesen, habe ich von dem ehemaligen Generalvikar, Prälat Karlheinz Collas, und dem langjährigen Chefredakteur der Kirchenzeitung, Prälat Erich Strick, übernommen», sagt Lovato. Beide sind verstorben.

Nur donnerstags habe man sich treffen dürfen - lange in der Theresienkirche, seit Anfang 2007 in der Kapelle des Alexianerkrankenhauses. In der psychiatrischen Fachklinik nehmen laut Lovato nicht mehr als 20 Gläubige an der traditionellen Messform teil. «Die Sache sollte ein bisschen geheim bleiben», erklärt der Pater, der sich in dieser Rolle überhaupt nicht wohl fühlt. «Ich lese die Messen nicht gerne, aber ich möchte diesen Menschen helfen.»

Hier trifft alles zusammen, was man bisher nur als Ausfluß bösartiger Unterstellung wahrzunehmen geneigt war: Als Zelebrant ein unwilliger alter Mann, als Messbesucher hilfsbedürftige Irregeleitete, Geheimhaltung von Ort und Zeit, und als Krönung des ganzen: Abschiebung in eine psychiatrische Fachklinik - vulgo „Klapsmühle“.

So „erfüllte“ die Diözese des stellvertretenden Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz den Willen des Papstes Johannes Paul II, der als oberster Gesetzgeber der Kirche in seinem motu proprio „Ecclesia Dei“ vom 2. Juli 1988 verfügt hatte:

Ferner muß überall das Empfinden derer geachtet werden, die sich der Tradition der lateinischen Liturgie verbunden fühlen, indem die schon vor längerer Zeit vom Apostolischen Stuhl herausgegebenen Richtlinien zum Gebrauch des Römischen Meßbuchs in der Editio typica vom Jahr 1962, weit und großzügig angewandt werden.

Beten wir dafür, daß die Hirten wieder zur vollen Einheit mit dem Nachfolger des Hl. Petrus zurückfinden

Nachtrag 3. 9. 07:
Ein Leser aus Aachen hat uns geschrieben, die Verlegung der "Missa Tridentina" in die Kapelle des Alexianerkrankenhauses sei nicht auf Anordnung des Ordinariats erfolgt, sondern habe sich aus verschiedenen Überlegungen so ergeben.

Dazu können wir aus der Entfernung nicht viel sagen. Wir wollen aber alle Gruppen, die die Messe nach dem Missale von 1962 feiern oder künftig feiern wollen, bitten, folgendes zu bedenken: Die hl. Messe in der hergebrachten Form ist nicht nur Sache kleiner Gruppen, sie ist ein Schatz, der der ganzen Kirche gehört. Es ist gut, wenn eine Gruppe sie in familiärer Atmosphäre in einer kleinen Kapelle feiern kann - aber es ist besser, wenn diese Feier nach Ort und Zeit so stattfindet, daß möglichst viele Gläubige daran teilnehmen können und sie ihre segensreiche Wirkung auch im größeren Kreis entfalten kann.