Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Zwischen Bruch und Kontinuität

„Die Kirche braucht keine Reformer, sondern Heilige“

18. 6. 2009

Am vergangenen Sonntag (14. 6.) hat der Posener Weihbischof und Generalvikar Balcerek in der Franziskanerkirche zum hl. Antonius in Posen ein Pontifikalamt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zelebriert. Die Kollegen von Nowy Ruch Liturgicny waren so freundlich, die Predigt des Bischofs ins Englische zu übersetzen - und wir finden sie so bemerkenswert, daß wir sie gleich ins Deutsche weiterübersetzt haben.

Verehrungswürdige Herren Prälaten und Kanoniker, hochwürdige Herren Priester, Liebe Seminaristen und ganz besonder Sie, Geliebte Brüder und Schwestern in Christus, die Sie die Liturgie in der außerordentlichen Form des römischen Ritus lieben. Ich bin sehr bewegt davon, das heilige Opfer in dieser überaus würdigen Form zu feiern. Jede Messe ist ein Geschenk und ein Geheimnis, eine Erfahrung des Göttlichen. Deshalb erfüllen uns die Feier und die Teilnahme mit der Furcht Gottes. So erleben und durchleben Priester und Laien die hl. Messe auf ihrem Weg zur Heiligkeit. Ich denke da an die große Zahl von Priestern, die das eucharistische Opfer mit der größten Ehrfurcht zelebrierten, etwa den hl. Johannes Maria Vianney, den Pfarrer von Ars, oder näher an unserer Zeit Pater Pio. Diese Priester lebten die Liturgie, mit ihrer Feier der Liturgie bauten sie ihre Gemeinden auf und damit – im Geiste – auch die ganze Kirche. Heute habe ich die Ehre, an diesem Hochaltar zu stehen und das allerheiligste Sakrament in der gleichen Form und mit den gleichen Gebeten und Gesten wie sie das eucharistische Wunder zu vollbringen. Ich erkenne deutlich, wie sehr der Usus Antiquor die persönliche Heiligung des Priesters fördert.

Wir haben uns hier heute am Sonntag versammelt, am Tag des Herrn, an dem die Kirche das Messopfer feierlicher als sonst feiern will. Wir sind hier aus einem besonderen Grund: Seit 15 Jahren beten die Gläubigen von Posen, die der vorkonziliaren Form der Messe anhängen, in Gemeinschaft mit dem Erzbischof von Posen.

Ich möchte meinen doppelten Dank aussprechen. Zunächst dem höchst verehrungswürdigen Prälaten Jan Stanislawski, Seelsorger der traditionellen Gläubigen, und allen Priestern, die ihnen als Seelsorger gedient haben, für ihren aufopferungsvollen Dienst. Dann aber auch Ihnen, geliebte Gläubige, für Ihre Treue zu Mutter Kirche und dafür, daß Sie der Versuchung widerstanden haben, die Einheit mit dem Bischof von Rom aufzugeben. Ich weiß, daß die Erwartungen einiger von Ihnen weitaus größer waren als das, was die Kirche von Posen oder selbst die Weltkirche Ihnen geben konnte. Ihre Geduld und Ihre Treue und vor allem Ihre glühenden Gebete sind belohnt worden. Vor zwei Jahren hat seine Heiligkeit, Papst Benedikt XVI., ein Dokument verfasst, das die Position der gesamten Kirche gegenüber Gruppen wie der Ihren grundlegend verändert hat. Und ich beschwöre Sie, weiterhin in Treue und Geduld auszuharren und den Bischöfen, die für die ganze Herde des Herrn verantwortlich sind, Verständnis entgegenzubringen, wenn sie der Kirche nach ihren besten Absichten, Anstrengungen und Kräften dienen und dabei stets ihr Wohl im Auge haben.

Es war die Weisheit der polnischen Bischöfe, insbesondere des Dieners Gottes, des verstorbenen Stefan Kardinal Wyszynski, die uns die Brüche und die Skandale der 70er Jahre erspart hat, die Ländern und Pfarreien in Westeuropa und Amerika so zugesetzt haben. Verstehen Sie deshalb bitte die heutige Vorsicht unserer Bischöfe gegenüber der älteren Form der Liturgie. Nichts ist so zerstörerisch für die Kirche wie gewaltsame Reformen. Die Kirche braucht keine Reformer, sondern Heilige. Bedenken Sie bei Pater Pio, daß nicht die Stigmata oder die Wunder ihn zum Heiligen gemacht haben, sondern ein heroisches Ausmaß von Gehorsam und Demut gegenüber seinen Vorgesetzten und Oberen, die diesen großen Heiligen nicht immer verstanden haben und ihn mit einigen ihrer Entscheidungen schwer verletzten. Die Kirche wächst an der Demütigung ihrer Kinder. Sie braucht keine Kämpfe – außer dem Kampf gegen unsere je eigenen Sünden und Laster. Sie wird bereichert durch unaufhörliches Gebet und persönliche Heiligung.

Ich erinnere mich an die „alte Messe“ in meiner Kindheit als Messdiener. Als ich ins Seminar ging, hatten die nachkonziliaren Veränderungen bereits stattgefunden. Bis jetzt habe ich die hl. Liturgie stets nach dem Missale Papst Pauls VI. gefeiert. Ich habe nicht die Erfahrungen hinter mir, die ältere Priester gemacht haben. Vielleicht ist es deshalb für mich soviel leichter, bei Ihnen zu sein und mit Ihnen die Schönheit der Liturgie zu erleben. Es ist bezeichnend, daß die Messe nach dem Missale Papst Pius‘ V. eher die junge und die mittelalte Generation anzieht als die ältere. Deshalb wiederhole ich: Bitte, haben Sie Verständnis, Geduld und Respekt gegenüber denen, die ihr Verlangen und ihre Sensibilität nicht teilen.

Berninis Kolonaden um den Petersplatz können die Katholische Kirche versinnbildlichen: Das sieht aus wie ausgestreckte, einladende Arme. Diese Arme öffnen sich für alle, die den katholischen Glauben in Einheit mit dem Bischof von Rom bekennen. Die Kirche hat, wie jede gute Mutter, ein großes Herz. Es bietet viel Platz, sowohl für die Anhänger der alten Form als für die neuen Bewegungen, die aus dem Atem des Hl. Geistes hervorgegangen sind. Die Kirche hat eine lebendige Tradition – d. h. Der Heilige Geist ist in ihr zu allen Zeiten wirkmächtig. Deshalb heißt Tradition nicht, sich störrisch an der Vergangenheit festzuklammern. Lassen Sie in der Verehrung dessen, was die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch gelebt hat – und ich teile Ihre Liebe dazu – lassen sie sich dabei nie vom Geist gegen den Heiligen Geist, vom Geist der Ausgrenzung, vom Geist angemaßter Überlegenheit – kurz gesagt: Von der Sünde des Stolzes – überwältigen. Eine solche Haltung wäre nicht katholisch und bedeutete eine Zurückweisung der ausgestreckten Arme der Kirche, wäre ein Versuch, sich zu isolieren und das Herz der Kirche, das alle einladen möchte, zu verschließen. Auf der anderen Seite muß allen, die die älteren Formen aus der Tradition der Kirche ablehnen, ganz deutlich gesagt werden, daß das falsch ist und die Kirche ärmer macht. Es ist falsch, die Kirche in vorkonziliar und nachkonziliar einzuteilen. Also das Alte abzulehnen und nur das Neue anzuerkennen.

Traurigerweise erleben wir im mangelnden Gehorsam gegenüber den liturgischen Normen immer wieder solche Haltungen. Man darf mit der Liturgie nicht so umgehen, als ob sie Privatbesitz eines Priesters oder einer Gemeinde wäre. Die Liturgie darf niemals ihrer Würde entkleidet und zur Spielwiese persönlicher Erfahrungen gemacht werden.

Wie treffend klingen uns die Worte des hervorragenden katholischen Denkers Robert Spaemann, die er in Fontgombault in der Gegenwart des damaligen Kardinals Ratzinger äußerte. Er meinte, um das Wesen der Eucharistie verstehen zu können, müsse man die Liebe zum alten Ritus erwecken, und sagte dann „Die Zukunft der Liturgie in der Lateinischen Kirche hängt von der Befolgung dieses einen Gebotes ab, von dem Gott das weltliche Wohlergehen abhängig gemacht hat: Ehre Deinen Vater und Deine Mutter“. Dazu muß man lernen, den Blick auf die Eltern zu richten, auch auf die geistigen Eltern, auf die Heiligen, die die heilige Liturgie geformt haben.

Am kommenden Freitag, dem Fest des Heiligsten Herzens Jesu, beginnt nach dem Willen seiner Heiligkeit Benedikt des XVI. das Jahr des Priestertums. Sein Patron wird der hl. Johannes Vianney sein. Vielleicht organisiert Ihre Gemeinschaft ja eine Wallfahrt zum Grabe des hl. Pfarrers von Ars. Ich gebe zu einem solchen Vorhaben gerne meinen Segen. Und ich bitte Sie, liebe Schwestern und Brüder, um ihre glühenden Gebete um die Fürsprache des hl. Johannes Vianney für unseren Papst, für unsere Bischöfe, Priester und neuen Priesterberufungen. Christus, der Ewige Hohe Priester, und seine Mutter, die selige Jungfrau Maria, werden Ihnen nichts schuldig bleiben. Sie werden unsere Gebete erhören und uns viele heiligmäßige Priester geben. Amen.

Alle Photos aus Nowy Ruch Liturgicny – dort übrigens in wesentlich größerem Format angeboten.