Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Die Liturgie - Quelle und Höhepunkt

Die Theorie des zerbrochenen Fensters oder:
„Save the Liturgy, save the World“

14. 12. 2008

Die Theorie des zerbrochenen Fensters läßt sich auf viele Gebiete anwenden. Steve Jalsevac von der amerikanischen Lebensschutz-Seite LifeSiteNews.com hat sie auf den traurigen Zustand der Kirche in den USA angewandt, der sich nicht zuletzt darin dokumentiert, daß die Mehrheit der getauften Katholiken kein Problem darin sieht, für Politiker zu stimmen, die als engagierte Abtreibungsbefürworter auftreten. Und weil Steve Jalsevac dabei herausgefunden hat, daß das erste Kirchenfenster, dessen Zerstörung den größten Schaden an Glas und Mauern nach sich zieht, die Würde und Ordnung der Liturgie ist, haben wir seinen Artikel mit geringfügigen Kürzungen hier übersetzt.

Wenn ein glaubenstreuer Bischof in den USA oder Europa darangeht, die Schäden von 40 oder mehr Jahren mangelnder Führung oder sogar Korruption in seiner Diözese wieder gutzumachen, steht er vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe. Trotzdem ist es für alle Bürger wichtig, daß die Katholiken anfangen, ihre diözesanen Probleme in Ordnung zu bringen. (...)

Das Konzept des „zerbrochenen Fensters“ könnte einen nützlichen strategischen Ansatz bieten. Dabei wäre es freilich nützlich, wenn die Bischöfe sich zunächst einen glaubenstreuen Arbeitsstab zusammenstellen würden. Mitarbeiter und Leitungspersonal, die die spirituelle Natur der Kirche begreifen und sich ihr verpflichtet sehen, werden den Bischof weitaus besser verstehen als solche, deren hauptsächliche Qualifikation in einer langen Liste theologischer Veröffentlichungen oder Diplome fragwürdiger katholischer Hochschulen besteht. (...)

Die zerbrochenen Fenster:

1. Die Liturgie

Das erste zerbrochene Fenster, das erste Zeichen von Unordnung, an dem alle sehen können, daß sich keiner kümmert, daß die Autorität zusammenbricht und Regeln nur noch dazu gut sind, gebrochen zu werden, sind Mißbräuche in der Liturgie, die doch der offizielle und höchst sichtbare Ritus und Ausdruck der Kirche ist.

Warum wir damit anfangen? Weil Papst Benedikt in seiner Weisheit das zur höchsten Priorität erklärt hat. Er hat gesehen, daß die Ehrfurcht gegenüber Gott, das Staunen vor seiner Majestät und der Glaube der Menschen von Theologen, Pfarrern und Bischöfen, die die Dokumente des 2. Vatikanischen Konzils in einer sehr liberalen und so nicht intendierten Weise auslegen, weggeworfen worden ist. Er hat sich einmal folgendermaßen zu den ursprünglichen Absichten des Konzils geäußert: „Wer wie ich in der Zeit der Liturgischen Bewegung am Vorabend des II. Vatikanischen Konzils von dieser Einsicht berührt wurde, kann nur mit großer Trauer vor der Zerstörung genau dessen stehen, worum es gegangen war.“ (Vorwort zu Reid, Die organische Entwicklung...)

Es ist kein Zufall, daß viele diözesane Liturgisten sich seitdem als entschiedene Dissidenten erwiesen haben oder daß ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz von ihnen praktizierende Homosexuelle sind. Die Liturgie hat das Vermögen, zu formen oder zu deformieren, zu inspirieren oder zu korrumpieren.

Die vielfältigen Mißbräuche oder zerbrochenen Fenster reichen hier von ganz groben bis zu kaum merklichen Dingen. Da gibt es Priester, die willkürlich Gebete in inklusiver Sprache umformulieren, was sehr oft vorkommt, aber auch ansonsten sehr fromme Priester, die selbst keine Kommunion austeilen, damit sie dien Tätigkeitsbereich der als außerordentliche Kommunionspender agierenden Frauen nicht einschränken. Oft ist die Liturgie zur Unterhaltung geworden.

Die am weitesten verbreitete Mißachtung universaler kirchlicher Normen, die sowohl bei dissidierenden als auch ganz normal gläubigen Priestern vorkommt, ist der völlig übertriebene Einsatz außerordentlicher Kommunionspender, die oft als „Ministers of the Eucharist“ bezeichnet werden. Obwohl Rom dazu wiederholt Richtlinien erteilt hat, werden diese Regeln von Pfarrern und Bischöfen gewohnheitsmäßig ignoriert. So geben sie ihren Herden ein ganz besonders sichtbares Zeichen von Unordnung: „Wir machen es so, wie wir für richtig halten“, oder auch, daß sie zuviel Angst vor den Feministen in der Pfarrei oder der Diözese haben, um das Richtige zu tun. Wenn man ehrlich sein will, muß man sogar sagen, daß viele Pfarrer, die sich an diese Regeln halten wollen, nicht nur keine Unterstützung von ihren Bischöfen erhalten, sondern direkt aufgefordert werden, gegen die Regeln der Kirche zu verstoßen.

Wenn die Strategie des zerbrochenen Fensters funktionieren soll, darf kein einziger Verstoß gegenüber den allgemeinen liturgischen Vorschriften (im Unterschied zu den oft unzureichenden Vorgaben der Ortsdiözese oder der nationalen Bischofskonferenz) hingenommen werden. Sonst kann es nicht funktionieren.

Priester, Diakone und Bischöfe sind die Lehrer, die Zeugen für Glauben oder Unglauben, für die Gläubigen, die an der Messe oder anderen Gottesdiensten teilnehmen. Jedesmal, wenn sie gegen das verstoßen, was in einem vom Vatikan approbierten Missale oder anderem Text steht, ist das eine zersetzende Botschaft für die Teilnehmer. Die Botschaft sagt, daß Autorität nur das ist, was man selbst als Autorität anerkennt und daß man als Katholik die Ordnung der Liebe, wie sie von der Kirche zur spirituellen Ernährung der Gläubigen aufgestellt wurde, ignorieren darf.

Was also soll ein glaubenstreuer Bischof tun? Nun, hier haben wir es mit dem auffälligsten von allen zerbrochenen Fenstern zu tun, und einem, für das man etwas tun kann.

Der Bischof kann zunächst sicherstellen, daß in seiner Kathedrale und bei allen Liturgischen Zeremonien, die von seiner Kanzlei ausgerichtet werden, jede liturgische Einzelheit so arrangiert wird, daß der Papst das billigen könnte.

Er kann aber noch über diese Grundbedingung hinausgehen, indem er die allzuoft auf die Menschen hin ausgerichtete Inneneinrichtung der Kirchen verändert. Er kann diejenigen ermutigen, die die Kommunion im Knien und auf die Zunge empfangen wollen, so wie Papst Benedikt das ganz klar bevorzugt. Er kann sicherstellen, daß die Musik bei allen Veranstaltungen unter seiner direkten Zuständigkeit wahrhaft erhebend und ehrfurchtsvoll ist, mit vielen traditionellen Gesängen, so wie der Papst das ebenfalls betont hat. Und er kann dafür sorgen, daß seine Kathedrale eine Ort ist, der zum Beten einlädt, der für jedermann klar als Ort des katholischen Gottesdienstes erkennbar ist und zu allen angemessenen Zeiten denen zum stillen Gebet offen steht, die dieses Bedürfnis verspüren.

Wenn er das soweit in Gang gebracht hat, könnte der Bischof dazu übergehen, all seine Priester über die Bedeutung dieser Veränderungen aufzuklären und zunächst diejenigen, auf deren Bereitschaft er bauen kann, dazu aufzufordern, das nachzuahmen. Letztlich kann er dann Pfarrei für Pfarrei und Schule für Schule darangehen, nach seinem Vorbild die ganze Diözese umzugestalten.

Was hat das damit zu tun, daß Katholiken ihre Stimme für Politiker abgeben, die für die Abtreibung oder die „Homo-Ehe“ eintreten? Sehr viel. Es geht darum, wieder ein gemeinsames Verständnis davon herzustellen, was das denn heißt: Gott zu verehren. Von daher wird sich dann auch die Neigung entwickeln, weiter zu gehen und als Christen in der Gesellschaft zu leben und zu handeln – mit überaus positiven Auswirkungen auf die gesamte Kultur.

Hierzu wäre noch viel zu sagen. Aber das Wesentliche liegt darin, daß eine Reparatur der vielen zerbrochenen Fenster in der Liturgie in den meisten Diözesen durchaus machbar erscheint und dann auch beträchtliche positive Auswirkungen auf schwierigere Probleme haben wird. Genau so funktioniert die „Strategie des zerbrochenen Fensters“.

2. Diözesane Gebet- und Gesangbücher

Es obliegt dem Bischof, die liturgischen Texte und die Gesangbücher für den Gebrauch in seiner Diözese zu genehmigen. Das ist seit vielen Jahren die Quelle ernster Probleme wenn es um geschlechtsneutral, politisch korrekt oder ideologisch veränderte Texte geht, die den Glauben und die Treue der Katholiken beeinträchtigen. (...)

3. Diözesane Publikationen

Schon ein Artikel oder eine Anzeige in einer diözesanen Veröffentlichung, die Glaubenswahrheiten oder die Morallehren der Kirche in einer wichtigen Sache in Frage stellt oder bezweifelt, ist ein zerbrochenes Fenster. Damit wird all das Gute, was dort sonst noch veröffentlicht wird, untergraben. Die Botschaft, die davon ausgeht, ist im besten Falle zweideutig und zeigt in jedem Fall, daß die Autorität schwach ist und angefochten werden kann. Gleichgültig, ob eine Publikation sich an den Klerus oder an die Allgemeinheit richtet, kann das weitreichende Schäden verursachen.

Warum gibt man Milliarden für Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehgesellschaften aus? Weil feststeht, daß die Medien das Verhalten beeinflussen. Bischöfe unterschätzen oft die Schäden, die daraus entstehen, wenn sie die Redakteure der diözesanen Publikationen gewähren lassen. (...) Wenn er die Dinge treiben läßt, werden alle Bemühungen des Bischofs untergraben und die Probleme werden immer größer, wenn mehr und mehr fragwürdige Artikel erscheinen und die Einheit im Glauben sich auflöst.

4. Schulbücher

Schulbücher für Religion sollten eine Genehmigung durch die Diözese erhalten. Seit vielen Jahrzehnten werden katholischen Schülern und Lehrern grauenhafte Schulbücher zugemutet. Das hat unermeßliche Schäden verursacht. Wenn der Bischof die Lehrer und die Verleger schon nicht erreichen kann, kann er zumindest nur glaubenstreue Schulbücher für den Religionsunterricht in seiner Diözese zulassen. Dieses zerbrochene Fenster kommt sehr oft vor, und bis jetzt wurde sehr wenig dagegen getan.

5. Geistliche Kleidung der Diözesanpriester

Entweder ist jemand Priester oder er ist Laie – entsprechend gilt das auch für Schwestern und Nonnen. Wenn man einen Priester dauernd in Jeans und Pulli sieht und er nach der Messe nicht schnell genug wieder seinen Zivilanzug anziehen kann, sendet das ein verwirrendes und schädliches Signal an seine Umgebung. Das ist ein größeres zerbrochenes Fenster, als es vielen Klerikern bewußt ist.

Rom und die Päpste haben wiederholt die Bedeutung angemessener geistlicher Kleidung als Zeichen unter den Menschen dafür unterstrichen, daß sie sich Gott und dem Dienst an den Menschen geweiht haben. Rechtlich ist das alles ganz klar geregelt – aber trotzdem verstoßen viele Priester und sogar Bischöfe häufig gegen dieses Gebot der Nächstenliebe.

Damit bezeugen sie einen Geist des Stolzes und des Ungehorsams – und dann wundern sie sich, warum die Leute einen schwachen Glauben haben und ihre religiösen Pflichten vernachlässigen. Mit ihrem schlechten Beispiel, das das Priestertum als einen 8-Stunden-Job erscheinen läßt und den Eindruck erweckt, Priester würden sich schämen, immer als Priester erkennbar zu sein, entmutigen sie Berufungen.

Ich werde nie jene diözesane Veranstaltung vergessen, zu der sich alle Priester einer Diözese versammelten, und wo der örtliche Erzbischof in einem farbenfrohen Hawaii-Hemd erschien, während die meisten seiner Priester in Schwarz gekommen waren. Sehr seltsam und irritierend.

6. Die Hauptverwaltung

Vor allem in größeren Diözesen bezeichnen die Priester das Ordinariat oft als „Hauptverwaltung“. Das kommt daher, daß die Zentrale mancher Diözesen in der Tat wie die kalte Hauptverwaltung eines Unternehmens aussieht und auch so funktioniert. Der Bischof verhält sich wie ein Vorstandsvorsitzender, und die Priester haben regelrecht Angst vor dem Management. Das Ordinariat ist nicht wie das väterliche Haus, in dem man Nahrung, Unterstützung und Anregungen erhält, sondern der Ort, an dem es Befehle, Tadel und Formalien gibt. Auch die Laien, die dorthin kommen, um ihren Bischof oder andere Amtsinhaber der Diözese zu besuchen, werden durch diese geschäftsmäßige Formalität eingeschüchtert.

Überall in solchen „Hauptverwaltungen“ scheinen Rechtsanwälte, Professoren und Apparatschiks zu sitzen, die alles kontrollieren. Wo sich das so verhält, ist sogar eine sehr große Glasscheibe zu reparieren – einem guten Bischof sollte das gelingen.

Auf den ersten Blick wie geheilt: Dieses Fenster wurde aus Trümmerresten zerstörter Fenster zusammengesetzt.

7. Ehevorbereitungskurse

In vielen Ehevorbereitungskursen werden schlimme Irrtümer zur Glaubens- oder Morallehre der Kirche verbreitet, oft werden moralische Probleme und Fragen der Sexualität heruntergespielt oder ganz weggelassen, weil die Dozenten mit der Lehre der Kirche nicht übereinstimmen oder weil sie nicht den Mut haben, diese Probleme so wie erforderlich zu behandeln. Dieses zerbrochene Fenster kann Unordnung in die Ehevorbereitung und dann auch in die Ehen dieser gefährdeten Paare bringen. Gemeinsame Ausbildungsprogramme und Kursmaterialien bieten sich zur Reparatur an.

8. Ungeeignete Referenten in Räumen der Diözese.

Das Auftreten von Politikern, die für die Abtreibung oder die Homo-Ehe eintreten, bei Veranstaltungen in Räumen der Diözese ist eine weiteres großes zerbrochenes Fenster, das dringend zu reparieren ist. Das gilt auch für Veranstaltungen, bei denen dissidierende Priester oder Nonnen von außerhalb der Diözese auftreten.

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Diese Liste mit 8 Punkten ist keinesfalls vollständig. Es gibt in den Diözesen noch viele andere Problem, die in die Kategorie der zerbrochenen Fenster fallen, dazu andere sichtbare, weniger gravierende Dinge - Graffiti an den Kirchenwänden sozusagen, gegen die man nichts tut, aber die alles in allem zu einem Klima beitragen, in dem die schlimmsten Mißbräuche und Verfehlungen entstehen oder andauern. Aber alles in allem kann dieser Ansatz von den „zerbrochenen Fenstern“ einem Bischof eine große Hilfe sein, wenn er darangeht, als ersten Schritt zur Wiedergewinnung eines kulturellen Einflusse für die Kirche seine Diözese wieder in Ordnung zu bringen.


Der Schlachtruf „Save the Liturgy, save the World“ wurde von Fr. John Zuhlsdorf geprägt und seitdem unermüdlich verbreitet. (Hier die Begründung)