Motu Proprio: Summorum Pontificum

Hauptnavigation


Zusatzinfo

Der Kampf um das Konzil

Nur über unsere Leiche
Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zur Aufhebung der Exkommunikation der FSSPX-Bischöfe

05. 3. 2002

Das Original dieser „Erklärung der deutschen Bischöfe zum gegenwärtigen Weg der katholischen Kirche, Hamburg, 5. März 2009“ finden Sie auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz. Es ist nicht bekannt, wieviele Bischöfe diesem Text widersprochen haben – es ist letztlich auch irrelevant: Solange die Minderheit sich der Majorisierung nicht wirkungsvoll widersetzt, muß sie eben den Weg in die deutsche Nationalkirche mitgehen. Seit ihrem Erfolg gegen Pfarrer Wagner trumpfen die Neufebronianer auf wie schon lange nicht mehr.

Wie „informierte Kreise“ in Hamburg erklärten, rechnen die Wortführer der Los-Von-Rom Bewegung-Bewegung damit, eine Wiedereingliederung der Piusbruderschaft werde Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern – sie wollen, das liegt auf der Hand, diesen Tag nicht erleben. Und so lange sie leben, werden sie alles tun, die Rückkehr der Piusbruderschaft in die Ordnung der Kirche zu verhindern. Dafür haben die Konzilsgeister nicht jahrzehntelang alle, die an der ganzen Tradition und der ganzen Lehre und der ganzen Spiritualität der Kirche festhielten, aus den modernitäts-kompatibel gemachten Priesterseminaren herausgeworfen, um jetzt katholische Identität „durch die Hintertür“ wieder hereinkommen zu lassen: Nur über unsere Leichen.

Logo der Bischofskonferenz

Die Aufhebung der Exkommunikation, mit der vier Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. seit zwanzig Jahren belegt waren, hat in Deutschland und weltweit innerhalb und außerhalb der Kirche zahlreiche Reaktionen ausgelöst, über die wir während der Frühjahrs-Vollversammlung 2009 ausführlich beraten konnten. Dabei haben sich einige Überzeugungen gefestigt, denen wir besondere Bedeutung beimessen.

1.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat sich selbst von der katholischen Kirche abgespalten. Es ist Bischöfen und Priestern, die der Bruderschaft angehören, auch nach der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe nicht gestattet, die Heilige Messe zu feiern oder andere Sakramente zu spenden. In besonderer Weise verstoßen die für dieses Jahr angekündigten Heiligen Weihen der Priesterbruderschaft gravierend gegen die Ordnung und das Recht der Kirche. Wir werden den Apostolischen Stuhl um eine baldige Erklärung bitten, welche rechtlichen Folgen ein Bischof auf sich zieht, der sie vornehmen würde. Die Verantwortlichen in der Kurie sollten darüber hinaus rasch Verbesserungen im Bereich der internen Abstimmung und der Kommunikation mit den Bischofskonferenzen herbeiführen. Dies gilt besonders für Konfliktsituationen.

Der erste Satz sagt schon alles: In dem Augenblick, in dem der Papst sich um die Einheit bemüht, betonen die Bischöfe die Spaltung. Faktisch verlangen sie die Selbstauflösung der Bruderschaft und drohen für den Fall, daß diese sich ihren Forderungen nicht beugt, unverholen damit, von Rom die erneute Exkommunikation der Bischöfe zu verlangen. Da sind sie ganz mittelalterlich rigide. Und außerdem verlangen sie, bei allen Entscheidungen des Papstes beteiligt zu werden - Kollegialität heißt für die Konzilsgeister: Rom tut, was wir wollen - oder wir blockieren vor Ort alles, was uns mißfällt. Linz läßt grüßen.

2.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. befindet sich deshalb nicht in Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, weil sie sich außerhalb der katholischen Tradition gestellt und die Einheit mit dem Papst aufgekündigt hat. Es liegt an der Priesterbruderschaft, das Schisma zu überwinden und durch einen Prozess der Wiedereingliederung die Einheit mit dem Papst und der Lehre der Kirche herzustellen. Der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. hat ihr dazu durch die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe als einer Geste des Entgegenkommens die Hand gereicht. Es obliegt dem Apostolischen Stuhl zu klären, ob die Priesterbruderschaft bereit ist, die Glaubensüberzeugung der ganzen Kirche und besonders die Lehre der Päpste und Konzilien eindeutig zu bejahen und anzunehmen. Die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils gehören unaufgebbar zur katholischen Tradition, nicht zuletzt die Texte über die Religionsfreiheit und die Beziehungen zu den nichtchristlichen Religionen, über den Ökumenismus und über die Kirche in der Welt von heute sowie die Aussagen über die Kollegialität der Bischöfe in ihrem Verhältnis zur päpstlichen Autorität.

Wo der Papst und die Kurie den Spalt – nichts anderes heißt "„Schisma“ - schließen wollen, versuchen die Bischöfe, ihn zu vertiefen. „Wiedereingliederung“ klingt auch hier nach Selbstauflösung: Nur völlige Unterwerfung unter die Ortsbischöfe soll einzelnen handverlesenen Pristern der Bruderschaft den Weg zurück ermöglichen. Über die zur „unaufgebbaren katholichen Tradition“ erklärten Dokumente des 2. Vatikanums wird noch an anderer Stelle zu sprechen sein. Unser Kurzkommentar: „Chuzpe!“

3.

Wir bedauern, dass in diesem Zusammenhang auch Unsicherheit über den Weg der Kirche aufgekommen ist. Wir haben dies in Gesprächen und Zuschriften erfahren. Viele Bischöfe haben sich dazu schon zu einem frühen Zeitpunkt klar geäußert. Die theologischen und pastoralen Maßgaben vor allem des Zweiten Vatikanischen Konzils sind die selbstverständliche Grundlage unseres Bemühens, die Kirche in Deutschland geistlich zu erneuern und der Antwort des Glaubens auf die religiösen Fragen unserer Zeit in Wort und Tat neue Kraft zu verleihen. Wir hoffen, dass die vergangenen Wochen ein neues Interesse an der Dynamik und den Orientierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils geweckt haben. Diese Chance wollen wir nutzen.

Und wer hat die beklagenswerte Unsicherheit ins brave fromme deutsche Kirchenvolk gebracht: Der Papst – wer denn sonst. Ansonsten ist bemerkenswert, daß in diesem Absatz nur noch gedämpft von der ganzen Tradition der Kirche die Rede ist, sondern „vor allem“ von den „theologischen und pastoralen Maßgaben ... des Zweiten Vatikanischen Konzils“. Die Beschwörung der „Dynamik und der Orientierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils“ macht dann vollends klar, worum es geht: Um den Geist, und nicht um die seit vier Jahrzehnten gerade von deutschen Bischöfen mit Mißachtung gestraften Dokumente des Konzils.

4.

Auf einer früheren KonferenzBild: DPA

Besonders bedrückend sind die Holocaust-Leugnung eines Bischofs der Priesterbruderschaft St. Pius X. und entsprechende antisemitische Strömungen in der Priesterbruderschaft. Es fehlt bislang eine ernsthafte Distanzierung der Betreffenden von solchen inakzeptablen Haltungen, wie sie der Apostolische Stuhl schon früh gefordert hat. Papst Benedikt XVI. hat mehrfach unmissverständlich zur Geltung gebracht, dass die katholische Kirche den Antijudaismus und Antisemitismus verwirft. Wir freuen uns, dass der Heilige Vater auch in den zurückliegenden Wochen den Dialog mit herausragenden jüdischen Vertretern fortsetzen konnte. In Deutschland haben einige bedeutsame Begegnungen mit jüdischen Repräsentanten stattgefunden, in denen es Gelegenheit gab, über Sorgen und Befürchtungen offen zu sprechen und die wechselseitige Verbundenheit zu vertiefen. Wir sind dafür sehr dankbar und setzen diese Bemühungen fort.

Den Hebel, den Bischof Williamson den Gegnern der Einheit in die Hand gegeben hat, werden sie so schnell nicht aufgeben. Und sie bedienen sich seiner pausenlos, selbst auf die Gefahr hin, daß das Gebot „Du sollst nicht den Holocaust“ leugnen, als einziges und höchstes des christlichen Glaubens erscheinen könnte. Nach Bischof Trelle, der sich den Protestanten verbundener fühlte als der Piusbruderschaft, steht hier die Verbundenheit „mit jüdischen Repräsentanten“ im Vordergrund: Seid umschlungen, Millionen, die Einheit des Menschengeschlechtes ist fast vollendet.

5.

Leider fielen in den letzten Wochen auch Äußerungen zu den aktuellen Ereignissen, die die Zusammenhänge verzerrt und polemisch darstellten. Auch im Innenraum der Kirche gab es Stimmen und Aktivitäten, die lieblos, extrem einseitig oder gar herabsetzend waren und der Einheit geschadet haben. Wir beklagen diesen Stil des Umgangs miteinander. Vor allem weisen wir jeden Versuch zurück, das Ansehen und die Integrität des Papstes in Zweifel zu ziehen, die katholische Kirchenverfassung zu negieren und spalterisch zu wirken.

Im letzten Satz des letzten Punktes eine scheinbare Reverenz vor dem Papstamt. Scheinbar deshalb, weil nicht nur in dieser Erklärung eher unterschwellig, sondern auch in vielen anderen Äußerungen aus bischöflichem oder professoralem Munde ganz offen gesagt wird, daß man – wenn nicht den Papst selbst – so doch die Kurie beschuldigt, „die katholische Kirchenverfassung zu negieren und spalterisch zu wirken“.

Ob es eine volle Gemeinschaft der Priesterbruderschaft St. Pius X. mit der katholischen Kirche geben wird, ist noch nicht geklärt. Vieles scheint bis jetzt dagegen zu sprechen. Aber nicht diese Frage kann uns vorwiegend bewegen, sondern die Sorge um die Stärkung und Erneuerung des kirchlichen Lebens und um dessen Bezeugung im konkreten, vielgestaltigen Dienst. In diesem Bemühen wirken wir mit den Priestern und Diakonen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im kirchlichen Dienst und mit allen Gläubigen zusammen, die auf vielfache Weise ihre Kraft und ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Die Kirche lebt aus diesem Miteinander des Engagements und der Gaben, um der Sendung des österlichen Herrn zu entsprechen. Ihm vertrauen wir uns einmütig an, um seinen Segen bitten wir.

Dem können wir uns anschließen: „die Sorge um die Stärkung und Erneuerung des kirchlichen Lebens“ macht uns schwer zu schaffen. Der Zustand der deutschen Kirche ist miserabel – wir haben aber große Zweifel daran, daß diejenigen, die ihn zu verantworten haben, in der Lage sein werden, etwas dagegen zu unternehmen.


  

Zum Abschluß veröffentlichen wir hier ein Diagramm mit der Leistungsbilanz der deutschen Bischöfe in den letzten Jahrzehnten, Quelle für Zahlen und Grafik: Deutsche Bischofskonferenz.