Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Nachruf auf Pater Andreas Hönisch

Wir haben einen treuen Freund verloren

Von Wolfgang Graf, IK-Nachrichten 2008-2

Pater Andreas Hönisch † am 25. Januar 2008

Pater Hönischs unschätzbare Verdienste sind in diesen Tagen von vielen gewürdigt worden, auch von unseren Initiativen schon am Todestag in einer Erklärung an die Medien. Gestatten Sie mir, dass ich an dieser Stelle nur einige wenige persönliche Eindrücke schildere.

Als ich in den 80er Jahren durch eine glückliche Fügung die KPE entdeckte und froh war, einen katholischen Jugendverband gefunden zu haben, der diesen Namen mit Recht trug und dem man seine Kinder tatsächlich anvertrauen konnte, ergaben sich bald auch persönliche Kontakte zum Bundeskuraten P. Hönisch, u. a. wenn es galt, auf Veranstaltungen gemeinsam Anfeindungen entgegenzutreten, die sich gegen seine KPE richteten.

Auf einer Autofahrt erzählte er mir von seinem Verhältnis zur überlieferten Liturgie der Kirche. Gehorsam zelebrierte er die hl. Messe vielen Jahre lang in der Form von 1969, dies aber immer in der Weise, die der alten Form am nächsten kam, und immer in deren Geist. Als es 1988 möglich wurde, wieder in jener alten Form zu zelebrieren, erbat er sich sofort das "Zelebret", die Erlaubnis dazu, die er auch erhielt. Mit seinem Ministranten, einem alten Messner, trat er zum Stufengebet an den Altar, aber schon beim Vers "Introibo ad altare Dei, ad Deum qui laetificat iuventutem meam." konnten beide nicht mehr weitersprechen, weil ihnen die Tränen kamen. Ich vergesse nie mehr P. Hönischs Worte, als er mir das erzählte: "Ich wußte, jetzt bin ich wieder zuhause angekommen." Deshalb war es sein Bestreben, auch andere wieder "nach Hause" zu führen, selbst wenn sein Orden bewußt birituell konzipiert war.

Als er die ersten Ordensmitglieder im halbverfallenen und nur leihweise überlassenen Kapuzinerkloster von Mussenhausen um sich sammelte, setzte er diese Idee in die Tat um. Die überlieferte hl. Messe durfte auf Anordnung der Diözese nur bei verschlossener Kirchentüre gefeiert werden - und P. Hönisch hielt sich an das Verbot. Die Kirchentüre blieb zu. Allerdings - wir wohnten ja ganz in der Nähe - erbat und erhielt meine Familie von ihm die Erlaubnis, doch daran teilzunehmen. So schlichen wir uns sonntags in aller Frühe durch die Klostertür und gelangten über halbdunkle Gänge und steile Stufen in die Kirche. Und dort oder in einer provisorischen Kapelle auf der Kirchenempore durften wir endlich wieder jene unterdrückte hl. Messe erleben - unvergessliche Erlebnisse.

Ich möchte nur noch auf eine weitere Tugend von P. Hönisch eingehen, seine Treue zu seinen Freunden gerade in der Bedrängnis. Im Sommer 2000 schien aufgrund starker Anfeindungen das Ende der Initiativkreisbewegung gekommen, vor allem wegen unserer Verbundenheit mit der überlieferten Liturgie. Wir befanden uns damals in Südfrankreich in sehr gedrückter Stimmung. Plötzlich kündigte P. Hönisch seinen Besuch an. Er betreute gerade Pfadfindergruppen in den französischen Alpen. In einem alten, schlecht gefederten Auto ließ er sich von einem Seminaristen 500km quer durch Frankreich fahren. Seine Hüftgelenke schmerzten unerträglich, aber er kam. Dabei gab es keine äußere Notwendigkeit für den Besuch. Wir sprachen auch nicht darüber. Ich wußte aber, es war ein Zeichen der Solidarität. Er hatte nicht vergessen, dass auch wir an anderer Stelle solidarisch mit ihm gewesen waren. Einige Jahre später, als es schien, wir dürften bei unserer großen Wallfahrt die überlieferte hl. Messe nicht mehr in der Basilika feiern, war er es, der spontan versprach, die hl. Messe notfalls für uns auf der grünen Wiese zu feiern. Er blieb ein treuer Freund und nun schmerzlich vermisster Gefährte von Initiativkreisvereinigung und Pro Sancta Ecclesia. Zum Bleiben konnten wir ihn damals in Frankreich übrigens nicht bewegen. Nach dem Kaffee fuhr er trotz seiner Schmerzen wieder all die Kilometer zurück zu seinen Pfadfindern.

Ein Priester hatte mir einmal gesagt - kopfschüttelnd und keineswegs rühmend - P. Hönisch sei imstande, wegen einem einzigen Beichtkind quer durch ganz Deutschland und wieder zurück zu fahren. Jener Priester hatte recht; so war er wirklich. Ich zögere nicht, ihn einen heiligmäßigen Menschen zu nennen, wie ich wenige erlebt habe. Requiescat in pace.