Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Stichpunkte zur Liturgiereform

Ad Orientem

9. 11. 2008

Von Fr. Dwight Longenecker

Wir entnehmen diesen Text dem Blog von Fr. Longenecker, Standing on my Head. Fr. Longenecker, geweiht 2006, ist ehemaliger Geistlicher der Episkopalkirche und hat bei schmalem Gehalt eine Familie zu versorgen. Der „Donate“-Button auf seinem Blog ist keine schicke Zutat, sondern Ausdruck ernster Notwendigkeit. Ein tätiger Besuch dort ist sehr empfohlen.

Fr. Longenecker mit Argument und Wahlspruch:
Speak Softly but Carry a Big Stick

Warum feiere ich – aus der Perspektive des Priesters gesehen – die hl. Messe so besonders gerne „ad orientem“? Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen:

  1. Ich muß mich nicht darum bemühen, den „Präsentations-Modus“ einzuschalten. Wenn ich den Leuten gegenüberstehe, dann betrachte ich sie, so sehr ich mich dagegen wehre, doch mehr als Zuschauer als daß ich mich auf das konzentriere, was ich am Altar tue. Ich bin dann darauf bedacht, wie ich aussehe. Hat mein Gesicht den Ausdruck, den es haben sollte? Sehe ich „fromm genug“ aus? Gebe ich allem die rechte Bedeutung? Warum schlummert da gerade jemand ein? Was muß ich tun, um die Aufmerksamkeit der Gläubigen wiederzugewinnen? Ich möchte beim Zelebrieren an all das nicht denken – aber zu oft passiert es einfach.
  2. Ich kann beten, ohne darüber nachzudenken, wie ich aussehe oder was andere von mir denken. Wenn ich mich konzentriere und dabei die Augenbrauen zusammenziehe geht das, ohne daß ich mir darüber Gedanken machen muß. Wenn mir die Tränen kommen, brauche ich mir keine Sorgen darüber machen, daß ich „die Haltung verliere“ Wenn ich eine Pause machen und in Schweigen verfallen oder stumm in der Sprache der Engel sprechen möchte – das geht. Niemand kann es sehen.
  3. In St. Mary's zeigt das große Ost-Fenster eine erhebende Kreuzigungszene – so kann ich den Blick bei der Feier des Pascha-Mysteriums auf dieses große Geheimnis heften. Ich richte mich auf dieses Geheimnis in farbigem Glas hin aus, statt auf die Gläubigen zu schauen.
  4. Das heißt nicht, daß mir die Leute egal wären. Aber wenn ich in der gleichen Richtung wie sie bete, fühle ich mich ihnen näher als andersherum. Jetzt bete ich mit ihnen und für sie und bringe das hl. Opfer mit ihnen und für sie dar. Wir sind dann mehr „eins“ als ich das jemals vorher empfunden habe. Daß ist überhaupt das stärkste Gefühl, das ich bei der Zelebration „ad orientem“ empfinde.
  5. Ich fühle mich stärker als Teil der großen Tradition So wurde die hl. Messe zwei Jahrtausende lang gefeiert. So fühle ich mich stärker als Teil des großen Glaubensstromes der von den Aposteln auf uns gekommen ist.
  6. Die Gläubigen scheinen es auch zu schätzen. Die Rückmeldungen waren positiv, und nur sehr wenige schienen Probleme zu haben.

Ich bin nicht dagegen, die Messe versus populum zu feiern, und ich denke, man kann auch einige Argumente für diese Form anführen. Ich bin da nicht dogmatisch oder intolerant.

Aber ich weiß, was ich vorziehe.