Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Off topic – oder?

"Natur setzt Gnade voraus. Oder:
Wer erkämpft das Menschenrecht?

Aspekte des Naturrechtsdenkens, verhandelt in Köln

25. 6. 2009

Franz Norbert Otterbeck

Franz Norbert Otterbeck hat in der letzten Zeit mehrfach Beiträge für das östereichische Portal kath.net geschrieben, dem wir uns doch im großen Ganzen verbunden fühlen - selbst wenn wir in manchem andere Akzente setzen. Nun hat die wohllöbliche Redaktion aber nicht nur den untenstehenden Beitrag Otterbecks abgelehnt - was durchaus ihr gutes Recht wäre - sondern gleich auch noch sämtliche vergangenen Beiträge des Autors vom Netz genommen: Den Mitarbeiter F.N.Otterbeck hat es nie gegeben. Und das ist eine Umgangsweise, die wir im Kreise derer, mit denen wir ein gemeinsames Ziel zu verfolgen meinen, nicht akzeptieren können.

(KÖLN, 13. Juni 2009) Gott gibt es. Er gab uns die Natur; und die Gnade. Diese Erkenntnisse des alten Europa wurden im 20. Jahrhundert heftigst bekämpft, nicht nur 1933-45. Seither wächst die Einsicht: Die Würde des Menschen sei unantastbar. Aber der Würdebegriff allein macht es noch nicht leichter, die Natur des Menschen zu verteidigen. Christoph Böhr unternahm anlässlich eines Kolloquiums am 13. Juni 2009 in Köln nachvollziehbare Schritte, um dem Verständnis eine plausiblere Grundlage zu schaffen. Wo zu fragen ist, wer das Recht schütze, müsse man auf die Quellen zurückgehen. Das Grundgesetz gebe schon mit seinem verbindlichen Menschenbild eine anthropologische, eigentlich sogar fast anthropozentrische Antwort. Wer von unantastbarer Würde spreche, der setze sich über den Vorwurf hinweg, man dürfe nicht vom Sein auf das Sollen schließen, denn solcher Universalismus behauptet vorgegebenes Recht. Da aber schon der Anspruch des 'Du sollst' auch Verstöße provoziert, beeinflusse die Lebenswirklichkeit das Rechtsbewusstsein und umgekehrt.

Der rheinische Politiker Böhr lobte vor interdisziplinär-akademischer Kulisse insbesondere den Beitrag bundesdeutscher Verfassungs-Gerichtsbarkeit, die aufs Ganze gesehen die Wertentscheidungen des Grundgesetzes hochgehalten habe.

Der Zuhörer vermisste angesichts solch luzider Ausführungen vielleicht ein noch prägnanteres 'Woher?' gegenüber den viel beschworenen Maßstäben. Soll etwa die Kirchlichkeit unentwegt 'Maßstäbe' liefern, nur damit diese von der Politik auf Halde entsorgt werden? Die geltende Grundordnung deutscher Politik wehrt sich zwar gegen die Historisierung oder auch 'Naturalisierung' des Sittengesetzes. Aber ist diese nicht längst 'durch'?

Einführend hatte der Sprecher des Lindenthal-Instituts für den Veranstalter bereits aufgezeigt, dass wer auch nur Naturrecht sagt, auch immer Vernunftrecht meine. Denn nur so wie die menschliche Vernunft die Natur des Zusammenlebens erkenne, so erkenne sie auch, dass eine höhere Verantwortung sein 'müsse'. Das ist alles andere als Biologismus. Berthold Wald aus Paderborn wagte es deshalb, die große 'ontologische Frage', woher der Mensch komme, einmal auszuklammern, um in zeitgemäßer Interpretation des Thomismus zu konstatieren: Wir alle lassen einander alltäglich gelten. Im Handeln werde immer Geltung vorausgesetzt. Damit hatte der Philosoph die Erörterung freilich auf eine Ebene gehoben, die Anstrengung abverlangte. Gut bereitet war somit der Boden für Manfred Spieker, der den Teilnehmern des Kolloquiums schließlich die Lehre aus 'Dignitatis personae' (2008) vor Augen führte. Genau vierzig Jahre nach 'Humanae vitae' (1968) festigt diese Erklärung der Glaubenskongregation den katholischen Standpunkt angesichts neuer Herausforderungen. Besonders deutlich fällt das römische Veto gegen embryonale Stammzellverwertung aus (ebd., Nr. 34-35), gerade weil der Bundestag sich zu einem andersartigen Beschluss ermächtigte.

Die Kirche will nicht Gesetzgeberin sein, aber sie weist ohne Unterlassung auf das Gesetz über den Gesetzen hin. Im Herbst wird ein weiterer Abend zu den strenger juristischen Aspekten des Themas folgen. Aber der Naturrechtsgedanke ist keineswegs am Ende. Er bewährt sich gerade neu, sozusagen von Gottes Gnaden.