Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Kurzer kirchenrechtlicher Hinweis:

Der „Beschluß“ des Pfarrgemeinderates von St. Peter/München gegen die Feier von Messen im überlieferten Ritus

8. 3. 2010

Von Mag. theol. Michael Gurtner

Derzeit ist in den Medien zu lesen, daß der Pfarrgemeinderat der bekannten und von vielen romtreuen Katholiken geschätzte Pfarre St. Peter „beschlossen“ habe, daß es keine Messen nach der außerordentlichen Form des römischen Ritus geben werde.

Wörtlich heißt es im Sitzungsprotokoll vom 14. Januar 2010: „Der PGR (Pfarrgemeinderat, Anm. der Redaktion) hat einstimmig beschlossen, dass in St. Peter keine Messen nach tridentinischem Ritus abgehalten werden, da diese bereits in der Damenstiftskirche angeboten werden“.

Hierzu ist aus kanonistischer Sicht folgendes festzuhalten:

  1. Das Missale von 1962 war niemals abrogiert und somit letztlich seither immer in Geltung. Doch spätestens seit dem Motu Proprio vom 07.07.07 ist klar, daß der Gebrauch des Missale von 1962 (bzw. der entsprechenden Ritualien des sog. tridentinischen Ritus) ein Recht darstellt, kein Privileg. Das Motu Proprio ist ein päpstliches Dokument mit bindendem Rechtscharakter: es ist universales Kirchenrecht welches vom höchsten kirchlichen Gesetzgeber promulgiert ist. Keine unter diesem höchsten Gesetzgeber kann, gemäß can. 135 § 2, ein Gesetz gültig erlassen, welches einem höheren Gesetz widerspricht.
  2. Umgekehrt ist aber auch zu sagen, daß es keine Verpflichtung gibt, von diesem Recht aus eigenem Antrieb aus Gebrauch zu machen. Solange also weder von Gläubigen, noch von einem betreffenden Priester der Wunsch besteht, gemäß den Vorgaben von Summorum Pontificum eine Messe nach dem alten Usus zu lesen, ist es daher aus kanonistischer Sicht legitim, von Recht und Möglichkeit, welches Summorum Pontificum den Gläubigen bietet, nicht Gebrauch zu machen. Von daher ist es legitim, daß eine Pfarrer nicht von sich aus eine regelmäßige heilige Messe nach den Büchern von 1962 in seiner Pfarre zelebriert.
  3. Eine Verpflichtung hingegen besteht sehr wohl dahingehend, daß Priestern und Gläubigen, welche dies wünschen, eine Heilige Messe in der außerordentlichen Form zu ermöglichen ist. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang auf Art. 5 §§1-3 zu verweisen, welcher sich speziell auf die Pfarren bezieht. Bei einem Verstoß ist zu verfahren wie in Art. 7 angegeben. Sollte es also in der Münchner Pfarre St. Peter Gläubige geben, welche dennoch eine Heilige Messe nach dem Missale Johannes XXIII wünschen steht es ihnen offen, sich zuerst an den Pfarrer zu wenden, welcher das Recht hat nach diesem Missale zu zelebrieren. Sollte er dies verwehren und sich auch keine andere Lösung finden lassen (etwa durch einen weiteren Priester), so können sich die Gläubigen an ihren Ortsordinarius wenden, und, sollte auch dies nicht zum Ziel führen, an die zuständige römische Kommission Ecclesia Dei.
    Solle es der Pfarrer selber sein, welcher eine Zelebration nach dem Missale 1962 wünscht, so kann er dies ohne weiteres tun ohne daß er jemanden fragen müßte, er bedarf keinerlei Erlaubnis und hat das Recht zu einer solchen Zelebration. Der Pfarrgemeinderat kann ihm dies nicht verbieten.
  4. Was den Pfarrgemeinderat selbst angeht, so ist daran zu erinnern, daß er nach can. 536 § 2 eine Einrichtung mit rein beratendem Recht ist – der Pfarrgemeinderat (im CIC wird er Pastoralrat genannt) hat in keinem Falle gesetzgebende oder beschlußfassende Befugnisse: „Der Pastoralrat hat nur beratendes Stimmrecht und wird durch die vom Diözesanbischof festgesetzten Normen geregelt.“
  5. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß in der „Satzung für Pfarrgemeinderäte der Erzdiözese München und Freising“ vom Mai 2005 (u.a.) in § 2 dem Pfarrgemeinderat beschließende Kompetenzen für Angelegenheiten der Pfarre zuerkannt werden, da dies gegen das höhere universale Kirchenrecht steht, welches ausdrücklich von einem „voto … tantum consultivo“ spricht. Der Pfarrgemeinderat kann allein für sich als Gremium Beschlüsse fassen, nicht aber Beschlüsse, welche den Pfarrer in seinem Leitungsamt binden würden.
  6. Davon abgesehen legt § 8 der Satzung, welche die Beschlußfassung regelt (und auf Grund von § 2 können wir nicht davon ausgehen, daß sich der Beschlußfassungsparagraph im Sinne des diözesanen Gesetzgebers tatsächlich nur auf universalrechtlich legitime Beschlüsse bezieht), ausdrücklich fest, daß keine Beschlüsse gefaßt werden können, welche gegen das universale Kirchenrecht stehen (und diesem ist auch das Motu proprio Summorum Pontificum zuzurechnen), gefaßt werden können: „Beschlüsse, die der verbindlichen Glaubens- und Sittenlehre oder dem allgemeinen oder diözesanen Kirchenrecht widersprechen, können nicht gefasst werden. In Zweifelsfällen entscheidet der Erzbischof unter Angabe der Gründe.“
  7. Aus diesen Gründen ist der „Beschluß“ des Pfarrgemeinderates von St. Peter ungültig und für niemanden bindend, schon gar nicht für den Pfarrer von St. Peter. Es steht ihm und allen anderen frei, nicht von sich aus hinsichtlich des Motu Proprios vom 07.07.07 aktiv zu werden und auf das Recht zur Zelebration nach den Büchern von 1962 zu verzichten. Umgekehrt kann ihm aber auch niemand das recht nehmen, dies zu tun, ebenso wie er auch die Pflicht hat, einem eventuellen dahingehenden Wunsch der Gläubigen nachzukommen, welche im Falle einer negativen Antwort seiten des Pfarrers der Instanzenweg offensteht.