Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Ein grauenhafter Brief aus Leeds

Damian Thompson über einen weiteren Versuch, die Gesetzgebung des Papstes zu konterkarieren

Der Bischof sitzt vergnügt Zeitung lesend in einem Sessel

Bischof Roche von Leeds

Der katholische Bischof von Leeds, S. E. Arthur Roche – möglicherweise ein zukünftiger Erzbischof von Westminster – hat einen seinen Priestern zur Freigabe der traditionellen hl. Messe durch den Papst einen Brief mit „Hilfestellungen“ geschrieben. Und es ist einfach grauenhaft.

Letzten Endes sagt der Bischof darin: „Die neuen Gesetze finden hier in Leeds keine Anwendung“. Dabei verkennt er nicht nur den Inhalt des Apostolischen Briefes – er kann noch nicht einmal seinen Titel richtig schreiben, durchgängig spricht er von „Summorum Pontificium“ statt von „Summorum Pontificum“.

Bischof Roche beginnt damit, daß er seinen Priestern sagt, „der eigentliche Grund seiner Gesetzgebung ist, die einheit in der Kirche wiederherzustellen und jenen, die bis jetzt die liturgischen Reformen und vielleicht auch die Lehren des zweiten vatikanischen Konzils nicht akzeptiert haben, einen Weg zurück zur vollen Gemeinschaft zu ermöglichen“.

Es geht nicht nur um Lefebvre

Mit Verlaub gesagt: Das ist nicht der eigentliche Grund seiner Gesetzgebung. Ich habe die Verordnung hier auf dem Schreibtisch vor mir liegen, und obwohl sie auch ganz deutlich darauf abzielt, die Versöhnung mit den rebellischen Lefebvristen zu erleichtern, sagt der Papst auch, daß seine Verordnung sich an die jungen Katholiken richtet, die ihre Liebe für die traditionelle Liturgie entdeckt haben.

Die Absicht des Papstes geht dahin, die ältere Form der hl. Messe Katholiken jedes Alters zugänglich zu machen, wo auch immer sie wohnen. Und um sicher zu stellen, daß das geschieht, hat er den Diözesanbischöfen das Recht genommen, Feiern in der „außerordentlichen Form“, wie es jetzt heißt, zu kontrollieren.

Aber Bischof Roche sieht das anders. In dem ganzen Brief spricht er in einem Ton, als ob die Verantwortung für die alte Lliturgie seine Sache wäre. Ja, noch mehr, da er „keine Kenntnis davon hat“, daß es eine Nachfrage für die alte Liturgie über die bereits in Leeds bestehenden Möglichkeiten hinaus gibt, meint er, es sei unwahrscheinlich, daß er irgendwelche Anordnungen treffen werde, allerdings wolle er die „Angelegenheit noch weiter bedenken“.

Der Papst hat den Bischöfen die Sache aus der Hand genommen

Er fügt hinzu: „Aus dem Brief des heiligen Vaters geht klar hervor, daß die Entscheidungen in dieser Sache mir als dem Bischof zustehen“. Nein, das ist überhaupt nicht klar. Im Gegenteil, es scheint klar zu sein, daß der Papst die „Entscheidung“ aus den Händen der Diözesanbischöfe genommen hat, und zwar aus dem sehr guten Grund, weil man ihnen nicht vertrauen kann, seine Wünsche auszuführen.

Dabei könnte man bis zu diesem Punkt vielleicht noch über Bischof Roches kleinliche Interpretation von Summorum Pontificum diskutieren – und ich bin überzeugt, daß der Papst einiges dagegen zu sagen hätte. Aber dann sagt er etwas sehr übles: „Es muß daran erinnert werden, daß die kanonische Begrenzung der Bination in Kraft bleibt“.

Wie bitte? „Bination“ nennt man es, wenn ein Priester zweimal an einem Tag die hl. Messe feiert. Theoretisch braucht er dafür eine Genehmigung des Bischofs, aber da praktisch jeder Gemeindepriester in der Welt zumindest Sonntags „binationieren“ muß, ist das nur toter Buchstabe. Warum spricht Bischof Roche jetzt plötzlich ausgerechnet davon. Lassen Sie mich dazu Father John Zuhlsdorf, den einflußreichsten Blogger der katholischen Welt, zitieren, dem bei dieser Aussage von Bischof Roche die Haare zu Berge standen:

„Das ist unglaublich. Die Frage der Bination ist praktisch in der ganzen Welt nur noch toter Buchstabe – und das ist für die Interpretation des Gesetzes sehr wichtig. Überall, und wie ich vermuten möchte auch in Leeds, gibt es Priester, die regelmäßig zwei oder drei, vielleicht sogar noch mehr Messen feiern, um den pastoralen Bedürfnissen gerecht zu werden. „Sollen wir annehmen, daß Bischof Roche alle Priester seiner Diözese ermahnen möchte, daß die Bination kanonisch unzulässig sei? Soll es keine Binationen mehr geben? Oder geht es ihm einfach darum, die Priester einzuschüchtern, so daß sie keine zweite Messe am gleichen Tag feiern oder eine zweite Messe in ihren Plan aufnehmen – ganz egal wieviele Gläubige danach verlangen? Ist das eine Drohung? Soll ein kanonische Verfahren wegen Bination gegen sie eingeleitet werden. Sieht noch jemand darin ein heuchlerisches Messen mit zweierlei Maß?“

Alte Messe? Nur mit polizeilichem Führungszeugnis!

Eine gute Frage. Das erinnert mich an die Drohung der Diözese Portsmouth, daß alle Priester, die von auswärts kommen um die traditionelle Messe zu feiern, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen sollten.

Dieser Brief von Arthur Roche ist einfach niederschmetternd. Ich kenne den Bischof nicht persönlich; alles, was ich von ihm weiß, ist, daß er hinsichtlich der Lehre orthodox ist, ein fleißiger Arbeiter und Mitglied jenes „magischen Zirkels“, der seit vielen Jahren die Bischofskonferenz kontrolliert. Er ist auch Vorsitzender des ICEL, jenes Gremiums, das für die Übersetzung der Lateinischen Liturgie ins Englische zuständig ist - wie gut, daß es nicht anders herum ist, wo er noch nicht einmal „Pontificum“ richtig schreiben kann.

Ein Mann des Establishments

In einem Wort: Er ist ein Mann des Establishments, wie er im Buche steht – daher wohl auch all die Gerüchte, daß er nach Westminster gehen werde. Wenn Bischof Roche sich dazu entschließt, sich in der Sache der alten Messe so zu widersetzen, bedeutet das, daß noch andere ihm darin folgen werden. Sie werden dann ebenfalls „Richtlinien“ herausgeben, die – beabsichtigt oder nicht – bewirken, daß die großartigen liturgischen Reformen von Papst Benedikt nicht recht greifen.

Wir müssen darum beten, daß der Vatikan das widerspenstige Verhalten der englischen Bischöfe gegenüber „Summorum Pontificum“ aufmerksam beobachtet. (Einzige Ausnahme bis jetzt Ist Erzbischof Vincent Nichols von Birmingham). Wie könnte der Papst jemanden zum Bischof von Westminster ernennen, der sich so feindselig gegenüber der Freigabe der alten Liturgie verhält?

Das Original des Artikels finden Sie auf der Website von Damian Thompson. Die Übersetzung stammt von unserer Arbeitsgruppe, die auch die Zwischenüberschriften hinzugefügt hat.