Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Trappisten und andere Zisterzienser

Der mittelalterliche Ritus der Zisterzienser bei der hl. Messe und sein Fortleben

11.12. 2008

Die folgenden Ausführungen verdanken wir einem Leser, der sich auskennt und in den letzten Tagen noch weitere Informationen gesammelt hat. Für alle, die mit den Feinheiten des Ordensstandes nicht so vertraut sind, unsererseits hier nur noch einmal die Erinnerung daran, daß die Trappisten (OCSO, Ordo Cisterciensis Strictioris Observantiae) ein im 17. Jh. entstandener Reformzweig der Zisterzienser (OCist, Ordo Cisterciensis) sind, die ihrerseits aus einer Reform der Benediktiner hervorgingen.

Der Zisterzienserorden hatte im strengen Sinne keinen eigenen Messritus, es gab lediglich einen „Dialekt“ des römischen Ritus.

Dieser so genannte Zisterzienser-Ritus war der römische Ritus, wie er im Burgund des 12. Jahrhundert üblich war. Hinzu kamen monastische Gebräuche, die von der burgundischen Abtei Molesme ererbt wurden, aus der der hl. Robert, der Gründerabt von Citeaux, stammte. Später wuchsen weitere Bräuche hinzu.

Joseph Andreas Jungmann (Missarum Sollemnia, 3. Aufl. 1952, Bd. I, S. 131-132) charakterisiert diesen Ritus, der schon um 1134 im „Liber usuum“ geregelt wurde: „Der Gottesdienst der Zisterzienser war hinsichtlich Gesang und räumlicher Ausstattung auf größte Schlichtheit angelegt; er stand darin zu Cluny in bewusstem Gegensatz. Für das äußere Bild des Sonderritus der Zisterzienser, der außerhalb Kastiliens 1618 aufgegeben wurde, war bezeichnend, dass fast nur Präfation und Kanon in der Altarmitte gebetet wurden; das Gloria mit dem nachfolgenden Gruß wurde an der Epistelseite gesprochen, ebenso das Credo, die Secreta an der Evangelienseite.“ Im Verlauf der Darlegungen seines Werkes kommt Jungmann immer wieder auf den Brauch der Zisterzienser zurück.

Die alte Form

Dieser alte Usus der Zisterzienser kannte - wie viele andere Riten - die Bereitung der eucharistischen Gaben vor dem Introitus.

Die große Einfachheit wurde beispielsweise deutlich in folgenden Bereichen:

  • Gegenüber der Vielzahl der mittelalterlichen Choralmessen kannten die Zisterzienser nur drei Choralmessen.
  • Die Kasel bestand aus Schafwolle, und zwar ungefärbt, also grau.
  • Der Diakon trug keine Dalmatika, sondern nur die Stola.
  • Der Subdiakon trat nur an Festtagen in Erscheinung, sonst trat zur Epistel ein Mönch aus dem Chorgestühl.
  • Kerzen wurden nicht auf den Altar gestellt, dafür stand je eine große Kerze links und rechts neben dem Altar.
  • Auf dem Altar lag nur eine Altardecke - nicht drei wie im Missale Romanum.
  • Eine Palla wurde nicht verwendet, dafür gab es ein großes Corporale, mit dem der Kelch verhüllt wurde.

Bis zu den Reformen des 17. Jahrhunderts gab es u.a. bei folgenden Teilen des "Ordo Missae" Unterschiede zum römischen Ritus:

  • Der Psalm "Judica" wurde nicht gesprochen, dafür der Hymnus "Veni Creator".
  • Nach der Vergebungsbitte "Indulgentiam" folgten das Vaterunser und das Ave Maria.
  • Beim Altarkuss wurde keine Oration "Oramus te Domine" gesprochen.
  • Das Kyrie wurde elfmal gesungen:
    Viermal Kyrie, eleison,
    zweimal Christe, eleison,
    zweimal Kyrie, eleison
    zweimal Christe, eleison
    einmal ein gemeinsames Kyie, eleison.
  • Ursprünglich wurden gar keine Oblationsgebete gesprochen, später nur eines.
  • Nach dem dreifachen „Agnus Dei“ folgte die Mischung von Hostienpartikel und Kelch mit dem Gebet "Hæc sacrosancta commixtio corporis".
  • Nach der Kommunion entfielen die beiden Gebete zur Reinigung der Gefäße.
  • Beim abschließenden Altarkuss betete der Priester: „Meritis et precibus istorum et omnium sanctorum suorum misereatur nostri Omnipotens Dominus. Amen“.
  • Der Schluss-Segen fehlte in dieser Ordnung.

Übernahme des römischen Messbuchs im Jahre 1618

Dieser alte Zisterzienser-Usus mit seinem eigenen Ordo Missae war im wesentlichen bis 1618 im Gebrauch, als auf Beschluss eines Generalkapitels die Übernahme des Ordo Missae aus dem Missale Romanum von 1570 vorgeschrieben wurde. Doch schon vorher wurde immer wieder nach dem tridentinischen Missale Romanum zelebriert. So enthält ein Missale Cisterciense von 1617 den eigenen Ordo und im Appendix den römischen Ordo Missae.

Das Jahr 1618 bedeutete im wesentlichen die Einführung des Missale Romanum. Das so genannte Missale Cisterciense enthält lediglich die eigenen Proprien. Eigentexte gibt es jedoch nicht nur im Sanctorale, sondern auch im Temporale. So lautet z.B. der Introitus des Vierten Adventssonntags: „Memento nostri, Domine“.

Überleben und Erneuerung des alten Zisterzienser-Ritus

Allerdings bedeutete der Beschluss des Generalkapitels von 1618 noch nicht das endgültige Ende des eigenen Usus. Nach den alten Gebräuchen wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch in den Zisterzienserklöstern Kastiliens zelebriert.

Daran anknüpfend konnten die Klöster Hauterive (CH) und Boquen (F) seit den 1940er Jahren den alten Usus wieder reaktivieren, da die rechtlich relevante Frist von 100 Jahren noch nicht verstrichen war. In der Zwischenzeit ruhte der Usus nur; nach Ablauf der Frist wäre er erloschen gewesen.

Ritus der Zisterzienser im Stundengebet

Anders als der Mess-Ritus blieb den Zisterziensern vor allem der eigene Brauch im Stundengebet:

Das Breviarium Cisterciense, wie es in der Druckerei der belgischen Trappisten-Abtei Westmalle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Ausgaben erschien, wurde bis zu den nachkonziliaren Reformen von Zisterziensern und Trappisten gleichermaßen verwendet. Vgl. http://www.ocist.net/liturgy/litbooks.htm

Als Beispiel sei genannt der Winterteil des Breviers: BREVIARIUM CISTERCIENSE [1903] reformatum juxta decretum Sacrae Rituum Congregationis diei 3 julii 1869 confirmatum a Pio IX. Pont. Max. auctoritate RR. D. Sebastiani Wyart Abbatis Generalis Ord. Cist. Ref. editum, pars hiemalis, Westmalle 1903, 672 + 188 pp. 17x25cm.

Dieses Brevier entspricht in der Verteilung der 150 Psalmen auf die Woche dem Schema der Regel des heiligen Benedikt - und somit dem Breviarium Monasticum der Benediktiner. Außer bei den Eigenfesten und vielen Eigentexten weist es aber viele Eigentümlichkeiten gegenüber dem Benediktiner-Brevier auf:

  • Die Zahl der Hymnen ist wesentlich kleiner.
  • In den Sommermonaten (von Trinitatis bis Allerheiligen) entfällt an Ferialtagen die Antiphon zum Invitatorium. Stattdessen wird Ps. 94 ohne Unterbrechungen gelesen, jedoch in der Fassung des Psalterium Gallicanum (nicht - wie sonst üblich - des Psalterium Romanum).
  • Nach der Komplet wird das ganze Jahr hindurch das "Salve regina" gesungen, selbst in der Osterzeit. Dagegen wird nach Laudes und Vesper jeweils eine wechselnde marianische Antiphon gesungen.

Der Usus von Monte Cistello betrifft den gesamten Ordo des täglichen Lebens, der minutiös geregelt ist. Welches Gebet ist auf dem Weg zum Chor, zur Arbeit zu rezitieren? Wie ist wer zu grüßen (mit "Benedicite" oder "Ave Maria")?

Der Usus regelt nicht also die eigentlichen liturgischen Abläufe am Altar, sondern beschreibt das Verhalten der Mönche im Chorgestühl: Wann ist die Kapuze aufzuziehen, wann wieder abzuziehen?


Weiterführende Informationen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Cistercian_Rite
Kerr, Julie: An Essay on Cistercian Liturgy, vgl. http://www.ocist.net/liturgy/public/Cistercian_liturgy.pdf