Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Trappisten und andere Zisterzienser

Ein Zisterzeinsermönch zur Liturgie des Zisterzienserordens

18.12. 2008

Mit der Rückgewinnung des Ritus des Hl. Papstes Gregor hat auch das Interesse an den „Eigenriten“ oder „besonderen usus“ der Ordensgemeinschaften früherer Zeit, die schon untergegangen zu sein schienen, wieder zugenommen. Der fromme Wettbewerb der Orden, verbunden mit (nicht immer) demütigem Stolz auf und der Freude an den eigenen Traditionen, hat stets zu den Triebkräften der Mission und der Seelsorge gehört. Katholisch sein, heißt auch Unterschiede zulassen. Wir freuen uns daher sehr, daß ein Zisterziensermönch unsere Ausführungen vom 11. Dezember zum Anlaß genommen hat, uns noch weitere Einzelheiten und Einsichten aus der Innenperspektive zukommen zu lassen.

Wir sehen daraus, daß man sich nicht nur in Maraiwald intensiv mit der eigenen Vergangenheit beschäftigt - die erste Voraussetzung dafür, auch die Neue Ordnung im Geist der Tradition anzunehmen oder sich noch weitergehend wieder dem Erbe der Väter zuzuwenden.

Die in Ihrem Beitrag wiedergegebenen Meinungen zeigen zwar sehr profunde Kenntnisse der Materie, vermitteln aber doch nur ansatzweise, dass der Ritus der Zisterzienser auch nach 1618 durchaus nicht deckungsgleich mit dem römischen Ritus (in der Eucharistiefeier!) war.

Daher möchte ich einige Bemerkungen folgen lassen:

Manche regionale lateinische Riten mussten nach den karolingischen Reformen ihre sowieso schon stark romanisierte Eigengestalt aufgeben. Die Reste gallikanischer (oder anderer) räumlich begrenzter Riten überlebten danach in ihren stark beschnittenen Ausprägungen je verschieden in einzelnen Diözesen und Gebieten. So ist zu lesen, dass um die Mitte des 12. Jahrhunderts durchaus noch eine mehr als vierwöchige Adventszeit gefeiert wurde, während dreißig Jahre später nur noch von den vier Adventssonntagen die Rede ist. Ähnliche Beispiele könnten für die kommenden Jahrhunderte genannt werden. Aus diesen verschiedenen Quellen hat sich dann der Zisterzienserritus der Eucharistiefeier konstituiert. Je nach Region konnte es aber auch dort durchaus unterschiedliche Ausprägungen des Ritus geben.

Tatsache ist, dass der alte Zisterzienserritus noch mindestens bis Ende der 1870er Jahre gefeiert wurde, wenn auch nur noch von sehr wenigen Priestermönchen des Ordens. Ein Ordenshistoriker hat davon offiziell in einer Studie berichtet, die 1929 im Druck erschienen ist (Schneider, L'ancienne messe cistercienne). Die Klöster Boquen und Hauterive wurden ja auch in Ihrem Bericht genannt.

Es entspricht jedoch nicht der Spiritualität und Lebenspraxis des Klosters, wenn beim Sprechen über den „Ritus“ die Feier der Eucharistie gleichsam separatistisch von den liturgischen Handlungen abgekoppelt wird, die den weitaus größten Teil des monastischen Tages ausmachen. Indem Sie eine solche Trennung vornehmen, haben Sie meiner Ansicht nach eher verwischt als deutlich gemacht, was die Zugehörigkeit zu einem Ritus für den Priester bedeutet. Das Missale Cisterciense z.B. von 1890 (es gibt noch andere Ausgaben) ist ohne relativ genaue Vorkenntnisse nur schwer von einem Priester des römischen Ritus zu verwenden. Folgende Unterschiede erschweren den Gebrauch und machen deutlich, dass eben doch ein spezifischer Ritus zugrunde liegt:

  • Das Calendarium unterscheidet sich (wie schon im o.g. Beitrag erwähnt) vom römischen.
  • Die Melodien der vom Priester gesungenen Teile des Messordo weichen von den römischen Melodien z.T. erheblich ab.
  • Die jeweiligen Rangstufen der einzelnen Feste und Tage sind nur schwer mit denen des römischen Ritus zu vergleichen. Als Folge ergeben sich für Uneingeweihte erhebliche Schwierigkeiten bei der Auswahl des Messformulars.
  • Verschiedene Eigenriten (Purificatio, Palmarum, Asperges am Sonntag u.v.m.) unterscheiden sich vom römischen Usus.
  • Allein die Karwoche hat so viele eigene Zisterzienserusus in das Missale Cisterciense einfließen lassen, dass ein Versuch des 18. Jahrhunderts, ein Missale Romanum mit "Zisterzienseranhang" zu erarbeiten, nicht als geglückt angesehen werden konnte.
  • Der Ordo Missae ist nicht in allen Einzelheiten deckungsgleich mit dem Ordo Missae romanus.
  • Dazu kommt: Die Zeremonien der Zelebranten decken sich nicht mit den Zeremonien der mitfeiernden Mönchsgemeinde, die teilweise offiziell die alten zisterziensischen Gebräuche beibehalten hatte. Die Folge war de facto ein Ritensynkretismus, der paradoxerweise römischerseits verboten war.

Das sind auf die Schnelle einige Anmerkungen zu den Ausführungen über den Zisterzienserritus (der einen Vergleich mit dem Dominikanerritus übrigens nicht zu scheuen braucht!!!).

Wir werden versuchen, diesen, die vorhergehenden und vielleicht auch noch folgende Beiträge zu diesem Thema auf geeignete Weise zusammenzufassen.