Am Rande - Woche 44

Gegen Götzendienst

14. 11.

Bild: Mainichi Shimbun aus dem zitierten Artikel

Die katholische Kirche Japans hat gestern mit anderen christlichen Gruppen auf einer Pressekonferenz im Parlamentsgebäude von Tokyo dagegen protestiert, daß die Regierung das am 14. und 15. des Monats stattfindende große Erntedankfest zum Abschluß der Thronbesteigungsfeiern des neuen Kaisers finanziert und mit prominenten Mitgliedern daran teilnimmt. Das verstoße gegen den in der Verfassung festgelegten säkularen Charakter des Staates.

Zum Erntedank überbringt der Kaiser alljährlich den Göttern seines Hauses und des ganzen Landes Reis und Wein aus der neuen Ernte und betet für Frieden und Wohlfahrt der Nation. Im Zentrum der auf das 7. Jahrhundert zurückgehenden Zeremonien steht ein nächtliches „Göttermahl“, bei dem der Tenno (‚Herrscher im Auftrag des Himmels‘) gemeinsam mit den Gottheiten und in deren Stellvertretung Reiskuchen und Reiswein zu sich nimmt.

Im Jahr der Thronbesteigung wird dieses Fest in besonders großem Maßstab begangen, weil Opfergaben aus allen Teilen des Landes überbracht werden und neben dem „Göttermahl“ auch ein Festbankett für etwa 1000 Teilnehmer stattfindet. Für die Zeremonien werden dann auf dem Gelände des Kaiserpalastes etwa 20 temporäre Hallen und Pavillons in klassischer Tempelbauweise errichtet, die, nachdem sie kurze Zeit für die Öffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich waren, wieder abgebaut werden. Die Gesamtkosten der Veranstaltung betragen in diesem Jahr etwa 20 Millionen €.

Der Protest gegen die staatliche Beteiligung an diesen Zeremonien ist traditionelles Thema der japanischen Linken. Die christlichen Gruppen konnten dazu auf der gestrigen Pressekonferenz eine Petition mit 6200 Unterschriften beitragen.

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Progressive Mißverständnisse

12. 11.

Kardinal Camillo Ruini (88), langjähriger Präsident der italienischen Bischofskonferenz im Pontifikat Johannes Pauls II., hat sich nach langen Jahren des Schweigens mit einem Interview zu Wort gemeldet. Darin bittet er den Papst dringend, die Vorschläge des Schlußdokuments der Amazonas-Synode äußerst kritisch zu betrachten und fordert ihn auf, im Verhältnis zu nationalen und internationalen politischen Kräften weniger politisch und stärker aus der Tradition des Glaubens heraus zu agieren. Dazu gehöre es auch, das Gespräch mit den Kräften zu suchen, für die der frühere Innenminister Salvini steht. Das Interview hat in Italien beträchtlichen Wirbel ausgelöst – Andrea Gagliarducci erklärt in seinem „Monday Vatican“ die über die Tagespolitik hinausreichenden Gründe::

Unter Papst Franziskus ist der Einfluss der Katholischen Kirche geschwunden. Die Ära der Kirche der nicht-verhandelbaren Prinzipien ist vorüber. Statt dessen propagierte Papst Franziskus die Wahrnehmung einer "nach außen gewandten Kirche" – die aufgefordert ist, Dialoge mit der globalisierten Welt zu eröffnen.Diese Welt muß wie ein "Polyeder" verstanden werden, ein Bild das Papst Franziskus häufig zu ihrer Erklärung benutzt. In diesem vielflächigen Gebilde stellt sich die Diktatur der Relativismus als Tatsache dar und bildet den Ausgangspunkt für jeden Dialog.

Papst Franziskus ist kein Progressiver. Er vertritt unmißverständliche Positionen bei unverhandelbaren Prinzipien. So hat er immer unterstrichen, daß eine Abtreibung das selbe ist wie einen Berufskiller für einen Mord anzuwerben. Dennoch wurde der Ansatz von Papst Franziskus immer als endgültige Erfüllung der progressiven katholischen Ideen interpretiert, die sich nach dem II.Vatikanischen Konzil ausbreiteten. Sie repräsentieren eine Kirche ohne Dogmen, Regeln oder Grenzen und ganz in die soziale Debatte vertieft. So sehr vertieft,  daß Evangelisierung fast gleichbedeutend wird mit Befreiung von Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Diskriminierung.

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Contra Recentia Sacrilegia

12. 11.

Bild: Von der Website der Aktion

Aktionen wie die hier verlinkte Unterschriftensammlung „gegen die sakrilegischen Akte von Papst Franziskus“ lösen bei uns immer eine zwiespältige Wahrnehmung aus: Einerseits kann man inhaltlich all dem, was da gesagt wird, nur zustimmen - andererseits „fühlt sich“ (man verzeihe den modischen Sprachgebrauch) ein derartiges Vorgehen nicht richtig katholisch an. Die Kirche Chrisi ist hierarchisch organisiert, die Oberen sind zwar nicht jeder Kritik seitens des gläubigen Volkes enthoben - aber die Kirche ist definitiv auch keine demokratische Basisorganisation mit Wahlen, Abstimmungen und eben Unterschriftensammlungen.

Das Problem kommt natürlich daher, daß seitens der Hierarchie mit dem Papst an der Spitze in diesem Pontifikat pausenlos Zumutungen an die Gläubigen ergehen, die sich ebenfalls „nicht katholisch anfühlen“, schlimmer noch: die aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich auch nicht katholisch sind. Der Aufruf, dem in Wort und Beispiel vorgetragenen Lehramt dieses Papstes bedingungslos zu folgen, den Nuntius Pierre dieser Tage vor den amerikanischen Bischöfen in unverschämtem Tonfall vorgetragen hat, klingt daher hohl und substanzlos: Eine verbindliche Lehre zur Abschaffung der verbindlichen Lehre kann es nicht geben.

Die klassische Logik wußte es noch: ex contradictione sequitur quodlibet. Wie es aussieht, sogar Unterschriftsaktionen, die sich klar gegen Akte der Hierarchie aussprechen - und die dennoch gut katholisch sind.

 

Am Rande - Woche 43

Sühne für die Sakrilegien!

(8. 11.)

Weihbischof Athanasius Schneider hat zur Abbite für die sakrilegischen Vorfälle im Rahmen der Amazonas-Synode ein Sühnegebet veröffentlicht; der bisher nur auf Englisch vorliegende Text beginnt mit den Worten:

Allerheiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, nimm aus den Hände der allzeit reinen und stets jungfräulichen Gottesmutter diesen ernsten Akt der Sühne entgegen. Wir weihen ihn Dir mit zerknirschtem Herzen  wegen der Vorfälle der Verehrung hölzerner Idole und Symbole auf der Amazonas-Synode, die in der ewigen Stadt Rom, dem Herzen der katholischen Welt, stattgefunden haben. Gieße Deinen Geist aus in die Herzen unseres Heiligen Vaters Papst Franziskus, der Kardinäle, Bischöfe und gläubigen Laien, damit er die Dunkelheit ihres Geistes verrtreibe, sie die Schlechtigkeit solcher Handlungen, die Deine Göttliche Majestät beleidigen, erkennen und Dir öffentlich und im Stillen Sühne leisten. (...)

Der Generalobere der Piusbruderschaft Davide Pagliarani hat für den heutigen Samstag und Sonntag die Priester und anderen Angehörigen der Gemeinschaft zu einem Tag der Sühne und des Gebets aufgerufen und angeordnet, daß in allen Kirchen und Kapellen der Bruderschaft eine besondere Sühneandacht stattfindet.

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Der Weg ins Nichts

(6. 11.)

Bild: Aus einem Youtube-Video von Ragsdale

Mit der Amazonas-Synode hat sich die Kirche wieder einmal auf den Weg gemacht, der diesmal ganz bestimmt zum neuen Frühling führen soll. 

Als einen Ausgangspunkt dieses Werkes glauben wir die Ausladung von Kardinal Müller durch eine Bochumer Kirchengemeinde wahrnehmen zu können: Eigentlich wollten der Kardinal und Fürstin Gloria in der St. Elisabeth-Kirche mit Besuchern über aktuelle Probleme der Kirche diskutieren. Gemeinderat und der städtische Katholikenrat waren dagegen - nun findet die Veranstaltung in einer städtischen Halle statt.

Als Endpunkt des Weges können wir uns sehr gut den Punkt vorstellen, an dem die Episkopal-Kirche der USA mit ihrer "Priesterin" Ragsdale (Bild oben) bereits heute steht: Die tapfere Vorkämpferin für Lesbenrechte (Lesben, nicht Lebens) in der Kirche, wurde soeben zur Vorsitzenden der einflußreichen Abtreibungs-Lobbygruppe National Abortion Federation gewählt.

Die haben halt die Zeichen der Zeit früher verstanden.

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Nieder mit Pachamama!

(5. 11.)

Im Video auf Youtube (in englischer Sprache) bekennt sich der österreichische Lebensschutz-Aktivist Alexander Tschugguel dazu, zusammen mit Freunden fünf Pachamama-Idole aus der römischen Kirche Sa Maria Transpontina entfernt und in den Tiber geworfen zu haben. Gratulation!

Dem Artikel der Tagespost, der uns auf das Video aufmerksam gemacht hat, entnehmen wir ein interesantes Detail: Bei Recherchen in Rom hatte Tschugguel auch Kontakt mit Angehörigen der Organisation, die den Pachamama-Zauber organisiert hatte: „Als ich mit ihnen etwas länger sprach, erzählten sie mir, dass die Synode sich nicht um Religion, sondern um Politik drehe.“ Auf die Frage, ob denn die Amazonasbewohner getauft würden, antworteten ihm die Zuständigen weiter, dass dies „nicht Teil ihrer Kultur“ sei. Echte Käutlerianer eben.

Nachtrag:

Der US-Publizist Taylor Marshall hat ein langes Interview mit Alexander Tschugguel gemacht - das gibt es auf Youtube. Und Tschugguel selbst hat ein (noch ziemlich unfertiges) St. Bonifatius-Institute konzipiert, das den katholischen Laien Europas eine Plattform für künftige Aktivitäten bieten will. Das sollte man im Auge behalten.

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Bitte um ein Wunder!

(3. 11)

Msgr. Charles Pope hat nach Abschluß der Amazonas-Synode im National Catholic Register eine nachgerade verzweifelte erste Einschätzung veröffentlicht. Er sieht die Kirche am Rande des Auseinanderbrechens und schließt mit dem Aufruf zum Gebet um ein Wunder:

Lasset uns beten. Herr, rette uns und sei uns gnädig, reiß uns zurück vor dem Abgrund. Wir bekennen unsere Sünden, o Herr, wir alle sind Deinem Aufruf zu Frömmigkeit und Heiligkeit nicht gerecht geworden. Aber nun, da wir am Rande des Abgrunds stehen, bitten wir Dich um ein Wunder - ein Wunder, das die Welt staunen macht. Leite den Heiligen Vater, der nun eine apostolische Exhortation verfaßt, daß seine Gedanken alleine auf Dich und den geoffenbarten kostbaren Glauben gerichtet sein mögen. Herr, wir sind armselig und bedürftig - wen haben wir außer Dir, o Herr. An wen sonst könnten wir uns wenden? In dieser Zeit tiefer Verwirrung und Spaltung erbitten wir ein Wunder, Herr - ja, ein Wunder.

Heilige Mutter Gottes, bitte für uns. Amen

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Mysteriöse Begegnungen

1. 11.

Bild: Aus dem zitierten Artikel bei Fr. Zuhlsdorf

Die glückhaft aus dem Tiber wiedererstandenen (oder reaktionsschnell neu beschafften) Pachamama-Idole konnten wegen des Widerstands zahlreicher Bischöfe nicht am Abschlußgottesdienst der Synode teilnehmen. Aufmerksamen Beobachtern ist jedoch nicht entgangen, daß beim gerne phantasievoll ausgestalteten Opfergang ungewöhnlicherweise eine bepflanzte Blumenschale mit dabei war, die – noch ungewöhnlicher – auf Anweisung des Papstes direkt auf dem Altar platziert wurde. Die Schale war mit „Amazonas“ beschriftet und entsprach dem äußeren Anschein nach – mit verschiedenen Grünpflanzen und roten Blüten – exakt einer Opferschale für den (aus den Anden stammenden) Pachama-Kult, die als Gabe für die Göttin unter widrigen äußeren Umständen empfohlen wird. Hier näheres dazu, dazu auch interessante Bilder, freilich nicht aus den vatikanischen Gärten.

Eine nähere Betrachtung der Photos und Videos von den römischen Veranstaltungen der vergangenen Wochen ergab, daß diese dunkel glasierten Schalen auch bei den anderen Zeremonien eine prominente Rolle spielten. Dort waren sie zumeist umgekehrt aufgestellt, d.h. mit der Öffnung zur Erde zeigend.

Wir wissen nicht, was das über den geistigen Zustand der Teilnehmer aussagt oder für die Heiligkeit der Orte bedeutet, an denen diese Liturgien statfanden. Aber die Liste der Fragen, die an die Veranstalter der Pachamama-Synoder zu richten sind, wird täglich länger.

Am Rande - Woche 42

Mysteriöse Begegnungen

1. 11.

Bild: Aus dem zitierten Artikel bei Fr. Zuhlsdorf

Die glückhaft aus dem Tiber wiedererstandenen (oder reaktionsschnell neu beschafften) Pachamama-Idole konnten wegen des Widerstands zahlreicher Bischöfe nicht am Abschlußgottesdienst der Synode teilnehmen. Aufmerksamen Beobachtern ist jedoch nicht entgangen, daß beim gerne phantasievoll ausgestalteten Opfergang ungewöhnlicherweise eine bepflanzte Blumenschale mit dabei war, die – noch ungewöhnlicher – auf Anweisung des Papstes direkt auf dem Altar platziert wurde. Die Schale war mit „Amazonas“ beschriftet und entsprach dem äußeren Anschein nach – mit verschiedenen Grünpflanzen und roten Blüten – exakt einer Opferschale für den (aus den Anden stammenden) Pachama-Kult, die als Gabe für die Göttin unter widrigen äußeren Umständen empfohlen wird. Hier näheres dazu, dazu auch interessante Bilder, freilich nicht aus den vatikanischen Gärten.

Eine nähere Betrachtung der Photos und Videos von den römischen Veranstaltungen der vergangenen Wochen ergab, daß diese dunkel glasierten Schalen auch bei den anderen Zeremonien eine prominente Rolle spielten. Dort waren sie zumeist umgekehrt aufgestellt, d.h. mit der Öffnung zur Erde zeigend.

Wir wissen nicht, was das über den geistigen Zustand der Teilnehmer aussagt oder für die Heiligkeit der Orte bedeutet, an denen diese Liturgien statfanden. Aber die Liste der Fragen, die an die Veranstalter der Pachamama-Synoder zu richten sind, wird täglich länger.

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Neuer Frühling – 29. Oktober 2019

(30. 10.)

Wieder einmal diskutiert OnePeterFive, die Frage: Ist Franziskus Papst? Und wieder einmal ist die Antwort: Ja – aber er ist schlecht, und möglicherweise häretisch – aber nach Gottes Gesetz und Ordnung kann niemand außer der Herr selbst ihn absetzen. Man kann nicht seinen Vater enterben – man kann sich (schlechtensten Falls) von ihm zurückziehen. Und haben nicht viele sich genau so einen Papst gewünscht und seit Jahrzehnten auf sein Erscheinen hingearbeitet? Nun sind wir überrascht, daß er der Kirche großes Leid zufügt – aber was anderes hat uns Christus versprochen, als mit ihm gekreuzigt zu werden? 

Auf Rorate Caeli stellt sich die Frage so: War Jesus nur Mensch – will Franziskus die Christologie sprengen? Wir wissen nicht, was genau Franziskus zu Eugenio Scalfara gesagt hat – aber wir sehen, daß er den alten Atheisten bestenfalls halbherzig dementieren läßt.

Der Catholic News Report  hat den Blick auf die irdischen Dinge. Am 29. geht er der Frage nach, ob die Kardinäle Angelo Becciu und Giuseppe Versaldi im Skandal um den finanziellen Zusammenbruch einer römischen Klinik 80 Millionen $ oder nur 50 Millionen versenkt haben. Den Bericht über die am Finanzplatz London investierten 750 Millionen Schwarzgeld hatten sie eine Woche vorher.

Und in Deutschland? Hier berichtet katholisch.de erfreut über einen Verein, der sich für die Rettung nutzlos gewordener und daher vom Zerfall bedrohter Dorfkirchen in Mecklenburg-Vorpommern (Anteil der Getauften an der Bevölkerung: 20%) einsetzt, um sie „als hervorragende landschaftsprägende Bestandteile der Region zu bewahren“.

So hat ein jeder sein Kreuz zu tragen.

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„Zeit für Klarheit...“

(29. 10.)

... hat Peter Winnenmöller in dieser Woche seinen Montagskommentar für kath.net überschrieben. Die Tatsache, daß die Amazonas-Synode daran geht, das Priestertum durch Einrichtung zahlreicher zusätzlicher Ämter und Position zu „demokratisieren“,  letzten Endes auch für Frauen zu öffnen und damit als sakramentales Amt zu verlieren, veranlaßt ihn zu einem bemerkenswerten Fazit:

Lange werden sich die Nebelkerzen nicht mehr halten können. Es sieht in der Tat danach aus, dass die Frage des sakramentalen Amtes der Kirche die Scheidelinie zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Einheit und Spaltung bildet. Werden bald die Gemeinschaften der Tradition die einzigen sein, die die zölibatäre Lebensform der ausschließlich männliche Priester bewahren? Sollte dies so sein, sind sie künftig endgültig das letzte Sammelbecken der restlichen Gläubigen der Kirche.

Es ist Zeit für Klarheit. Es ist Zeit zu sagen, was man wirklich will und es ist Zeit, den Bischöfen unserer Diözesen und den Kardinälen der römischen Kirche diese Klarheit abzuverlangen.

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Rückblicke auf Platschamama

(28. 10.)

Wir teilen nicht Peter Winnenmöllers Ansicht, die Aktivisten, die ein paar Pachamamas im Tiber versenkten, von wo sie in wunderbarer (allerdings täglich zweifelhafter werdende) Weise wiederauferstanden, seien in die Falle der heidnischen Gottheit getappt und hätten ihr einen billigen Sieg über die Kirche ermöglicht. Nein – in die Falle getappt ist da jemand ganz anderes, und nun zappelt er in den selbst gelegten Schlingen, um mit dem Psalmisten zu sprechen. Trotz dieser Differenz in der Einschätzung eines Details ist Winnenmöllers Kommentar wie stets lesenswert und informativ.

Roberto de Mattei äußert die Annahme, die gestern beendete Synode werde als die PachaMama-Synode in die Kirchengeschichte eingehen – vermutlich hat er recht. Und außerdem hat er zusammengestellt, wo, wann und wie die Stauen ihren Auftritt hatten – wichtig für das persönliche Archiv, denn spätestens in 6 Monaten wird es heißen: Pachamama – haben wir in Rom nie etwas von gehört oder gesehen.

Und wo wir gerade bei den Verstößen gegen das 8. Gebot sind: In einem Interview mit Vatican News hatte der in Köln als Paul Süß geborene Beifreiungstheologe Paolo Suess zunächst kritisiert, daß Katholiken Anstoß am Pachamama-Kult im Vatikan genommen haben: „Ja und? Selbst wenn das ein heidnischer Ritus gewesen wäre, dann handelt es sich trotzdem um einen Gottesdienst. Ein Ritus hat immer etwas mit Gottesdienst zu tun. Das Heidnische kann man nicht abtun als nichts. Was ist heidnisch? In unseren Großstädten sind wir nicht weniger heidnischer als da im Urwald. Das soll man sich mal überlegen.“ Als die Kritik dann lauter und grundsätzlicher wurde, hat die Agentur des Papstes die Passage kommentarlos gelöscht – war da was?

Diese und andere Kommunikationsvergehen des nicht-immer-heiligen Stuhls beleuchtet katholisches.info

Über die den Skandal der Götzenbilder und auch über die Ablenkungsmanöver um Zölibat und Frauenweihe hinausschauend richtet George Weigel in First Things seine Aufmerksamkeit auf das, was er als den Großen Gewinn dieser Veranstaltung für alle Katholiken betrachtet: Sie hat verdeutlicht, daß die Feinde Christi  nicht nur auf die eine oder andere zweifelhafte Reform aus sind, sondern das Zentrum der Kirche und ihrer Lehre selbst zerstören wollen - mit einem Angriff aus diesem Zentrum heraus. Illusionen sind nicht mehr erlaubt – es geht um alles.

Am Rande - Woche 41

Auf dem Holzweg

(24. 10.)

Bild: Andrew Medichini (AP) aus dem zitierten Artikel

„Die Stärke des Katholizismus liegt in seiner Klarheit. Die Krise der Kirche ist daher auch eine Krise der klaren Sprache. Der Streit um die Figuren schwangerer Frauen sorgte dabei nicht erst für Furore, als Unbekannte diese im Tiberwasser versenkten. Seit ihrem Auftauchen in den Vatikanischen Gärten sind sie zum inoffiziellen Symbol der Amazonas-Synode geworden: Keiner weiß, wen sie darstellen, keiner weiß, wer sie geschnitzt hat, keiner kennt ihre wahre Bedeutung. (...)

Gleich, was es mit Herkunft und Identität der mysteriösen Figuren auf sich hat: Ehrbezeugungen der Anwesenden in der vatikanischen Gartenzeremonie waren real. Die Verehrung von Konzepten wie „Leben“ und „Fruchtbarkeit“ ist in ihrer spirituellen Herkunft heidnisch. Der Verdacht, dass es sich um Idole handelt, liegt daher nicht nur nahe, sondern ist zwingend.

Zwei Sätze aus dem überaus lesenswerten Kommentar „Verzweifelte Gehversuche auf dem Holzweg“ von Marco Gallina auf Die Tagespost.

Gallinas Löwenblog, das der Autor mit „Venezianisch. Historisch. Ironisch. Eingetragener Hersteller von Löwenfedern seit 1476 A. D.“ bewirbt, können wir nur wärmstens empfehlen.

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Die Supersynode

(23. 10.)

P. Michael Heinz ist Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat - einer der Hauptvertreter des klerikal-ökonomischen Komplexes. Seine  Wahrnehmung und Erwartungen an die Synode fasst er wie folgt zusammen:

In Diskussionsrunden wird sich ausgetausch, wie die Lunge der Erde geschützt werden kann, wie das Leben der indigenen Völker unsere Gesellschaften und unsere Kirche bereichern kann. Und es wird diskutiert, wie es nach der Amazonien-Synode, diesem weltkirchlichen Aufbruch weitergeht. Der Begriff "Schluss-Dokument" für das Papier, das wir in dieser dritten Synoden-Woche beraten, ist irreführend. Am Ende der Synode steht hoffentlich ein „Anfangs-Dokument“. Es sollen ja neue Prozesse angestossen werden, sodass wir neue Wege betreten, wie es auch der Titel der Amazonas-Synode besagt.

Die Synode ist der Aufbruch, die kulturelle und spirituelle Viefalt in weltkirchlicher Einheit zu leben. Die Synode ist der Aufbruch, der weltweiten sozio-ökologischen Krise mit einer integralen Ökologie zu begenen, wie sie von vielen kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Gruppen gefordert wird. Die Synode ist der Aufbruch, hierachisch festgefahrene Strukturen duch lebendige Netzwerke aufzubrechen.

Wie es scheint, sind die hölzernen Pachamamas unser geringstes Problem.

Ganz nachzulesen auf katholisch.de

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Liturgisches aus Fernost

(21. 10.)

Bild: aus dem im Text Verlinkten Artikel von Mainichi

Während der Westen alle Elemente traditioneller Metaphysik aus seinem Denken verbannt und die lateinische Kirche sich diesem Trend anzuschließen scheint – bei gleichzeitig demonstrierter globalistischer Offenheit gegenüber animistischem Aberglauben vom Amazonas – scheint Japan, zumindest offiziell, einen anderen Kurs zu verfolgen. Nach wie vor in Wissenschaft und Technik führend und in der gesellschaftlichen Funktionalität stark verwestlicht, gestattet sich das Land hinsichtlich seiner Monarchie bemerkenswerte historische Ungleichzeitigkeiten. Politisch machtlos, bewahren das Kaiserhaus und das kaiserliche Hofamt in seinen Liturgien Formelemente eines Gottkönigtums, die in den aktuellen Details zwar erst im 19. Jahrhundert nach der Restitution des Kaisertums festgelegt wurden – in Geist und Ritus aber fast zweitausend Jahre zurückreichen.

Mit der feierlichen Proklamation der Thronbesteigung (Text hier) und einem so nur im Zusammenhang damit begangenen großen Begängnis des Erntedankes gehen die Zeremonien zum Thronwechsel, die im April begonnen haben, in dieser Woche zu Ende. Nichts davon soll hier als Vorbild dargestellt werden. Die Theologie des Kaiser-Shinto, wenn man überhaupt davon sprechen kann, ist primitiv (im Sinne von ursprünglich), da ist nichts, woran man wirklich „glauben“ könnte oder müßte – außer einem tiefen Bewußtsein dafür, daß Formen eine Bedeutung haben und schon deshalb bewahrt zu werden verdienen, weil sie für die Prinzipien von Ordnung und Sinn vor jedem konkreten Inhalt stehen. So bleibt für uns als Denkanstoß nur Feststellung, daß die Frage: „Ist der moderne Mensch liturgiefähig?“ anscheinend nicht überall auf der Welt so nihilistisch beantwortet wird wie hierzulande.

Einen ersten Beitrag zum Thema brachten wir im Frühjahr zu Beginn der Feierlichkeiten.

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Stimmen zum Amazonas

(20. 10.)

Bild: aus dem genannten Artikel von katholisches.info

Die Amazonas Synode und ihr toxischer fall-out werden uns noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Nicht unbedingt wegen des Schlußdokuments, das in der bewährten Redaktion von Kardinal „Silberzunge“ Schönborn vermutlich wenig enthalten wird, das offen zurückgewiesen werden muß - aber vieles, das Spielräume für abwegige Interpretationen eröffnet. Hier Links zu Publikationen, die Material für die anstehenden Auseinandersetzungen enthalten.

In einem kurzen Beitrag für kath.net hat Kardinal Brandmüller noch einmal zusammengefasst, was mit dem „kreativen“ Umgang des alktuellen Pontifikats mit Lehre und Tradition der Kirche auf dem Spiel steht: „Es geht nicht um den Amazonas - es geht ums Ganze“.

Inzwischen hat sich auch die Piusbruderschaft mit einer klaren Stellungnahme zu Wort gemeldet. Bis jetzt auf fsspx.news nur auf Englisch verfügbar: „Synod on the Amazon: The Worts Has Already Happened“.

Zwei andere lesenswerte Artikel bemühen sich um die Aufhellung der relativistischen Hintergründe der synkretistischen Zeremonien, die die Synode vom ersten Tag an begleiten: „Maria oder Pachamama - Was wird derzeit im Vatikan herumgereicht?“ fragt katholisches.info, und The Catholic NewsReport gibt eine Analyse unter dem schönen Titel: „Ein rosa Delphin, ein geschnitztes Bildnis und Inkulturation auf der Amazonas-Synode“ (englisch).

Die Lügengespinste des vatikanischen Presseamtes um die heidnischen Zeremonien versucht R. Casciogli zu entwirren - in deutscher Übersetzung beim Beiboot Petri.

Fr. Zuhlsdorf hat einen alten Beitrag (2016) auf der Satireseite The Onion ausfindig gemacht, in dem es um einen Gastauftrit des geflügelten Schlangengottes Kukulkan im Vatikan im Rahmen des Götter-Austausch-Programmes geht. Zitat: „Vatikanische Quellen haben bestätigt, daß innerhalb dieses Programm der allmächtige Gott unser himmlischer Vater den kommenden Monat beim taoistischen Donnergott Lei Gong im Wolkenreich über Tibet verbringen wird.“

Die Texte der anderen Randspalten dieser Woche finden Sie hier

Am Rande - Woche 40

Eine schöne Adresse...

16. 10.

Bild: aus der verlinkten Website

... hat sich der Betreiber der neuen Website für die Messorte des überlieferten Ritus im Urlaubsland zwischen Innsbruck und Trient ausgesucht: lateinische-messe.tirol - nicht .at, nicht .it, nicht .de und auch nicht .eu - sondern schlicht und traditionell .tirol. Aktuell werden dort 12 Messorte aufgeführt, von denen freilich nur Innsbruck, Brixen und Trient alle Sonntage des Jahres abdecken. An den anderen Orten finden die Messen zumeist an Werktagen und teilweise nur in der Ferienzeit statt. Genug für eine ordentliche Urlaubsplanung ist es allemal. Freilich sollte man für eine solche Planung den jeweils aktuellen Stand abfragen. Gerade an den kleineren Orten können sich da schon einmal Änderungen oder Unrgelmäßigkeiten ergeben.

Für spezielle Fragen bietet die Website Kontaktdaten zu verschiedenen Priestern der FSSP und anderer Gemeinschaften, die als Zelebranten für die überlieferte Liturgie im Raum tätig sind. Als Verantwortlich für den zweisprachig deutsch-italienisch aufgebauten Webauftritt zeichnet das  Ensemble Sonoritas Innsbruck.

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Hier ist noch Platz für die Wiedergabe eines kurzen Zwischenrufs aus dem Beiboot Petri - dessen regelmäßigen Besuch wir sehr empfehlrn. Ester schreibt:

Zum "Priestermangel" meine 3 Cent:

Im Grunde ist das Problem, das wir haben, nicht ein Priestermangel,. sondern ein Gläubigenmangel, weil für die paar Hanseln die noch ernsthaft zu glauben sich bemühen, haben wir durchaus genug Priester!

Das eigentliche Drama ist, daß man sich seit Rahners dummer Idee, der anonymen Christen, also des verklausulierten Anspruchs für alle Menschen zuständig zu sein, egal ob die das wollen oder nicht, scheinbar wirklich für alle zuständig fühlt, und dann, natürlich, viel zu wenig Personal hat. Von daher wäre es, meines Erachtens, absolut heilsam, man würde sich von Seiten der Führungselite der Kirche einfach mal um den eigenen Kram, sprich die eigenen Leute, kümmern.

Es würde einiges wieder ins Lot bringen.

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Fr. Hunwicke hat ferngesehen...

(14. 10.)

Bild: Von der Website des Autors

...und was er da bei der Übertragung der Feierlichkeiten zur Heiligsprechung von John Henry Newman und der vier Ordensfrauen gesehen hat, kam ihm komisch vor. Er schreibt:

Wieder einmal wurden die Zeremonien verwandt, die von PF eingerichtet worden sind. Darin fehlt jene Formel, die Papst Benedikt hinzugefügt hatte und die den lehramtlichen Stellenwert der Zeremonie unterstreicht. Man muß wohl annehmen, daß Heiligsprechungen in dieser reduzierten Form der damit verbundenen Aussage geringeres Gewicht geben.

Der griechische Diakon unterließ, wie mir scheint, den traditionellen Handkuss des Oberhirten. Frühere griechische Diakone hatten das noch gemacht. Gab es eine dahingehende Anordnung? Vielleicht ein weiteres Beispiel der nicht enden wollenden Neigung, die Byzantiner zu latinisieren?

PF ist Bischof von Rom. Es ist schon merkwürdig, daß er nicht den Römischen Kanon verwandt hat. Gefällt ihm sein Job nicht mehr? Bereitet er sich auf den Ruhestand vor?

Einige Geistliche gaben bei der Kommunion die Hostie auf die Zunge – auch dann, wenn der/die Empfänger/in die Hand zum Empfang ausstreckte. Andere richteten sich nach dem Wunsch der Empfänger. An einer Stelle sah es so aus, als ob ein Zeremonienmeister mit Gesten andeutete, die Kommunion solle auf die Zunge gespendet werden.

Zum Abschluß wurde Lead Kindly Light (Text von Newman) gesungen – auf Italienisch. Wenn wir schon Liturgie in der Umgangssprache haben, wäre es logisch, einen Text von einem der Heilig-Gesprochenen auch in der Sprache zu singen, in der er/sie ihn geschrieben hat. Schließlich ist Englisch auch nicht gerade eine der am wenigsten geläugigen Sprachen der Welt. Ich beklage die rücksichts- und ruhelose Italienisierung der katholischen Kirche. Mein Vater pflegte zu sagen, die katholische Kirche möge ja für die Itaker das richtige sein – aber doch nicht für Engländer. Es ist eine Schande, daß die gegenwärtige Politik des Vatikans anscheinend der gleichen Meinung ist.

Wer waren eigentlich die anglikanischen Bischöfe in der Nähe des Papstes? War einer davon eine scharlachgewandete Frau? Warum scheuen moderne anglikanische Bischöfe eigentlich vor dem Gebrauch des guten alten Pinguin (Insider-Bezeichnung für die ärmellose Chorsoutane anglikanischer Bischöfe) zurück, der doch gut genug war für den seligen William Laud? Die Kirche von England sollte all diesem vornehmtuerischen Aufputz ein Ende machen!

Aber was für einen großartigen Anblick boten all diese Katholiken aus Kerala und die Mengen von syro-malabarischen Geistlichen!

p.s. Der Kameramann zeigte uns in zahlreiche Einstellungen einen besonderen Kerl, der seinen Platz zwischen den Großkopfeten hatte. Der lehnte sich seitwärts und vorwärts, um sich am Rücken zu kratzen, daß es eine Pracht war – dann wandte er sich wieder seiner Tastatur zu oder pittelte an seinen Fingernägeln. Ganz schön ruhelos, der arme Kerl. Wirkt die Liturgie des Novus Ordo auf alle so? Gibt es eine medizinische Bezeichnung für die gesundheitlichen Folgen der Modernen Liturgie? Sind Gegenmittel bekannt?

Wer war das?