Am Rande - Woche 48

Auf der Resterampe.

13. 12.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu – Lagerräumung ist angesagt, alles muß raus. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich unter wissenschaftlicher Obhut mit den Grundsätzen katholischer Sexualmoral befaßt und herausgefunden, daß der Artikel schwer verkäuflich ist. Mehr dazu sagt ein Kommentar des Papsttreuen Blogs.

Die Nicht-Katholische Jugend macht großen Winterschlußverkauf  und trennt sich von Ladenhütern wie Zölibat, Sonntagspflicht oder Geschlechterpolarität usw. usf.. Eine katholische Ansicht zu derlei Quatsch kann man etwa im Beiboot Petri nachlesen. Eher ins humoristische Genre fällt demgegenüber der Versuch von auch-nicht-katholisch.de, gegenüber der DBKJ noch eins draufzusetzen: Dort hat man hl. Messe und überhaupt Gottesdienst in der Kirche als Staubfänger ausgemacht und träumt von neuen Gottesdienstformen „auf dem Markt oder in der Dönerbude“. Abgeschaut haben sie sich die Idee bei den Anglikanern - klar: von der Kirche von England lernen heißt siegen lernen.

Unversehens auf die Resterampe geraten scheint auch Papst Franziskus zu sein: Plötzlich spekuliert alle Welt über seine Nachfolge, hier etwa Sandro Magister oder dort Edward Pentin. Alle anderen schreiben dort fröhlich ab. Wir würden einen vorzeitigen Abgang Franziskus eher bedauern: Der Mann wird noch gebraucht, um denen die Augen zu öffnen, die es noch nicht begriffen haben.

Hilfreich für derlei Lernprozesse könnten die immer dichter aufeinander folgenden Nachrichten über die Finanzskandale des Vatikans sein. Anscheinend wird jetzt schon das Tafelsilber verhökert, um die Löcher zu stopfen; das Wallstreet Journal hat ermittelt, daß 90% der Einnahmen des Peterspfennigs nicht für gute Werke, sondern zur Deckung des Schuldendienstes aufgewandt werden. Nur weiter so – alles muß raus.

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Satiren, die das Leben schreibt...

11. 12.

... kommen im säkularen Zweig der katholischen Kirche derzeit alle Tage vor.

Etwa die Geschichte von den drei Nonnen im österreichischen Langenlois, die sich dieser Tage bitter und durchaus publikumswirksam darüber beschwerten, daß die Polizei in ihren Klausurbereich eingedrungen war und damit „eine empfindliche Störung ihres persönlichen und religiösen Lebens“ verursacht hatte. Und was hatte die Polizei in der heiligen Klausur zu suchen? Sie suchten einen zur Abschiebung anstehenden Afghanen, dem die frommen Frauen dort seit bereits drei Jahren Unterschlupf gewährten – und sie haben ihn gefunden. 

Gut ist auch der Witz mit dem künftigen Bischof Marketz von Kärnten, der Ruhe in das von Vorgänger Alois Schwarz mit undurchsichtigen Frauen- und Finanzgeschichten an den Rand der Spaltung gebrachte Bistum Gurk bringen sollte: Unmittelbar nach der Ernennung und noch vor der Bischofsweihe erklärte er sich für die Abschaffung des Zölibats, rückte von der Verpflichtung zum sonntäglichen Messbesuch ab und drückte seine Hoffnung aus, daß die Priesterweihe für Frauen ermöglicht werde. Glückwunsch an die vatikanische Kamarilla, die den bisher als Caritas-Manager tätigen theologischen Analphabeten als den richtigen Mann am richtigen Platz ausgeguckt hat. 

Und damit keiner denkt, wir berliner Piefkes hätten was gegen die Alpenländer. Nein, die Hiesigen sind genauso bescheuert. Wie die „Katholische“ Frauengemeinschaft hier ihre „roten Linien“ für den anstehenden synodalen Weg absteckt und offen ausspricht, daß „der sakramentale Diakonat der Frau“ für sie nur ein erster Schritt auf dem Weg zur Öffnung aller Weiheämter darstellt – das ist schon ganz großes Kino. 

Satirische Hochform demonstriert das Erzbistum Berlin mit seiner Verlautbarung zur letzten Woche neu eingesetzten Kommission für den interreligiösen Dialog: „Für die Kontakte zum Judentum wurde Monsignore Dr. Hansjörg Günther, zum Islam Pfarrer Dr. Florian Erlenmeyer beauftragt. ... Den Vorsitz des Expertengremiums, das Anfang kommenden Jahr seine Arbeit aufnimmt, hat Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC. Dem Kommissionsvorstand werden auch die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen „Christlich-jüdischer Dialog“ und „Christlich-islamische Begegnung“ des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin angehören.“ Die Posten sind glücklich vergeben – über die Inhalte ist nichts zu erfahren.