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Una Voce Korrespondenz 2017-I

Die soeben erschienene 1. Ausgabe des Jahrgang 2017 der Una Voce Korrespondenz hat einen eher ungewöhnlichen Schwerpunkt: In zwei Beiträgen stellt mit Bischofsvikar Serovpe Vartabed Isakhanyan ein Vertreter der armenischen apostolischen Kirche (also des nicht mit Rom in Einheit stehenden Zweiges) die Geschichte seiner Kirche und die wesentlichen Elemente ihrer Liturgie vor. Als dritter Text wird eine Übersetzung des armenischen Mess-Ordos einschließlich der Rubriken geboten – allerdings sind einige Hymnen abgekürzt. Damit präsentiert diese Ausgabe nicht nur wie gewohnt das Thema „Liturgie“, sondern hat auch eine hervorgehobene ökumenische Orientierung. Das ist im konkreten Fall umso bemerkenswerter, als die Armenisch-Apostolischen nicht nur – wie die Byzantiner – den Primat des Papstes ablehnen, sondern sich als Vor-Chalzedonier in Ihrer Christologie sowohl von Byzantinern als auch von Römern unterscheiden. Damit sind weit über ein Jahrtausend lang leidenschaftlich umstrittene Fragen angesprochen.

Daran anknüpfend behandelt Lutz Sperling im Wesentlichen an Leo Scheffczyk anschließend den Inhalt, die geschichtliche Entwicklung und das heutige Verständnis des Begriffes der Substantiation, dem die Armenier – ausweislich des hier vorliegenden Beitrages von  – zwar nicht widersprechen, den sie in seiner Bestimmtheit aber auch nicht teilen. Eine zentrale Rolle nimmt für Sperling dabei der Prozess gegen den „Transsubstantionsleugner-“ Galilei ein, den er im Zusammenhang mit den innerkirchlichen Auseinandersetzungen des Jahres 1632 um Papst Urban VIII. behandelt. Urban VIII. war wegen seiner faktisch in einigen Punkten den protestantischen Schwedenkönig Gustav Adolf begünstigenden Politik schwer unter Druck geraten – bis hin zu Gerüchten über Mordpläne und Drohungen mit einem Schisma.

Die von Sperling dargestellten Einzelheiten können hier nicht ansatzweise berührt werden – weder in den historischen noch in den theologischen Implikationen. Wichtig erscheint ein anderer Aspekt: Die Ausführungen Sperlings zu diesem Thema erscheinen als lebhafte Illustration eines Sachverhalts, den der Armenier Isakhanyan folgendermaßen anspricht:

Wie wir gesehen haben, sind im Laufe der Geschichte verschiedene Unterschiede zwischen den Kirchen entstanden, deren Ursache jedoch weder Christus noch die heilige Schrift sind. Eroberungspolitische Gründe, die Nationalbilder der Völker, ihr Bestreben nach Freiheit sind wichtige Gründe, die die Spaltung und Entstehung verschiedener Kirchen erklären“.

Die historische Entwicklung der Dogmen wäre demnach nicht allein auf einen Prozess geistgeführter abstrakter Wahrheitssuche und -findung zu reduzieren. Eine Aussage von erheblicher Sprengkraft.

Isakhanyan bietet auch einen Ausweg an, um diese Sprengkraft zu entschärfen, wenn er als Formel für das Erreichen einer „geistlichen und praktischen Einheit der Kirche Christi“ anbietet: „Einheit in allem Notwendigen, Freiheit in allem Zweifelhafte, Liebe in Allem“.

Das ist auf jeden Fall hilfreicher als die wohl nur wegen ihrer Inhaltslosigkeit so beliebte Phrase von der „versöhnten Verschiedenheit“ – wirft andererseits aber erneut schwer zu beantwortende Fragen auf: Was ist „notwendig“? Was soll als „zweifelhaft“ gelten? Und warum?

Spannende Fragen, die in der vorliegenden Ausgabe der UVK natürlich keinesfalls beantwortet werden – aber es gibt Denkanstöße.

Weitere Beiträge der Ausgabe bieten Überlegungen zur Entweltlichung der Kirche (Thorsten Paprotny) und aktuelle Tendenzen zur Aushöhlung des Glaubens an die Unsterblichkeit der Menschlichen Seele (Norbert Claasen). Darauf wird noch zurückzukommen sein.

Zu bekommen - am besten im Abonnement – ist die UVK über die Website der deutschen Una Voce

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