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St. Alphonsus in Baltimore

Bild: Screenshot aus einem Video im genannten Artikel der SunIm vergangenen Mai haben wir über die Entscheidung der Erzdiözese Baltimore berichtet, die Gemeinde St. Alphonsus als Personalpfarrei für die Katholiken des alten Ritus zu etablieren und die Seelsorge dort der Petrusbruderschaft anzuvertrauen.

Die Baltimore Sun hat in der vergangenen Woche in ihrem Lokalteil einen bemerkenswerten Bericht über die Entwicklung in dieser Pfarrei gebracht, in der die überlieferte Liturgie zwar nie ganz untergegangen war, seit der Übernahme durch einen jungen und anscheinen überaus tatkräftigen Pfarrer – der Vorgänger war im Mai mit 90 in Pension gegangen – aber noch einmal deutlich steigende Zahlen bei den Messteilnehmern aufzuweisen hat. Bemerkenswert ist der Bericht wegen seiner Länge von 1500 Worten, bemerkenswert auch wegen seines sachlichen und vorurteilsfreien Tons.

Baltimore ist eine Stadt mit etwas mehr als 600 000 Einwohnern, davon sind für amerikanische Verhältnisse relativ viele katholisch. Die Hauptstadt des Ostküstenstaates Maryland ist die älteste Diözese in den USA – das Bistum wurde bereits 1789 errichtet und umfasste zur Zeit seiner Gründung große Teile der nördlichen Ostküste; heute besteht es nur noch aus der Großstadt Baltimore selbst und einigen umgebenden Counties. Die kirchliche Entwicklung in Baltimore entspricht im großen Ganzen dem allgemeinen Trend in den USA, d.h. seit Mitte der 60er Jahre geht es in jeder Beziehung abwärts. Seit dem Frühjahr wird die Diözese zusätzlich belastet durch eine Netflix-Serie über den bislang unaufgeklärten Mord an einer Schul-Schwester im Jahr 1969, die diesen Kriminalfall auf reißerische Weise mit angeblichen oder tatsächlichen Mißbrauchsfällen an einer Mädchenschule des Bistums in Verbindung bringt.

Die Veröffentlichung eines Artikels, der die katholische Tradition mit Sympathie betrachtet, ist da keine Selbstverständlichkeit. Der Artikel läßt einige Gemeindemitglieder berichten, was sie an der dort gefeierten Liturgie anzieht. Es ist nicht gerade das, was eine Pastoral, die sich auf der Höhe der Zeit wähnt, zu ihren Dogmen gemacht hat. Eine Endvierzigerin, die die Faszination beschreibt, die von dem neugotischen Bauwerk mit seinen Pfeilern, Gewölben, Heiligenfiguren und bunten Fenstern ausgeht: „Ich komme hierhin und schaue mich um wie ein Kind. Hier spüre ich etwas, das tief in die Vergangenheit zurückreicht, es ist wie ein Schatz, den ich wieder neu entdecke. Ich muß nicht gleich jedes Wort verstehen – ich nehme das alles nach und nach auf. Ich merke einfach, wie es mich voranbringt.“ Und ihre 13-jährige Tochter: „Der Priester schaut nicht uns an – er wendet sich Gott zu, und darin liegt die Kraft. Ich denke, für junge Leute ist das cool, wie das alles schon seit so langer Zeit auf uns gekommen ist.“

Nostalgie? Aber doch nicht bei einer 13-Jährigen. Und die Mutter wurde auch erst geboren, als das Konzil schon vorbei war. Die Kraft der Tradition ist weitaus mehr als Nostalgie oder Sentimentalität. Tatsächlich hat die Gemeinde St. Alphonsus eine höchst beeindruckende Vergangenheit, die bestens geeignet ist, als Kraftquelle auf die Gegenwart auszustrahlen. Einer ihrer ersten Pfarrer war Mitte des 19. Jh. der Deutschböhme John Neumann – heiliggesprochen 1977. Sein Nachfolger Francis Xavier Seelos wurde im Jahr 2000 selig gesprochen, und eine frühere Schulschwester der Gemeinde, Sr. Casimira Caupas, trägt seit 2010 den Titel einer Verehrungswürdigen Dienerin Gottes. Der neue Pfarrer Joel Kiefer (48) bringt jedenfalls eine Voraussetzung mit, die es ihm erleichtern könnte, sich in diese Reihe zu stellen: In seinem Leben vor der Petrusbruderschaft war er Berufsoffizier. Daß das Leben auch aus Kampf besteht, auch für einen Pfarrer, muß er nicht erst mühsam im „training on the Job“ lernen.

Es lohnt sich, den Artikel der Baltimore Sun im Original anzuschauen.

Rektorat für die Tradition

Bild: Im Text genannter Artikel auf Rorate CaeliEine erfreuliche Nachricht erreicht uns aus Bridgeport, mit 150 000 Einwohnern die größte Stadt des übrigens stark katholisch geprägten kleinen US-Staates Connecticut an der Ostküste. Dort hat der in der Stadt residierende Diözesanbischof Frank Caggiano das Institut Christus König und Hoher Priester eingeladen, die Seelsorge in der Pfarrei der Hl. Cyril und Method zu übernehmen. Das Institut hat dazu am Rosenkranzfest in Bridgeport ein zunächst mit zwei Klerikern besetztes Oratorium eingerichtet.

Die feierliche Einsetzung des neuen Rektors erfolgte am Sonntag den 8. Oktober im Rahmen eines Hochamtes im überlieferten Ritus durch den Bischof selbst, der in choro an der Messe teilnahm und auch die Predigt hielt. Ebenfalls anwesend waren der Generalvikar und der Klerusvikar der Diözese sowie der Generalvikar des Instituts, Msg. Michael Schmitz. Die rechtliche Stellung des neuen Rektorats geht aus den hier vorliegenden Meldungen nicht eindeutig hervor; es handelt sich jedoch allem Anschein nach nicht um eine speziell für die Gläubigen im überlieferten Ritus eingerichtete Personalpfarrei nach Canon 518, sondern um die in Art. 10 von Summorum Pontificum ebenfalls vorgesehene Form eines Rektorats, die einer Ortspfarre entspricht.

Der neue Rektor Fr. Andrew Todd ist der Nachfolger des bisherigen Gemeindepfarrers Joseph Pekar, der die Gemeinde seit 1971 geleitet hat. Pfarrer Pekar hat während seiner langen und erfolgreichen Amtszeit dafür gesorgt, daß der Geist der Liturgie in seiner Kirche erhalten geblieben ist. Dazu gehörte es auch, daß er dort eine fast ungebrochen gepflegte Tradition der Messfeier im überlieferten Ritus ermöglichte. Es ist Bischof Caggiano sehr zu danken, daß er die aus Altersgründen unumgängliche Amtsaufgabe von Pfarrer Pekar nicht nutzte, um einen Bruch im liturgischen Leben der Gemeinde zu erzwingen, sondern daß er im Gegenteil den vorhandenen Boden nutzte, für die überlieferte Lehre und Liturgie einen sicheren Stützpunkt einzurichten.

Belohnte Beharrlichkeit

Bild: http://seelosinfuessen.eucharisticrenewal.org/news5.htmlIn diesen Tagen ist Pfarrer Arthur Bastress von der St.Alphonsus-Germeinde von Baltimore in den Ruhestand gegangen – im stolzen Alter von 90 Jahren. Priesterweihe 1951! Und er, der sich seit Jahrzehnten tatkräftig für den Erhalt der überlieferten Liturgie eingesetzt hat, erfährt die große Genugtuung, daß diese Liturgie mit seinem Abgang dort nicht verschwinden wird, im Gegenteil: Gestern hat die Erzdiözese Baltimore mitgeteilt, daß St. Joseph in Zukunft als Personalpfarrei für die Katholiken der überlieferten Liturgie von der Petrusbruderschaft verwaltet wird.

Soweit von hier aus zu recherchieren war, gehört St.Alphonus zu den in den USA gar nicht so seltenen Pfarreien, die den Irrweg der Liturgiereform frühzeitig erkannten und die traditionelle Liturgie und den überlieferten katholischen Geist nie ganz aufgegeben haben. Das hohe Alter des Jung-Pensionisten Bastress deutet darauf hin, daß es sich bei ihm um eine der knorrigen Pfarrerpersönlichkeiten alten Typs handelt, die der Albtraum jedes modernen Bischofs sind: So eigensinnig in ihren Überzeugungen, daß man es nicht riskieren kann, auch noch andere Orte oder Einrichtungen ihrem „bedenklichen“ Einfluß auszusetzen, und so fest verwurzelt in ihrer Gemeinde, daß jeder Versuch zu ihrer Ablösung einen Volksaufstand auslösen würde.

Jedenfalls hat die überlieferte Liturgie an St.Alphonsus eine anscheinend ungebrochene Tradition. Eine regelmäßige Sonntagsmesse gibt es dort seit 1992, und in dem Bericht der Baltimore-Sun über die damalige Erlaubnis von Kardinal Keeler wird erwähnt, daß aufgrund einer von über 1000 Gläubigen unterschriebenen Petition schon 1985 der damalige Erzbischof Borders erlaubt habe, einmal im Monat eine Sonntagsmesse in der traditionellen Form zu feiern. Das war drei Jahre vor dem „Indult“ von Papst Johannes- Paul II., so daß man annehmen kann, daß auch in den Jahren zuvor die überlieferte Messe dort zelebriert worden ist. Und nun also Personalpfarrei der Petrusbruderschaft. Die Tradition wird weitergegeben.

Pfarreinführung in Detroit

Bild: Oratoriumj St. Joseph, DetroitAm 5. Februar erlebte die Gläubigen im St. Josephs-Oratorium von Detroit eine doppelt seltene und beeindruckende Zeremonie: Die Installation eines neuen Pfarrers durch den Ortsbischof nach den vollständigen traditionellen Bräuchen. Die Errichtung eines Oratoriums – den Unterschied zur Personalpfarrei können wohl nur Kanonisten exakt beschreiben – für die Gläubigen der überlieferten Liturgie ist schon selten genug. Das Oratorium war in Detroit durch Erzbischof Vigneron im vergangenen Oktober errichtet worden und wurde jetzt durch die feierliche Amtseinführung von Kanonikus Michael Stein vom Institut Christus König und hoher Priester als Pfarrer gleichsam offiziell eröffnet.

Der Ritus, in dem diese Amtseinführung erfolgte, dürfte bereits im 19. Jahrhundert nur noch selten in vollem Umfang durchgeführt worden sein. In der hier geezigten Form ist er auch nicht im Pontificale Romanum enthalten – wir werden versuchen, seine Grundlage aufzufinden. Schola und Chor von St. Joseph sangen die Messe Aeterna Christi Munera von Palestrina.

Der Ritus der Amtseinführung, der auf der Facebook-Seite des Oratoriums in einer umfangreichen Photoserie dokumentiert ist, stellt in szenischer Repräsentation den gesamten Aufgabenbereich eines Pfarr-Herrn vor Augen, von der Spendung der Sakramente bis zur Verwaltung der Kirche und der „Inbesitznahme“ der Kanzel – all das im Auftrag des Bischofs. Eigentlicher Höhepunkt der Errichtungsfeier war dann ein levitiertes Hochamt, das vom neuen Pfarrer zelebriert wurde und dem Erzbischof in choro an seinem Thron beiwohnte.

Die Kirche St. Joseph in Detroit ist eine typische deutsche Einwandererkirche aus den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, innen und außen komplett im neugotischen Stil der Zeit gehalten. Sie steht wegen ihrer Fenster und der kunstvollen Holzausstattung seit 1972 unter Denkmalschutz. Nicht zuletzt unter diesem Schutz hat St. Joseph die kulturrevolutionären Wirren der vergangenen Jahrzehnte anscheinend völlig unbeschädigt überstanden. Auch in der Zeit nach dem Konzil wurde dort teilweise nach dem alten Ritus, teilweise im Novus ordo (englisch oder deutsch) ad Orientem zelebriert. Zu seltenen Gelegenheiten wurde ein transportabler Volksalter in den Chorraum getragen. So kam es dazu, daß die Kirche nach Errichtung des Oratoriums von den Kanonikern sofort in Gebrauch genommen werden konnte.

Barmherzigkeit in Texas

Am 9. Januar dieses Jahres starb der ehemalige Erzbischof von San Antonio, Texas, Patrick Fernandez Flores im Alter von 86 Jahren. Am 19. enthob der gegenwärtige Erzbischof Gustavo Garcia-Siller den vor 30 Jahren von Flores zum Priester geweihten Pfarrer der Gemeinde „Our Lady of the Atonement“, Fr. Christopher Phillips, seines Amtes (Quelle) und erlegte ihm einen „Besinnungsurlaub“ auf. Gleichzeitig ernannte er für die von der abrupten Entscheidung völlig überraschte und schockierte Gemeinde einen Pfarradministrator – gleichbedeutend mit der direkten Unterstellung unter die Diözesanverwaltung. Er begründete seinen Schritt damit, daß die Gemeinde einen Sonderweg eingeschlagen habe, der die Einheit im Bistum beeinträchtige.

Zumindest hinsichtlich der Feststellung einer Besonderheit hat der Bischof noch nicht einmal unrecht. Our Lady of the Atonement war nicht nur eine Gemeinde mit gut besuchten Gottesdiensten, würdiger Liturgie, einem weithin anerkannten Bildungsprogramm und wohlgeordneten Finanzen. Pfarrer Philipps, verheiratet, fünf inzwischen erwachsene Kinder, war in den 80er Jahren mit 18 Familien aus der Episkopalkirche ausgetreten und unter Hinterlassung von Kirche, Pfarrhaus und Rentenansprüchen katholisch geworden. Unter der noch von Papst Johannes Paul II. erlassenen „Anglican provision“ konnte er nach einem Zusatzstudium zum Priester geweiht und offiziell als Pfarrer seiner Gemeinde eingesetzt werden. Diese Gemeinde entwickelte wegen ihres anglikanischen Erbes – unter anderem einer zwar in englischer Sprache gefeierten, aber ansonsten nahe am überlieferten Missale Romanum festhaltenden „hochkirchlichen“ Liturgie – beträchtliche Anziehungskraft. Sie wuchs daher schnell über den Rahmen der ursprünglichen Konvertitengemeinde hinaus und hat heute über 500 Familien.

Schon diese Entwicklung sorgte gelegentlich für Reibungen, die aber unter Bischof Flores, der die Gemeinde von Pfarrer Phillips stets unterstützt hatte, stets bewältigt werden konnten. Die Situation verschlechterte sich, als Pfarrer Phillips nach dem altersbedingten Rücktritt von Bischof Flores, der seine Tätigkeit immer unterstützt hatte, um den Beitritt zum 2012 errichteten Personalordinariat vom Stuhl Petri für die Katholiken aus der anglikanischen/episkopalen Tradition in Nordamerika bemühte.

Bischof Silla hat sich nach dem Tod von Erzbischof Flores gerade einmal eine Woche Zeit gelassen, das Problem auf die im Pontifikat der Barmherzigkeit übliche Weise zu lösen: mit einem Gewaltstreich.

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie dieses Pontifikat mit dem Erbe von Papst Benedikt verfährt, sollte dieser vor seinem Nachfolger Franziskus abberufen werden.

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