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Update: Häresie der Formlosigkeit

Die gestern von Kirchenrechtler Peters kommentierte „spontane Trauungshow“ an Bord des päpstlichen Reisejets  war möglicherweise nicht ganz so spontan, wie es in den Medien unter eifriger Assistenz des vatikanischen Presseamtes dargestellt worden ist: Inzwischen gibt es Berichte, wonach das nunmehr glücklich verheiratete Paar die Sache eingefädelt haben soll. Das würde einen Nebenaspekt der Überlegungen von Ed Peters bezüglich der Persönlichkeitsrechte des Brautpaares gegenstandslos machen - in der Hauptsache bleiben die Bedenken gegen die öffentlichkeitswirksam demonstrierte Formlosigkeit und deren mögliche kirchenrechtliche Implikationen voll bestehen.

Hier ein Link auf den derzeit aktuellen Stand der Informationen.

Neue liturgische Websites

Bild: Aus Canticum SalomonisSeit dem vergangenen Dezember ist ein neues Webprojekt zur liturgischen Theologie online: Canticum Salomonis von Zachary Thomas, einem früheren Studenten von Peter Kwasniewski. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Erschließung schwer zugänglicher mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur zu liturgischen Themen. Die Seite soll einen Einblick in die Vielfalt des liturgischen Lebens der Kirche gewähren, die nicht erst seit der Liturgierevolution in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zuge der „Modernisierung“ aller Lebensbereiche unterdrückt wird und von Vergessenheit bedroht ist. Den programmatischen Anfang macht die Site mit einer Präsentation der Liturgieerklärung Gemma Animae des Mönchs Honorius Augustodenens, die in Latein, Englisch und mit kommntierenden Anmerkungen geboten wird. Weitere Beiträge des ersten Monats stellen die Ordnung der Regularkanoniker der Laterankirche und die Rolle der Ritterschaft und gekrönter Häupter in der Weihnachtsmesse des Papstes dar.

Damit git es in Nordamerika nach New Liturgical Movement zwei weitere Websiten, die sich dezidiert liturgischen Themen widmen, ohne sich dabei durch die anschwellende Woge der Apostasie in der Kirche von ihrem Hauptinteresse ablenken zu lassen. Bereits vor zwei Jahren Hat der Kanadier Shawn Tribe das Liturgical Arts Journal begründet, das seitdem eine Fülle großententeils von Tribe selbst verfaßter Beiträge zum Thema veröfentlicht hat. Shawn Tribe ist der Gründer von New Liturgical Movement, der sich nach der erfolgreichen Etablierung des „Movement“ und dem Abschluß seines Studiums für ein paar Jahre weitgehend aus dem Internet zurückgezogen hatte, um sich eine berufliche Zukunft aufzubauen.

Buchvorstellung: The Dictator Pope II

Screenshot des Titelbildes bei AmazonDas 4. Kapitel (hier die Zusammenfassung des ersten Teils) behandelt unter der Überschrift „Neue (Ab-)Wege eröffnen“ in mehreren Unterabschnitten die Familiensynoden. Diese Ausführungen zeichnen in großem Detail den von Anfang an von Manipulation und Verschleierung geprägten Verlauf der Bischofssynode nach. In der Sache enthält das für aufmerksame Beobachter wenig neues, doch allein die hier gebrachten Zitate der öffentlichen Auseinandersetzung von Befürwortern und Gegnern der aus dem Hintergrund von Franziskus gesteuerten Veranstaltung sind bewahrenswert. Das gilt auch für die Erinnerung an die dreisten Lügen von Kardinal Kasper, der seine in einem Interview gemachten abfälligen Bemerkungen über die „in Tabus befangenen“ afrikanischen Bischöfe so lange abstritt, bis Edward Pentin den Tonbandmitschnitt als Beweis präsentierte. Ebenfalls erinnernswert und sicher von Bedeutung für eine spätere kirchenhistorische Einordnung des Pontifikats Bergoglio die Dokumentation des Tonfalls, in dem Bergoglios Höflinge sich bemühten, Zustimmung für die Pläne ihres Herrn zu mobilisieren oder da, wo das nicht möglich war, zumindest vorzutäuschen.

Erinnernswert bleibt die Zurückhaltung von Postsendungen an die Synodenteilnehmer, die Exemplare des von einigen Bischöfen und Kardinälen veröffentlichten Buches „Der Wahrheit Christi treu bleiben“ enthielten. Erinnernswert die Ausführungen zu dem den Teilnehmern der Hauptsynode schließlich als angebliches Ergebnis der ersten Sitzungsperiode vorgelegten „Instrumentum Laboris“, von dem die amerikanische Pro-Life-Koalition „Voice of the Familie“ sagte, es „bedroht die gesamte katholische Lehre von Ehe, Familie und menschlicher Sexualität“. Das war nur eine von mehreren überaus kritischen Stimmen, die Franziskus dann zu einem seiner berüchtigten Ausfälle gegen die „Starrheit der Schriftgelehrten“ aufbrachten, die sich „den Überraschungen des heiligen Geistes“ verschlössen. Ausfälle bis hin zu dem freilich unbestätigten Bericht über einen päpstlichen Wutausbruch gegen die 13 Verfasser einer fundierten theologischen Kritik am „Instrumentum“: „Sie sollen gehen! Die Kirche braucht sie nicht. Ich werde sie alle herauswerfen“.

So kam es also zu einer Synode, die nach den Worten von Bischof Athanasius Schneider „für künftige Generationen und Historiker ein Schandmal auf der Würde des apostolischen Stuhls“ bleiben wird. In seiner Darstellung des Synodenverlaufs läßt Colonna keinen Zweifel daran, daß er – ohne die Existenz mächtiger Berater und Einflüsterer zu bestreiten – die Hauptverantwortung für die Manipulation von Verlauf und Ergebnis der Synode beim Papst selbst sieht.

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Amoris Laetitia und das Kirchenrecht

Der amerikanische Kirchenrechtler Edward Peters weist darauf hin, daß der Absatz 915 des kanonischen Rechts nach wie vor in Kraft ist. Dieser besagt:

Zur heiligen Kommunion dürfen nicht zugelassen werden Exkommunizierte und Interdizierte nach Verhängung oder Feststellung der Strafe sowie andere, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren.

Das ist eindeutig und von exakt der Klarheit, die bisher ein Kennzeichen der römischen Kirche bildete.

Es liegt zwar in der Hand des regierenden Papstes, diesen Absatz zu ändern oder ganz zu streichen. Eine solche Änderung kann jedoch nicht  dadurch erfolgen, daß sie an anderer Stelle impliziert oder stillschweigend vorausgesetzt wird. Es ist dazu ein ausdrücklicher Hinweis auf die Änderung erforderlich.

Peters macht weiterhin darauf aufmerksam, daß ein Dokument durch seine Bezeichnung als Pastoralbrief nicht automatisch zu einer die Kirche bindenden Erklärung des Lehramtes wird. Eine aus zweiter Hand berichtete Willensbekundung - auch wenn diese in den AAS erscheint - reicht dafür nicht aus. Hierzu müssen weitere formale Bedingungen erfüllt werden, die nach Ansicht von Peters bisher ausstehen.

Solange diese Erfordernisse offen bleiben, ist die Veröffentlichung in den AAS – ganz abgesehen von ihrer inhaltlichen Zulässigkeit – kein Bestandteil der kirchlichen Gesetzgebung. Sie dahingehend auszulegen, wie das hier auf katholisch.de versucht wird, ist vielmehr Ausdruck der in diesem Pontifikat herrschenden Geringschätzung und Mißachtung des Rechts der römischen Kirche. 

Buchvorstellung: The Dictator Pope

Screenshot des Titelbildes bei AmazonHeute, am 4. Dezember, erschien die englische Version des aufsehenerregenden Buches „Il Papa dittatore“. Der unbekannte Verfasser bedient sich des Pseudonyms Marcantonio Colonna – das war ein hochrangiger Angehöriger des italienischen Adelsgeschlechtes der Colonna, der – von Papst Pius IV. aus Rom verbannt – in den Dienst des spanischen Königs trat und als Admiral eine wichtige Rolle in der Seeschlacht von Lepanto spielte. Er brachte es bis zum Vizekönig von Sizilien und gilt als einer der intimsten und auch selbst skrupellosesten Kenner der Machtpraktiken des 16. Jahrhunderts.

Das nun erschienene Buch seines geistigen Nachfahren zeichnet in 6 Kapiteln ein Bild von der aktuellen Verfasstheit des Vatikans, das – sofern es denn auch nur zur Hälfte zutrifft – selbst dem einen Schrecken einjagen muß, der bisher schon keine hohe Meinung vom Rom unter dem Regiment des Jorge Mario Bergoglio von Buenos Aires hatte.

Das Bucht enthält 6 Kapitel mit den Überschriften:

  1. Die St. Gallen-Mafia
  2. Der Kardinal aus Argentinien
  3. Die Reformen – welche Reformen?
  4. Auf krummen Wegen
  5. Barmherzigkeit, Barmherzigkeit!
  6. Der Kreml von Santa Marta

Hier soll zunächst der Inhalt der drei ersten Kapitel kurz vorgestellt werden. Diese Kapitel – die anderen haben wir nur überflogen, aber sie erwecken den gleichen Eindruck – verzichten völlig auf Polemik und stützen sich weitestgehend auf bereits bekannte Quellen – oft aus dem Umfeld des Papstes selbst oder dem seiner Unterstützer. Neu ist nur die umfassende Zusammenstellung des Materials und das sich daraus ergebende Gesamtbild.

Das erste Kapitel zeichnet detailliert nach, was über die St. Gallen-Mafia (von Kardinal Daneels selbst geprägter Ausdruck) bekannt ist. Es ergibt sich das Bild einer bestens vernetzten Gruppe, die seit Beginn der 90er Jahre eng zusammenarbeitete, um die konservativen Impulse, die vom Pontifikat JPII ausgingen, zu neutralisieren und die Weichen in Richtung auf einen modernistischen Neubeginn „im Geist des Konzils“ zu stellen. Als theologische Köpfe der Gruppe benennt er die Kardinäle Martini und Kasper. In der Position eines Chefstrategen sieht er den Brüsseler Kardinal Daneels. Insbesondere die beiden letztgenannte identifiziert der Autor als Personen, die von einer bis zur Kapitulation gehenden Kompromissbereitschaft gegenüber den Forderungen der „Sexuellen Befreiung“ gekennzeichnet sind.

Diese Gruppe war kein monolithischer Block, zusammengehalten wurde sie durch ein gemeinsames Streben nach „Dezentralisierung“, „Kollegialität“ und „Patorale Orientierung“. Nach der Wahl Benedikts sah sie sich in der Hoffnung auf Installation eines eigenen Kandidaten enttäuscht und verfiel zunächst in eine Art Schockstarre. Umso dankbarer ergriff sie die Gelegenheit von Benedikts überraschendem Rücktritt und nahm ihre (nach den Regularien des päpstlichen Stuhls) unzulässige Fraktionsarbeit zur Vorbereitung des Konklaves wieder auf – und setzte sich mit ihrem 2005 noch gescheiterten Kandidaten Bergogli durch.

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