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Papst Benedikt gründet eine Lateinische Akademie

PorträtphotoWenn wir dem italienischen Vaticanista Andrea Tornielli in dieser Sache glauben können, bereitet Papst Benedikt derzeit ein Motu Proprio zur Errichtung einer Pontificia Academia Latinitatis vor. Dabei will, so Tornielli, der Papst nicht nur den Stellenwert des Latein in der Kirche wieder etwas anheben, sondern auch in Schulen und der Wissenschaft auf eine stärkere Pflege der Wissenschaftssprache der europäischen Tradition hinwirken.

Bleibt zu hoffen, daß das neue Motu Proprio eine stärkere Wirksamkeit entfaltet als die Apostolische Konstitution Veterum Sapientia, mit der Papst Johannes XXIII. am Vorabend des Konzils vor 50 Jahren die Kirche feierlich darauf verpflichtete, der lateinischen Sprache in ihrer Liturgie und in der Lehre wieder ihre alte zentrale Stellung zurück zu geben. Ein Aufruf, der trotz seiner Gesetzeskraft ungehört verhallte und die Gegner der Tradition nicht davon abhalten konnte, die Sprache der Kirche und die Kenntnis der in dieser Sprache niedergelegten Weisheit der Alten auf den Altären ihrer Fortschrittsideologie zu opfern.

Hier der Artikel Torniellis auf Vatican Insider in englischer Sprache.

Gutes und weniger Gutes zum Tage

Aus Schottland erreicht uns die Nachricht, daß die seit langem überfällige Regulierung der Rechtsstellung der „Söhne des allerheiligsten Erlösers“ (früher „Transalpine Redemptoristen“) endlich erfolgt ist. Mit Wirkung vom heutigen Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel ist die Gemeinschaft von Papa Stronsay als Geistliches Institut Diözesanen Rechts in der Diözese Aberdeen von Ortsbischof High Gilbert, OSB, kirchenrechtlich anerkannt. Mehr dazu auf der Website von Papa Stronsay.

Die weniger gute Nachricht beruht auf einem Gerücht, das auf eine „gewöhnlich gut unterrichtete Quelle“ zurückgeht und das wir nur unter entsprechendem Vorbehalt weitergeben.

Danach sind die Arbeiten an einer „neuen Ausgabe des alten Missale“ soweit fortgeschritten, daß dieses im kommenden Sommer veröffentlicht und seine Verwendung ab 2013 vorgeschrieben werden kann. Schwerpunkte der Änderungen:

  • Erlaubnis zur Verwendung neuer Präfationen an allen Festen, die im Novus Ordo eine Eigenpräfation haben;
  • Allgemeine Erlaubnis, den überlieferten Ritus auch „versus populum“ zu zelebrieren;
  • Erlaubnis, den ganzen Wortgottesdienst in der Volkssprache zu feiern.

Der Wille zum „liturgical engineering“ in den zuständigen Vatikanischen Behörden wäre demnach anscheinend ungebrochen - zumindest soweit es die Richtung „weg von der Tradition“ betrifft.

Die Diskussion über Erzbischof Müller hält an

Papst Benedikt XVI. und Bischof GeLu MüllerDie Diskussion über die dogmatischen Positionen des neuernannten Präfekten der glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hält an. Und während die ersten Beiträge einen weder besonders sachlichen noch einen besonders überzeugenden eindruck hinterließen, sind jetzt zwei Artikel erschienen, denen wohltuende Sachlichkeit und fachliche Kompetenz zu bescheinigen ist.

Der sehr lange Artikel von Klaus Obenauer ist nicht ganz leicht zu lesen, eröffnet aber auch theologischen Laien ein tieferes Verständnis dessen, worum es bei dieser Frage geht. Außerdem macht er darauf aufmerksam, daß die von Erzbischof Müller vertretene Auffassung keinesfalls seine Privatmeinung ist, sondern einer nach dem 2. Vatikanum aufgekommenen „alternativen Hermeneutik“ des Dogmas entspricht.

Der weitaus kürzere Artikel von Oldendorf (offenbar ein Pseudonym) behandelt zwar auch die dogmatischen Fragen, setzt den Akzent jedoch auf die kirchenpolitischen Aspekte der Ernennung des Regensburgers zum Verantwortlichen für die Rekonziliation der Piusbruderschaft und die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften.

Interview mit Erzbischof Müller bei Radio Vatikan

Papst Benedikt XVI. und Bischof GeLu MüllerDaß die Ernennung des Regensburger Bischofs zum Präfekten der Glaubenskongregation und damit auch zum Verantwortlichen für Ecclesia Dei bei traditionsorientierten Katholiken keine große Freude ausgelöst hat, bedarf kaum besonderer Erläuterung. Bischof Gerhard Ludwig Müller ist - in dieser Hinsicht übrigens ganz im Gegensatz zu Papst Benedikt - eher ein typischer deutscher Universitätstheologe. Wie den meisten Angehörigen dieser Zunft gelingt es ihm immer wieder, die Glaubenswahrheiten derart „mit den geistigen Entwicklungen der Zeit, den soziologischen Veränderungen, mit dem Denken der Menschen in Zusammenhang“ zu bringen, daß nachher keiner dieser Menschen mehr versteht, was er eigentlich gemeint hat.

Wenn derlei auch von einem verantwortlichen Oberhirten kommt und nicht nur von einem hauptberuflichen Jongleur auf dem Jahrmarkt akademischer Eitelkeiten, weckt das viele Zweifel und Ängste.

Auf der anderen Seite ist unverkennbar, daß Papst Benedikt den Regensburger Emeritus auch als Theologen schätzt und ihm schon vor Jahren die Herausgabe seiner „Gesammelten Schriften“ anvertraut hat. Völlig unvereinbar mit den Plänen des Papstes kann seine Berufung an die Spitze der Glaubenskongregation also nicht sein.

Unter diesen Umständen ist es schon etwas irritierend, in welchem Maß der neue Präfekt jetzt gerade seitens traditionsorientierter Kreise jene „sprungbereite Feindseligkeit“ zu spüren bekommt, die sonst die Progressisten gegenüber Papst Benedikt an den Tag legen. Aus drei isoliert zitierten Zeilen aus vielhundertseitigen Werken zu „beweisen“, daß einer ein Glaubensverräter sei, ist schon eine reife Leistung. Was da in den letzten Tagen auf einigen Webseiten - auch sonst eher besonnenen - und Diskussionsplattformen zu lesen war, läßt vermuten, daß wahrhaft „protestantischer“ antirömischer Geist noch weiter in die Reihen der Tradition eingebrochen ist, als man angesichts der schlechten Behandlung, die die Tradition vielfach immer noch erfährt, befürchten wollte.

Vielleicht ist das Interview des neuen Präfekten mit Radio Vatikan dazu geeignet, die Maßstäbe wieder etwas zurechtzurücken.

Inzwischen hat sich auch Dom Nicola Bux im Interview mit Andrea Tornielli zu den umstrittenen Zitaten geäußert - hier im Original und auf katholisches.info eine deutsche Übersetzung.

Bischof Müller übernimmt die Glaubenskongregation

Bischof Müler im MessornatMit seiner heute bekanntgegebenen Ernennung zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation übernimmt Gerhard Ludwig Müller, bisher Bischof von Regensburg und seit heute Erzbischof an der Kurie, auch die Position des Präsidenten der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei und somit die Zuständigkeit für die der überlieferten Liturgie verpflichteten Gemeinschaften und die Versöhnungsgespräche mit der Priesterbruderschaft des hl. Pius X. Aus Regensburg bringt Erzbischof Müller für diesen Aufgabenbereich schwere Belastungen mit : In dieser Diözese hat die Priesterbruderschaft ihr europäisches Seminar Zaitzkofen, und als Ortsbischof hat Müller mehrfach versucht, der Bruderschaft die Durchführung von Priesterweihen zu verbieten – womit er wenig überraschender Weise kein Gehör fand. (Beleg 1), (Beleg 2)

Als besonderer Freund der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften ist der Bischof bisher nicht hervorgetreten. (Beleg 3)

Für seinen Klerus hatte Bischof Müller allerdings im April 2008 – also ein halbes Jahr nach dem Inkrafttreten von Summorum Pontificum, eine mehrtägige Fortbildungsmaßnahme zur überlieferten Liturgie angesetzt, über deren Verlauf und praktische Auswirkungen dann jedoch wenig bekannt wurde. (Beleg 4)

Inzwischen gibt es in der Stadt selbst eine regelmäßige Sonntagsmesse in St. Rupert und gelegentliche Werktagsmessen an anderen Orten. (Beleg 5)

Papst Benedikt hat Bischof Müller 2007 die Herausgabe seiner „Gesammelten Schriften“ anvertraut und ihm jetzt mit der Leitung der Glaubenskongregation eine der schwierigsten Aufgaben übertragen, das die Kirche zu vergeben hat. Beten wir für ihn, daß er dieser Verantwortung gerecht werden kann.

Die Website des Bistums Regensburg präsentiert eine ausführliche Übersicht über Leben und bisherige Tätigkeit des neuen Präfekten.

Zusätzliche Informationen