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Die 34. Woche

Bild: Bistum Osnabrück/katholisch.deZu den erfreulichen Ereignissen der vergangenen Woche zählen wir die Firmung im überlieferten Ritus, die der Ortsbischof der schottischen Diözese Dunkeld am 21. August drei Kindern seines Bistums spendete. Doppelt erfreulich, weil der Bischof anschließend auch in choro dem levitierten Primizialhochamt beiwohnte, das der eine Woche zuvor geweihte Fr. Ninian Doohan dort zelebrierte. Fotos von beiden Ereignissen hier. Ebenfalls erfreulich die auf New Liturgical Movement verbreitete Nachricht, daß aus Kreisen von Gläubigen, die der überlieferten Lehre und Liturgie anhängen, ebenfalls in Schottland eine neue Wallfahrt initiert wurde, die zur St. Andreas-Kathedrale in, ja genau, St. Andrews führte. Bei dieser Wallfahrt soll in Zukunft alljährlich für die Bekehrung des alten katholischen Kernlands gebetet werden. Das priesterliche Patronat über die Wallfahrt haben die ganz im Norden Schottlands residierenden Transalpinen Redemptoristen übernommen. New Liturgical Movement bringt einen bebilderten Bericht.

Nicht gänzlich unerfreulich erscheint uns auch die auf katholisches.info  überaus kritisch kommentierte Indiskretion der US-Amerkanischen Jesuitenpostille America, am 19. November werde der Papst auf einem feierlichen Konsistorium zum Abschluß des Jahres der Barmherzigkeit 13 neue Kardinäle ernennen. Und zwar Kardinäle entsprechend seiner Absicht, den Schwerpunkt der Kirche von der Zentrale zur Peripherie hin zu verlagern und eine absolute Mehrheit der Europäer beim nächsten Konklave unmöglich zu machen. Zugegeben, über das Konzept „Peripherie gegen Zentrale“ können selbst altergraute Maoisten nur noch den Kopf schütteln, und periphere Erscheinungen wie der Philippino (oder sagt man nicht neuerdings Philippiner?) Tagle oder der Honduraner Madariaga geben wenig Anlass zur Begeisterung, aber da sind ja auch schlachtenerprobte „people of color“ wie die Kardinäle Sarah und Ranjith. Die geben langfristig allemal mehr Grund zum Optimismus als Zeitgeister wie Daneels, Marx oder Parolin, die eine absolute Mehrheit der Europäer nicht unbedingt als besonders wünschenswert erscheinen lassen.

Kennzeichnend  für diesen mitteleuropäischen Katholizismus – besser sollte man von transkonfessioneller Gutmenschlichkeit sprechen – mag unter anderem sein, daß sich der Münsteraner Bischof Genn überaus schockiert über die Nachrichten von der Abführung eines Ghanaers aus dem „Kirchenasyl“ im Kapuzinerkloster Münster durch die Polizei zeigte. Aber nicht, weil der Schuzsuchende dabei einen Polizisten in die Hand gebissen hatte, sondern weil die Behörde es wagt, in Umsetzung geltenden Rechtes (Dubliner Abkommen) den Mann in sein Erst-Ankunfts-Land Ungarn zurückbringen zu wollen. Das geht ja nun mal gar nicht. Da – und nur da – beanspruchen wir Exterritoritalität.

Der Aufreger der Woche war aber, zumindest im deutschen Sprachraum, der in unserem „Anderswo gelesen“ bereits unmittelbar nach seinem Erscheinen am 18. August verlinkte Artikel von Alexander Kissler im Cicero: „Der Priestermangel ist gewollt“. Kissler gelang es mit seiner Provokation, das Schweigekartell zu erschüttern, das es den deutschkatholischen Amtsträgern bisher noch stets erlaubt, unliebsame An- und Einsichten unter dem nächstbesten Teppich verschwinden zu lassen. In der Blogwelt gab es ein ziemliches Rumoren, und auf Kath.net fanden sich gleich drei Vertreter der offiziellen Linie bemüßigt, ihren Widerspruch zu Protokoll zu geben. (P. Adrian Kunert S.J; Pastoralreferent Markus Gehling und Pfr. Regamy Thillainathan) Zu sagen hatten alle drei nicht viel, außer, daß Kissler unrecht habe, unfair verallgemeinere und überhaupt anscheinend nichts von den Kirchen der Dritten Welt lernen wolle – also wohl ein böser Fremdenfeind sei. (Thillainathan) An den Tatsachen selbst vermochte natürlich keiner der Kritiker zu rütteln: 58 Neuweihen im letzten Jahr – aber nach wie vor stures Beharren: „Wir machen alles richtig“. Ja, und der letzte macht das Licht aus. Oder heiratet die Pastoralreferentin. Oder beides.

Was es mit dem Weihepriestertum wirklich auf sich hat, hat demgegenüber Cardinal Sarah, der schon wieder, am 23. August bei einer Rede vor dem Klerus der Erzdiözese Colombo ausgeführt, sozusagen von Peripherie zu Peripherie. Der Titel der Rede deutet die Richtung an - „Liturgisches Leben und Priestertum“ - dürfte manchem deutschen Pastoraltheoretiker ziemlich fremdartig klingen. „Die Kirche ist ihrem Wesen nach eucharistisch, das heißt, sie ist ihrem Wesen nach liturgisch“ - so einer der Kernsätze des Kardinals. Mehr nachzulesen auf New Liturgical Movement.

Einen Lacher der Woche gibt es selbstverständlich auch, und auch der führt uns wieder näher an den liturgischen Schwerpunkt dieser Publikation. Der unvergleichliche Bischof Bode war zu einem Aktionstag katholischer Schulen im Zoo der Bischofsstadt Osnabrück gekommen, wo es darum ging, die Kinder für die Bewahrung der Schöpfung zu sensibilisieren. Originalton kna/katholisch.de:

"Ihr müsst mithelfen, die Schöpfung zu bewahren", ruft er ihnen zu. Die Erde sei ein "riesiges Haus", für das die Menschen die Verantwortung trügen. Er ruft dazu auf, den übermäßigen Fleischkonsum zu überdenken. Auch erinnert er die Kinder daran, dass die Erderwärmung von Menschen gemacht ist. "Wir müssen Freund der Menschen und der Tiere sein", bringt es Bode auf einen kindgerechten Nenner.

Damit hat er, so legt es der hier zitierte Kommentar von KNA nahe, offenbar das Zentrum der Verkündigung im Zeitalter der Neuevangelisierung erreicht:

"Das ist mal was Praktisches und da kommt man mal raus", heißt es unisono. Und dann stimmen sie ein in den Schlussgesang "Gott sei Dank für alle Blumen". Noch einmal ganz große Stimmung gibt es, als sich der Bischof am Schluss des Gottesdienstes die Eisbärenkappe eines Jungen ausleiht und aufsetzt. "Ich hatte schon viele Mützen, aber so eine noch nie."

Erleichtert stellen wir fest: Dem Manne konnte geholfen werden. Und wünschen einen guten Wochenanfang!

Die 33. Woche

Am Fest Mariä Himmelfahrt haben die Söhne des Allerheiligsten Erlösers – besser bekannt als die transalpinen Redemptoristen von Papa Stronsay – zwei neue Mitglieder mit ewiger Profess in ihre Reihen aufnehmen können.  Die kleine Gemeinschaft, die nicht nur nach den Lebensumständen ihres Hauptsitzes zu den „Härtesten der Harten“ in der mit Rom verbundenen Tradition gehört, festigt damit ihre Aussichten, allen kommenden Stürmen begegnen zu können. Ganz wichtiger Tip für unser in klösterlichen Gemeinschaften lebenden Leser: Falls sich einmal ein Seehund in Euer Kloster verirren sollte - hier zeigen Euch die Transalpinen, wie man mit so etwas umgeht.

Die offizielle Website der katholischen Bischöfe Deutschlands fand das Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in diesem Jahr keiner besonderen Erwähnung wert – das macht aber nichts, wir springen da gerne ein. Wahrscheinlich waren die Exzellenzen und Emminenzen samt ihrem Secretario Langendörfer auch einfach zu sehr damit beschäftigt, ihrem neuen „Lehrer des Glaubens“ Dr. Martin Luther zu huldigen – so zumindest wird er mehrfach in der letzte Woche veröffentlichten „Arbeitshilfe: Reformation in ökumenischer Perspektive“ (hier zum Download)  angesprochen. Das ist ja schon recht gelungen – nun müssen sie nur noch lernen, daß es richtig geschrieben heißt: in ökonomischer Perspektive.

Am 14. 8 begann in Dublin, Irland, die zweiwöchige Orlandus Summer School. Sie stellt zwar nicht explizit die überlieferte Liturgie ins Zentrum, übernimmt mit der Pflege der musikalischen Tradition der Kirche aber einen einen nicht zu überschätzenden Beitrag zur Wiederherstellung der Liturgie. Einen kurzen Bericht mit Verweis auf mehrere bei Youtube eingestellte Filme vom bisherigen Verlauf bietet New Liturgical Movement.

Im polnischen Lichen endete am 12. August die diesjährige „Ars Celebrandi“ - wie es heißt, die größte Veranstaltung zur überlieferten Liturgie in Europa. Die sehr schön aufgemachte Website  enthält Texte nur in polnischer Sprache, aber auf Youtube findet sich ein mit englischen Untertiteln versehener Film mit Auszügen aus einer Ansprache von Bischof Mering von Wloclawek an die Teilnehmer.

Zurück nach Deutschland. „Keine Angst vor Islamisierung“ hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, wie katholisch.de am vergangenen Dienstag zu vermelden wußte. Größere Sorgen scheinen ihm – dem kurzen Bericht nach zu schließen – gegen ihn gerichtete „Hasskommentare“ in sozialen Medien zu bereiten. Dennoch geht er unverdrossen von einer „christlich geprägten Situation hierzulande“ aus. Wenn er sich da nicht mal irrt. Islam und andere Formen der Feindschaft gegenüber dem Christentum gehen oft Hand in Hand, und über die „christliche Prägung“ hätten wir vor 50 Jahren mal sprechen sollen.

Den Kölner Kardinal Woelki, der zur Gamescom im Kölner Dom „würdig und geil“ die Lichtinstallation „SilentMOD“ vom Stapel gelassen hat, lassen wir am besten einmal per Interview mit dem „Express“ selbst zu Wort kommen: „Ich höre gern die Sampler von Future Dance. Und sehen Sie, hier habe ich sogar Blank & Jones auf dem Handy." Die beiden Künstler haben auch die Musik zu „SilentMOD" geschrieben. Auch das Album „Off The Record" des früheren Kraftwerk-Musikers Karl Bartos begleitet den Erzbischof: „Solche Musik höre ich gern beim Autofahren. Das hält mich wach.". Der Mann wird seinem Weihbischof doch nicht den Ehrentitel „Franziskus von Köln“ streitig machen wollen. 

Nichts Neues diese Woche aus Rom. Die Gleichschaltung des Apparates, genauer gesagt: Der Spitzenpositionen, geht weiter. Nun wurde auch die Leitung des Instituts Johannes Paul II für Ehe und Familie mit Anhängern und Hintermännern des Bergoglio-Kurses neu besetzt. Man kann das mit einiger Gelassenheit betrachten: Was mit einem Federstrich angeordnet wurde, kann auch mit einem Federstrich wieder rückgängig gemacht werden – wenn der ‚politische‘ Wille vorhanden ist. Und wo er nicht vorhanden ist, womit man auch mit der Zeit nach Franziskus rechnen muß – nun, dann ist er eben nicht vorhanden, und wir bleiben weiterhin auf das angewiesen, was uns das am Katechismus geschulte Gewissen sagt.

Einen guten Wochenanfang!

Omnes sancti martyres - orate pro nobis

Nun haben die überaus erstaunlichen Pressekonferenzen, die Franziskus stets im Flugzeug zu geben pflegt, also doch ihr Gutes gehabt: Nach seinen Erklärungen auf dem Rückflug aus Krakau ist dieser Mann, wenn er sich zu weltlichen Dingen äußert, endgültig nicht mehr ernst zu nehmen. Und da er auch schon deutlich gemacht hat, daß er nicht beabsichtigt, sich mit der Autorität des Petrusamtes zu Fragen der Glaubens- und Sittenlehre zu äußern, können wir auch hier beruhigt sein: Da kommt nichts mehr, was einen Katholiken im Gewissen berühren könnte – außer einer gelegentlichen und aus jedem Mund willkommenen Bekräftigung dessen, was schon immer galt.

Eine Woche nach der rituellen Schlachtung des Priesters Hamel am Altar in Frankreich und im zehnten Jahr einer im Namen des Islam tobenden blutigen Christenverfolgung im Orient so zu reden, wie Franziskus im Flugzeug vor der Presse geredet hat, nimmt dem Mann die letzte Glaubwürdigkeit, die man ihm in Ansehung seines hohen Amtes noch zugestehen wollte. Seine Erklärung ist derart absurd, daß selbst die überaus Franziskus-freundliche Presse sie, so weit wir sehen, nicht im Wortlaut verbreitet hat, sondern peinlich berührt auf Zusammenfassungen auswich. Etwa der Art: der Papst habe vor einer Gleichsetzung von Islam und Gewalt gewarnt.

Schon in der ersten Erklärung seines Pressesprechers zum Priestermord - der Papst selbst hielt sich vornehm zurück - hatte sich gezeigt, daß die Kirche der Bergoglio, Lombardi, Spadano, Madariaga, Kasper, Galantino und wie sie alle heißen mit dem Terror im Namen des Propheten nicht umzugehen weiß. Sie ist nicht ansatzweise imstande oder auch nur willens, dieses überaus tatkräftige Dementi ihres von Illusionen und säkularen Rücksichten bestimmten Umgangs mit dem Islam zur Kenntnis zu nehmen.

Schlüsselwort der Erklärung war die Bezeichnung des Mordes als „absurd“. Allerdings sind Mord und Totschlag seit 1500 Jahren die mal mehr, mal weniger dominierende Konstante in der Praxis des Islam gegenüber den Christen gewesen. Ein Moslem, der einem Christen den Kopf abschneidet, befolgt schließlich nur eine radikale, aber vom Lebensbericht des Propheten selbst beglaubigte Lesart vieler Verse des Korans und einen dementsprechend in zahllosen Lehrschriften und Predigten wiederholten Auftrag: "Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Ungläubigen, wo ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf." (Sure 9.5) 

Und auch für den Christen, der seinen Glauben kennt und ernst nimmt, haben solche Taten nichts „absurdes“. Sie entsprechen nur zu genau dem, was Christus vorausgesagt hat: Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen (Joh. 15,26). Damit entsprechen sie nicht nur einer Prophetie von vor 2000 Jahren, sondern auch einer unmittelbar mit der Kreuzigung des Herrn einsetzenden Praxis und seitdem nicht mehr endenden Kette von blutigen Verfolgungen; Verfolgungen, in denen sich die Anhänger des Islam seit über 1000 Jahren immer wieder hervortun. Unzählige Christen sind diesem Furor zum Opfer gefallen; viele, deren Namen bekannt sind, werden von der Kirche als Märtyrer hoch in Ehren gehalten verehrt und um Fürsprache bei dem Herrrn, für den sie ihr irdisches Leben verloren haben, angerufen.

Jede Tat, die zu einem Martyrium führt, ist grausam, unmenschlich, abstoßend und welche Worte sich sonst noch aufdrängen mögen - aber was an Märtyrern und Martyrium ist „absurd“? - es sei denn, man habe sich längst vom Glauben an den Herrn über Leben und Tod verabschiedet oder empfindet ein aus einem Glauben heraus begründetes Handeln überhaupt als „absurd“, „unlogisch“ oder sonstwie aus der Zeit gefallen.

Wahrhaft absurd aber ist es, wenn man Verbrechen hierzulande - der Papst nennt als Beispiel einen Schwiegermuttermord - mit den aus ihrer Religion begründeten Mordtaten fanatischer Moslems gleichsetzt und als private Lehre verkündet: "Man kann nicht sagen, es ist nicht richtig zu sagen, dass der Islam terroristisch ist." Doch lesen Sie selbst:

Ich mag es nicht, von islamischer Gewalt zu sprechen, denn jeden Tag, wenn ich die Zeitungen durchblättere, sehe ich Gewalttaten, hier in Italien: da ist der, der seine Freundin oder seine Schwiegermutter tötet, und das sind gewalttätige katholische Getaufte. Würde ich von islamischer Gewalt sprechen, müsste ich dann auch von katholischer Gewalt sprechen? Nicht alle Muslime sind gewalttätig. Das ist wie ein Obstsalat, in den Religionen gibt es die Gewalttätigen. Etwas ist wahr: in fast allen Religionen ist da immer ein kleines fundamentalistisches Grüppchen. Auch wir haben das. Und wenn der Fundamentalismus dazu kommt, zu töten – man kann mit der Zunge töten, das sagt der Apostel Jakobus, nicht ich, und man kann mit dem Messer töten – es ist nicht richtig, den Islam mit Gewalt zu identifizieren. ... Ja wir können sagen, daß der sogenannte ISIS ein islamischer Staat ist, der sich gewalttätig präsentiert, weil er uns als seinen Personalausweis zeigt, wie sie die Ägypter abschlachteten. Aber das ist ein kleines Grüppchen, man kann nicht sagen, es ist nicht richtig zu sagen, daß der Islam terroristisch ist."

Das war's denn wohl — war's das?

Lange habe ich überlegt, welche Aufgabe der Ratschluss Gottes wohl dem Pontifikat von Franziskus zugedacht haben mag. Mir scheint, die Rolle des Mannes aus Argentinien  besteht darin, der Kirche den Papalismus auszutreiben. Drei Jahrhunderte von Päpsten, die trotz punktueller Schwächen und gelegentlicher strategischer Fehleinschätzunge den Glauben und die Sittelnlehre der Kirche überzeugend vertreten haben, führten - zusammen mit autoritären Neigungen vergangener Zeiten - in weiten Teilen der Kirche dazu, im Papst nicht den Nachfolger des Petrus zu sehen, der selbst den Herrn dreimal verleugnet hat, sondern einen irdischen Stellvertreter Christi mit gottgleicher Allwissenheit und Autorität. Nach drei Jahren Franziskus sind von diesem Papstbild nur noch lächerlich wirkende Restbeständen übrig geblieben. Unerhörtes ist geschehen: Nicht nur Kirchenmitglieder, die alles ändern wollen - auch Katholiken, die nichts als katholisch sein Wollen, haben das Vertrauen in den Papst verloren.

Das hat enorme Auswirkungen. Sicher stand auch bisher schon in jedem Lehrbuch, daß ein Papst die Lehre der Kirche nicht ändern kann. Doch damit hätte ohnehin nie jemand gerechnet, galt doch der Papst als der Wächter und Beschützer der Überlieferung. Beginnend mit den Unruhen des 2. Vatikanums, die heute in Franziskus ihre Verkörperung gefunden haben, ist diese Gewissheit geschwunden. Zunächst erwachte Argwohn, inzwischen hat dieser sich gewandelt zu Entschlossenheit. Sollte Franziskus formelle Änderungen versuchen, die den Rahmen dessen überschreitet, was immer schon gelehrt und geglaubt worden ist, würden ihm zwar immer noch genug Schönredner und Opportunisten folgen - aber gleichzeitig würde er einen Widerstand provozieren, der ihn zum Urheber einer Kirchenspaltung machten. Das verdeckte Schisma, das die Kirche seit Jahrzehnten zerreißt, müsste manifest werden.

Michael Charlier

 


Die hiermit für einen Tag unterbrochene Sommerpause von summorum-pontificum.de endet wie angekündigt zum Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel.

 

600 Priester für die FSSPX

Bild: dici.orgAm gestrigen Fest des heiligsten Herzens Jesu erteilte Bischof Alfonso de Gallareta im Priesterseminar der Piusbruderschaft in Winona 7 Diakonen der Gemeinschaft die Priesterweihe. Sechs der Neugeweihten kommen aus den Vereinigten Staaten, einer aus England. Damit wurden zusammen mit den Weihen in Wigratzbad innerhalb eines Monats 12 Diakone  neu geweiht. Diese Weihen sind natürlich unabhängig von der Zahl ein Grund zu großer Freude. Diese Freude wird allerdings noch dadurch vergrößert, daß die Bruderschaft jetzt erstmals in ihrer Geschichte 600 Priester als Mitglieder zählen kann. Und im Unterschied zum Klerus der meisten Diözesen, dessen Altersdurchschnitt sich der Pensionsgrenze nähert, können die meisten Prister der FSSPX noch auf viele Jahrzehnte pristerlichen Wirkens hoffen - und darauf, daß ihre Zahl auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.

„Unser Treffen ist die Botschaft“

Bild: Reuters/ZDF zitierte MeldungDer Missionsauftrag des Auferstandenen „Gehet hinaus und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes  und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe“ (Matthäus 28) gehört zu den Gründungsurkunden des Christentums. Ohne diesen Auftrag wäre die Gruppe der Jünger eine von vielen jüdischen Sekten geblieben, die in Israel das Erbe ihres verehrten Gründers hochhielten, ohne damit den Lauf der Geschichte besonders zu beeinflussen und der Menschheit ihre Erlösung zu verkünden.

Deshalb ließ es aufhorchen, als Papst Franziskus sich im Interview mit La Croix in einer Weise äußerte, als ob dieser Auftrag in einer Weise verstanden werden könnte, wie auch die Anhänger Mohammeds ihre Sendung verstehen – und seit anderthalb Jahrtausenden mit Feuer und Schwert und watend in Meeren von Blut und Tränen in der Welt ausbreiten.
Deshalb ließ es erneut aufhorchen, als Kardinal Kurt Koch am 23. Mai in London daran erinnerte, daß die Kirche den Auftrag habe, alle Menschen zu bekehren, auch die moslemischen „Gotteskrieger“, die die Christen blutig verfolgen, wo immer das in ihrer Macht steht. Freilich machte der Kardinal mit einer artigen Verbeugung vor der Konzilserklärung Nostra Aetate eine Ausnahme für die Juden – als ob diese nicht zu „allen Menschen“ gehörten und als ob die Apostel blind und dumm gewesen wären, als sie den Juden die Heilsgeschichte des Messias verkündeten, um sie zu taufen.

Noch mehr ließ es dann freilich aufhorchen, als P. Lombardi – das ist der Mann, der uns immer weißmachen will, daß etwas anderes gesagt als gehört worden ist – behauptete, der Kardinal sei „falsch verstanden“ worden: „Es ist nicht korrekt, Kardinal Kurt Koch eine Aufforderung zur Prosellytenmacherei gegenüber den muslimischen Gläubigen zuzuschreiben“. (Lesenswert dazu ‚Ein Kardinal wird zurückgerudert‘ auf pro-theol.blogspot.de).

Nun wird uns der überaus gewitzte Lombardi sicher demnächst erklären, wie seine Bezeichnung von der Mission als „Proselytenmacherei“ zu verstehen ist – etwa unter Hinblick auf den hl. Franziskus, der zu einer Zeit, als Christen noch Missionare und Sultane (manchmal) noch Gentlemen waren, zu Sultan el Malik el Kamil nach Dumyat in Nordägypten reiste, um ihm das Evangelium zu predigen. Der Sultan ließ sich zwar nicht taufen – aber er gewährte Franziskus sichere Rückreise, und fortan wagten sich viele fromme Franziskaner in die Länder unter dem Banner des Propheten, um dort das Evangelium zu verkünden. Die meisten trafen nicht auf Gentlemen wie der hl. Franziskus, und sie starben als Märtyrer.

So war das also wohl alles ein großer Irrtum, und inzwischen sehen wir auch, warum: In der vergangenen Woche schlugen „Papst Franziskus und der ägyptische Großimam Ahmed Mohammed al-Tayyeb ... ein neues Kapitel im interreligiösen Dialog auf. Am Montag begegneten sich der Papst und der führende Geistliche der Al-Azhar-Universität aus Kairo erstmals zu einem persönlichen Gespräch im Vatikan. Die anschließende Pressemitteilung des Heiligen Stuhls sprach von einer „sehr herzlichen“ Atmosphäre. Die beiden Herren versicherten sich ihrer grundsätzlichen Übereinstimmung in der Sorge für die Armen der Welt und für einen friedenstiftenden Dialog der Religionen auf Augenhöhe.

Vom Evangelium war nicht weiter die Rede. „Unser Treffen ist die Botschaft“ meinte Franziskus II. zur Begrüßung seines Gastes. Und es gab ein schönes Bild, das die Herzen der Menschen in einer postreligiösen Welt – so weit sie denn reicht – erwärmen kann.

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