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Die 38. Woche

Schaffen wir zunächst die allwöchentlichen kleineren Ärgernisse aus dem Weg. Assisi – war da was? Fr. Ray Blake sieht die Veranstaltung im Zusammenhang mit den diplomatischen Bemühungen des Vatikans, eine Art UNO der Religionen zu schaffen, mehr nicht – wahrscheinlich hat er Recht damit. Dem gleichen Ziel ordnet sich wohl auch die Veröffentlichung eines radikalfeministischen Artikels in der „Frauenbeilage“ des Osservatore Romano ein, da wird unter der Überschrift „Gibt es die Frau?“ unverdrossen der genderistische Ansatz propagiert, den Franziskus an anderer Stelle doch kritisiert hat.

Frauen- und Sexfragen beherrschen auch sonst die Zuckungen der progressiven Geister. In Deutschland setzt Zentralkommitte-Vorsitzender Sternberg seine Attacken gegen den Zölibat fort, in USA nimmt ein leitender Redakteur der jesuitischen Dissidenzpostille ‚America‘, Fr. James Martin S.J. die Ehrung eines homosexuellen Kampfverbandes entgegen. Auf katholisch.de nutzt der Paderborner Pastoraltheologe Haslinger die berechtigte Kritik an den überall entstehenden Riesenpfarreien, um die Festschreibung der bestehenden kleineren Einheiten zu fordern, die wegen des Priestermangels von Seelsorgerinnen – die liegen ihm sehr am Herzen – und Seelsorgern aus dem Laienstand in engem Kontakt zur „Lebenswirklichkeit der Menschen“ geleitet werden sollten. Der Entsakralisierung folgt die Entsakramentalisierung, das hat seine Logik.

Entsakramentalisierung bildet auch den Hintergrund, wenn der Liturgologe Kranemann die aus Anlass öffentlicher Beunruhigungen immer öfter begangenen ökumenischen Feiern als wertvolle Anreger einer Liturgieentwicklung betrachtet, die mehr Raum „ für unterschiedliche Gruppen, Lebenssituationen und Kulturen“ bietet. Das meint er äußerst weitherzig: „In Köln und kürzlich nach dem Amoklauf in München wurden sogar Muslime in die ökumenischen Gottesdienste einbezogen. Das sind auf Zukunft hin wichtige Schritte, die man theologisch begleiten muss.“ Aber er drückt sich auch nicht vor der anderen Seite des Pflichtprogramms: mehr Frauen auf liturgische Lehrstühle steht auf seiner Wunschliste ganz oben.

Soweit also nicht viel Neues. Beunruhigender erscheinen da andere Entwicklungen: In Argentinien hat sich Bischof Aguer von La Plata in einem Zeitungsartikel gegen die weithin propagierte „Kultur der Unzucht“ und Akzeptanz von „widernatürlichen Verbindungen“ gewandt. Das gehört – auch wenn klare Ausdrücke in den letzten Jahren immer seltener zu hören waren – nun mal zum „Kernbestand“ der kirchlichen Verkündigung. Aber nun hat er das Argentinische Sekretariat für Menschenrchte am Hals, und auch das Nationale Institut gegen Diskriminierung, Xenophobie und Rassismus erwägt eine Anklage. Aus England und skandinavischen Ländern werden ähnliche Klagen – samt anschließender Verurteilung – schon seit längerem berichtet, nun breitet sich die Krankheit auch in spanischsprachigen Ländern aus.

Mit abstrakten Forderungen nach „Achtung der Religionsfreiheit“ wird man dem nicht beikommen können. Mit exakt dieser Forderung unternimmt es derzeit eine Satanisten-Sekte in den Vereinigten Staaten, ihre Propaganda als eine Art „nachmittägliche Arbeitsgemeinschaft“ an Schulen zu etablieren - Religionsfreiheit für alle. Dabei kann man dieser Sekte – ähnlich wie den mitteleuropäischen Anhängern des Spaghetti-Monsters – getrost unterstellen, daß sie nicht wirklich an den Bockmist glauben, den sie da von sich geben: Sie wollen lediglich – unter dem Verlangen nach Religionsfreiheit als Deckmantel – jedes Lebenszeichen von Religion aus der Öffentlichkeit verbannen. Indirekter Satanskult, wenn man so will. Und ein klarer Beleg dafür, daß der angeblich so hohe Wert abstrakter Religionsfreiheit nicht in der Lage ist, das zu schützen, was zu schützen er vorgibt. Hier tun sich Fragen auf, deren Reichweite schwer zu ermessen ist.

Für das beunruhigendste Ereignis der letzten Tage sorgen wir Katholiken aber selbst: Die achtenswerten Publikationen „The Remnant“ und „Catholic Family News“ haben einen in der Geschichte der Kirche seit Jahrhunderten nicht mehr vorgekommen Schritt gewagt: Unter der Überschrift Mit brennender Sorge haben sie eine formell als solche bezeichnete „Anklageschrift“ gegen Papst Franziskus erstellt und veröffentlicht, in der sie dem Inhaber des Stuhles Petri „gestützt auf die Gnade Gottes und das Kirchenrecht“ vorwerfen, „den Glauben zu gefährden und den Seelen der Gläubigen und dem allgemeinen Wohl der Kirche schweren Schaden zuzufügen.“ Man mag das als journalistischen Ausdruck des Hochmuts von Leuten abtun, die mancher ohnehin sektiererischer und schismatischer Neigungen verdächtigt – als Symptom für die tiefe Krise, in die das gegenwärtige Pontifikat viele Gläubigen als Individueen, aber auch die Kirche insgesamt und das Amt an der Spitze gestürzt hat, ist es unübersehbar. Und weit und breit auch nicht der Ansatz einer Lösung.

Demgegenüber fallen die guten Nachrichten, mit denen wir diesen Überblick beschließen wollen, eher mager aus.

Das Institut Christus König und Hoher Priester, das vor vier Jahren die Seelsorge im von der Aufgabe bedrohten „Dome of Home“ in New Brighton übernommen hatte, kann dort jetzt einen dritten Priester einsetzen – damit wird es unter anderem möglich, auch werktags zwei heilige Messen im überlieferten Ritus anzubieten. Offenbar fällt die Arbeit des Instituts dort also auf fruchtbaren Boden.

Einem Bericht auf n-tv.de konnten wir entnehmen, daß die Arbeit an der Digitalisierung der Bestände der vatikanischen Bibliothek, von der schon des öfteren eher Unbestimmtes zu hören war, nun endlich Fahrt aufnimmt. Bisher sind etwa 5000 von 82 000 Handschriften erfasst – das Tempo ist also noch steigerungsfähig. Und was die Beteiligten anspornen sollte: Ein guter Teil dieser Handschriften ist inhaltlich völlig unerschlossen und nur oberflächlich auf der Grundlage oft jahrhundertealter Verzeichnisse katalogisiert – mit Überraschungen ist zu rechnen. Jorge von Burgos hätte seine Freude daran.

Als Drittes ist zu nennen eine wirklich gelungene Aufnahme des gregorianischen Propriums für das Requiem, die im Rahmen des „Devotional Hymn Projects“ von Peter Meggison entstanden ist. Schwerpunkt dieses Projektes sind Kirchenlieder in Englischer Sprache. Die neueste Aufnahme vom Juni diesen Jahres ist eine von wenigen, die das gesamte Proprium und nicht nur einzelne Highlights zu Gehör bringen – und das in einer Fassung, die vorbildlich für den Gesang in der überlieferten Liturgie sein dürfte.

Den oben gezeigten Entwurf eines Heiligenbildes zum Lutherjahr fanden wir auf der Seite von St. Corbinians Bear. Der hat die Grafik seinerseits irgendwo aus den Tiefen des Internets gezogen und sich nicht die Mühe gemacht, herauszufinden, ob das ernst gemeint ist oder satirisch. Das können wir nachvollziehen: Wer kann das in diesen Tagen schon unterscheiden.

Fangen Sie die neue Woche trotzdem gut an!

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