Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Reform der Reform

Zelebration „versus Deum“ weiterhin geltendes Recht

28. 8. 2009

Von Dr. Gero P. Weishaupt

Die Zelebration „versus Deum“ ist - zusammen mit der Mundkommunion und der lateinischen Kultsprache - nicht Gegenstand der von Papst Benedikt XVI. gewünschten „Reform der Reform“ der Liturgie, sondern Verwirklichung geltenden Rechtes. Es geht hierbei um die Korrektur einer Fehlentwicklung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Zweites Vatikanisches Konzil

Bekanntlich hat sich das Zweite Vatikanische Konzil zur Zelebrationsrichtung nicht geäussert. Ebensowenig wird in der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium des Konzils etwas über die Errichtung neuer Altäre vorgeschrieben. Das erste nichtkonziliare Dokument, das hierüber etwas sagt, ist die Instruktion Inter Oecumenici vom 26. September 1964, die mit ihren Normen den Anspruch erhebt, eine konkrete Ausführung der Liturgiekonstitution zu sein. Der Text der Instruktion sei hier zuerst lateinisch und dann in meiner deutschen Übersetzung zitiert:

Die Instuktion Inter Oecumenici

Praestat ut altare maius extruatur a pariete seiunctum, ut facile circumiri et in eo celebratio versus populum peragi possit..."(Sacra Congregatio Rituum[1964] 898, Nr. 91).

„Es ist besser, dass der Hauptaltar von der Rückwand getrennt errichtet wird, damit man ihn leichter umschreiten und auf ihm die Feier zum Volk hin erfolgen kann.“ Die Hauptaussage des Textes ist die Trennung des Altares von der Rückwand (a pariete seiunctum).

An dem gesamten Satz fällt zweierlei auf:

  1. es wird nur eine Empfehlung ausgesagt in bezug auf die Trennung des Altares von der Rückwand (praestat = es ist besser; es ist wünschenswert)
  2. es wird nur von einer Möglichkeit der Zelebration zum Volk hin als Zweck der Trennung des Altares vom der Rückwand gesprochen (ut ... possit= damit ... könne). In diesem Falle ist das ut als ein finales „ut“ (damit) aufgefasst. Grammatisch ist allerdings auch eine konsekutive Interpretation denkbar: ut = so dass. Dann wäre wie folgt zu übersetzen:
    „Es ist besser, daß der Hauptaltar von der Rückwand getrennt errichtet wird, so dass er leichter umschritten werden kann und auf ihm die Feier zum Volk hin erfolgen kann."

Fasst man also das ut konsekutivisch auf, wäre die Umschreitung und die Zelebration eine Folge der Freistellung des Altares. Durch diese kausallogische Änderung der Aussagen wäre der Hinweis auf die Zelebration nochmals abgeschwächt. Es kommt dem Gesetzgeber auf die Möglichkeit der Trennung des Altares von der Rückwand an, nicht auf die Zelebration versus populum. Letzteres bleibt eine untergeordnete Nebenaussage.

Wie dem auch sei, die Instruktion von 1964 spricht nur von der Möglichkeit der Zelebration zum Volk hin. Es handelt sich hier also auf keinen Fall um eine Vorschrift. Anders ausgedrückt: Die Zelebration versus populum wird durch Inter Oecumenici zwar erlaubt, nicht aber verpflichtet.

Das Missale Pauls VI. (sogenannter „ordentlicher Usus des Römischen Messritus")

So ist es nur konsequent, daß die Rubriken des Missale Romanum Pauls VI. („Novus Ordo“) nicht von der Zelebration versus populum, sondern von der Zelebration versus orientem (uneigentlich und theologisch nicht richtig: „Zebration mit dem Rücken zum Volk“) ausgehen, wenn es da heisst, daß der Priester beim Orate, Fratres, beim Pax Domini, beim Ecce, Angus Dei und beim Ritus conclusionis sich dem Volk zuwendet. Dieser Hinweis wäre überflüssig, wenn die Rubriken des Novus Ordo die Zelebration versus populum vorsehen würden. Demnach geht auch das nachkonziliare Missale Pauls VI. davon aus, dass der Priester die Messe zum Altar hin gewendet und nicht zum Volk hin zelebriert. Vor der Priesterkommunion heißt es sogar ausdrücklich „ad altare versus", zum Altar gewandt. Die dritte Editio typica des erneuerten Missale Romanum behält diese Rubriken bei (Missale Romanum [2002], Ordo Missae, 515, Nr. 28, 600, Nr. 127, 601, Nr. 132 f., 603 Nr. 141).

Die Institutio Generalis von 2000

Schließlich ist noch in diesem Zusammenhang die zu Studienzwecken veröffentlichte Institutio Generalis von 2000 zur dritten Editio typica des erneuerten Missale Romanum einschlägig. Dort heisst es unter Nr. 299:

Altare extruatur a pariete seiunctum, ut facile cirumiri et in eo celebratio versus populum peragi possit, quod expedit ubicumque possibile est.

„Der Altar soll von der Rückwand getrennt errichtet werden, damit“ oder: so dass „man ihn leichter umschreiten und auf ihm die Feier zum Volk hin erfolgen kann, was nützlich ist, wo immer es möglich ist."

Im Gegensatz zur Instruktion Inter Oecumenici von 1964 ergänzt und erläutert die Institutio Generalis von 2000, daß die von der Rückwand getrennte Errichtung des Altares nützlich und förderlich (expedit) ist. Der Nutzen bezieht sich auf die Stellung des Altares, nicht auf die Zelebrationsrichtung. Von der wird lediglich gesagt, daß sie durch die Trennung des Altares von der Rückwand möglich wird (peragi possit). Auch hier ist also keine Forderung der Zelebration zum Volk hin ausgedrückt.

Das aber heisst: Es gibt keine Pflicht zur Zelebration versus populum. Das geht auch deutlich aus einer Antwort der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente vom 25. September 2002 hervor: „Zunächst muss berücksichtigt werden, dass das Wort expedit keine Verpflichtung darstellt, sondern einen Vorschlag bezüglich der Anlage eines freistehenden (a pariete seiunctum) Altars und der Zelebration zum Volk hin (versus populum).“ Danach erläutert die Kongregation weiter: „Der Satz ubi(cumque) possibile sit bezieht sich auf verschiedene Aspekte. z.B. die räumlliche Anlage, den verfügbaren Platz, den künstlerischen Wert des besonderen Altares, das Empfindungsvermögen der Gemeinde, die an den liturgischen Feiern in der betreffenden Kirche teilnimmt etc.“ Die Institutio Generalis 2000 sieht die Zelebration zum Volk hin folglich auch als eine Möglichkeit, ohne die Zelebration versus orientem bzw. zum Altar hin auszuschliessen.

Schlussfolgerung

Rechtlich betrachtet ist demnach die Zelebration versus orientem die normale Form der Zelebration. Aus räumlichen oder architektonischen Gründen ist es möglich, den Altar getrennt von der Rückwand zu platzieren, was eine Zelebration zum Volk hin ermöglicht. wobei zu betonen ist, dass auf einem solchen Altar die Zelebration versus populum nicht vorgeschrieben, sondern als eine Möglichkeit vorgesehen wird.