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Und wieder eine Auflösung

Bild: Aus dem genannten Artikel auf Church MilitantAm 5. Dezember 2018 hatten wir unter der Überschrift „Und wieder ein Kommissar" gemeldet, daß die kleine traditionsorientierte Priesterbruderschaft Famiglia Christi vom Heiligen Stuhl unter kommissarische Verwaltung gestellt worden war. Verantwortlich war der Chef der Glaubenskongregation, der Jesuit Kardinal Luis Ladaria, der damals als Kommissar einen weiteren Jesuiten, den römischen Weihbischof Daniele Libanori, einsetzte. Dieser hat nun seine Tätigkeit im Sinne der in diesem Orden besonders zahlreich vertretenen Kirchenverderber erfolgreich abgeschlossen, und am 28. Februar – die Corana-Krise hatte Italien schon fest im Griff – konnte der als Ortsordinarius zuständige Erzbischof von Ferrara – Commachio die von Rom beschlossene Auflösung der Famiglia verkünden.

Die Bruderschaft selbst war erst 2014 vom damaligen Erzbischof Luigi Negri als Gemeinschaft diözesanen Rechts errichtet und dann 2016 auch von Ecclesia Dei anerkannt worden. Die Einsetzung eines Kommissars bereits so kurz nach Gründung und Anerkennung hat einen höchst einfachen Grund: Der eher traditionsorientierte Erzbischof Negri hatte 2017 nach Erreichen des 75. Lebensjahres seinen Rücktritt anbieten müssen, der von Franziskus unverzüglich angenommen wurde. Als Nachfolger wurde der ausgewiesene Progressist Gian Carlo Perego eingesetzt – mit dem offen oder stillschweigend erteilten Auftrag, den vorkonziliaren Umtrieben in Ferrara-Commachio ein Ende zu bereiten. Was dieser mit der von dieser Bande gewohnten Tatkraft denn auch sogleich anging.

Das Auflösungsdekret bzw. die Presseerklärung des Bistums nennt wie üblich keine nachvollziehbaren Gründe für die Aufhebung der Gemeinschaft. Ausdrücklich zieht es die canones 693 und 701 des Kirchenrechtes heran, um den Priester der Famiglia jede priesterliche Tätigkeit zu untersagen und ihre Inkardination in einer anderen Diözese an die vorherige Zustimmung der Glaubenskongregation zu binden. Damit haben die ehemaligen Mitglieder der Gruppe einen ähnlich rechtlosen Status wie die bereits zu Anfang des Pontifikats aufgelösten Franziskaner der Immakulata. Das ist vielleicht kein Zufall, denn einer der – hinter vorgehaltener Hand erhobenen und nie belegten – Vorwürfe gegen die Famiglia war, daß sie auch Mitgliedern dieser Gemeinschaft Zuflucht gewährt hätten.

Die Entwicklung in Ferrara-Commachio wirft erneut ein Schlaglicht auf den unsicheren Status von Gemeinschaften diözesanen Rechts, die völlig von Gnade oder Ungnade des jeweiligen Bischofs abhängig sind und – sofern sie traditionstreu und rechtgläubig sind – auf keinerlei Schutz durch römische Behörden rechnen können. Eher im Gegenteil.

Eine Rituskirche für die Lateiner - II

Bild: Vo der Website der Apostolischen AdministraturDas Schweigen von Querida Amazonia zu den reformatorischen Dauerthemen wie Zölibat oder Frauenweihe hat nicht dazu geführt, daß die Propagandisten dieser Forderungen nun ihrerseits erst einmal Ruhe gegeben hätten. Eher im Gegenteil: Einige wollen in dem von anderen lautstark beklagten Schweigen des Dokuments sogar eine Ermutigung sehen, die „Diskussion“ verstärkt fortzusetzen – zwei schöne Beispiele hier zur „Machtfrage“ und zum Zölibat. Sollen sie ruhig – mit expliziten Neuerungsversuchen zu diesen Themen ist im aktuellen Pontifikat eher nicht mehr zu rechnen, und mit den Ambivalenzen Franz'scher Dokumente lernen wir zu leben.

Interessanter erscheint ein anderes Thema, das in der Öffentlichkeit weitaus weniger Aufmerksamkeit findet: Die Frage eines eigenen Ritus oder gar einer eigenen Rituskirche für den Amazonas. Sie war auf der Synode von Kurienerzbischof Fisichella recht ausführlich zur Sprache gebracht worden und hat uns damals dazu geführt, darüber nachzudenken, ob eine eigene Rituskirche für die Lateiner nicht einen anzustrebenden Weg böte, Fortbestand und Weiterentwicklung der überlieferten Liturgie in Einheit mit dem Stuhl Petri zu ermöglichen. Eine „Rituskirche“ zeichnet sich nicht nur durch den Besitz eines eigenen Ritus, also vornehmlich in der Liturgie, aus. Sie verfügt auch über ein eigenes Kirchenrecht, eigene Disziplinarregeln und in Grenzen sogar über einen eigenen Katechismus – wobei in allen Punkten durch römische Rekognoszierung sichergestellt wird, daß die Einheit der Kirche im Grundsätzlichen gewahrt bleibt. Die in Einheit mit dem Papst stehenden Ostkirchen (die z.B. keinen Priesterzölibat kennen), sind solche Rituskirchen, und die Ordinariate der anglikanischen Tradition kommen in ihrer gegenwärtigen Rechtsstellung nahe an den Status einer Rituskirche heran.

Die Errichtung einer begrenzt eigentständigen Rituskirche für die überlieferte Lehre und Liturgie könnte für die der Tradition anhängenden Katholiken eine große Erleichterung mit sich bringen. Natürlich würde sie aus vielen Gründen auf den erbitterten Widerstand der bisher in Westeuropa konkurrenzlos da stehenden „Novus-Ordo-Kirche“ stoßen. Der zähe Widerstand der englischen Hierarchie gegen die Errichtung der Ordinariate spricht Bände und hat den Prozess nicht nur verzögert, sondern auch das Ergebnis beeinträchtigt. Allerdings ist die Machtstellung dieser auf dem Weg der Säkulartisierung weit vorangeschritenen Ortskirchen in Rom selbst im chaotischen Pontifikat Franziskus‘ erschüttert, wie an den zunehmenden Spannungen zwischen Kurie und Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz erkennbar wird. Der Gedanke einer „Pluralisierung“ der Kirche ist vielen Vertretern dieses Pontifikates durchaus nicht fremd – bisher haben wir nur meistens eher die verhängnisvollen als die denkbaren positiven Seiten dieses vor Augen gehabt.

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Zwei Nachträge

Bild: Aus dem genannten Bericht auf New Liturgical MovementZwei Meldungen der vergangenen 14 Tage, die uns entgangen waren oder erst verspätet in den hier beobachteten Internetpublikationen erschienen sind, sollen hier festgehalten werden.

Bereits am 8. Februar hat Bischof em. Bruskewitz von Lincoln, Nebraska, im Seminar U.L.F. von Guadelupe der Petrusbruderschaft sieben jungen Männern die Weihe zum Subdiakonat erteilt. Beten wir dafür, daß sie ihren Weg erfolgreich zu Ende gehen und dann in der in den USA überaus aktiven und erfolgreichen Bruderschaft daran mitarbeiten, die überieferte Lehre und Liturgie der Kirche zu erhalten und für die Neuevangelisierung nutzbar zu machen.

Einen ausführlichen Bildbericht von der Weihe mit Erklärungen zum Ablauf der Zeremonien des Weihegeschehens bringt New Liturgical Movement vom 26. Februar.

Am vergangenen Aschermittwoch hat Erzbischof Guido Pozzo, früherer Sekretär der vor einem Jahr aufgelösten päpstlichen Kommission Ecclesia Dei für die Belange der Gemeinschaften des alten Ritus, in der römischen Pfarrkirche der Petrusbruderschaft ein Pontifikalamt gefeiert und die Auflegung des Aschenkreuzes vollzogen. Die Zelebration war allem Anschein nach nur kurzfristig angekündigt und ist bisher auch nur in einer kurzen Notiz auf Messainlatino gemeldet worden; außerdem gibt es ein mit dem Handy aufgenommenes 2-Minuten-Video auf Youtube.

Sie wollen Ihr Bestes!

Bild: Von der WEbsite des KlostersOb die Woche vor Weihnachten die beste Gelegenheit für Spendenaufrufe bietet, kann mit guten Gründen bezweifelt werden. Trotzdem wollen wir hier zwei Bitten um finanzielle Unterstützung weitergeben, die uns in den letzten Tagen im Netz begegnet. 

Das Bild oben zeigt die Orkney-Insel Papastronsay nördlich von Schottland, in Kreisen der Tradition bekannt durch das dort angesiedelte Golgotha-Kloster der Sons of the Most Holy Redeemer - früher auch bekannt als „Transalpine Redempteristen“ - eine Gemeinschaft der Tradition, die Leben in strenger Kontemplation und Abgeschiedenheit mit jeweils für einige Monate übernommener Großstadtseelsorge verbindet. 

Am 9. Dezember wurde das gerade mit einigem finanziellen Aufwand generalüberholte Boot der Mönche für die Verbindung mit dem größeren Stronsay und anderen Inseln von einem der berüchtigten Dezemberstürme auf den Pier geworfen. Totalschaden. Nun haben die Söhne des Allerheiligsten Erlösers eine Spendenaktion gestartet - hoffen wir, daß sie bald wieder seetüchtig sind.

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Weniger akut, aber dennoch dringlich, ist der Spendenruf einer kleinen Gruppe traditionsorientierter Mönche in Frankreich, die in der Diözese Frejus-Toulon das Monastère Saint-Benoît gegründet haben. Prior ist übrigens der renommierte Liturgiewissenschaftler Alcuin Reid. Die Gemeinschaft residiert gegenwärtig in einem ehemaligen Pfarrhaus, groß genug als Wohnung für die Mönche, aber viel zu klein für Besucher, Exerzitien und das sich abzeichnende Wachstum der Gemeinschaft. Bischof Rey, der in seinem kleinen Bistum schon mehreren traditionellen Gemeinschaften Heimat gewährte, steht nun vor einer anderswo völlig unbekannten Schwierigkeit: Alle in den vergangenen Jahrzehnten aufgegebenen Klöster und Konvente sind inzwischen an neue Gruppierungen vergeben - das Pfarrhaus für die Mönche des hl. Benedikt war so ziemlich die letzte Vakanz, und wenn sie sich vergrößern wollen, sind sie auf sich gestellt.

Da trifft es sich gut, daß derzeit Grundstücke und Gebäudereste eines an die 1000 Jahre alten Konventes der Templer zum Verkauf stehen, dessen gegenwärtiger Besitzer zwar bereits mit der Wiederherstellung von Kapelle und Wohntrakt begonnen hat, die ganze Anlage nun aber aus Altersgründen in andere Hände übergeben möchte. Und der Kaufpreis ist nur die erste Hürde - außer der Kapelle gibt es von anderen Gebäuden, die seit der großen Revolution dem Verfall überlassen worden waren, teilweise nur noch Mauerreste; hier muß viel Arbeit und Material aufgewandt werden. Auf dieser Seite gibt es Bilder und Informationsmaterialien zu Stand und Planung des Projektes, und hier geht es zum Spendenaufruf der Gemeinschaft mit Links zu Spendendiensten.  

10 Jahre anglikanische Ordinariate

Bild: Aus dem verlinkten Artikel von ncregisterAm 4. November 2009 erließ Papst Benedikt XVI. die apostolische Konstitution Anglicanorum Coetibus, mit der er die Grundlage für die Schaffung anglikanischer/episkopaler Ordinariate innerhalb der katholischen Kirche schuf. Inzwischen gibt es drei dieser Ordinariate: In Großbritannien das Ordinariat Unserer Lieben Frau von Walsingham, in Nordamerika das Ordinariat vom Heiligen Stuhl Petri und für Australiern und umliegende Länder das Ordinariat Unserer Lieben Frau vom Kreuz des Südens. Diese Ordinariate gehören nicht im engeren Sinn zu den Gemeinschaften der überlieferten lateinischen Liturgie. Ihre Liturgiesprache ist Englisch, und ihr Missale greift zwar große Teile der Tradition auf, ist aber weder „tridentinisch“ noch gar „salisburganisch“, sondern gibt den Gemeinden große Freiheit, ihre Liturgie in der bei ihnen gewohnten Form zu feiern – darunter auch in Formen, die der überlieferten lateinischen Liturgie sehr nahe stehen.

Daneben gibt es noch eine starke innere Verbindung zwischen den Ordinariaten und den lateinischen Gemeinschaften der überlieferten Liturgie und Lehre: Die führenden Köpfe der zum Anschluß an die katholische Kirche entschlossenen Gruppen und Gemeinden hatten 2007 in ihrem Aufnahmeantrag ein klares Glaubensbekenntnis auf der Grundlage des Katechismus der Kirche von 1992 abgelegt. Anders als die Mehrheit der Theologen und Bischöfe der Kirche, die zahlreiche Elemente des Glaubens als Verfügungsmasse betrachten und mehr oder weniger offen davon abgerückt sind, haben sie mit uns also den vollen Umfang des katholischen Glaubens, wie er „immer, überall und von allen“ geglaubt wurde, gemeinsam.

Unterschiede gibt es in rechtlicher und disziplinarischer Hinsicht, am auffälligsten darunter das Fehlen des Zölibats: In den Ordinariaten gibt es verheiratete Priester – nämlich solche, die bereits in ihrer anglikanischen Vergangenheit geweiht bzw. ordiniert worden waren. Da in keiner über die Vollzahl der Sakramente verfügenden Kirche verheiratete Männer zu Bischöfen geweiht werden können, bedeutete das bei der Errichtung der Ordinariate ein gewisses Problem hinsichtlich der übertrittswilligen und mehrheitlich verheirateten anglikanischen Bischöfe. Es wurde daurch entschärft, daß die nun katholisch gewordenen Oberhirten in England und Australien zwar die Stellung eines Ordinarius für ihr Ordinariat erhielten – nicht jedoch zu Bischöfen geweiht wurden. Derzeit gibt es bei den Ordinariaten nur einen Prälaten, der gleichzeitig Ordinarius und Bischof ist: Bischof Steven Lopes von Nordamerika.

Gründung und Wachstum der Ordinariate sind insbesondere in England durch den erbitterten Widerstand der Hierarchien auf beiden Seiten behindert und erschwert worden: Für sie sind die in vielem dem Geist einer „Rückkehr-Ökumene“ entsprechenden glaubenstreuen Ordinariate Spielverderber beim endlosen Dialogisieren der Institutionen, das zwar keine Fortschritte kennt, wohl aber ständig neue Spielräume zu politischem Agieren im Sinne des Säkularismus eröffnet. Nachdem die im Anfang insbesondere hinsichtlich der Zugehörigkeitsregelungen eher schwach erscheinende rechtliche Position der Ordinariate im Frühjahr 2019 durch neue Normen und Ausführungsbestimmungen deutlich verbessert worden ist, ist davon auszugehen, daß die Ordinariate auf Dauer bestehen können und zunehmend Bedeutung im Ringen um die Bewahrung des rechten Glaubens in der Kirche erlangen.

Inwieweit die Ordinariate auch ein Vorbild für die anzustrebende „Lateinische Rituskirche“ abgeben können, bleibt näher zu betrachten. Ihr definierendes Element ist jedenfalls weniger der Ritus als die in sich durchaus verschiedenartige anglikanische Tradition und vor allem die uneingeschränkte Anerkennung des Katechismus. Trotzdem könnte die Errichtung von Ordinariaten der überlieferten Liturgie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur „Befreiung“ der glaubenstreuen Katholiken aus dem Würgegriff teilweise nicht nur traditions- sondern auch glaubensfeindlich eingestellten Bischöfe zu befreien – ohne die akut bedrohte institutionelle Einheit der Kirche vollends zu verlieren.

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Der National Catholic Register bringt zum Gründungsjubiläum der Ordinariate ein höchst informatives Interview mit Bischof Lopes.

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