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Barmherzigkeit in Texas II

Bild: Website der PfarreiUnd hier eine außerordentlich erfreuliche Nachricht: Die aus einer anglikanischen/episkopalen Gemeinde hervorgegangene Pfarrei „Our Lady of the Atonement“ im texanischen San Antonio ist seit gestern Teil des Personalordinariates vom Stuhl Petri – also des Ordinariats für die auf der Grundlage von Papst Benedikts Anglicanorum Coetibus aus der anglikanischen Tradition gekommenen Katholiken Nordamerikas. Pfarrer der Gemeinde ist wieder und weiterhin Rev. Christopher Phillips, der die Gemeinde 1983 – damals noch auf der Grundlage der unter Papst Johannes Paul II. erlassenen Pastoral Provision – begründet hatte.

Damit endet ein bizarres Intermezzo, über das wir hier am 27. Januar berichtet hatten: Unmittelbar nach seinem Amtsantritt hatte der neue Ortsbischof von San Antonio Pfarrer Phillips in die Wüste geschickt und dessen Nachfolger Maßnahmen ergreifen lassen, um die Pfarrei vollständig in das Novus-Ordo-Umfeld des Bistums zu integrieren. Es gab die üblichen Proteste, aber die meisten Beobachter, uns eingeschlossen, hatten wenig Hoffnung, daß diese Maßnahmen zurückgenommen werden könnten.

Genau das ist jetzt aber geschehen. Auf Veranlassung der Glaubenskongregation, bei der Rev. Phillips Rekurs eingelegt hatte, und mit Zustimmung des Papstes ist eine Direktive des Heiligen Stuhles ergangen, die sämtliche in Nordamerika auf der Grundlage der Pastoral Provision errichteten Gemeinden in das Ordinariat überführt. Inwieweit es da außer San Antonio noch weitere Streitfälle gab, ist uns nicht bekannt, und es ist durchaus möglich, daß es in San Antonio oder anderswo noch Auseinandersetzungen um die stets leidigen Vermögensfragen gibt. Die Grundsatzentscheidung ist jedoch gefallen, und wie es aussieht in einer Weise, die den mühsamen Start der anglikanischen Ordinariate erleichtern dürfte.

Personalprälatur zum Zweiten

Bild: Screenshott von Google StreetviewNachdem erste konkrete Gerüchte über die unmittelbar bevorstehende Rekonziliation der Piusbruderschaft und den Erwerb einer römischen Liegenschaft sich als verfrüht bzw. als Irrtum herausgestellt haben, gibt es jetzt – zurückgehend auf den Vaticanista Tosatti – eine zweite, verbesserte Version. Der Abschluß einer Übereinkunft wäre danach nur noch eine Sache der Unterschriften, und auch ein neuer Ort für den Sitz der zukünftigen Personalprälatur wird genannt: Nicht die zunächst genannte Kirche Santa Maria Immacolata all‘Esquilino, sondern die gerade einmal 1 km entfernte neoromanische Kirche Santa Maria Immaculata e San Benedetto Giuseppe Labre an der Via Taranto im tuskulanischen Stadtbezirk.

Zur Kirche gehört ebenfalls ein umfangreicher Gebäudekomplex, der früher von einer Schwesterngemeinschaft als Schule mit Internat und als Konvent genutzt wurde. Die Kirche untersteht heute der Diözese Rom und ist der Pfarrei Santi Fabiano e Venanzio angeschlossen, die dort Gottesdienste für Angehörige von ausländischen Gemeinden mehrerer Kontinente feiert; das restliche Gebäude ist ganz oder großenteils ungenutzt. Von daher erscheinen die Voraussetzungen für Erwerb und Nutzung des Komplexes durch die Bruderschaft deutlich besser als bei der zuvor genannten Variante auf dem Esquiin.

Nun ist abzuwarten, ob die Übereinkunft zur Errichtung der Personalprälatur tatsächlich nur noch einen Schritt entfernt ist, wie Tosatti ankündigt – oder ob sich auch diese Meldung als voreilig herausstellen wird. Über alles weitere wird nachzudenken sein, wenn das Abkommen tatsächlich unterzeichnet ist.

Mehr von der Piusbruderschaft

Die Meldungen über den Erwerb der Kirche und Liegenschaft auf dem römischen Esquilin durch die Piusbruderschaft werden präziser, aber nicht unbedingt übersichtlicher. Nach LaStampa haben die ursprünglich zusammenghörige Kirche und das Gebäude heute verschiedene Eigentümer und Zuständigkeiten - da ist wohl noch einiges an bürokratischen Dingen zu klären. In dem Gebäude residiert überdies wohl zu großen Teilen ein Hotel - das verschwindet auch nicht von einem Tag auf den anderen. Das alles ist freilich von sekundärer Bedeutung: Wenn die Bruderschaft in Rom provisorisch oder auf Dauer Räumlichkeiten sucht, und wenn der Vatikan diese Suche unterstützt, wird es auch eine Lösung geben.

Von primärer Bedeutung ist demgegenüber der Inhalt der Conessio Fidei, die von der Bruderschaft anzuerkennen ist, um die Voraussetzungen zur Errichtung der Personalprälatur zu erfüllen - wir erinnern uns: Die rückkehrwilligen Anglikaner hatten seinerzeit erklärt, sie bekennten sich voll und ganz zum Katechismus der Katholischen Kirche.

Nach LaStampa geht es dabei um folgende vier Punkte, die hier der Einfachheit halber in der Paraphrase von Fr. Zuhlsdorf einschließlich seiner Anmerkungen (in rot) wiedergegebenen werden.

  1. Anerkennung des Papstes und des Bischofskollegiums entsprechend der Beschreibung in Lumen Gentium; [Das sollte kein großes Problem sein, da LG die Rollen des Papstes und der Bischöfe definiert und die Probleme des Konziliarismus meidet.]
  2. Definition des Verhältnisses zwischen Tradition und Lehramt; [Auch das sollte für die SSPX kein Problem sein, Es ist jedenfalls ein viel größeres Problem für viele hohe Würdenträger, die nicht der SSPX angehören.]
  3. Anerkennung der Gültigkeit der Sakramente in den Riten der nachkonziliaren Reform; [Ich denke nicht, daß die SSPX jemals die Gültigkeit  in Frage gestellt hätte. Sie mag die neuen Riten nicht, aber sie behaupten nicht, daß sie ungültig wären. Allerdings vielleicht einzelne Mitglieder.]
  4. Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Licht der Tradition der Kirche gesehen. [Im Licht der Tradition der Kirche... Ich denke, das ist genau das, was sie versucht haben, oder? Jedenfalls würde ich gerne einige Leute, die heutzutage in den kirchlichen Nachrichten auftauchen, fragen, ob sie das so halten!]

Keine weiteren Punkte, etwa zu Ökumenismus, Interreligiösem Dialog oder Religionsfreiheit.

Beim gegenwärtigen Informationsstand erscheint es wenig sinnvoll, diese Liste und ihre Kommentierung noch einmal zu kommentieren: Es geht offenbar um Kompromissformeln, deren konkrete Bedeutung und Anwendung fallweise ausgehandelt oder bestritten werden kann. Damit würde sich ein derartiges Abkommen perfekt in den gegenwärtigen Rahmen des „nichts ist unmöglich“ einfügen - dieser Charta des Relativismus aber auch an keiner Stelle Stützen größerer Verbindlichkeit einziehen.

Rom - immer noch im Nebel

Bild: http://wdtprs.com/blog/2017/02/pope-francis-helps-sspx-take-over-church-complex-in-heart-of-rome/Aus der 8. Woche

Zwei Gerüchte, die dieser Tage in Rom umlaufen, markieren zwei Extrempositionen dessen, was im gegenwärtigen Pontifikat als möglich gelten muss: Das erste Gerücht spricht von der die angeblich bevorstehenden Entlassung Kardinal Müllers als Präfekt der Glaubenskongregation und seiner Ersetzung durch den philippinischen Kardinal Tagle. Das zweite Gerücht, das gestern lauter wurde, handelt davon, daß die Piusbruderschaft Kirche und Gebäude Santa Maria Immacolata all‘Esquilino erworben habe, um dort den künftigen Sitz ihrer Personalprälatur einzurichten. Maria Immacolata all‘Esquilino ist der frühere Verwaltungssitz einer der vielen Ordensgemeinschaften, die nach dem 2. Vatikanum eingegangen sind; der geräumige Bau liegt etwa 1 km östlich von Maria Maggiore und 500 m nördlich des Lateran entfernt in einem Wohn- und Geschäftsviertel der Innenstadt.

Wie passt beides zusammen? Oder, wenn einem der Gedanke an die Absetzung Müllers unwahrscheinlicher vorkommen sollte als die Errichtung einer Personalprälatür für Pius: Warum sollten die gegenwärtigen Machthaber im Vatikan einerseits die überlieferte Lehre der Kirche nach Kräften in Zweifel ziehen und als Richtschnur für die Pastoral entwerten, und auf der anderen Seite der Piusbruderschaft als eines der stärksten Repräsentanten der Tradition einen regulären Status gewähren? Wobei freilich ein erster und keinesfalls bedeutungsloser Schritt dazu mit der Verlängerung der Beichterlaubnis für die FSSPX bereits erfolgt ist.

In der Gedankenwelt Bergoglios und seiner Umgebung gibt es mehr als eine Vorstellung, nach der das, wenn auch auf verdrehte, um nicht zu sagen „dialektische“ Weise, durchaus zusammen gehen kann.

Vor allem ist da die Vorstellung, die römische Kirche befinde sich, seit sie mit dem 2. Vatikanum die Fesseln der Vergangenheit abgestreift und sich der Modernisierung geöffnet habe, alles in allem in einem neuen Frühling der erfreulichsten Entwicklungen. Vielfältig, pluralistisch und inklusiv gehe es zu in dieser neuen Kirche, harmonisch einer trotz gewisser Unvollkommenheiten den gleichen Werten verpflichteten Welt zugewandt, und nur ein paar nostalgische Spielverderber hinderten sie an der vollen Entfaltung ihres Potentials. Leider wird man diese Spielverderber nicht so einfach los, hartnäckig weigern sie sich, auszusterben, und hier und da ziehen sie sogar junge Leute an. Da liegt der Gedanke nahe, auf der einen Seite – siehe Franziskaner der Immakulata - klare Kante zu zeigen, auf der anderen Seite aber die nicht fortschrittsfähigen Elemente, wenn man sie schon nicht kurzfristig herausdrängen kann, auf ihrer eigenen Spielweise zu konzentrieren, damit auch leichter zu kontrollieren und nach Möglichkeit zu isolieren.

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Weihen bei der Piusbruderschaft

Bild: FSSPX.deAm 2. und am 6. Februar konnte die Piusbruderschaft zahlreiche Studenten neu in die Reihen ihrer Anwärter aufnehmen bzw. Seminaristen durch die Erteilung von niederen Weihen auf den Stufen ihres Weges zum Priestertum begleiten und unterstützen.
Im neuen amerikanischen Seminar des hl. Thomas in Virginia wurden am Fest Mariä Lichtmeß 17 Seminaristen eingekleidet. Ein schöner Jahrgang also, und wir hoffen und beten, daß möglichst viele von Ihnen auch das Ende des damit eingeschlagenen Weges erreichen. Sieben Kandidaten wurden durch die Erteilung der Tonsur entsprechend dem Verständnis der Bruderschaft in den Klerikerstand aufgenommen. Nach dem seit 1983 geltenden Kirchenrecht erfolgt diese Aufnahme allerdings erst mit der Weihe zum Diakon. Bischof de Mallerais, der die Zeremonien vornahm, betonte in seiner Predigt, daß es sich bei der Erteilung der Tonsur ebenso wie bei den niederen Weihen um Sakramentalien handelt, die nicht bloß symbolischen Charakter haben, sondern als wirkungsmächtige Zeichen die Seminaristen stärken und fördern:

Papst Paul VI. hat seinerzeit die Tonsur in der Annahme „ageschafft“, daß sie „altmodisch“ sei und nicht länger in unsere Zeit passe. Im Ergebnis sind moderne Seminaristen in der nachkonziliaren Kirche bloß Laien, die Theologie studieren, bis sie zum Ende ihrer Priesterausbildung zu Diakonen geweiht werden; sie sind einfach Studenten und nicht mehr. Unsere Seminaristen haben demgegenüber die tröstliche Gewissheit, daß sie nicht nur Theologiestudenten sind, sondern Angehörige des katholischen Klerus mit einer von der Kirche selbst erteilten Ausrichtung auf das Priestertum.

Ebenfalls am 2. Februar begannen die entsprechenden Zeremonien im europäischen Seminar der Bruderschaft im bayrischen Zaitzkofen. Dort wurden insgesamt sieben junge Männer (drei Deutsche, ein Schweizer, ein Pole, ein Belgier, ein Ungar) durch die Einkleidung in die Reihe der Anwärter für die Bruderschaft aufgenommen; sechs weiteren aus dem 2. Studienjahr wurden durch die Erteilung der Tonsur in die Reihen der Kleriker der Bruderschaft aufgenommen.

Am 6. Februar wurden dann in Zaitzkofen von Bischof Galarreta niedere Weihen gespendet. Der Bischof erteilte zunächst den 6 Seminaristen des 3. Jahrgangs (drei Deutsche, ein Österreicher, ein Tscheche und ein Pole) die Weihen des Ostiariers (Türhüter, Sakristan) und des Lektors. Anschließend wurden vier Seminaristen des 4. und 5. Jahrganges (ein Deutscher, ein Österreicher, ein Pole und ein Franzose) zu Exorzisten und des Akolythen geweiht. Damit haben sie die letzte Stufe vor dem Subdiakonat erreicht und übernehmen die Pflichten des Zölibats sowie des Breviergebets und weihen sich ausschließlich dem Dienst Gottes.

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