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Das Problem Konzelebration

Bild: Aus dem im Text zitierten Artikel auf PrayTellKristallisationspunkt – nicht tiefere Ursache – der Unstimmigkeiten zwischen dem Erzbischof von Dijon und der Petrusbruderschaft, deren Präsenz im Bistum Bischof Minnerath von seinem Vorgänger geerbt hatte, war die Frage der Konzelebration. Offenbar hatte die Bistumsführung schon 1998 die Tätigkeit von Priestern der Bruderschaft davon abhängig gemacht, daß diese zumindest zur Chrisammesse des Gründonnerstags mit dem Erzbischof konzelebrierten, und die damaligen Oberen hatten dem in Art eines „Gentlemans Agreement“ zugestimmt. Von dieser Übereinkunft waren die Priester der Bruderschaft vor einigen Jahren abgerückt – unklar ist, ob sie sich wegen eines Führungswechsels in der eigenen Gemeinschaft daran nicht mehr gebunden fühlten, oder ob das Bistum die Anzahl der Konzelebrationsanforderungen erhöht hatte. (Quellen zu Dijon hier und hier)

Die Konzelebration gilt gemeinhin als eines der Markenzeichen der Liturgie nach dem Novus Ordo. Das ist nur bedingt richtig, denn die Möglichkeit zu häufiger Konzelebration, wie sie vom Konzilsdokument Sacrosanctum Concilium (Abs. 57) gefordert worden war, erfolgte bereits 1967 mit der Instruktion Eucharisticum Mysterium. Diese Instruktion bildete einen der vielen kleinen Schritte, in denen die im Konzept längst fertige reformierte Liturgie nach Verabschiedung von Sacrosanctum Concilium im Jahr 1963 quasi „schleichend“ umgesetzt wurde. Ein anderer dieser Schritte im gleichen Dokument war die Erlaubnis, das Sprechen von Teilen des Canons auf mehrere Konzelebranten zu verteilen und den damit notwendigerweise verbundenen lauten Vortrag dann auch auf Einzelmessen auszuweiten – damit war die tausendjährige Tradition der Kanonstille quasi im Nebensatz abgeschafft.

Für die Feier der heiligen Liturgie im überlieferten Ritus, als deren Standard die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt die Bücher von 1962 festgesetzt hatten, sind die Regelungen von Eucharisticum Mysterium nicht anwendbar.

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Aber Rom schweigt

Bild:  southernorderspage.blogspot.comZu der erwarteten „Neuinterpretation“ von Summorum Pontificum gibt es derzeit weder neue Informationen noch neue Gerüchte. Auch die Kommentierung (zusammengefasst verlinkt bei New Liturgical Movement) hat inzwischen wohl alle wesentlichen Gesichtspunkte und Einschätzungen vorgetragen. Gelegenheit also, gedanklich einen Schritt zurückzutreten und das Thema im größeren Zusammenhang zu betrachten. Ausgangspunkt dabei muß natürlich sein, daß wir es bisher nur mit Gerüchten zu tun haben – es kann auch ganz anders kommen, oder vielleicht auch gar nicht. Daß es sich bei alledem nur um einen Testballon oder eine „false flag operation“ handelt, wie sie von Fr. Zuhlsdorf (z.B. hier) ins Gespräch gebracht werden, halten wir für eher unwahrscheinlich.

Da ist es schon wahrscheinlicher, daß die seit Jahren andauernde Lobby-Arbeit der Gegner des Alten Ritus in Sant'Anselmo um Andrea Grillo schließlich gefruchtet hat und die Gottesdienstkongregation, vielleicht gemeinsam mit der Ordenskongregation, beim Papst den Auftrag zum Entwurf eines entsprechenden Dokumentes erwirkt hat. Beide Kongregationen achten mit Argusaugen darauf, daß die überlieferte Liturgie eine „Randerscheinung“ bleibt, und als die erst unter Papst Johannes Paul II gegründeten Franziskaner der Immakulata von der so vorgegebenen „Parteilinie“ abwichen und sich der überlieferten Liturgie (genauer gesagt war es eine Art Biritualismus) zuwandten, hatten sie keine Skrupel, diese schnell wachsende und in der Pastoral überaus erfolgreiche Gemeinschaft zu zerschlagen. Keinesfalls durfte sich hier ein häßlicher Präzedenzfall entwickeln. Eines der wenigen Dogmen, die niemand in der Kirche des 21. Jahrhunderts ungestraft leugnen darf, ist, daß es in der Liturgie keinen Weg zurück in die Zeit vor dem Konzil geben kann. Auch nicht als „Reform der Reform“ oder „gegenseitige Befruchtung“. Wie es Erich Honecker einige Jahre vor seinem Sturz so schön formulierte: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“.

Schon im Fall der Franziskaner der Immakulata war nicht nur die partielle Übernahme der überlieferten Liturgie durch die Bruderschaft Motiv für die scharfe Reaktion der Konzils-Wächter. Vielleicht noch mehr Anstoß erregte die Hinwendung beider Zweige des Ordens – die Schwestern nämlich ebenso – zur unverfälschten Lehre und Spiritualität der Tradition. Mehr noch als in der Liturgie, die von vielen Modernisten als etwas Zweitrangiges oder Äußerliches betrachtet wird, fürchtet der Modernismus die Tradition in der Spiritualität, in der Ekklesiologie und im Priesterbild (das freilich in der Liturgie seinen deutlichsten Ausdruck findet). Wie tief diese Abneigung geht – und wie stark die Kräfte sind, die sich darin einig sind – wurde im Jahr 2009 sichtbar, für das der damalige Papst Benedikt ein „Jahr des Priesters“ ausgerufen hatte. Als Beginn dieses Jahres hatte Benedikt die 150. Wiederkehr des irdischen Todestages und himmlischen „dies natalis“ des Pfarrers von Ars Jean Marie Vianney ausgewählt, und sein Schreiben zur Eröffnung des Priesterjahres kreiste ganz um das Lob und das Vorbild dieses in jeder Hinsicht „traditionellen“ Priesters. Damit stieß Benedikt in der Kurie und wohl auch im größeren Teil der Priesterschaft auf derartige Ablehnung, daß es ihm nicht möglich war, die geplante offizielle Ernennung des Heiligen zum Patron des Priesterjahres zu verkünden. Als die Franziskaner d. I. (FFI)  sich in eine ähnliche Richtung zu entwickeln begannen, war ihre Vernichtung beschlossene Sache.

Der Umweg über die FFI und den verhinderten Patron des Priesterjahres führt zurück zu der auch von einigen Kommentatoren (z.B. Eric Sammons, teilübersetzt hier) angesprochenen Vermutung, daß die „Neuinterpretation“ von Summorum Pontificum vielleicht weniger darauf abzielt, den Zugang der Gläubigen zur überlieferten Liturgie einzuschränken, als darauf, die Bildung von Gemeinden und (Priester-)Gemeinschaften mit dezidiert traditioneller Orientierung in Lehre, Frömmigkeit und Spiritualität überhaupt zu verhindern.

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Von Kriegen und Kriegsgerüchten

Bild: ArchivDom Alcuin Reid ist derzeit einer der wenigen Liturgiewissenschaftler, die diese Bezeichnung wirklich verdienen. Und als Prior der kleinen Gemeinschaft von Saint Benoit ist Liturgie für ihn  kein äußeres Objekt akademischen Interesses, sondern Zentrum der Existenz und Lebenselixier. In einem Artikel für CatholicWorldReport hat sich Dom Alcuin jetzt zu den befürchteten Eingriffen in Summorum pontificum geäußert. Dabei gelingt ihm gleich im zweiten Absatz ein kurzes Psychogramm der Gegner der überlieferten Liturgie, das zum Treffendsten gehört, was wir bisher in dieser Art gelesen haben. Er spart aber auch nicht mit Kritik und Mahnung an die eigene Adresse der „Altrituellen“ - und auch das trifft genau, selbst da, wo es wehtut. Hier unsere Übersetzung:

Es beginnt ein langes ZitatDie Kreise, die die Liturgie des usus antiquior pflegen, sind derzeit von Unruhe erfüllt. Wie es scheint, berät der Vatikan über neue Richtlinien zur Einschränkung von dessen Feier zumindest in Pfarreien. Einige Bischöfe scheinen bereits in dieser Richtung vorzugehen und ergreifen Maßnahmen gegen gute Priester und solide Apostolate, die keinerlei Grund zu Bedenken geben – außer daß sie 1) überhaupt existieren, 2) wachsen und zunehmen, und 3) gute katholische Ehen und Familien hervorbringen, aus denen dann wieder beträchtliche Zahlen von Berufungen zum Priestertum und zu Ordensberufen hervorgehen – alles Anzeichen also dafür, daß dieses Phänomen so schnell nicht verschwinden wird.

Wir leben schon in einer merkwürdigen Zeit, wenn das Bedenken hervorruft. Aber es gibt Leute, die die Neuerungen, die Liturgie und die Kirchlichen Reformen, die nach dem jüngsten ökumenischen Konzil als Mittel zur Herbeiführung eines neuen Frühlings für das Leben der Kirche eingeführt wurden, so sehr verabsolutiert haben, daß diese für sie zu Zielen an sich geworden sind. Für diese Leute muß man an diesen Mitteln auch dann festhalten, wenn längst schon deutlich geworden ist, daß ihre Ziele – nämlich die grundlegende Erneuerung, zu deren Einleitung sie vor einigen Jahrzehnten gedacht waren – schlichtweg nicht erreicht worden sind. Sie können zu Götzen werden, die nur noch ihrer eigenen Verehrung dienen.

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Priesterweihe bei der FSSP Mexiko

Bild: Screenshot aus dem verlinkten VideoEbenfalls am Festtag des Allerheiligsten Herzens Jesu, aber nach deutscher Zeit bereits in den ersten Stunden des heutgen Samstags, fand im mexikanischen Guadalajara zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten wieder eine Priesterweihe im überlieferten Ritus statt. In der zum Andenken an die Martyrer Mexikos errichteten Kathedrale der Stadt erteilte S. E. Raimond Kardinal Burke dem Diakon Joel Pinto Rodríguez die Priesterweihe. Auf Youtube ist ein Video abrufbar, das derzeit allerdings nur die erste Stunde der Zeremonie zeigt. 

Worte des Vorsitzenden Braz de Aviz

Bild: Aus dem zitierten Artikel auf LifesiteNewsDer Vorsitzende der Ordenskongregation Kardinal João Braz de Aviz hat eine (virtuelle) Konferenz von Ordensoberen am 17. Mai genutzt, seine Vorstellungen von einem zeitgemäßen Ordensleben und Priestertum darzulegen. Emily Mangiaracina von LifesiteNews hat darüber am 10. Juni ausführlich berichtet. Hier die wichtigsten Inhalte in einer Zusammenfassung:

Ausgangspunkt der Ausführungen des Kardinals ist die von Franziskus nun schon mehrfach geäußerte Befürchtung, daß in einigen Seminaren traditionelle Ansichten zur Stellung und Funktion des Priesters zu starkes Gewicht erhielten – das mache die zuküntigen Priester „starr“ und führe zu „Klerikalismus“. Gegenüber jeder Tendenz zur Orientierung an der Tradition machte De Aviz geltend:

„Die Nachfolge Christi bedeutet auch, eine Vorstellung des Glaubens hinsichtlich Petrus und seiner Nachfolger zu entwickeln. Wie könnte man heute ein geweihtes Leben führen ohne intensiv auf die von Papst Franziskus gegebenen Leitlinien zu hören. Nur so ist es möglich, dem Gründer zu folgen.“ Dabei müssen wir „unsere Gefolgschaft Jesu durch die unerläßlichen Kriterien von Synodalität und Brüderlichkeit“ auf den heutigen Stand bringen.

Als weiteres Feld der Erneuerung in der geistigen Bildung der Gemeinschaften benannte de Aviz das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. „Unsere Vorstellungen vom geweihten Leben und unsere Strukturen in Organisation und Leitung haben in der Vergangenheit zu einer Mentalität geführt, die die Unterschiede zwischen Männern und Frauen überbetonte, so daß die Einsicht in ihre gleiche Würde und Komplementarität verloren ging.“ „Geweihten Frauen hat man nur einen Platz an den Rändern des kirchlichen Lebens und der Seelsorge zugestanden. Das begann sich mit dem II. Vatikanischen Konzil zu ändern“ - doch „der Reifeprozess im gegenseitigen Verhältnis von Männern und Frauen muss noch weiter wachsen.“ Nur damit hier keine Mißverständnisse aufkommen: Der Kardinal spricht nicht etwa über die Ehe oder das 6. Gebot und auch nicht über die verschiedenen Charismen von Männer- und Frauengemeinschaften – sondern über mehr Beteiligung von Frauen an den Leitungsfunktionen der Kirche und vermutlich der religiösen Gemeinschaften.

Konkret zur Priesterausbildung gebraucht er dann eine Formulierung, die wohl nur als Absage an die bislang gültigen und zumindest auch in den Gemeinschaften der Tradition hochgehaltenen Grundsätze zu verstehen ist: „Es gibt keinen Platz mehr für eine starre Ausbildung, die zu einem abgeschlossenen Ergebnis führt.“ In diesem Zusammenhang erinnert die Autorin von LifesiteNews daran, daß Braz de Aviz 2015 bei einer Zusammenkunft von über 1000 Studienleitern in Rom (hier mehr dazu). in starken Worten auf einer unbedingten Orientierung am II. Vatikanischen Konzil bestanden habe: „Entfernt euch nicht von den bedeutenden Leitlinien des Konzils. Wer sich vom Konzil entfernt und einen anderen Weg gehen will, begeht Selbstmord – früher oder später werden sie zugrunde gehen. Sie werden außerhalb der Kirche stehen. Das Fundament unserer Arbeit muß das Evangelium und das Konzil sein.“ Und zwar seiner Ansicht nach wohl tatsächlich nur das des vergangenen Jahrhunderts, denn „wir müssen erkennen, daß die Bedürfnisse der Menschen, die heute über ein geweihtes Leben nachdenken, nicht die gleichen sind“ wie die aus der Gründungszeit ihrer Gemeinschaften, „weil sich die Bedingungen geändert haben.“

Autorin Mangiaracina sieht in diesen Ausführungen wohl nicht zu Unrecht einen Ausfluß der „Hermeneutik des Bruches“, die davon ausgeht, daß die Lehre der großen Heiligen und Kirchenlehrer der Tradition heute als überholt betrachtet werden muß. Was vergangen ist, ist vergangen – erst mit DEM KONZIL ist die Kirche nach langem Widerstreben in der Gegenwart angekommen. Nur DAS KONZIL – und das heißt natürlich die Deutung der Dokumente im Ungeist der nachkonziliaren Wirren – bildet die Grundlage für Lehre und Ausbildung, Pastoral und Liturgie. Wenn Kardinal Braz de Aviz und Mitstreiter nun darangehen, diese heute schon in vielen Ausbildungsstätten geteilte Ansicht verbindlich für alle zu machen, können sich die Seminare der Tradition auf unruhige Zeiten einrichten.

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Weiterführendes link: https://katholisches.info/2021/06/11/strenge-ist-heute-ein-bisschen-in-mode-aber-ausdruck-des-klerikalismus/

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