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Was kommt da auf uns zu? - II

Bild: ArchivNach aktuellem Stand der Informationen und Gerüchte zu den bevorstehenden Einschränkungen für den Gebrauch der überlieferten Liturgie plant der Vatikan ein zweistufiges Vorgehen. In einem ersten Schritt, der eher in Wochen als in Monaten erwartet wird, sollen die Regeln für den Gebrauch der Liturgie im Diözesanklerus und unter der Verantwortung der Ortsbischöfe neu gefasst werden. In einem zweiten Schritt, mit dem nicht vor dem Herbst gerechnet wird, sollen die Priestergemeinschaften des alten Ritus mit Nachdruck und erforderlichenfalls auch durch Zwangsmaßnahmen dazu aufgefordert werden, ihre Pastoral, ihr Gemeinschaftsleben und ihre Priesterausbildung an den „Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils“ auszurichten.

Eine solche Zweiteilung erscheint der Sache nach logisch und auch unter kirchenpolitischen Gesichtspunkten vorteilhaft für die Kräfte, die den überlieferten Ritus und die überlieferte Lehre und Spiritualität zurückdrängen wollen. Die Dokumente von Summorum Pontificum – das sind das Motu Proprio selbst, dann der Begleitbrief an die Bischöfe und schließlich die erst mit 4 Jahren Verspätung 2011 erlassenen Ausführungsbestimmungen – befassen sich im Wesentlichen mit Regeln für den Klerus bzw. die Gläubigen in den Diözesen und nehmen nur in wenigen Sonderfällen (z.B. hinsichtlich der heiligen Weihen) Bezug auf Fragen der Praxis in den Gemeinschaften, die möglicherweise in deren Gründungsdokumenten noch nicht ausreichend geklärt worden waren.

Der Vorteil einer solchen Zweiteilung für den Kurialapparat bestünde vor allem darin, den zu erwartenden Widerspruch und Widerstand hinsichtlich der Betroffenheit und der Interessensituation aufzuspalten und zeitlich über einen längeren Zeitraum zu entzerren.

Was die erwarteten Regeln für den Diözesanklerus betrifft, so gibt es über das hinaus, was wir bereits hier und hier mitteilen konnten, keine substantiellen neuen Informationen. Die Bischöfe erhalten für ihre Priester sowie für die diözesanen Kirchen und Gemeinden praktisch die volle Oberhoheit hinsichtlich Ort, Zeit, Teilnehmerzahl und -kreis sowie die Zelebrationsweise der überlieferten Liturgie. Irgendwelche eigenständigen oder gar einklagbaren Rechte für Klerus und Gläubige sind anscheinend nicht vorgesehen. Ob es – außer der hl. Messe – überhaupt noch Sakramentenspendungen in der überlieferten Form geben kann, ist ungewiss und wäre – Stichwort Kirchenbücher – in jedem Fall vom Wohlwollen des Ortsordinarius abhängig.

Hinsichtlich des Umgangs mit den Priestergemeinschaften, deren besonderes Charisma die Pflege der überlieferten Liturgie ist, liegen erst wenige Informationen vor. In Umrissen zeichnen sie folgendes Bild:

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Was kommt da auf uns zu?

Bild: https://www.pallottiner.org/begegnung-von-charismen/Noch gibt es keine zuverlässigen Informationen über die von Franziskus angekündigten „Interpretationen“ zu Summorum pontificum, aber zahlreiche Vermutungen. Einige davon sind durchaus ernst zu nehmen.

Die vielleicht interessanteste Überlegung: Da von „Interpretation“ die Rede ist, könnte der Text des Motu-Proprio selbst unangetastet bleiben – die geplanten Änderungen würden durch eine Neufassung der Ausführungsbestimmungen von Universae Ecclesiae von 2011 realisiert. Tiefergehende Eingriffe wären damit zunächst nicht nötig – allerdings müßte man gewisse Inkongruenzen zwischen dem Motu-Proprio – das als solches Gesetzeskraft hat – und den Ausführungsbestimmungen in Kauf nehmen. Genau damit muß man angesichts der in Rom zunehmend demonstrierten Geringschätzung des formalen Rechtes und seiner Normen rechnen.

Aktueller Vorgehensweise würde es entsprechen, die Veränderungen nicht als allgemein verbindliche Vorschriften zu fassen, sondern – unter dem Vorwand der Dezentralisierung und der Stärkung der bischöflichen Autorität – als „erweiterte Möglichkeiten“, oder „Optionen“, deren Umsetzung ganz oder teilweise in das Belieben der Ortsbischöfe gestellt wäre. Als sicher wird erwartet, daß die Ortsordinarien volle Autorität dahingehend erhalten, ob und wann und in welcher Form der Diözesanklerus im überlieferten Ritus zelebrieren kann. Aber auch Priester der altrituellen Gemeinschaften könnten für die Zelebration in Kirchen des Bistums diözesanen Vorschriften unterworfen werden. In diesem Zusammenhang könnte es dahin kommen, daß das bisher gültige Verbot von „Mischformen“ relativiert wird, so daß ggf. mit Lesungen nach dem neuen Lektionar und Kalender, Ministrantinnen, außerordentlichen Kommunionspendern und weiteren Errungenschaften des NO zu rechnen wäre. Auch die Spendung der Sakramente – insbesondere betroffen wären Taufen, Eheschließungen und Firmung – sollen dem Vernehmen nach noch stärker als bisher reguliert werden. Schon jetzt haben die Ordinariate über die Eintragung in den Kirchenbüchern hier erhebliche Einflußmöglichkeiten - bis dahin, z.B. die Firmung nach der alten Liturgie in ihrem Machtbereich unmöglich zu machen.

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Neues Leben im Kloster Taggia

Bild: Von der zitierten Website der GemeinschaftEine Schönheit ist es nicht, das alte Kapuzinerkloster im norditalienischen Taggia, gerade einmal 20 km von der französischen Grenze und von Nizza entfernt. Dafür hat es eine andere Besonderheit zu bieten: Die Kapuziner (oder vermutlich eher ihr lokaler Freundeskreis), die das Kloster vor knapp 10 Jahren aus Mitgliedermangel aufgeben mußten, haben das ziemlich marode Gebäude (Bilder hier) den Benediktinern der Immacolata geschenkt – einer vor vier Jahren in der Diözese kanonisch errichteten Gemeinschaft alter benediktinischer Tradition und der überlieferten Liturgie. Gründer der Gemeinschaft waren zwei Mönche aus Le Barroux, die sich einvernehmlich von der ebenfalls altrituellen Kommunität dieses Klosters getrennt hatten, um ein Leben noch näher an der ursprünglichen Regel und dem Charisma des hl. Benedikt zu führen.

Vor zwei Jahren konnte die Gemeinschaft eine erste Neuaufnahme verzeichnen; in diesem Winter sind gleich drei Postulanten neu eingetreten, die während der nächsten 12 Monate Gelegenheit haben, ihre Berufung und ihre Bereitschaft sowie Fähigkeit zum Leben in der Gemeinschaft zu erproben. Das sehr einfache Leben der Brüder, ihr seelsorgerisches Angebot und ihre auch nach außen hin sichtbare harte Arbeit an Sicherung und Ausbau von Kloster und Kirche wirken offenbar anziehend.

Wie alle Gemeinschaften diözesanen Rechts sind die Benediktiner der Immacolata praktisch vollständig auf das Wohlwollen ihres Bischofs angewiesen. Ein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl kann ihnen jederzeit die Existenzgrundlage entziehen. Außerdem wurde im vergangenen November in einem bemerkenswerten Akt der Zentralisierung das Kirchenrecht dahingehend geändert, daß neue Gemeinschaften auch auf diözesaner Ebene nur noch mit römischer Zustimmung errichtet werden können. Anscheinend arbeiten die gegenwärtigen Machthaber verstärkt darauf hin, auch hier die Kontrolle zu übernehmen. Von daher können wir nur hoffen und beten, daß den Benediktinern der Immacolata von dieser Seite keine Steine in den Weg geworfen werden – und daß die Liegenschaften ihres Klosters durch entsprechende rechtliche Gestaltung der Besitzverhältnisse der Begehrlichkeit der Immobilienverwerter von der Ordenskongregation entzogen bleiben.

Frankreichs Bischöfe gegen die Überlieferung

Bild: https://fsspversailles.org/2020/07/05/photos-de-la-premiere-messe-de-labbe-guillaume/Im vergangenen März hatte die Gottesdienstkongregation sich mit einer Umfrage an die Bischöfe der Weltkirche gewandt und sie gebeten, ihre Erfahrungen mit der Praxis der vor 14 Jahren durch Summorum Pontificum rehabilitierten „alten Messe“ in ihren Bistümern mitzuteilen. Nun ist die von der französischen Bischofskonferenz zusammengestellte Kollektivantwort auf diese Anfrage bekannt geworden und hat in den Kreisen der Tradition einiges Aufsehen erregt. Dabei kann der Inhalt dieser Antwort eigentlich niemanden überraschen: Die französische Bischofskonferenz, die in diesem Fall sicher für die überwiegende Mehrheit der ihr angehörenden Bischöfe spricht, ist gegen alles, was mit der überlieferten Liturgie zu tun hat. Gegen Summorum Pontificum, gegen die Überlieferte Lehre, gegen alle Katholiken, die sich dem unter Berufung auf das 2. Vatikanum auch in Frankreich durchgesetzten Säkularisierungskurs der Kirche nicht unterwerfen wollen. Das ist ihre Haltung seit über 50 Jahren, und niemand konnte erwarten, daß sie ausgerechnet im 8. Jahr des Pontifikates von Franziskus davon abgehen könnten.

So nicht zu erwarten, aber durchaus aufschlußreich war der eher formale Umstand, daß die Bischofskonferenz als Urheber der Antwort an Rom auftritt, wo doch die Diözesanbischöfe um ihre konkreten Erfahrungen in den Bistümern angefragt worden waren. Anscheinend war man sich in der Zentrale – die übrigens bei weitem nicht so gut ausgestattet und schlagkräftig ist wie ihr deutsches Gegenstück – nicht sicher, daß genug Bischöfe die Parteilinie in der erwünschten Sturheit vertreten würden und hat die Sache an sich gezogen – der „demokratische Zentralismus“ leninschen Angedenkens regiert auch hier. Wenn die Antworten in der Zusammenfassung an Konkretheit und damit an Aussagekraft für die Analyse in der Glaubenskongregation verlieren – umso besser. Auch in Frankreich gibt es einen starken „antirömischen Affekt“, und auch dort versuchen die säkularistischen Kräfte sich einerseits immer mehr von Rom zu lösen und andererseits alle Bistümer auf ihre Einheitslinie zu verpflichten. In Italien ist die nationale Bischofskonferenz ebenso vorgegangen, und wenn das in Deutschland bis jetzt noch nicht geschehen ist, dann wohl hauptsächlich deshalb, weil die Säkularisten hier in erster Linie den „Synodalen Weg“ als Transmissionsriemen für die Durchsetzung ihrer Agenda betrachten und die überlieferte Liturgie ohnehin weitgehend „eingehegt“ zu haben glauben.

Die amerikanische Website „LifeSiteNews“ hat unter Datum vom 2. Februar eine ausführliche Besprechung des französischen Dokuments gebracht, dessen Originalversion Sie hier als PDF herunterladen können.

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Weihen beim Institut Christus König

Bild: aus der genannten Meldung auf Riposte CatholiqueDie Aktivitäten des Instituts Christus König und Hohepriester bleiben für uns meistens ein wenig unter dem Radar – erstens, weil es in Deutschland bisher nur einen größeren Stützpunkt im etwas abgelegenen Kloster Maria Engelport im Hunsrück etablieren konnte und zweitens, weil die im Institut gepflegte Spiritualität sich teilweise in Formen manifestiert, die vielen Mitteleuropäern des 21. Jahrhunderts etwas fremd erscheinen. Das soll keine abwertende Kritik sein: Die Kirche hat über ein Jahrtausend lang viele zum Teil sehr unterschiedliche Spiritualitäten zugelassen und gefördert und kam nie auf den Gedanken, sie habe nur Platz entweder für die geistigen Söhne und Töchter des hl. Franziskus oder die des hl. Ignatius – obwohl man manchmal wünschen möchte, sie würde einige Söhne des letzteren mindestens ebenso weit von sich weisen wie die Erben des finster-despotischen Johannes Calvin. Zu diesem jedenfalls bilden die Leute vom ICKSP oder wie auch immer man das abkürzen soll einen Gegensatz, wie man ihn sich katholischer nicht wünschen kann.

Und weil das so ist, kann das erst 1990 gegründete und 2008 kanonisch als Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts errichtete Institut auch eine überaus erfreuliche personelle Entwicklung vorweisen. Gegenwärtig gehören ihm etwa 120 Priester an, während sich an die hundert Seminaristen auf die Priesterweihe vorbereiten. Das Bild oben zeigt in der Mitte Cardinal Burke und Weihbischof Schneider in Begleitung der Leitung des Instituts und umgeben von 16 Diakonen und Subdiakonen, die am 14. September von Kardinal Raimond Burke in der Kirche SS. Michele e Gaetano in Florenz die entsprechende Weihe erhalten hatten. Einen Tag zuvor hatte Bischof Schneider im Seminar von Gricigliano einer gleich großen Zahl von Seminaristen die ihrem Ausbildungsstand und Weg zum Priestertum entsprechenden niederen Weihestufen erteilt.

Das Bild und zwei weitere und die wesentlichen Informationen zu den Weihefeierlichkeiten in fanden wir auf Riposte-catholique vom 16. September. 

Zusätzliche Informationen