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Ein Schlag, zwei Ziele

Wenige Tage vor Weihnachten hat der päpstliche Kommissar Fidenzio Volpi drei Konvente der Franziskaner der Immaculata aufgelöst, die bisher im Auftrag des Ortsbischofs die überlieferte Liturgie in Städten der Diözese Albenga-Imperia gefeiert haben. Betroffen sind die Orte Albenga, Imperia und San Bartolomeo al Mare. Die bisher dort ansässigen Franziskaner wurden nach Afrika und Asien versetzt, weil das „dem missionarischen Charisma des Ordens besser entspreche“. Die Auflösung der in der Pfarrseelsorge tätigen Niederlassungen erfolgte, nachdem der traditionsverbundene Ortsbischof Msgr Mario Oliveri in einem Schreiben an P. Volpi die Bitte der Patres, weiterhin im alten Ritus zelebrieren zu dürfen, unterstützt hatte.

Die Meldung über die neueste Maßnahme P. Volpis erschien zunächst in dem italienischen Blog Libertà e Persona, eine deutsche Übersetzung findet sich auf Katholisches.info.

Tradition, Rechtsordnung und Willkür

Nach dem hier bereits vor zwei Tagen verlinkten und teilweise übersetzten Brief des päpstlichen Kommissars Volpi an die Mitglieder der FFI sind inzwischen weitere Dokumente und Veröffentlichungen zur Causa in englischen Übersetzungen zugänglich gemacht worden. Eine gute Zusammenstellung findet sich bei Rorate cæli – sie bildet eine unentbehrliche Grundlage für alle, die diese Entwicklung näher verfolgen wollen. Genau das kann freilich nicht die Aufgabe von Summorum Pontificum sein, zumal die Faktenlage immer noch in vielem undeutlich bleibt. Wir beschränken uns daher nach einigen allgemeinen Bemerkungen auf die Aspekte, die für die überlieferte Liturgie und ihre rechtliche Stellung von besonderer Bedeutung erscheinen.

Um die Schlussfolgerung unserer ausführlicheren Überlegungen vorwegzunehmen: P. Volpi verlangt als Voraussetzung für den Verbleib im Orden die Anerkennung, der Novus Ordo sei „ein wahrhafter Ausdruck der liturgischen Tradition der Kirche“ und „der Dokumente des zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend der ihnen vom Lehramt der Kirche verliehenen Autorität.“ Damit will der Kommissar den Ordensnachwuchs auf einen neuen Traditionsbegriff, der in Wirklichkeit eine weitgehende Unabhängigkeitserklärung gegenüber der Tradition darstellt, und auf den vielfältig irrlichternden Konzilsgeist verpflichten. Dabei handelt er nicht als Privatperson, etwa als Kapuziner, der angesichts des Niederganges seines eigenen Ordens und getrieben von invidia clericalis einen so wahrgenommenen „Konkurrenten“ mit herunterziehen will. Er wirkt als Executor der abtretenden Konzilsgeneration, die unter dem neuen Pontifikat noch einmal die Gelegenheit wittert, ihre doch bereits längst vom Scheitern gekennzeichneten Ideen der ganzen Kirche aufzuzwingen – nach den Franziskanern der Immakulata als nächstes auch den Eclesia-Dei-Gemeinschaften, die in Liturgie, Lehre und Traditionsbegriff bewusst an dem festhalten, was immer galt und immer geglaubt worden ist.

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Der Kommissar zerschlägt den Orden der FFI

Nachdem Kommissar P. Fidenzio Volpi in der vergangenen Woche der bisherigen Ordensleitung der Franziskaner der Immakulata vorgeworfen hat in eine „krypto-lefebvrianische, jedenfalls traditionalistische“ Richtung „abgedriftet“ zu sein, veröffentlichte er am 8. Dezember ein langes Schreiben an alle Mitglieder (PDF in englischer Sprache). Darin  erhob der Kommissar eine Fülle von Vorwürfen gegen die angeblich widersetzlichen Ordensangehörigen, besonders verwerflich erschien ihm die von zahlreichen Mitgliedern bei der zuständigen Autorität eingereichte Bitte um Errichtung einer neuen Gemeinschaft im Rahmen von Ecclesia Dei.  Als Ausdruck der „mütterlichen Sorge der Kirche“ für ihre Ordensgemeinschaften und in der Hoffnung, daß die herannahenden Feiertage „Anlässe großer Gnade  sind, die meine Worte deutlicher, hilfreicher und fruchtbringender machen werden“, verfügte Volpi:

Es beginnt ein langes Zitat In Erwägung all des oben Beschriebenen und nach Vorlage dessen bei der Ordenskongregation treffe ich kraft der mir von dieser Kongregation verliehenen Vollmachten folgende Anordnungen, die sofort in Kraft treten:

  1. Das STIM (Seminarium Theologicum Immaculata Mediatrix) ist bis auf weiteres suspendiert, das Studium wird unterbrochen. Die Studenten des zweijährigen Philosophicums werden in das Mutterhaus in Frigento umziehen, wo sie - sofern der Unterzeichnete das erlaubt - das interdiözesane Kolleg von Benevent besuchen werden. Die Studenten des dreijährigen Theologicums werden ins Generalat nach Rom an der Via Boccea gehen, von wo aus sie - soweit und wenn ich das anordne - die päpstlichen Universitäten Roms besuchen werden. In der Konsequenz dieser Verlagerungen wird das Marianische Haus in Sassoferrato geschlossen.
  2. Weihen zum Diakonat und zum Priestertum werden für ein Jahr aufgeschoben. Weihekandidaten, die sich gegenwärtig in der Ausbildung befinden, müssen eine persönliche Erkläung unterschreiben, mit der Anerkennung:

    • der Novus Ordo ist ist ein wahrhafter Ausdruck der liturgischen Tradition der Kirche und damit der franziskanischen Tradition (ohne dem vorzugreifen, was das Motu Proprio Summorum Pontificum gestattet, sofern das derzeit geltende Verbot ad hoc et ad tempus für das Institut (d.h. der Orden) aufgehoben wird),
    • der Dokumente des zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend der ihnen vom Lehramt der Kirche verliehenen Auitorität.

    Jeder Kandidat, der diese Vorgaben nicht akzeptiert, wird sofort aus dem Orden entlassen.

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Noch mehr Ruinen

Seit einem ersten Bericht über Säuberungen bei den Franziskanern der Immakulata im Oktober haben wir nicht mehr viel von der in allerhöchste Ungnade gefallenen Gemeinschaft gehört: Die gemaßregelten Mitglieder des Ordens nehmen den von ihnen feierlich gelobten Gehorsam ernst und folgen schweigend allem, was ihnen auferlegt wird. Ein Tertiar des Ordens, der als in der Welt lebender Christ nicht an dieses Gehorsamgelübde gebunden ist, hat jetzt über ein ganzes Bündel von weiteren Maßregelungen berichtet, mit denen der Kapuziner Volpi als päpstlicher Kommissar und P. Alfonso Bruno als dessen Rechte Hand die offenbar unerträglich erfolgreiche traditionsorientierte Gemeinschaft reformieren:

  • Der Ordensgründer Pater Stefano Maria Manelli wurde angeklagt, er habe die Brüder von ihrem Gründungscharisma weggeführt und in eine Art Haft genommen: Es ist sogar seinen engsten Verwandten untersagt, ihn zu besuchen, er darf keine Telefongespräche führen oder empfangen,  jeder Kontakt mit der Außenwelt ist ihm verwehrt;
  • Generalprokurator Pater Apollonio, Direktor des Theologischen Seminars und Guardian des Klosters Roma-Boccea, wurde abgesetzt und nach Portugal geschickt;
  • der frühere Rektor und der Vizerektor der ordenseigenen Hochschule, die Patres Settimo Manelli und Paolo Siano wurden beide nach Afrika versetzt und durch zwei Brüder ersetzt, von denen einer noch nicht einmal einen Studienabschluss besitzt;
  • Pater Budani, der gerade im Abschluß seines Studiums des Kirchenrecht war, wurde von heute auf morgen nach Afrika versetzt und darf seine Ausbildung nicht beenden;
  • Mit Schreiben vom 27. November wurde den Tertiaren jegliche Aktivität untersagt und das Tragen ihres Ordenskleides  verboten.

Wenn diese Informationen auch nur halbwegs zutreffen, bedarf es offenbar der Methoden, die in schlechten Romanen der Inquisition angedichtet werden, um die Gemeinschaft auf die vom Papst gepriesene Linie der allumfassenden Barmherzigkeit, der überwältigende Freude und der zärtlichen Liebe zu bringen.

 

Spaltung oder Untergang?

Fr. Zuhlsdorf, der sich zur Zeit in Rom aufhält und dort viele alte Freunde von seiner früheren Tätigkeit bei der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei trifft, hat heute mitgeteilt, daß etwa 200 Mitglieder der Franziskaner der Immaculata eine Petition an die Kommission gerichtet haben, eine eigene Gemeinschaft zu errichten, die ausschließlich die überlieferte Liturgie feiert.

Das ist eine sehr betrübliche Entwicklung. Sie zeigt, daß die Spaltung des Ordens so tief geht, daß eine starke Minderheit jede Hoffnung verloren hat, mit der „Gegenseite“ in einer Gemeinschaft bleiben zu können. Der Versuch, die Einheit mit brachialen Mitteln durch das (rechtlich überaus zweifelhafte) Verbot der überlieferten Liturgie herbeizuzwingen, muss als gescheitert gelten. Und falls die Kurie - was zu befürchten ist - eine Neugründung nicht zulassen will, wäre der Orden auf viele Jahre hinaus durch Auseinandersetzungen und Austritte so beeinträchtigt, daß er jede Attraktivität und jedes Charisma verlieren müsste, die ihn in den vergangenen Jahren zu einer der wenigen wachsenden Gemeinschaften in der Kirche gemacht hatten.

Aber auch wenn es zu einer Teilung käme, wird es keine Gewinner geben - außer den Kräften, die an einer Marginalisierung, Isolierung und schließlichen Abstoßung aller Katholiken arbeiten, die die Kontinuität waren und an der überlieferten Lehre und Liturgie festhalten wollen. Sie wollen, wie aus anderen Abteilungen der römischen Gerüchteküche zu vernehmen ist, der Kommission Ecclesia Dei ohnehin die Kompetenz nehmen, neue Gemeinschaften im alten Ritus zuzulassen.

Schneller als uns lieb ist werden wir wohl anhand tatsächlicher Entwicklungen feststellen können, was es damit auf sich hat.

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