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Buß- und Bettage

Nicht als betende Gemeinde, sondern eher als fordernde Organisation erscheint die Kirche heute in vielen Abteilungen - und von Buße brauchen wir erst gar nicht zu sprechen, das ist ja so vorkonziliar. Der heutige Tag bietet Gelegenheit, an aus der Mode gekommenes zu erinnern: Heute ist der letzte Tag der Herbstquatember, der bis weit in die vorchristliche Vergangenheit zurückreihenden Dank- und Bußtage des Herbstes. Dazu haben wir im vergangenen Jahr ausführlicher geschrieben. Außerdem fällt auf diese  Quatembertag der Beginn der Novene zum Heiligen Erzengel Michael, den frühere Zeiten als Beschützer ihres Volkes und Schirmherrn der Kirche verehrten und um seinen Beistand anriefen. 

Eine gute Vorlage für diese Novene bildet das Gebet von Papst Leo XIII (1810 - 1903) zum Erzengel Michael, das wir hier in seiner weniger bekannten Vollform vorstellen:

Heiliger Erzengel Michael,

Du ruhmreicher Prinz der himmlischen Heerscharen,
verteidige uns in diesem schlimmen Krieg, den wir gegen Mächte und Gewalten,
gegen die Beherrscher der Welt der Finsternis
und gegen die bösen Geister in den Himmelshöhen führen müssen.
Komme den Menschen zu Hilfe,
die Gott nach seinem Bild und Gleichnis gemacht, unsterblich erschaffen,
und aus der Tyrannei des Teufels um einen teuren Preis erkauft hat.

Kämpfe - vereint mit dem Heer der seligen Engel – heute wieder so die Schlachten des Herrn,
wie Du einst gegen Luzifer, den Anführer des teuflischen Stolzes
und seine abtrünnigen Engel gekämpft hast!
Denn sie siegten nicht! Ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel.
Hinab gestürzt wurde stattdessen der grausame Drache, die alte Schlange,
die Teufel und Satan genannt wird und der die ganze Welt verführt.
Er wurde vom Himmel hinabgeworfen auf die Erde, und mit ihm all seine Engel.

Doch sieh! Der Urfeind hat sich wieder erhoben.
Der Menschenmörder hat wieder Mut gefasst.
Als Engel des Lichts verwandelt und getarnt schweift er mit einer Vielzahl böser Geister
in Raubzügen auf der Erde umher,
um hier den Namen Gottes und seines Gesalbten auszumerzen
und sich der Seelen zu bemächtigen, die für die Krone ewigen Ruhms bestimmt waren,
um sie umzubringen und dem ewigen Untergang zu weihen.
Wie Abwasser gießt der feindselige Drache
das Gift seiner Bosheit auf Menschen, deren Geist und Herzen er verführt verdorben hat:
Den Geist der Lüge, der Ehrfurchtslosigkeit und Gotteslästerung;
den todbringenden Hauch der Ausschweifung und aller Laster und Gemeinheit.

Die überaus durchtriebenen Feinde erfüllen die Kirche,
die Braut des unbefleckten Lammes,
mit Galle und Bitterkeit und berauschen sie mit Wermut.
Ihre frevlerischen Hände haben sie an die heiligsten Schätze gelegt.
Selbst am heiligen Ort, wo der Sitz des heiligen Petrus und der Lehrstuhl der Wahrheit
zur Erleuchtung der Völker errichtet ist,
haben sie den Thron ihrer abscheulichen Gottlosigkeit aufgestellt,
voller Heimtücke, damit, nachdem der Hirt geschlagen ist,
sie auch die Herde zerstreuen können.

Erhebe Dich also, unbesiegbarer Prinz,
und stehe dem Gottesvolk gegen den Ansturm der bösen Geister bei! Gib Du ihm den Sieg!
Die heilige Kirche verehrt Dich als ihren Hüter und Beschützer.
Du bist ihr Ruhm, weil Du sie gegen die bösen Mächte der Erde und Unterwelt verteidigst.
Dir hat der Herr die Seelen der Menschen anvertraut,
um sie in die himmlische Glückseligkeit zu geleiten.

Bitte inständig den Gott des Friedens,
Er möge den Satan unter unseren Füßen zermalmen,
damit er die Menschen nicht länger gefangen halten und der Kirche schaden könne!
Bringe Du unsere Bitten vor das Angesicht des Allerhöchsten,
lass sie zur Aussöhnung mit der Gnade und dem Erbarmen des Herrn kommen,
während Du den Drachen ergreifst,
die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist,
und ihn gefesselt in den Abgrund stürzt und bindest,
damit er die Völker nicht mehr verführe.
Amen.

Diese deutsche Version des Textes fanden wir in einem Beitrag von Paul Badde auf Kath.net, der auch Einzelheiten zur dramatischen Entstehungsgeschichte des Gebets bietet.

Konturen einer Nationalkirche

Warum sollte man sich den täglichen Blick auf "katholisch.de" antun, wo man doch sicher sein kann, das das, was dort abgehandelt wird, in vielen Fällen gar nicht "katholisch" ist? Nun – das Portal mit dem anspruchsvollen Namen, das voll von den deutschen Bischöfen finanziert wird (aus der Kirchensteuer, versteht sich), protokolliert in erfreulicher Offenheit und Ausführlichkeit die Pläne und die bereits erreichten Stationen des Weges von der katholischen Kirche in Deutschland zur neuen Deutschen Nationalkirche. Hier ein paar Wegmarken aus der ersten Hälfte dieser Woche.

Beginnen wir vom 16. 9. mit einem Ausreißer insoweit, als der Wiener Kardinal Schönborn natürlich nicht direkt zur deutschen Nationalkirche gehört, sondern nur zu jener unheiligen deutschsprachigen Allianz, die aus dem Verwesungsprozess der Theologie in dieser Sprachgemeinschaft hervorgegangen ist. Unter der Überschrift "Darum hat der Papst den Katechismus geändert" versucht es der Kardinal, der es doch gerade in Sachen Katechismus besser wissen sollte, am Zeitgeistthema 'Ablehnung der Todesstrafe' mit einem Kartentrick: Gestern glaubten wir so – heute glauben wir anders; Papa vult.

Als ob der Papst durch eine Änderung des Katechismus den Glauben der Kirche ändern könnte. Der Katechismus war nie und ist auch heute nicht ein Buch, das der Kirche ihren Glauben vorschreibt, sondern er ist ein Buch, das mit mehr oder weniger praktischer Zielsetzung das zusammenfasst, was die Kirche glaubt und nach der heiligen Schrift und dem Zeugnis ihrer Väter und Lehrer immer geglaubt hat. Den Reformern wäre sicher viel daran gelegen, den Katechismus in dem Sinne umzudeuten, daß man durch seine Manipulation den Glauben der Kirche einfach so ändern könnte – erst recht, wenn es in dem einen oder anderen Fall gelingt, einen theologisch irrlichternden Papst als Autor zu gewinnen – doch so funktioniert das nicht. Der Katechismus setzt nicht den Glauben, sondern er ist seine Referenz. 

Der in dem Artikel des Kardinals ausgedrückte Hyperpapalismus widerspricht im Übrigen nur scheinbar dem antirömischen Trend des Nationalkirchentums: Gerade die deutschsprachigen Bischöfe haben eine lange Tradition darin, päpstliche Äußerungen, die ihnen in den Kram passen, als Aussagen höchster Autorität für ihre Propaganda einzusetzen, während sie gleichzeitig die, die ihnn lästig sind, verschweigen oder umdeuten.

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Fragen zur Spaltersynode

Bild: israelnetz.com vom 9.11.2016Die überwiegende Mehrheit der deutschen Bischöfe steht offenbar unter dem von den Medien mit Fleiß beförderten Eindruck, daß die wenigen verbliebenen Kirchgänger ihrem Steuereintreibungsverbund in hellen Scharen den Rücken kehren, wenn die aktuell zur Behandlung auf dem Synodalen Weg markierten Fragen nicht umgehend und im Sinne der Progressisten beantwortet werden. Diese Fragen, besser gesagt „Forderungen“, werden schon seit Jahrzehnten von dem Verein „Wir sind Kirche“ und dessen Vorgängern vom Kirchenvolksbegehren vorgetragen, der es zwar nie zu einer nennenswerten Mitgliedschaft gebracht hat, aber doch recht repräsentativ für eine verbreitete Stimmung in vielen Gemeinden zu sein scheint. Bis vor etwa zehn Jahren haben viele Bischöfe, vermutlich eine Mehrheit, eine klar ablehnende Haltung zu den dort vorgetragenen Forderungen eingenommen. Doch dann – möglicherweise im Zusammenhang mit einer unverkennbaren Radikalisierung und Säkularisierung des Zentralkomitees – hat sich der Opportunismus durchgesetzt, und so entspricht der themenkatalog des Synodalen Weges fast 1:1 dem alten Forderungskatalog der Kirchenvolks-Begehrer:

  • „Aufbau einer geschwisterlichen Kirche“ – gemeint ist Demokratisierung der Institutionen
  • „Volle Gleichberechtigung der Frauen“ – einschließlich der Zulassung zu allen Weiheämtern
  • „Freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform“
  • „Positive Bewertung der Sexualität“ – durch eine neue an der gesellschaftlichen Realität orientierte Sexualmoral
  • „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ - Verzicht auf die Rede von der Sünde und Ausschluß von öffentlichen Sündern von den Sakramenten.

Diese Entwicklung innerhalb von 25 Jahren von einem Katalog der Undenkbarkeiten zum offiziell und auch im Konflikt mit Rom aufgestellten „Reformprogramm“ wirft schwerwiegende Fragen zu (mindestens) drei Bereichen auf:

Die erste bezieht sich vor allem auf die nationale Ebene: Was ist in Theologie, Studium und Katechese geschehen oder nicht geschehen, daß Lehre und Ordnung der Kirche heute so umfassend zur Disposition gestellt werden können? Nicht von den Rändern, sondern vom institutionellen Zentrum der Strukturen her.

Die zweite Frage ist an Rom zu richten, und ausdrücklich nicht nur an das aktuelle Pontifikat: Wie konnten so viele Personen ins Bischofsamt berufen werden, daß heute eine klar gegen die Lehre und Ordnung der Kirche verstoßende Synodenplanung mit überwältigender Mehrheit (21:3) gegen einen orthodoxen Alternativvorschlag durchgesetzt werden kann?

Die dritte Frage berührt unser Hauptthema: Inwieweit ist die vor 50 Jahren beschlossene Liturgiereform nur Ausdruck der alle Entwicklungen überwölbenden Tendenz zur Säkularisierung – oder hat sie entscheidend dazu beigetragen, dieser Tendenz auch im katholischen Volk zum Durchbruch zu verhelfen?

Wir werden versuchen, vor allem dieser dritten Frage in diesen Wochen des 50. Jahrestages der Einführung der Liturgiereform näher nachzugehen.

Reden über Schisma und Spaltung

Die S-Wörter haben Konjunktur. Wurden sie bis vor wenigen Jahren peinlich gemieden und höchstens einmal hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen, wenn es um besonders schlimmes Versagen einzelner Theologen oder irrender Oberhirten ging, so erscheinen sie heute immer öfter als unentbehrlich zur Beschreibung aktueller Entwicklungen. Drei Veröffentlichungen vom Wochenbeginn werfen auf je unterschiedliche Weise Schlaglichter auf den desolaten Zustand der Ecclesia militans, die in weiten Bereichen den Kampf, der doch ihr Wesen ausmacht, aufgegeben hat, und sich zum Friedensschluss mit dem Übel und dem Verderber der Welt anschickt.

Aus Italien erreichte uns gestern ein Artikel des Vatikan-Analytikers Andrea Cagliarducci (Englisch in Monday Vatican  und auf Deutsch beim Beiboot Petri), der das Thema der Theologie ohne Gott aufgreift, das unsererseits hier bereits ansatzweise und in deutscher Perspektive angesprochen wurde. Cagliarducci führt aus, daß die Theologie ohne Gott beileibe nicht auf deutsche Universitäten begrenzt ist, und er zeichnet die Pontifikate der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. als durchdrungen von der Anstrengung, dieser in der gesamten Kirche vordringenden Anti-Theologie entgegen zu wirken. Offenbar mit wenig Erfolg, jedenfalls nicht nachhaltig. Im gegenwärtigen Pontifikat sind diese Abwehrversuche trotz anderslautender verbaler Bekundungen praktisch zum Erliegen gekommen. Ersten Konsequenzen sind mit den Dokumenten Laudato Si und Amoris Laetitia bereits sichtbar geworden, sie haben tiefgehende Unruhe und Verwerfungen in der Kirche bewirkt. Die weiteren Aussichten, wie sie etwa mit der Amazonas-Synode oder dem deutschen „Synodalen Weg“ eröffnet werden, müssen alarmieren. Kirchenspaltung und Schisma erscheinen als reale Gefahr.

Den zweiten überaus aufschlußreichen Beitrag lasen wir auf „New Liturgical Movement“, wo Peter Kwasniewski den Brief eines russisch-orthodoxen Mönchs präsentiert, den der einem westlichen Benediktiner geschrieben hatte, nachdem dieser ihm eine längere Abhandlung über die Notwendigkeit der Rückkehr in die Einheit der Kirche unter dem Papst zugesandt hatte. Die Antwort aus Russland macht deutlich: An den traditionellen Motiven und Begründungen für die Spaltung hat sich kaum etwas geändert – aber in den letzten Jahrzehnten, die doch westlicherseits angeblich unter dem Primat der Ökumene standen, sind noch viele Neue dazu gekommen. Die Spaltung zwischen Ost und West erscheint tiefer als seit Jahrhunderten. Und im Westen werden vermehrt Fälle bekannt, daß sich verzweifelte Katholiken im vermeintlich weniger vom Modernisierungssturm geschüttelten Osten in Sicherheit bringen – Rod Dreher von der Option Benedikt ist nur das prominenteste, bei weitem aber nicht einzige Beispiel.

Unmittelbar das Thema „Spaltung“ spricht Peter Winnenmöller in einem ebenfalls an diesem Montag erschienenen Beitrag für kath.net an.

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Falscher Dialog gegen wahren Glauben

Bild: Photo des BuchumschlagsFr. John Hunwicke hat am 18. August auf seinem Blog einen Beitrag veröffentlicht , der auch nach unserer Sommerpause – und noch lange darüber hinaus – von großem Interesse ist. Unter dem Titel Typologie ist die Antwort befaßt er sich mit dem populären Trend, den (im übrigen weitgehend politisch/strategisch motivierten) „Dialog mit den Juden“ auf Kosten der Wahrheit voranzubringen. Auf Kosten der unumstößlichen Wahrheit, daß nur in Christus Erlösung ist und es buchstäblich keinen Weg zum Heil gibt, der um Christus herum (oder gar gegen ihn) geht.

Das Thema ist auch liturgisch von allergrößter Bedeutung. Die Reformen von Missale und Brevier im 20. Jahrhundert haben zwar vorgegeben, Gewicht und Anteil der Schriften des Alten Testaments zu vergrößern. Dabei haben sie jedoch in Texten und bei deren Übersetzungen immer stärker auf hebräische, d.h. nachchristlich oder sogar antichristliche jüdische – Lesarten und Traditionen zurückgriffen, während sie die authentische Tradition der Kirche zurückdrängten. Damit verliert das Neue Testament quasi seine Fundierung im Glauben des auserwählten Volkes der Zeit, bevor es sich in seiner Mehrheit von einem seinen Erwartungen nicht entsprechenden Messias abwandte. Viele Texte des Alten Testaments werden damit schwerverständlich oder verlieren jeden Bezug zu unserem Glauben – besonders betrifft das die Psalmen, die zumindest in der Theorie immer noch das Kernstück des Stundengebets, des offiziellen Amtsgebetes der Kirche, bilden.

Nur im Vorgriff auf ein demnächst hier anzusprechendes Thema sei vermerkt, daß die „Neue Einheitsübersetzung“ des Jahres 2016 diesen üblen Trend in ihrer Übersetzung der Psalmen noch einmal erheblich verstärkt hat. Die Psalmen, die nach den für die deutsche Kirche verbindlichen Büchern in Brevier oder in der Messe auftauchen, sind an vielen Stellen definitiv nicht die Psalmen, die Jesus und seine Jünger gebetet haben und die den Glauben der Kirche über die Jahrtausende mitgeformt haben. Doch nun zum Artikel von Fr. Hunwicke.

Typologie ist die Antwort

Der „Geist des Konzils“ ist auch daran beteiligt, daß heute viele Leute irrtümlich glauben, ‚das Konzil‘ hätte den Juden gesagt, sie müßten sich nicht (zu Christus) ‚bekehren‘.

Das ist ganz ähnlich wie bei der Liturgie: die Konzilsväter glaubten, daß sie mit Sacrosanctum Concilium den Auftrag zu einer gemäßigten Reform geben würden, die dem Latein im wesentlichen seinen Platz erhalten würde... und so weiter. Aber nach weniger als einem Jahrzehnt waren die Veränderungen weit über den tatsächlichen Text der Konzilsväter hinausgegangen. Und allmählich brachte man die Leute zu der Annahme, das Konzil habe befohlen, die Liturgie gänzlich in der Umgangssprache zu feiern und die Altäre nachgerade universell umzudrehen … und all das andere.

Nostra Ætate hatte ein ganz ähnliches Schicksal. Die Konzilsväter glaubten, sie würden eine umfassende Verurteilung antijüdischer Vorurteile und Verfolgungen aussprechen. Sie glaubten, damit das wenige in ihren Kräften stehende zu tun, um zur Versöhnung nach der Shoah beizutragen. Der Abscheu gegenüber dem, was weniger als zwei Jahrzehnte zuvor geschehen war, bewog sie zu starken Worten gegen den unsäglichen Schrecken, der das Gesicht Europas entstellt hatte, und auch gegen die Defekte einer christlichen Kultur, die dazu beigetragen haben mochten. Aber sie hatten nicht die Absicht, eine Irrlehre von „Zwei Bünden“ zu entwickeln, sie dachten noch nicht einmal in dieser Richtung. Und doch erzählte man nach wenigen Jahrzehnten den Gläubigen, das Konzil habe die Lehre, daß die Kirche als neues Bundesvolk an die Stelle Israels getreten ist, verworfen.

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