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Ein unglaubwürdiger Kardinal

Ende März hat der Wiener Kardinal Schönborn per Interview wissen lassen, daß er keine prinzipiellen Einwände gegen die Priester- und Bischofsweihe für Frauen hat, daß das aber wohl ein künftiges Konzil beschließen müsse. Dann - so scheint der Mann anzunehmen, der sein Mäntelchen immer rechtzeitig nach dem Wind zu drehen versteht - dann wird die katholische Kirche einen ähnlich glänzenden Aufstieg erleben wie die Evangelischen oder die Anglikaner - ähm...

Der amerikanische Kirchenrechtler Edward Peters hat dazu am 11. April eine fachliche Stellungnahme veröffentlicht, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Hier unsere Übersetzung nebst einer Anmerkung:

Es beginnt ein langes ZitatFür gesellschaftliche Organismen, deren Ordnung sich auflöst, ist es typisch, daß gelegentlich hochrangige Mitglieder mit Aussagen auftreten, die, wenn man sie wörtlich versteht, grundlegenden Werten dieser Gesellschaft diametral widersprechen – und das, ohne den geringsten Widerspruch derer hervorzurufen, die Verantwortung für diese Gesellschaft tragen.

Die kürzlich geäußerten Bemerkungen des Wiener Kardinals Christoph Schönborn, die offensichtlich für die Priesterweihe von Frauen eintreten, widersprechen meiner Meinung nach mindestens drei wesentlichen kirchlichen Grundsätzen, ohne daß sie bisher, soweit ich das sehe, seitens der Kirchenführung in irgend einer Weise richtiggestellt worden wären. Ein erschreckendes Beispiel für die Erosion der Gesetzlichkeit in der Kirche.

Im einzelnen:

Offenbar ist Schönborn der Ansicht, „die Frage der Weihe von Frauen ist eine Frage, die zweifellos nur von einem Konzil entschieden werden kann. Das kann der Papst nicht allein machen, das ist eine zu große Frage, als dass sie vom Schreibtisch eines Papstes aus geklärt werden könnte.“ Diese Aussage enthält mindestens drei schwerwiegende Irrtümer ekklesiologischer Natur, und alle drei sind höchst irritierend – wenn man das, was Kardinäle in Interviews von sich geben, ernst nehmen kann.

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Neue Liturgie für die neue Kirche

Bild: Vatican MediaSummorum Pontificum hat in diesem Jahr während der Karwoche darauf verzichtet, auf die teilweise überaus zweifelhaften Formen einzugehen, mit denen die reformierte Liturgie diese Tage umgibt. Die überlieferte Lehre und Liturgie bietet genug andere und für das geistige Leben vermutlich förderlichere Themen. Dennoch nehmen wir dankbar zur Kenntnis, daß Uwe Lay auf seinem Blog „Nachtgedanken“ den grundlegend umgestalteten „römischen Gründonnerstag“ noch einmal zum Thema gemacht hat. Die Praxis des aktuellen Pontifikats bedeutet nicht „nur“ einen tiefen Bruch in den liturgischen Formen und ein Abrücken vom bisherigen Rechtsverständnis der Kirche. Sie signalisiert auch ein fundamental anderes Verständnis von Bedeutung und Funktion des Bischofs von Rom und letztlich auch von „Kirche“ insgesamt. Deshalb also sehr zur Lektüre empfohlen Uwe Lays Artikel „Füße waschen und Abendessen statt Gründonnerstagsmesse?

Und wo gerade von „grundlegende Änderung des Kirchenverständnisses“ die Rede ist, soll auch auf einen heute auf (neo)katholisch.de“ erschienen Text des emerierten Kirchenrechtlers Heribert Hallermann hingewiesen werden. Hallermann sieht die Lösung des Konflikts der Bischöfe um die Kommunionspendung an nicht-katholische Ehepartner im Zuge der allgemeinen Entgrenzungsideologie darin, vom bisherigen als zu exklusiv empfundenen Kirchenverständnis ganz abzurücken: Irgendwie sind doch alle katholisch. 

Ersetzung - nicht Absetzung

Bild: Gemälde von J.E. Millais, National Portrait Gallery 5295, Wikimedia CommonsDie Erklärung des Kongresses „Katholische Kirche, wohin gehst Du“ bringt wie zu erwarten keine Sensation, aber doch eine Überraschung: Das von den Unterzeichnern „im Einklang mit der authentischen Lehre der Kirche“ abgelegte Zeugnis enthält nämlich nicht weniger als die Antwort auf die von den vier Kardinälen vor anderthalb Jahren eingereichten „Dubia“, auf die der Papst bis heute eine „im Einklang mit der authentischen Lehre der Kirche“ stehende Antwort verweigert.

Nicht unter Berufung auf Ränge und Ämter, die der despotisch agierende Papst ihnen ja jederzeit nehmen könnte, sondern als „getaufte und gefirmte Glieder des Volkes Gottes“, geben die Kongressteilnehmer auf die von Bergoglio offensichtlich bewußt geschürten Zweifel die einzigen Antworten, die gläubige Katholiken geben können. Nachzulesen in sechs nüchtern und klar formulierten Sätzen, die selbstverständlich keinerlei „Verdammungsurteil“ gegenüber den „zivil wiederverheirateten Geschiedenen“ enthalten, sondern lediglich feststellen, was unumgänglich ist: Daß diejenigen, die nicht bereit sind, dem eindeutigen Gebot Gottes gemäß zu leben, darum nicht zur eucharistischen Kommunion zugelassen werden können. Alles Weitere bleibt der göttlichen Gnade anheimgestellt.

Mit dieser Antwort auf die Dubi ersetzen die Kongressteilnehmer die ausgebliebene Antwort des pflichtvergessenen Inhabers des päpstlichen Lehramtes. Sie können sich dabei neben den von ihnen angeführten Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils und des großen Lehrers John Henry Newman auch auf die logische Selbstverständlichkeit stützen, daß es nicht möglich ist, die Lehre zu ändern, ohne sie zu ändern. Auch nicht durch Tricksereien wie die nachträgliche Beförderung eines Briefes zur faktischen Unterstützung einer von anderen formulierten Auslegung eigener Aussagen in die Acta Apostilicae Sedis.

Die Urheber dieser klärenden Worte stellen sich damit nicht über den Papst, aber sie machen auf überaus praktische Weise deutlich, daß der Papst nicht über der Lehre steht. Auch unklare päpstliche Worte, anderen in den Mund gelegte Abweichungen von dem, was die Kirche immer gelehrt hat, können keine Entschuldigung dafür bieten, sich von dieser Lehre abzuwenden. Jeder Papst bleibt ihr Diener.

Die Erklärung gibt darüber hinaus einen wichtigen Anstoß, sich näher mit der Bedeutung des oft in gegensätzlicher Weise angerufenen „sensus fidelium“ zu befassen. Modernistische Theologen spielen gerne mit diesem Ausdruck, um demokratistische Elemente in Glaubens- und Sittenlehre einzufügen: Demnach wäre der rechte Glaube das, was die Leute nun mal so eben glauben. Gestern dies, heute das. Damit wird bewußt übersehen, daß ein solches Verständnis letzten Endes den „sensus infedelium“, das Sentiment der Glaubenslosen oder Glaubensschwachen, zum Maßstab macht. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Der „sensus fidelium“ ist der Glaubenssinn derer, die sich vorstellen können, für ihren Glauben das Martyrium zu erleiden. Nicht derer, die vor Betreten des Tempelbergs das Kreuz ablegen, das Jesus unweit dieses Ortes auf sich genommen hat.

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Der Vortrag, den Kardinal Brandmüller auf der römischen Konferenz zum Thema „Sensus fidei fidelium“ gehalten hat, ist inzwischen hier nachzulesen.

Kirche ohne Gott und Gedöns

Bild: 'Wordle' mit dem Tool auf www.wordle.net von Jonathan Feinberg 

Daß unser heutiger Beitrag dem Thema des gestrigen folgt, es sogar noch zuspitzt, ist keine redaktionelle Planung – aber auch kein Zufall: Unkatholische und antikatholische Ausführungen angeblich katholischer Repräsentanten sind im öffentlichen Raum weitaus häufiger anzutreffen als solche, die dem entsprechen, was 2000 Jahre lang als katholisch galt.

Aus Anlaß des 5-jährigen Thronjubiläums des Papstes hat der Deutschlandfunk ein Interview mit dem Münchener Pfarrer Rainer-Maria Schießler geführt Der schätzt Papst Franziskus sehr, vor allem dessen

unprätentiöse, einfache Art, dass Kirche hier sich nicht selbst produzieren muss, sondern sich erst dann als Kirche wiederfindet, wenn sie beim Menschen landet, dann, dass sie ihm die Würde zurückgibt, einer seiner wichtigsten Sätze bei Fragen der Veränderungen in der Kirche, prüft euer Gewissen, ihr entscheidet. So ein Gedöns, wie es bei uns in diesem Land gemacht wird mit der Kommunion und der konfessionsverschiedenen Ehe und er bei dem Besuch in der evangelischen Kirche im November 2015, wo diese evangelische Deutsche mit dem katholischen Römer verheiratet ist, wo er sagt, prüft ihr beide, sie und der Mann, prüfen Sie Ihr Gewissen und Sie entscheiden. Damit hat er uns eine Selbstständigkeit, eine Aufrichtigkeit zurückgegeben, die fern von jeder Spielerei ist.

Wir machen als „Gedöns“ um die Kommunion – ist doch nur a Stückerl Brot. Und die Kirche findet sich dann wieder, wenn sie beim Menschen landet, sich aufrichtet und selbständig wird. Der Stifter, der ihr die Sakramente anvertraut hat, um den Menschen zu dem Heil zu verhelfen, das nicht von dieser Welt ist – alles Gedöns und Sprüche.

Und drum schätzt Schießler Franziskus auch sehr,

wenn er auf dem Rückflug von Rio de Janeiro sagt, warum soll ich einen Gay verurteilen, der Gott sucht, dass wir nicht mehr hergehen und so blöde Sprüche aus dem Vatikan hören wie "Homosexuelle kommen nicht in den Himmel". Das ist logischerweise völliger Blödsinn, aber es ist vor allem abschätzig, es ist vor allem menschenverurteilend. Er hat einen neuen Stil hereingebracht, wie man mit den Menschen umgeht, und das, glaube ich, ist das Allerwichtigste, bevor wir zu konkreten Schritten gehen. Wir dürfen einen Papst nicht daran messen, wann er den Zölibat aufgehoben hat oder das Priestertum der Frau eingeführt hat.

Dem Interviewer ist das nicht vorwärtsdrängend genug, und er fragt nach, ob man diese drängenden Aufgaben denn aufgeben müsse. Der Interviewte bleibt cool:

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Kirche ohne Sakramente

Bild: 'Wordle' mit dem Tool auf www.wordle.net von Jonathan Feinberg 

Katholisch.de veröffentlicht unter Datum vom 13. 3. ein Interview mit der Priorin der Benediktinerinnen des Schweizer Klosters Fahr, in dem diese das Thema der Sakramentenspendung unter dem bisher übersehenen Gesichtspunkt der Geschlechtergerechtigkeit behandelt. Um „auf unspektakuläre Art Erfahrungen mit weiblicher Sakramentalität“ zu sammeln, schlägt sie vor, ad experimentum zunächst Frauen in Klöstern mit der Spendung bestimmter Sakramente zu beauftragen. Als ein Beispiel nennt sie die Krankensalbung, „aber auch die Eucharistiefeier sei denkbar“. Falls die Erfahrungen positiv ausfielen, könne diese Praxis später auch auf Pfarreien ausgedehnt werden.

Schluß des Interviews bildet dann die Aussage:

Eine Öffnung der Weiheämter hält die Benediktinerin zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht für sinnvoll: „Dann verweiblichen wir den Klerikalismus.“ Das sei „nicht das Miteinander, das ich mir wünsche“.

Bescheidene Anfrage an die hochwürdige Schwester Priorin: Was glaubt sie denn, ist das Wesen der „Eucharistiefeier“ bzw. der Priesterweihe, durch die ein Mann die Vollmacht erhält, „die Eucharistie“ zu feiern? Was ist denn das Wesen von „Sakramentalität“, wenn diese anscheinend wie „Spiritualität“ einen männlichen und einen weiblichen Zweig hat? Weiß die hochwürdige Priorin überhaupt, was ein Sakrament ist und wie es zustande kommt? Oder ist sie eine Vertreterin jener neuen Pseudo-Kirche, die all das für mittelalterliches Brimborium hält, die alle ihre Maßstäbe aus der Lebenswelt bezieht und folglich „Gleichberechtigung“ in allem Tun für einen der höchsten Werte ihrer neuen Religion hält?

Unser Wordle gibt einen kleinen Einblick in die Geisteswelt der Priorin – und in die der Redaktion der Website der deutschen Bischöfe, die derlei für mitteilenswert hält. Oder propagiert. Oder auch nicht besser weiß.

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