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Das Messopfer - was die Kirche glaubt

Wie bei allen Konzilien vor dem zweiten Vatikanum bestehen die wesentlichen Dokumente des Konzils von Trient aus zwei unterschiedlichen Textarten: Beschlüssen mit allgemeinen Ausführungen und den sogenannten Canones, in denen die Kernpunkte der Lehre in knapper Form zusammengefasst sind. Dabei waren die Verfasser darum bemüht, aktuelle Streit- und Zweifelsfragen aufzugreifen und zu beantworten. Außerdem haben sie größten Wert darauf gelegt, mehrdeutige, missverständliche und vom Willen zum Formelkompromiss geprägte Formulierungen zu vermeiden. In dieser Hinsicht bleibt das 2. Vatikanum hinter den Vorgängern zurück: Entsprechend seinem „pastoralen“ Selbstverständnis hat es keine Canones formuliert, und in den oft umständlich formulierten allgemeinen Ausführungen ist an vielen Stellen das Bestreben erkennbar, aktuelle Streitfragen zu überspielen und mit Formelkompromissen zu überdecken.

Die Folge sind scheinbare oder auch tatsächliche Widersprüche, deren Existenz alleine daraus hervorgeht, daß viele Passagen im Lauf der vergangenen Jahrzehnte von verschiedenen Theologenfraktionen extrem widersprüchlich gedeutet wurden. Das macht es auch denen schwer, „die Lehren des zweiten Vatikanums“ zu bekennen, die den besten Willen dazu mitbringen.

In dieser Situation bietet der Rückgriff auf die präzise formulierten Canones früherer Konzilien, insbesondere des Reformkonzils von Trient, eine große Hilfe, zumal das II. Vatikanum nicht nur mehrfach betont, keine neuen Lehren verkünden zu wollen, sondern auch immer wieder Kernpunkte von Trient zitiert. Eine Auslegung seiner Dokumente, die klaren Lehren des Tridentinums widerspräche, ist daher unzulässig. Wo Aussagen des 2. Vatikanums unklar erscheinen - also überall da, wo öffentlich Aussagen des Konzils unterschiedlich gedeutet werden - geben die Canones eindeutige Orientierung. Wo es keine Canones gibt, müssen offensichtlich offene Fragen als weiterhin offen gelten.

Zum vollen Text der Canones zum hl. Messopfer

Liturgiereform und Kirchenkrise II

Der Artikel von Nicholas Postgate, den wir hier auszugsweise wiedergegeben haben und dessen volle Lektüre wir sehr empfehlen, stellt zwei Hauptfragen:

  • Wie weit kann sich die Liturgiereform von 1969 auf das 2. vatikanische Konzil berufen bzw. wieweit reicht ihre Legitimität?
    und - diese Frage wird in dem Auszug nur zum Teil aufgegriffen -
  • was bedeutet es eigentlich, daß jeder sehende Mensch den Niedergang der Kirche in der Nachkonzilszeit mit Händen greifen kann, während hohe und höchste Würdenträger unverdrossen die angeblich so glänzenden Erfolge des Konzils feiern?

Die erste Frage wird gerne - ein aktuelles Beispiel bietet gerade ebenfalls auf NLM ein Artikel von Peter Kwasniewski - in dem Sinne beantwortet, daß die Liturgiereform eine bedauerliche Abweichung vom Willen der Konzilsväter allgemein und vom Wortlaut der Liturgiekonstitution insbesondere gewesen sei. Diese Ansicht ist sicher nicht ganz unbegründet. Aber kann sie erklären, wieso ein Papst diese „Abweichung" promulgierte und warum Tausende von Bischöfen und Hunderttausende von Priestern sie nicht nur widerspruchslos, sondern vielfach begeistert umsetzten - soweit sie sie nicht schon in „vorauseilendem Gehorsam" erfüllt und übererfüllt hatten? Kann eine „Abweichung vom eigentlich Gewollten" die Kraft entwickeln, die überlieferte Liturgie faktisch zu verbieten und selbst nach ihrer Rehabilitierung durch Papst Benedikt vielfach mit unverhohlener Wut zu verfolgen?

Natürlich nicht. Der ungeheure Impetus der Liturgiereform kommt nicht daher, daß sie von etwas eigentlich Gemeinten abweicht, sondern daß sie in vielem Potential aufweist, mit etwas Gemeintem übereinzustimmen: Mit der säkularistischen Grundströmung in den westlichen Industriegesellschaften, die schon vor dem Konzil auf vielfache Weise in der Kirche wirksam geworden ist und der sich auch die Konzilsväter vielfach nicht in der erforderlichen Eindeutigkeit entziehen konnten und wollten. Daraus erklärt sich die Durchschlagskraft, die alle „revolutionär" deutbaren Elemente der Konstitution entwickelten, während die ja ebenfalls vorhandenen im Sinne der Tradition deutbaren Elemente unter allgemeinem Beifall mißachtet wurden.Der Rekurs auf den Unterschied zwischen Texten und Absichten der Konzilsväter einerseits und der Wahrnehmung und Implementierung des Konzils und seiner Dokumente andererseits greift zu kurz – selbst da, wo solche Unterschiede durchaus vorhanden sind. Veränderung war gewollt oder zumindest akzeptiert – weniger in Hinblick auf bestimmte Ziele, sondern als leitendes Prinzip überhaupt.

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Liturgiereform und Kirchenkrise

In New Liturgical Movement fanden wir Auszüge aus einem Text von Nicholas Postgate über die Notwendigkeit einer Rückkehr der Kirche zur überlieferten Liturgie, den NLM seinerseits in der Weihnachtsausgabe des renommierten Latin Mass Magazin gefunden hat. Wir bringen die dort zitierten Passagen hier zunächst in deutscher Übersetzung und werden in den nächsten Tagen noch einmal auf den Inhalt des gesamten Artikels zurückkommen.

Nicholas Postgate trägt den Namen eines berühmten Martyrers der Katholikenverfolgung im England des 17. Jahrhunderts. Er ist pensionierter Hochschullehrer, sollte jedoch nicht mit dem bekannteren Assyrologen gleichen Namens verwechselt werden. Hier finden Sie den kompletten Text als PDF.

Es beginnt ein langes ZitatDie schwere Krise der Kirche seit dem zweiten Vatikanischen Konzil, besonders in den reichen Ländern des Westens, hat zweifellos viele und komplexe Ursachen. Aber ich bin überzeugt, daß die Hauptursache darin liegt, daß Männer der Kirche Tradition und Recht der Kirche in großem Umfang verraten haben und dafür nun eine Strafe Gottes erdulden müssen – man könnte von einer Zeit des Bußleidens als Anfruf zu Reue und Umkehr sprechen. Bischöfe, Priester und manchmal sogar Päpste haben praktisch der vorkonziliaren Liturgie und Lehre den Rücken zugekehrt, in vielerlei Hinsicht sogar den Lehren des 2. Vatikanischen Konzils selbst, und das ist eine Art von Sünde gegen den heiligen Geist, die ein dauerndes Hindernis für eine echte Erneuerung darstellt. Dieses Hindernis wird nicht von selbst verschwinden, sondern nur durch eine gewissenhafte Zurückweisung jeglicher Diskontinuität und eine mutige Anstrengung zum Wiederaufbau der verwüsteten Stadt.

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Die Stimme des Lehramtes...

Petreus mit den Schlüsselnist undeutlich geworden. Noch nie hat man einen Papst so viel reden gehört wie in den letzten Monaten – und noch nie war es weniger klar, was er denn nun eigentlich gesagt hat oder sagen wollte. Und warum der, dessen Amt es ist, zu binden zu lösen, sich öffentlich fragt: „Wer bin ich, daß ich urteile?“

Die Medien versichern uns jeden Tag, in Rom sei die Revolution ausgerufen worden, nun werde alles anders und jedenfalls viel besser als das bisherige Unglück. Angesichts des Umstandes, daß diese Medien bisher nicht gerade als glühende Anhänger der Sache Christi aufgefallen sind, weckt das Irritationen. Sie werden auch nicht dadurch geringer, daß Papst Franziskus zwischendurch immer wieder einmal versichert, was doch selbstverständlich sein sollte: Er sei ein treuer Sohn der Kirche. Warum erscheint dann fast alles, was vor ihm war, in so schlechtem Licht?

Hilary White, die römische Korrespondentin von LifeSiteNews, hat diese Irritationen nun in einem aufschlussreichen Artikel ausgedrückt, den man hier in der vollständigen englischen Fassung und hier in einer gekürzten deutschen Zusammenfassung nachlesen kann. Sie ist bestrebt, ihre Ausführungen nicht als Kritik an Franziskus, sondern an der Arbeit des Pressebüros zu formulieren. Damit mag sie zum Teil recht haben, aber gerade bei diesem überaus autoritäts- und machtbewussten Papst ist kaum zu vermuten, daß das Pressebüro irgendetwas tut oder unterlässt, das nicht in jeder Hinsicht seine Billigung hat.

Mehr zum neuen Verkündigungsstil

Geht Freiburg ins Schisma?

Im Bistum Freiburg werden also künftig sog. „wiederverheiratete Geschiedene“ zum Tisch des Herrn treten und ihren neuen Bund in einer kirchlichen Zeremonie segnen lassen können. Das ist, wenn auch hinter viel Pastoralsprech und Wortnebel verborgen, der faktische Inhalt der nun vom „Seelsorgeamt Freiburg“ veröffentlichten Handreichung „Menschen begleiten – auch beim Scheitern von Ehen“. In einer Zeit, da der Bischofsstuhl von Freiburg vakant ist, unternimmt die Diözesanbürokratie damit einen Schritt, der das Potential hat, zur Initialzündung einer zweiten deutschen Reformation und der Bildung deutscher Nationalkirchen zu werden. Reaktionen aus der Weltkirche lassen erkennen, daß dieses Potential zwar teilweise erkannt wird – daß aber kaum Vorstellungen bestehen, wie dem zu begegnen wäre.

Der Freiburger Schritt hat enorme Konsequenzen kirchenrechtlicher und sakramententheologischer Art. Er bedeutet, sollte er nicht von einer höheren Autorität kassiert werden, ein Abrücken von der Einheit der Lehre und eine Neudefinition des Verhältnisses zwischen petrinischem Amt und Ortskirche. Er betrifft sowohl das Verständnis von Schuld, Sünde und Vergebung als auch von Eucharistie. Wir wollen uns hier zunächst nur mit dem letzteren befassen, weil da der Bezug zur Liturgie und ihren Veränderungen in den letzten Jahrzehnten offensichtlich ist.

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