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Das Ärgernis in Rom

Bild: Libero Quotidiano vom 9. Oktober 2019Nein wir glauben nicht, daß Franziskus wie der Altkommunist Scalfari berichtet die Gottheit Christi geradeaus geleugnet habe. Von daher können wir die Entrüstung, wie sie etwa auf  Gloria.tv laut wird, nicht voll teilen – vom noch größerem Tumult auf einigen amerikanischen Webseiten (auch nicht in der Wolle gefärbt sedisvakantistischen) ganz zu schweigen.

Franziskus geht bei der Transformation der Kirche in ein Glied des nach seiner und seines Ordens Ansicht entstehenden und gottgewollten EineWelt-EinGott-Religion subtiler vor. Man muß das schon ernstnehmen, was er in seinen Schriften an Leitsätzen von sich gegeben hat - „Zeit ist größer als Raum“, „Realitäten sind wichtiger als Ideen“ (ausführlicher hier) und vor allem und immer wieder: „Hagan lio“.

Steve Skojec von OnePeterFive hat einen Versuch zu Analyse des komplexen Zusammenspiels zwischen Franziskus und Scalfari bei diesem nun seit sechs Jahre verfolgten „Hagan Lio“ unternommen. Ähnliche Überlegungen präsentiert Giuseppe Nardi auf katholisches.info. Daraus wird ersichtlich, wie man Glaubenswahrheiten und traditionelle Gewissheiten (in Franziskus‘ Begriffswelt: „Rigiditäten“) auch erschüttern kann, ohne sie direkt anzugreifen.

Eine abschließende Beurteilung der Motive, die hinter dieser Politik des amtierenden Papstes am Werk sind, steht uns nicht zu, und ebenso wenig können wir einen Papst zum überführten Häretiker und damit seines Amtes verlustig erklären, wenn praktisch die gesamte Weltkirche (auch die wenigen Bischöfe und Kardinäle, die ihm widersprechen!), ihn als Bischof von Rom und Inhaber des Papstamtes anerkennen. Was wir können, ist mit guten Gründen zu vermuten (und uns entsprechend zu verhalten), daß dieser Mann charakterlich und intellektuell den Anforderungen, die dieses Amt an ihn stellt, in keiner Weise gewachsen ist und sein Wirken der Kirche enormen Schaden zufügt – was leider in der 2000-jährigen Geschichte der Päpste kein Alleinstellungsmerkmal für den Argentinier darstellt, weder hinsichtlich der charakterliche Korruption noch hinsichtlich der verheerenden Folgen für die Kirche.

Prominente Beispiele wären der Gewaltmensch Urban VI. (1318-89), der das große westliche Schisma für weitere Jahrzehnte vertiefte. Oder Alexander VI. Borgia, dessen größtes Vergehen vielleicht weniger sein durch und durch unmoralischer Lebenswandel war als seine machtpolitische Verblendung, in der er als skrupelloser Spieler auf dem Feld der europäischen dynastischen Politik die beginnende Reformation Luthers anfeuerte. Oder an seinem ebenso rein dem Weltlichen hingegebenen Nachfolger Leo X. Medici, der in seinen Machtspielen befangen die Tragweite der Reformation noch übersah, als diese bereits zur offenen Revolte geworden war.

In dieser Perspektive gesehen also: in Rom nichts Neues. Was freilich ganz und gar keinen Grund geben kann, sich zu beruhigen. Und doch gilt bei aller berechtigten Beunruhigung der Schlußsatz aus einer der neuen „deutschen Hymnen“ in der reformierten Stundenliturgie, (Tod und Vergehen waltet in allem, von Polykarp Ülein, 1978):

Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel. - Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen, ewigen Gott.

Monologischer Dialog zum Schisma

Bild: Von der Website des AutorsFr. Hunwicke hat am 29. und 30. September in einem „Monologischen Dialog“, wie das so seine Art ist, einige Gedanken zum Thema „Schisma“ vorgetragen. Keine Rezepte - aber verschiedene Aspekte, die allen, die beunruhigt in die Zukunft der Kirche schauen, ein paar Leitplanken zum Nachdenken über das so massiv in den Mittelpunkt rückende Thema geben können. Die Beiträge sind unter den Titeln A futuristic "Bloody Question" und Pope Philogynes the First auf Hunwickes Blog liturgicalnotes.blogspot.com erschienen. Wir bringen beide Texte im Zusammenhang.

Eine Frage auf Leben und Tod

Die Frage auf Tod und Leben der Schergen von Elisabeth Tudor war, wenn ich mich recht erinnere, „Wenn eine päpstliche Armee unser Land angreifen würde – würden Sie für die Königin oder für die Eindringline kämpfen?“ Frage auf Tod und Leben deshalb, weil man damit vor ein überaus schmerzliches Dilemma gestellt wurde. „Für die Königin“ würde heißen, gegen die Angehörigen der gleichen Religion zu kämpfen, „für die Eindringlinge“ wäre die Selbstbezichtigung als Verräter.

Damals in den 90ern stellte man (in der Church of England) Leuten, die Probleme mit der Priesterweihe für Frauen hatten, gerne die Frage: „Aber was werden sie tun, wenn Rom selbst dazu übergeht?“ Antwortete man dann: „Ich werde Rom folgen“, dann mußte man mit der Reaktion rechnen: „Ja, wenn Sie das von Rom akzeptieren wollen – warum machen Sie denn jetzt so einen Aufstand? Warten wir doch mal ab, ob Rom hier etwas ändert“. Eine Antwort wie „Dann werde ich Orthodox“ würde bedeuten, sich als Super-Protestanten zu bekennen, der nicht das Lehramt der Kirche akzeptiert, sondern sich die Kirche dem eigenen Lehramt unterwirft. Ob man sich für den Katholizismus oder die Orthodoxie entscheidet, sollte doch auf gründlicheren Überlegungen beruhen als einer aktuellen Kontroverse – und wenn man sich dann einmal entschieden hat, sollte man auch dabei bleiben und sämtliche damit verbundenen Konsequenzen akzeptieren.

Politiker sind schlau genug, sich nicht mit Journalisten über mögliche Konsequenzen von Entscheidungen einzulassen. Sie wissen: Es gibt unendlich viele mögliche Konsequenzen, einige davon mehr, andere weniger wahrscheinlich. Sich mit einem Interviewer darüber in eine Diskussion ziehen zu lassen heißt, daß es ihm früher oder später gelingen wird, einen als Deppen dastehen zu lassen.

Einen Ausweg sehe ich darin, das Spiel mit den denkbaren Konsequenzen selbst mitzugestalten und den gefährlichen Sumpf des Reichs der Möglichkeiten dem Feind nicht allein zu überlassen. Es folgt ein Beispiel dazu.

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Neue Warnungen aus Rom

Bild: Von der Twitter-Seite des AutorsDie Gefahr des Schismas ist real

Bischofskonferenz und Zentralkomitee der Deutschkatholiken geben sich den Anschein von Normalität - doch die Situation ist brisant. Das sieht man nicht nur an den überaus kritischen Stimmen aus den USA so (s. Randspalte) – auch römische Beobachter sind alarmiert. Der stets gut informierte Vaticanista Andrea Gagliarducci hat gestern auf seinem Blog „Monday Vatican“ eine Analyse veröffentlicht, die es in sich hat. Den ganzen Text auf Deutsch bringt das Beiboot Petri, das (englische) Original finden Sie hier. Wir zitieren Ausschnitte - die Hervorhebungen folgen dem Original.

Es beginnt ein langes ZitatSchaut man auf die Diskussion in Deutschland, wird klar, daß Papst Franziskus Synodalität und Parrhesia will, aber sich die Entscheidungen vorbehält. Papst Franziskus´ Kirche ist eine Kirche in andauernder Synode aber mit einem einzigen Führer, der die Entscheidungen allein trifft. Da ist der Papst und er handelt als Garant.
Das unterscheidet sich davon, wie Papst Franziskus seit Beginn seines Pontifikates beschrieben wurde. Die Art wie Papst Franziskus handelt stimmt jedoch mehr mit der Tradition der Kirche überein,. Er hat oft betont, daß die Kirche "eine Heilige Hierarchische Mutter" ist. Da war wahrscheinlich viel böser Wille, den Papst als den Ortskirchen aufmerksam gegenüber bis zu einem Punkt totaler Autonomie-sogar in doktrinalen Belangen-zu beschreiben. So ist es nie gewesen. Die Wahl von Papst Franziskus kam unter den Jubelrufen vieler "progressiver" Gruppen, die nach dem II. Vaticanischen Konzil entstanden, zustande. Diese Gruppen stellten politische Forderungen nach Autonomie und sahen in diesem Pontifikat neue Ressourcen.

Deutsche Theologen waren in diesen Gruppen sehr zahlreich vertreten. Am Ende des Pontifikates von Benedikt XVI forderte die in Österreich gegründete "Pfarrer-Initiative" die selben Reformen, die die Deutsche Kirche jetzt diskutiert,

Während seiner Deutschlandreise 2011 warnte Benedikt XVI die Kirche Deutschlands nicht nur stolz auf ihre Strukturen zu sein, sie solle zu Gott zurückkehren. Als Antwort darauf übernahmen die deutschen Bischöfe eine progressive Agenda. Keiner von ihnen gab dem Papst bei einem Treffen mit dem damaligen Bundespräsidenten Wulff die Hand.

Das war die gleiche theologische Welle. die während der 70-er Jahre Lateinamerika erreichte und als Zünder für die Befreiungstheologie mit marxistischen Kategorien fungierte. Diese deutsche theologische Welle ist bei der kommenden Spezial-Synode für die Pan-Amazonas-Region zutiefst präsent- die von deutsch-stämmigen Bischöfen angeführt wird.

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Buß- und Bettage

Nicht als betende Gemeinde, sondern eher als fordernde Organisation erscheint die Kirche heute in vielen Abteilungen - und von Buße brauchen wir erst gar nicht zu sprechen, das ist ja so vorkonziliar. Der heutige Tag bietet Gelegenheit, an aus der Mode gekommenes zu erinnern: Heute ist der letzte Tag der Herbstquatember, der bis weit in die vorchristliche Vergangenheit zurückreihenden Dank- und Bußtage des Herbstes. Dazu haben wir im vergangenen Jahr ausführlicher geschrieben. Außerdem fällt auf diese  Quatembertag der Beginn der Novene zum Heiligen Erzengel Michael, den frühere Zeiten als Beschützer ihres Volkes und Schirmherrn der Kirche verehrten und um seinen Beistand anriefen. 

Eine gute Vorlage für diese Novene bildet das Gebet von Papst Leo XIII (1810 - 1903) zum Erzengel Michael, das wir hier in seiner weniger bekannten Vollform vorstellen:

Heiliger Erzengel Michael,

Du ruhmreicher Prinz der himmlischen Heerscharen,
verteidige uns in diesem schlimmen Krieg, den wir gegen Mächte und Gewalten,
gegen die Beherrscher der Welt der Finsternis
und gegen die bösen Geister in den Himmelshöhen führen müssen.
Komme den Menschen zu Hilfe,
die Gott nach seinem Bild und Gleichnis gemacht, unsterblich erschaffen,
und aus der Tyrannei des Teufels um einen teuren Preis erkauft hat.

Kämpfe - vereint mit dem Heer der seligen Engel – heute wieder so die Schlachten des Herrn,
wie Du einst gegen Luzifer, den Anführer des teuflischen Stolzes
und seine abtrünnigen Engel gekämpft hast!
Denn sie siegten nicht! Ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel.
Hinab gestürzt wurde stattdessen der grausame Drache, die alte Schlange,
die Teufel und Satan genannt wird und der die ganze Welt verführt.
Er wurde vom Himmel hinabgeworfen auf die Erde, und mit ihm all seine Engel.

Doch sieh! Der Urfeind hat sich wieder erhoben.
Der Menschenmörder hat wieder Mut gefasst.
Als Engel des Lichts verwandelt und getarnt schweift er mit einer Vielzahl böser Geister
in Raubzügen auf der Erde umher,
um hier den Namen Gottes und seines Gesalbten auszumerzen
und sich der Seelen zu bemächtigen, die für die Krone ewigen Ruhms bestimmt waren,
um sie umzubringen und dem ewigen Untergang zu weihen.
Wie Abwasser gießt der feindselige Drache
das Gift seiner Bosheit auf Menschen, deren Geist und Herzen er verführt verdorben hat:
Den Geist der Lüge, der Ehrfurchtslosigkeit und Gotteslästerung;
den todbringenden Hauch der Ausschweifung und aller Laster und Gemeinheit.

Die überaus durchtriebenen Feinde erfüllen die Kirche,
die Braut des unbefleckten Lammes,
mit Galle und Bitterkeit und berauschen sie mit Wermut.
Ihre frevlerischen Hände haben sie an die heiligsten Schätze gelegt.
Selbst am heiligen Ort, wo der Sitz des heiligen Petrus und der Lehrstuhl der Wahrheit
zur Erleuchtung der Völker errichtet ist,
haben sie den Thron ihrer abscheulichen Gottlosigkeit aufgestellt,
voller Heimtücke, damit, nachdem der Hirt geschlagen ist,
sie auch die Herde zerstreuen können.

Erhebe Dich also, unbesiegbarer Prinz,
und stehe dem Gottesvolk gegen den Ansturm der bösen Geister bei! Gib Du ihm den Sieg!
Die heilige Kirche verehrt Dich als ihren Hüter und Beschützer.
Du bist ihr Ruhm, weil Du sie gegen die bösen Mächte der Erde und Unterwelt verteidigst.
Dir hat der Herr die Seelen der Menschen anvertraut,
um sie in die himmlische Glückseligkeit zu geleiten.

Bitte inständig den Gott des Friedens,
Er möge den Satan unter unseren Füßen zermalmen,
damit er die Menschen nicht länger gefangen halten und der Kirche schaden könne!
Bringe Du unsere Bitten vor das Angesicht des Allerhöchsten,
lass sie zur Aussöhnung mit der Gnade und dem Erbarmen des Herrn kommen,
während Du den Drachen ergreifst,
die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist,
und ihn gefesselt in den Abgrund stürzt und bindest,
damit er die Völker nicht mehr verführe.
Amen.

Diese deutsche Version des Textes fanden wir in einem Beitrag von Paul Badde auf Kath.net, der auch Einzelheiten zur dramatischen Entstehungsgeschichte des Gebets bietet.

Konturen einer Nationalkirche

Warum sollte man sich den täglichen Blick auf "katholisch.de" antun, wo man doch sicher sein kann, das das, was dort abgehandelt wird, in vielen Fällen gar nicht "katholisch" ist? Nun – das Portal mit dem anspruchsvollen Namen, das voll von den deutschen Bischöfen finanziert wird (aus der Kirchensteuer, versteht sich), protokolliert in erfreulicher Offenheit und Ausführlichkeit die Pläne und die bereits erreichten Stationen des Weges von der katholischen Kirche in Deutschland zur neuen Deutschen Nationalkirche. Hier ein paar Wegmarken aus der ersten Hälfte dieser Woche.

Beginnen wir vom 16. 9. mit einem Ausreißer insoweit, als der Wiener Kardinal Schönborn natürlich nicht direkt zur deutschen Nationalkirche gehört, sondern nur zu jener unheiligen deutschsprachigen Allianz, die aus dem Verwesungsprozess der Theologie in dieser Sprachgemeinschaft hervorgegangen ist. Unter der Überschrift "Darum hat der Papst den Katechismus geändert" versucht es der Kardinal, der es doch gerade in Sachen Katechismus besser wissen sollte, am Zeitgeistthema 'Ablehnung der Todesstrafe' mit einem Kartentrick: Gestern glaubten wir so – heute glauben wir anders; Papa vult.

Als ob der Papst durch eine Änderung des Katechismus den Glauben der Kirche ändern könnte. Der Katechismus war nie und ist auch heute nicht ein Buch, das der Kirche ihren Glauben vorschreibt, sondern er ist ein Buch, das mit mehr oder weniger praktischer Zielsetzung das zusammenfasst, was die Kirche glaubt und nach der heiligen Schrift und dem Zeugnis ihrer Väter und Lehrer immer geglaubt hat. Den Reformern wäre sicher viel daran gelegen, den Katechismus in dem Sinne umzudeuten, daß man durch seine Manipulation den Glauben der Kirche einfach so ändern könnte – erst recht, wenn es in dem einen oder anderen Fall gelingt, einen theologisch irrlichternden Papst als Autor zu gewinnen – doch so funktioniert das nicht. Der Katechismus setzt nicht den Glauben, sondern er ist seine Referenz. 

Der in dem Artikel des Kardinals ausgedrückte Hyperpapalismus widerspricht im Übrigen nur scheinbar dem antirömischen Trend des Nationalkirchentums: Gerade die deutschsprachigen Bischöfe haben eine lange Tradition darin, päpstliche Äußerungen, die ihnen in den Kram passen, als Aussagen höchster Autorität für ihre Propaganda einzusetzen, während sie gleichzeitig die, die ihnn lästig sind, verschweigen oder umdeuten.

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