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Vatican II am Ende?

Bild: KNA_132695

Die Diskussion über Stellenwert und Verbindlichkeit der Texte des 2. Vatikanums hatte eingesetzt, bevor das Konzil überhaupt abgeschlossen war, und hat seitdem nicht wieder aufgehört. In den letzten Wochen – sei es wegen des allgemeinen Corona-Stresses, sei es wegen der immer unerträglicher werdenden Entwicklung in wichtigen Ortskirchen wie der deutschen – hat sich die Debatte enorm zugespitzt. Die kirchliche Linke hält sich bei alledem vornehm zurück – im gegenwärtigen Pontifikat scheint zwar nicht alles, aber doch vieles nach ihren Wünschen zu laufen.

Umso heftiger werden die Auseinandersetzungen innerhalb des traditionsorientierten Bereichs – dramatisch zugespitzt durch eine Replik Viganos auf einen ihm zu gemäßigt erscheinenden Beitrag von Weihbischof Schneider zu den Konzilsaussagen über die Religionsfreiheit und einen Briefwechsel des Erzbischofs mit dem italienischen Rechtsprofessor Paolo Pasqualucci. In letzterem scheint Vigano die vollständige Verwerfung des II. Vatikanums zu fordern – so versteht es zumindest Sandro Magister in einer soeben veröffentlichten Intervention, und sieht darin Anlaß, vor einem Abdriften in Sedisvakantismus und Schisma zu warnen. Dem will sich Peter Kwasniewski so nicht anschließen: Auch er hält das II. Vatikanum für „nicht zu retten“ und schlägt vor, nach Wegen zu suchen, seine Dokumente als historisch überholt und nicht mehr relevant zu erklären, ohne dabei in die Irrtümer zu verfallen, vor denen Sandro Magister zu Recht gewarnt hat.

Wegen des Material- und Argumentenreichtums von Kwasniewskis Artikel haben wir uns entschlossen, ihn zu übersetzen - das wird wegen der Länge des Textes etwas dauern und wird eventuell in zwei Raten erfolgen.

Liturgie „aus eigener Kraft“

Bild: Lisa Bourne / LifeSite NewsDie Corona-Krise, über deren tatsächliche Substanz und Umfang wir wohl erst in einem Jahr oder noch später Genaueres wissen werden, wird zunehmend von allen möglichen Interessenvertretern in Dienst genommen, um alte Forderungen mit (vermeintlich) neuer Dringlichkeit aufs Tapet zu bringen. Nicht zu vergessen bei alledem: die Interessenvertreterinnen. Die seit 2018 bestehende Gruppierung „Ordensfrauen für Menschenwürde“ von denen noch nichts gehört zu haben keine Schande ist, hat sich jetzt „auf Grundlage der in der Corona-Zeit gemachten Erfahrungen“ mit einem flammenden Appell zur Brechung der patriarchalen Vorherrschaft des männlich-zölibatären Weihepriestertums zu Wort gemeldet. Ihnen hat Corona Einsichten vermittelt, hinter die es „für uns kein Zurück mehr“ gibt. In ihren Reflexionen über Ostererfahrungen während der Corona-Krise beschäftigt sich die Gruppe, deren Zentrum im Konvent der Missionsbenediktinerinnen von Tutzing zu liegen scheint, mit den „Themenkreisen Sakramentenverständnis, Eucharistieverständnis und Amtsverständnis, bzw. Priesterbild“ und stellen die Frage „nach einer alltagstauglichen Begegnung mit Gott, anstelle einer rein ritualisierten Religionspraxis“.

An Ostern haben die frommen Frauen, da – angeblich oder tatsächlich, wer weiß das schon - kein Priester erreichbar war, die Liturgie in die eigenen Hände genommen und dabei die von Bischof Wilmer beklagte „Fixierung auf die Eucharistie“ offenbar erfolgreich überwunden. So haben sie „Mahlfeiern erlebt, die jede Engführung auf die Eucharistiefeier gesprengt haben. Wir haben Brot und Wein geteilt und vielfältige Erfahrungen zeigen, dass darin Jesus Christus als präsent erlebt wurde.“ Sie haben Christus „als präsent erlebt“ - was braucht es angesichts dieses subjektiven Empfindens noch die überdies männlich kontaminierte Form der realen sakramentalen Gegenwart.

Damit sind wir – von den nicht der Rede werten Äußerlichkeiten abgesehen – auch schon beim Kern der hier entwickelten Pseudo-Theologie einer neuen Messe, die nicht nur ohne Mann, sondern auch ohne Weihe auskommt. Es ist alles eine Frage der Resonanz – der „good vibrations“, wie die Blumenkinder von 1968 gesungen haben. Also haben die auf dem Weg „über Christus hinaus“ (Slogan amerikanischer Reformgemeinschaften) offenbar schon gut vorangekommenen Schwestern für sich und in ihre Gemeinschaften diese Resonanz durch geeignete Formen erzeugt.

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„Sakramente in Zeiten von Corona“ - III

Die letzten Punkte des Artikels von Marianne Schlosser (Original hier) behandeln im Wesentlichen die Frage, was die Feier der hl. Messe von anderen Gottesdiensten und dementsprechend auch die Rolle des Priesters von anderen „Vorstehern“ kirchlicher Veranstaltungen unterscheidet. Es kennzeichnet die aktuelle Situation der Kirche in Deutschland, daß auch die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen von interessierter Seite vielfach dazu genutzt worden sind, diese Unterschiede zu verwischen. Sogar von „Eucharistiefixierung“ war die Rede – diese Kreise sind längst über das 2. Vatikanum und sein „Die Eucharistie ist Quelle und Gipfel“ hinaus. Zwar ist „eucharistische Gastfreundschaft“ eines der Lieblingsstichworte der Modepastoral - aber der Ton liegt hier auf der Gastfreundschaft - die Eucharistie bietet nur den Anlaß.

Dem stellt Schlosser eine klare Ansage entgegen:

Es kann keine Überschätzung der Eucharistie geben, da sie der Höhepunkt ist ("culmen"); sie kann nicht ersetzt werden durch andere gottesdienstliche Formen, da sie deren Quelle ist ("fons"); doch es gibt noch andere Weisen des Gebetes, der Liturgie wie der persönlichen Frömmigkeit, die auf die Eucharistiefeier als die Mitte und das Herzstück des kirchlichen Betens innerlich hingeordnet sind. Wie das Vaterunser nicht nur "ein" christliches Gebet, sondern die Norm und Grundgestalt christlichen Betens ist, weil sowohl die zu erbittenden Inhalte genannt sind (zum Beispiel das Reich Gottes zuerst zu erstreben, etc.) wie auch die Form (von Christus gelehrt) vorgegeben ist, so speist sich vom eucharistischen Gottesdienst die gesamte Gebetshaltung der Kirche (…) Wie sollten damit andere, wenn auch noch so kreative Formen von Gottesdienst, gleichrangig sein?

Damit die Mitfeier der Eucharistie das Innere der Gläubigen erreicht und so in den Herzen seinen Ertrag bringen kann, muß gerade dieser Prototyp des Gottesdienstes mit großer Sorgfalt vorbereitet und durchgeführt werden – von denen, die darin bestimmte Aufgaben übernehmen sowieso, aber auch von allen, die daran teilnehmen. Und diese Vorbereitung ist keine punktuelle Angelegenheit, die sich auf diese 45 Minuten am Sonntag richtet und damit gut. Sie muß das ganze Leben durchdringen, auch in der Familie, wo irgend möglich auch darüber hinaus in der Gesellschaft.

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„Sakramente in Zeiten von Corona“ - II

Wikimedia - gemeinfreiWir setzen hier das Referat des Artikels von Marianne Schlösser bei CNA-Deutsch fort, mit dem wir am 19. Juni begonnen haben:

Zum Punkt: Kann der Kommunionempfang „krank machen?“ wendet sich Marianne Schlosser entschieden gegen die Eilfertigkeit, mit der sich viele dem Gelächter der Progressiven über den ,mittelalterlichen Aberglauben' angeschlossen haben, daß dabei doch wohl nichts Übles geschehen werde. Sie verweist darauf, daß Körperlichkeit ja gerade zum Wesen der Sakramente gehört und daß die Sakramente auch auf dieser Ebene ihre Wirkung entfalten – besonders deutlich ausgedrückt im Sakrament der Krankensalbung, das eben nicht nur eine „letzte Ölung“ ist, sondern, so Gott will, auch eine Kräftigung des Körpers bewirkt. In diesem Zusamenhang eine Aussage, die besonders verdient, festgehalten zu werden:

Wir empfangen die Sakramente als Menschen, die leibhaft leben. Reine Geister brauchen keine Sakramente. Das Heil Gottes kommt in den Sakramenten vermittelt durch etwas Sichtbares, Hörbares, Fühlbares, teilweise durch Handlungen, die mit einer Materie verbunden sind (Salben, Essen, Waschen). … Das Heil, das Gott schenkt, (ist) nicht einfach "leib-los", als hätte es mit dem leiblichen Leben nichts zu tun.“

Daß das kein Freibrief für Leichtsinn ist und keine Aufforderung, Gott zu versuchen, versteht sich für Schlosser von selbst. Sakramente wirken in einem komplexen Zusammenspiel zwischen dem Herrn, der sie letztlich spendet, und dem, der sie empfängt; wer sie unwürdig empfängt (vergl. 1. Kor. 11,27), dem können sie auch zum Schaden gereichen. Daß Schlosser Leben und Zeugnis der Heiligen für die leiblich/materielle Wirkung von Sakramenten anführt, hatten wir bereits im ersten Teil erwähnt.

Im Abschnitt „Sakramentale und geistliche Kommunion“ wundert sich die Autorin zunächst darüber, wie umstandslos hier eine Praxis empfohlen wird, die zwar in der Tradition ihren festen Platz hat, in der Moderne aber vielfach „mit Empörung und Verständnislosigkeit“ zurückgewiesen worden ist.

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„Sakramente in Zeiten von Corona“

Bild: Kathpedia, http://www.kathpedia.com/index.php?title=Datei:7_Sakramente.JPGDie Theologin Marianne Schlosser (Universität Wien) hat unter dem hier übernommenen Titel auf CNA-Deutsch einen bemerkenswerten Beitrag zur Sakramententheologie veröffentlicht, der weit über die aktuelle Pandemiekrise hinaus von Bedeutung ist. Zurecht markiert die Autorin denn auch nicht einzelne bedenkliche Erscheinungen in der Krise als ihren Ausgangspunkt, sondern geht von der Tatsache aus, daß in der Kirche tiefgehende Verunsicherung zur Lehre und Praxis der Sakramente herrscht und das Verständnis für einzelne Sakramente wie auch das sakramentale Wesen der Kirche teilweise verlorengegangen ist. So sind am Leib der Kirche zahlreiche „wunde Stellen“ entstanden, die sich jetzt unter dem Einfluß der Krise quasi „entzündet“ haben und erst dadurch entgegen der allgemeinen Abstumpfung wieder schmerzhaft spürbar geworden sind.

Bevor wir auf die Ausführungen der Autorin zu einigen dieser „wunden Stellen“ näher eingehen, noch ein paar Worte zur Schreibweise und Methode ihres doch recht langen Textes, der von CNA Deutsch in zwei Folgen veröffentlicht worden ist. Der Artikel ist durchgängig in verständlicher Normalsprache abgefasst – an keiner Stelle begegnet man der pseudowissenschaftlichen Verbalakrobatik, mit der zahlreiche Theologen eine gedankliche Tiefe vortäuschen, die nicht vorhanden ist, oder sich unangreifbar machen wollen, wo sie vom Glauben abweichen, aber ihre Karrierechancen nicht aufs Spiel setzen wollen.

Zum zweiten argumentiert der Text unverkennbar katholisch. Seine Hermeneutik beginnt also nicht bei der Interpretation „des Konzils“ in den Werken des Hochschullehrers, dessen Schule man sich zugehörig fühlt, sondern bei den Aussagen der heiligen Schrift und deren Erläuterung durch die Kirchenväter und Kirchenlehrer. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf die von der Kirche feierlich zu Autoritäten erklärten Vorbilder des Glaubens. Immer wieder argumentiert sie mit Beispielen oder Aussagen aus dem Leben der Heiligen – und verwirft auch schon einmal eine Position mit der bemerkenswerten Wendung: „Ich gestehe, mir fällt kein einziger Heiliger ein, der oder die eine solche Auffassung vertreten hätte.“ In einem anderen Fall unterstützt sie ihre Meinung mit der Wendung: „Nicht wenige Heilige haben erfahren und bezeugt, dass der Empfang der heiligen Kommunion durchaus Auswirkungen auf die leibliche Verfassung des Empfängers haben kann.“

Den ganzen poststrukturalistischen und dekonstruktivistischen Pausenclowns an ehemals katholischen Fakultäten ins Stammbuch geschrieben: So geht katholisch! Auch und gerade mit Gegenwartsbezug.

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