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Entweiht und umgenutzt

Bild: Andrea Di Martino / Picturetank / Agentur Focus

Auch in Italien reifen die Früchte der nachkonziliaren Neuerungen in reicher Fülle: Zahlreiche Kirchen und Kapellen, die mangels gläubiger Nachfrage nicht mehr benötigt werden, konnten dem Immobilienmarkt zur Verfügung gestellt werden. Als Wohnstudio, Restaurant oder auch Autowerkstatt finden sie glückliche Abnehmer. Der Photograph Andrea Di Martino, der sonst gerne auch moderne Kirchen „für das dritte Jahrtausend“ ins Bild bringt, hat eine Reihe solcher umgenutzter Kirchen besucht und eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Sein Titel zur Serie: "Die Messe ist zuende"- Spiegel-online konnte sich das natürlich nicht entgehen lassen und hat daraus eine Bilderserie gemacht: "Kirchen anders genutzt: Gott aus dem Häuschen."

Für die beim Autor titellosen Bilder hat die Hamburger Redaktion die Restbestände einstmals vorhandenen intellektuellen Witzes aufgeboten - zu dem oben zitierten Photo (hier zum Original) von der zum Restaurant umgenutzten Kirche schreibt sie: „Pizza oder Hostie? Egal, ist beides rund: In der Kirche Tutti i Santi in Viareggio wird heute Wein getrunken, wo früher Moral gepredigt wurde - die neuen Besitzer führen hier eine Pizzeria.“ Ach ja - ungefähr sagt das der Pfarrer auch, nur mit ein bißchen andern Worten.

Papst Pius X. zum Tage

Die neue Ausgabe der Una Voce Korrespondenz liegt auf dem Tisch - und damit auch die Fortsetzung des Abdrucks der Referate von der 16. Kölner Liturgischen Tagung in diesem Frühjahr. Solange wir uns nicht entscheiden können, welches davon hier ausführlicher vorgestellt werden soll - und um Ihnen Zeit zu geben, die Ausgabe der UVK komplett zu erwerben oder noch besser die Zeitschrift zu abonnieren - nehmen wir dankbar zur Kenntnis, daß Weihbischof Athanasius Schneider in seinem Beitrag „Der hl. Pius X. der Große - ein herausragender Förderer des katholischen und apostolischen Glaubens“ ausführlich aus einem uns bislang gänzlich unbekannten Hirtenbrief von Bischof Sarto aus dem Jahre 1887 zitiert. Das liest sich nicht nur wie eine Vorstudie zur großen Ezyklika „Pascendi“ von 1907, das ist auch heute noch von bestürzender Aktualität, ein Zeugnis wahrhaft prophetischer Weitsicht:

Viele Christen, die nur eine oberflächliche Kenntnis des Glaubenswissens haben und ihn wenig praktizieren, beanspruchen Lehrer zu sein, indem sie erklären, dass die Kirche sich nun endlich den Forderungen der Zeit anpassen soll, weil es in der Tat nicht möglich wäre, die ursprüngliche Vollständigkeit ihrer Gesetze aufrecht zu erhalten; dass die weisesten und praktischsten Menschen von nun an die barmherzigsten sein werden, d. h., dass sie fähig sein werden, etwas vom alten Schatz zu opfern, um den Rest zu retten. In solch einem modernen Christentum, in welchem die Torheit des Kreuzes vergessen sein wird, sollen sich die Dogmen des Glaubens bescheidenerweise den Anforderungen der neuen Philosophie anpassen.

Das öffentliche Recht des christlichen Zeitalters soll sich zaghaft den großen Grundsätzen der modernen Zeit stellen. Auch wenn es seinen Ursprung und seine Vergangenheit nicht verleugnet, so soll es wenigstens die Rechtmäßigkeit seiner Niederlage im Angesicht seines Siegers bekennen. Die zu strenge Sittennorm des Evangeliums soll den Freuden und den Anpassungen nachgeben und die Disziplin soll schließlich alle ihre die Natur belästigenden Vorschriften zurücknehmen, um selber beim glücklichen Fortschritt des Gesetzes der Freiheit und der Liebe mitzuwirken.

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Pascendi Dominici Gregis

Heute vor 107 Jahren, am 8. September 1907, veröffentlichte der hl. Papst Pius X. seine Enzyklika Pascendi Dominici Gregis - eine Abrechnung mit dem Modernismus von bestürzender Aktualität. Zweierlei ist, wenn man dieses Dokument heute erneut liest, enorm irritierend: Zum einen die Tatsache, daß buchstäblich alles, was Papst Pius X. seinerzeit als Irrtümer brandmarkte, heute zum anerkannten Bestand theologischer Universitätslehre gehören soll und auch von höchsten kirchlichen Würdenträgern widerspruchslos akzeptiert, wenn nicht gar aktiv verbreitet wird. Und zum anderen der Umstand, daß diese Entwicklung eintreten und sich durchsetzen konnte, obwohl die Verurteilung des Modernismus noch 1950 von Pius XII. in Humani Generis mit Entschiedenheit wiederholt und Pius X. selbst 1954 durch seine Heiligsprechung - es war die erste eines Papstes seit 400 Jahren - quasi in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben worden war. Und als dritte Irritation kommt natürlich hinzu, daß es auch angesichts dieser Entwicklung als äußerst unzulässig, ja geradezu verdammungswürdig gelten soll, von einem „Bruch“ zu sprechen, der sich in der Überlieferung des Glaubens in der 2. Hälfte des 20. Jh. ereignet hat.

Wir können gespannt darauf sein, welche begrifflichen Akrobatenstücke unter dem Zeichen der „lebendigen Tradition“ man uns in den nächsten Jahren zumuten wird, um die unheilbaren Widersprüche zwischen dem Text von 1907 und der Realität von 2007 ff. wegzuerklären. Aber hat uns da nicht ein anderer Heiliger, der neuerdings wieder stark in Mode kommt, einen frommen Ausweg vorgezeichnet? „Und wenn die Kirche, was unserem Auge weiß erscheint, als schwarz definiert, so sind wir verpflichtet, es für schwarz zu erklären“, habe der Gründer des Jesuitenordens Ignatius v. Loyola einst geschrieben, wird vorbeugend zitiert. Dabei sprach er freilich von dem, was „dem Auge weiß erscheint“, also von der Wahrnehmung einer Sache, nicht von deren objektiver Eigenschaft.

Derlei ist allerdings eine Distinktion, zu der die akademische Theologie samt deren römischen Metastasen nach 50 Jahren modernistischer Praxis kaum noch fähig sein dürfte.

Herausforderung Islam

Joseph Shaw von der Latin Mass Society in England und Wales hat sich in einer dreiteiligen Folge mit der „Herausforderung Islam“ beschäftigt. Besonders nachdenkenswert fanden wir die zugespitzte Argumentation, die er zum Abschluss der kurzen Serie entwickelt. Sein Ausgangspunkt dabei ist die Beobachtung, daß es zum seit Jahrzehnten konstatierten Säkularisierungstrend in den modernen Gesellschaften auch Gegentendenzen gibt: Immer weniger Menschen mögen an den Gott des Christentums glauben – aber immer mehr glauben an Engel und Geister, Tarot und Wiedergeburt, wobei sie sich dann oft auch von der Vernunft, die zum christlichen Glauben gehört, verabschieden. Und so schreibt Shaw:

Es beginnt ein langes ZitatAlso hören wir auf, über die unaufhaltsam fortschreitende Säkularisierung zu klagen, und fragen wir uns lieber, warum die katholische Kirche nicht imstande ist, mehr von den Gegentendenzen zur Säkularisierung zu profitieren. Den Schlüssel dazu bietet die Frage, wie das Christentum sich denn aus der Außenperspektive darstellt – also aus der Sicht der Menschen im mittleren Osten oder auch im Westen, die sich vom radikalen Islam angezogen fühlen, vom Pfingstlertum in Lateinamerika, vom Wiedergeburtsglauben der Hindus und Buddhisten usw. Da gibt es viele kulturelle Unterschiede, aber wir können eine begründete Verallgemeinerung vornehmen: All diese Menschen lehnen die Werte des liberalen Westens ab. Sie mögen seine Konsumartikel schätzen, aber sie haben nicht vor, sich dem sinnentleerten Hedonismus anzuschließen. Sie denken dabei an die  früheren Kolonialmächte oder amerikanische Vorherrschaft. Sie wollen sich von der Banalität und Korruptheit nachgeäffter westlicher Kultur abgrenzen und an etwas glauben, das ihrem Leben wirklich einen Sinn gibt. Sie wollen eine Religion, die eben nicht säkularisiert ist, eine starke Religion, die Anforderungen stellt, die Grundlage für ein Gruppenbewußtsein bilden kann, einen Aufstand gegen „Westliche Werte“ und vielleicht auch gegen westlichen politischen Einfluss.

Wollen sie also etwas in der Art, wie man es in einer durchschnittlichen katholischen Pfarrei in England oder Wales (und wir ergänzen: Deutschland) findet? Nein, das wollen sie nicht.

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Wider die Religion des Schilfrohrs

In der soeben erschienenen Ausgabe 2014/2 beginnt die Una Voce Korrespondenz mit der Wiedergabe der Ansprachen und Vorträge von der 16. Kölner Liturgischen Tagung im April dieses Jahres. Wir beginnen heute mit der Vorstellung einzelner dieser Beiträge, und greifen dazu zunächst zum Vortrag von Bischof Athanasius Schneider, den er unter dem Titel „Der Priester - Imago et Instrumentum Christi“ gehalten hat.

Wir sind daran gewöhnt, das Wort vom Instrumentum Christi in erster Linie auf die Rolle des Priester bei der sakramentalen Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers zu beziehen. Bischof Schneider macht darauf aufmerksam, daß der Priester eine nicht weniger bedeutende Aufgabe und Pflicht im Dienst des Wortes Christi zu erfüllen hat. In deren Vernachlässigung erkennt er eine der Hauptursachen der aktuellen Glaubenskrise und Verweltlichung. Dazu führt er aus:

In Seinem Hohepriesterlichen Gebet bittet Jesus, dass der Vater Seine Priester und die ganze Kirche „in der Wahrheit heilige“ (Joh. 17, 17). Das bedeutet, dass die Priester dafür ausgerüstet seien in der Wahrheit zu leben, für die Wahrheit zu leben, sie zu künden und zu verteidigen und für die Wahrheit das eigene Leben hinzugeben, wie es Christus selbst getan hat. (...) Das Bewusstsein um diese Verpflichtung war am klarsten bei den Aposteln ausgeprägt, wie das z.B. der heilige Paulus ausdrückte: „Wir können nichts gegen die Wahrheit, sondern nur für die Wahrheit“ (2 Kor. 13, 8). Wird das Prinzip des „pro veritate“ geschwächt, so wird auch das Prinzip des „pro Christo“ im Leben des Priesters und der Kirche geschwächt. Nimmt die Sorge um die übernatürlichen Wahrheiten ab, dann nimmt beim Priester und den Bischöfen auch das Interesse um Christus ab und stattdessen wächst bei ihnen das Interesse für Scheinwahrheiten und einseitig für zeitliche und innerweltliche Belange wie soziale Gerechtigkeit, politisches Engagement, Klimawandel, Ökologie usw. unter den Schlagwörtern „Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung“. (...)

Es werden folglich neue Theorien aufgebaut, die dem Geist dieser Welt und den Erwartungen der Mehrheit entsprechen. Es werden dann ständig pastorale Dokumente produziert, die nach parlamentarischen Regeln debattiert und abgestimmt werden und welche meistens die lichtklaren und felsenfesten Ausdrucksweisen der Wahrheit meiden. Dadurch entsteht im Raum der Kirche und im Leben mancher Gemeinden und Geistlicher eine geistige Atmosphäre, die jener der Gnosis und dem Pelagianismus ähnelt. Geistliche, die in solch einer Atmosphäre leben, beginnen mit der Welt zu kollaborieren, um politisch korrekt zu sein. Die Gleichgültigkeit und die Scheu vor der Wahrheit erzeugen Angst vor der öffentlichen Meinung und vor den Mächtigen dieser Welt. Man will kein Zeichen des Widerspruchs sein, man will kein sicheres Zeichen des Felsens sein. Solch eine Haltung bringt unter den Geistlichen keine Bekenner hervor, sondern eher Schriftgelehrte, die mit dem Herodes und dem Pilatus aller Zeiten, d. h. mit der glaubenslosen Welt, kollaborieren. Ohne die Sorge um die Reinheit des Glaubens, um das Sicher-sein-wollen in der Wahrheit, um das Stehen in der Wahrheit, entsteht eine Religion der augenblicklichen und historisch bedingten Gefühle, eine Religion des Schilfrohrs.“

Die Ausgabe der 2014/2 der Una Voce Korrespondenz können Sie - sofern Sie nicht schon längst Abonnent sind - über die Website der UVK beziehen.

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