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Lepanto 2017

Bild: Facebook-Seite des Bistums MainzAuf der Website des evangelischen Pressedienstes "idea"  fanden wir folgende Meldung:

Es beginnt ein langes ZitatKritik am ökumenischen Gottesdienst zum Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) im Mainzer Dom hat die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands geübt. An der Feier nahmen führende staatliche Repräsentanten teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad (Speyer), sagte in seiner Predigt: „Was wir überall brauchen, ist wechselseitige Achtung – eine Kultur, die sicherstellt, dass unterschiedliche Überzeugungen nicht in Gewalt gipfeln, vielmehr in einer Atmosphäre der Toleranz und des Respekts ausgehalten werden.“ Daneben kamen Vertreter von Organisationen zu Wort, darunter Gülbahar Erdem von der Initiative „Muslimische Seelsorge“ (Wiesbaden). Sie sagte: „Ich bin eine Muslima und glaube an die Freiheit, Würde und Verantwortung, die mir mein Schöpfer in dieses Leben mitgegeben hat. Daran eng geknüpft ist für mich der Auftrag, meinen Mitmenschen Gutes zu tun.“ Sie gestalte ihre Arbeit „im Vertrauen auf die Barmherzigkeit und die allumfassende Liebe Allahs zu uns Menschen“, so die Seelsorgerin.

Der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), beklagte, dass die Beiträge im Gottesdienst die Zuhörer in politisch korrekter Weise „moralpolitisch belehren sollten“. Es habe jedoch weder Anbetung noch Gotteslob gegeben. Vor allem habe das Evangelium gefehlt. Jesus Christus sei „so gut wie nicht vorgekommen“, erklärte Rüß gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Er fragt: „Warum legten die Veranstalter Wert darauf, dass ausgerechnet eine Muslima den Ein- und Auszug anführte und in ihrem Votum Allahs Barmherzigkeit pries?“ Ökumene meine „doch die Einheit der Christen“. Wenn dieser „sogenannte ökumenische Gottesdienst“ das Profil von Kirche widerspiegele, dann habe sie sich aufgegeben und „relativiert in eine dem Zeitgeist angepasste Beliebigkeit“.

Soweit die Meldung von idea, der nur noch wenig hinzuzufügen ist: Anläßlich eines Staatsaktes im Rathaussaal wäre gegen das beschriebene Arrangement wenig einzuwenden - man muß ja nicht hingehen. Für einen katholischen Bischof besteht wenig Grund, sich an einer derartigen Selbstfeier eines gottlosen Staates zu beteiligen. Als „ökumenischen Gottesdienst“ kann man eine derartige Veranstaltung der Grenzen- und Inhaltslosigkeit unter keinen Umständen bezeichnen. In einer katholischen Kirche ist sie völlig fehl am Platz und muß die Frage aufwerfen, ob die Verantwortlichen sich der Apostasie und des Glaubensverrates schuldig gemacht haben.

Eine neu ausgerichtete Akademie

Eigene Montage aus den Logos der jeweiligen EinrichtungenWie die Agentur Kathpress meldet, wird in dieser Woche erstmals die von Papst Franziskus personell und organisatorisch grundlegend reformierte Päpstliche Akademie für das Leben zusammentreten. Danach wird die Akademie ihren klassischen Fokus auf Themen wie Abtreibung oder Sterbehilfe zugunsten eines breiteren Ansatzes revidieren. Lebensschutz müsse eine Kultur fördern, „die dem Leben immer und überall hilft“, sagte Akademiepräsident Erzbischof Vincenzo Paglia am Montag im Vatikan. Als Beispiele nannte er die Situation von Flüchtlingen in Afrika, aber auch die Debatte um Todesstrafe und Waffenhandel.

Neben Fortpflanzung, Elternschaft und Lebensende geht es nach dem am Montag vorgestellten Programm auch um einen veränderten Lebensbegriff, Leistungsdenken und sozialethische Fragen. Das Nachdenken über das menschliche Leben müsse der Rolle neuer Technologien und vielfältigen sozialen Faktoren Rechnung tragen. Papst Franziskus wünsche, dass die Akademie ein „Ort des Dialogs und der Auseinandersetzung“ werde. Dazu wolle sie Partner aus allen Kulturen und Religionen einbinden, so Paglia.

Menschheit im Widerspruch

Bildquelle: http://www.edreams.de/blog/erntedank-2012/Allein in Berlin, so wurde gestern triumphierend berichtet, hätten neun homosexuelle Paare am ersten Tag der Geltung des neuen Eherechts vor dem Standesbeamten eine „richtige Ehe“ geschlossen. Neun? Für eine der Hauptstädte der Schwulenbewegung erscheint das eher überschaubar und kaum eine Rechtfertigung für die in den vergangenen Wochen vorgenommene Aufstockung der Zahl der Standesbeamten um immerhin 30 Köpfe. Aber darum geht es hier bestenfalls am Rande – es geht um die unisono von den Medien verbreiteten Loblieder auf die neue Formulierung des Bürgerlichen Gesetzbuchs: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."

Ist das nicht schön.

Problem ist: Die Ordnung der Dinge läßt sich durch Änderungen im Gesetz oder Behauptungen von Journalisten nicht wirklich verändern – das sieht nur so aus. Zwei Gerichtsentscheidungen der letzten Zeit haben verdeutlicht, daß selbst im Rechtswesen die demokratisch beschlossenen Fiktionen nur begrenzte Wirksamkeit haben, soweit sie der Wirklichkeit widersprechen.

In den USA hatten zwei Paare, bestehend aus jeweils zwei Frauen, geklagt, daß jeweils beide Ehepartnerinnen als Eltern in die Geburtsurkunde eines Kindes eingetragen würden, das eine von ihnen durch die Samenspende eines außenstehenden Mannes empfangen und geboren hatte. Sie beriefen sich dabei auf die traditionelle Funktion der Ehe als Rechtsrahmen der Elternschaft – eines Rechtsrahmens, der in den USA durch die berüchtigte Obergefell-Entscheidung des obersten Gerichtshofes ausgehebelt und durch die Erklärung der Ehefähigkeit gleichgeschlechtlicher Partner ad absurdum geführt worden ist. Nun müssen die Juristen ausklamüsern, wie sie diesen Widerspruch auflösen, möglichst ohne dabei wider alle Vernunft die Feststellung zu ermöglichen, ein Kind habe zwar zwei Mütter, aber keinen Vater. (Quelle)

Ein ähnlich vertrackter Fall stand unlängst in Deutschland zur Entscheidung. Eine biologische Frau, die als Mann lebt und durch Hormonbehandlung wie ein Mann aussieht und als solcher auch rechtlich anerkannt ist, hatte diese Behandlung unterbrochen, um in der wieder aufgenommenen Frauenphase ein Kind zur Welt zu bringen. Danach nahm sie die Behandlung und die Männerrolle wieder auf. Gestützt auf den Eintrag im Personalausweis, der sie als Mann ausweist, verlangte die unglückliche Person, in der Geburtsurkunde des Kindes als „Vater“ eingetragen zu werden - irgendwie logisch, kann doch ein Mann zumindest nach herkömmlicher Vorstellung nicht Mutter sein. Auch hier also ein trickreiches Dreieck zwischen natürlicher, traditionell angenommener und aktuell gesellschaftlich anerkannter Geschlechterrolle. Der Bundesgrichtshof hat nun entschieden, daß die rechtlich als Mann anerkannte Person in der Geburtsurkunde als Mutter des Kindes einzutragen ist. Wir leben offenbar in einer Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten.

Zweifellos werden bald neue gesetzliche Regelungen gefordert und auch getroffen, die vorgeben, diese Widersprüche aufzulösen – und sie dann doch nur auf um einen Schritt weiter auf dem Spielfeld der Gesellschaftsreform verschieben.

Dem Zentralkomittee der deutschen Katholiken, das sich jetzt gerade wieder für eine „kirchliche Segnung“ homosexueller Paare ausgesprochen hat, sei empfohlen, in einer ruhigen Stunde einmal über solche Zusammenhänge nachzudenken.

Das gleiche Nachdenken empfehlen wir auch dem hier bereits gelegentlich auffällig gewordenen Katholisches-Redakteur Björn Odenthal, der sich jetzt zu einem nur scheinbar ganz anderen Gegenstand geäußert hat. Odenthal will, was soll auch ein Modernist anderes wollen, das Erntedankfest „radikal modernisieren“: Weg mit dem Erntedankkorb! Um die Menschen der Gegenwart in ihrer Lebenswelt abzuholen, sollen nicht mehr die Früchte des Feldes in den Dankgottesdienst gebracht werden, sondern Früchte der Globalisierung und Zeugnisse mangelnder sozialer Gerechtigkeit. Heißt bei genauerem Hinschauen: Sich abzuwenden von dem, was gegeben und vorgegeben ist, und als Wirklichkeit nur noch das wahrnehmen zu wollen, was der Mensch aus eigener Kraft hervorgebracht oder auch entstellt hat. Aus dem Gottesdienst des Dankes wird eine Appell zur Menschheitsverbesserung. Gott, seine Gnade und sein Gebot, brauchen wir nicht mehr – nirgendwo. Die Menschen machen ihre Geschichte und ihre Welt selbst - das wußte doch schon Karl Marx.

Nach der „correctio filialis“

Kann die von inzwischen weit über hundert namhaften Theologen und Publizisten unterschriebene „correctio filialis“, der sich inzwischen über 10 000 Unterstützer angeschlossen haben, in Rom etwas bewegen? Es ist schließlich schon die 6. derartige Initiative seit Veröffentlichung der Enzyklika, und nicht unbedingt die Eindruckvollste. Der Papst selbst, der doch den Dialog mit allen und über alles zu seinem Markenzeichen machen wollte, verharrt weiterhin in Schweigen. Aus seinem Umfeld sind die üblichen persönlichen Angriffe gegen die Urheber der Aktion zu vernehmen, von einer Auseinandersetzung in der Sache ist nichts zu sehen. Im Vatikan, aber auch in vielen Diözesen in aller Welt herrscht ein Klima der Angst und der Einschüchterung. Die Maßregelung der Kardinäle Burke und Müller scheint zu wirken, die Entlassung von Prof. Seifert durch den Bischof von Granada von seinem Dietrich von Hildebrand-Lehrstuhl tut das ihrige dazu.

In Rom herrscht aber nicht nur ein Klima der Angst und der Einschüchterung wie vielleicht am Hof des einen oder anderen Renaissance-Papstes, der mehr an die Lehren des Nicolo Macchiavelli als an die von Jesus dem Christus geglaubt haben mag. Da wuchern auch die Verschwörungstheorien und verbreiten sich die Gerüchte, daß es eine wahre Pracht ist. Und die Höflinge gießen munter Öl ins Feuer, etwa indem sie immer wieder verlauten lassen, der Papst bereite Maßnahmen vor, die seine Reformen unumkehrbar machen würden. Der Vaticanist Antonio Socci, nicht gerade bekannt für einen optimistischen Blick in die Zukunft, hat sich Gedanken darüber gemacht, wie dieses Ziel der Unumkehrbarkeit den erreicht werden könne. Dabei stützt er sich in einem Artikel vom 24. September neben ungenannten Quellen insbesondere auf Überlegungen von Erzbischof Victor Manuel Fernandez, eines der einflußreichsten Beraters des Papstes. In dessen Gedankengebäuden glaubt er zwei einander nicht ausschließende, sondern zumindest teilweise ergänzende Möglichkeiten erkannt zu haben: Der Papst als oberster Gesetzgeber könne das Kardinalskollegium ausschalten, indem er einen Mechanismus installiere, der es ihm erlaube, selbst seinen Nachfolger zu bestimmen. Und er könne den Vatikanstaat auflösen, was es ihm erlauben würde, das Regiment der Kirche des 3. Jahrtausends von allen Fesseln der Vergangenheit zu befreien und von Grund auf neu zu gestalten.

Zumindest für das letztere könnte Franziskus sich des Beifalls eines großen Teils der Kirche und der ganzen Weltpresse sicher sein. Wäre das nicht ein schönes Zeichen der Entweltlichung?

Der Realitätsgehalt solcher Spekulationen kann hier nicht untersucht werden. Zu den alarmierenden Elementen der gegenwärtigen Entwicklung gehört es jedenfalls, daß nichts, was gestern noch unmöglich zu sein schien, für morgen ausgeschlossen werden kann.

Aber vielleicht haben Soccis Spekulationen mit dazu beigetragen, den Machthabern hinter den Leoninischen Mauern klar zu machen, wie groß der Vertrauensverlust ist, den sie in den turbulenten Jahren dieses Pontifikats hinnehmen mußten und daß sie das absolutistische Regiment etwas abmildern sollten. Kardinal Müller ist in dieser Woche mit dem bemerkenswerten Vorschlag an die Öffentlichkeit gegangen, der Papst könne eine Gruppe von Kardinälen beauftragen, mit den Kardinälen der Dubia und anderen Vertretern der Kritik an Amoris Laetitia eine „Disputatio“ zu führen, so wie das in der Geschichte der Kirche schon mehrfach geschehen ist, wenn theologische Streitfragen zu Zerreißproben zu werden drohten. Nun ist die aktuelle Situation mit den historischen Präzedenzfällen nicht unbedingt vergleichbar, in denen der Papst stets als unbeteiligter Schiedsrichter fungieren konnte, während Franziskus heute selbst Partei ist. Sein bisheriges Schweigen könnte sich allerdings als nützlich erweisen, die Unparteilichkeit zumindest als Fiktion wiederherzustellen.

Jedenfalls hat sich Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin zum Ende der Woche ebenfalls mit einem Aufruf zum Dialog innerhalb der Kirche zu Wort gemeldet – gut möglich, daß das eine erste Reaktion auf den Vorschlag Müllers darstellt. Gleichzeitig wird bekannt, daß der Papst Kardinal Burke, den er vor drei Jahren als Kardinalpräfekt der Signatura entlassen hat, erneut zum Mitglied dieses Gerichtes bestellt hat (Quelle) – zusammen mit Burkes Vorgänger als Präfekt Kardinal Vallini und dem belgischen Kardinal Daneels. Eine überaus merkwürdige Konstellation also – aber vielleicht ist das ja das, was in diesem überaus merkwürdigen Pontifikat noch einem Silberstreif am Horizont am nächsten kommen könnte. 

Beten wir dafür, daß es so kommt.

Correctio filialis de hæresibus propagatis

Die Correctio Filialis ist inzwischen auch in deutscher Sprache im Netz verfügbar. Eine Zusammenfassung des ganzen Dokuments findet sich im Blog des Kirchfahrters, eine Übersetzung alleine der sieben abgelehnten Thesen auf katholisches.info.

Die Besonderheit des Dokuments der Correctio besteht darin, daß die sieben Thesen so formuliert sind, daß es über ihre Zurückweisung innerhalb der Kirche eigentlich keine Meinungsverschiedenheit geben kann. Die Autoren der Correctio behaupten ausdrücklich nicht, daß diese Thesen in Amoris Laetitia enthalten wären. Sie zeigen sich beunruhigt, daß man diese Thesen aus dem Dokument des Papstes ableiten könne und registrieren, daß es Theologen, Bischöfe und ganze Bischofskonferenzen gibt, die das tatsächlich zu tun scheinen. Sie bitten daher den Papst um eine Klärung, daß er diese sieben irrigen Thesen mißbilligt und eine dahingehende Interpretation seines Lehrschreibens ablehnt.

Eine solche Erklärung wäre demnach möglich, ohne daß der Papst in irgendeiner Weise ein eigenes Fehlverhalten oder gar die Verbreitung von Irrlehren eingestehen müsste – er hätte lediglich klarzustellen: So war es nicht gemeint und so darf es nicht interpretiert werden.

Allerdings deutet nichts darauf hin, daß Papst Franziskus und seine Umgebung bereit sind, diese Klarstellung vorzunehmen. Damit ist zwar nicht der Beweis erbracht, daß sie diese irrigen Ansichten ausdrücklich billigen und sich zu eigen machen. Es wird aber unübersehbar, daß sie dieser Verfälschung des überlieferten Glaubensgutes auch nicht entgegen treten wollen – auch nicht in der Reaktion auf immer drängender an sie herangetragene Anfragen und auf eine immer offenbarer werdende Verwirrung bei vielen Gläubigen.

Damit setzen sie sich zwangsläufig dem Verdacht aus, daß diese Verwirrung das eigentliche Ziel ihres Vorgehens sein könnte. Nichts soll mehr fest sein – alles flexibel und entsprechend den Anforderungen des Augenblicks formbar. Diese Anforderungen werden zwar noch als „pastoral“ bezeichnet, scheinen in Wirklichkeit jedoch von überaus weltlichen Überlegungen bestimmt zu sein. Es geht um die Bewahrung von Macht, politische Macht.

Tatsächlich deuten die bisherigen Reaktionen der bergoglianischen Kreise darauf hin, daß es ihnen um eine grundlegende Neuinterpretation des Papstamtes geht: Auf Inhalte, selbst wenn sie so klar formuliert und herausgestellt sind wie in der correctio filialis, gehen sie in keiner Weise ein, stattdessen reagieren sie als politische Machthaber: Sie beschuldigen die „Abweichler“ der Illoyalität oder gar Majestätsbeleidigung und begründen ihr Schweigen gegenüber inhaltlich höchst substantiellen Anfragen damit, daß die Fragenden ja nur eine kleine unbedeutende Minderheit darstellten. Gleichzeitig setzen sie alle Machtmittel eines autoritären Regimes – Drohungen, Entlassungen, Verleumdungen, Medienkontrolle usw. – ein, um diese Minderheit weiterhin klein zu halten.

Eine wahrhaft beunruhigende und grundstürzende Interpretation des petrinischen Auftrags „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe“.

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