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Der Statistik zweiter Teil

Montage aus nach Zeitraum und Ort nicht übereinstimmenden DatensätzenAm 23. Juli war hier unter der Überschrift An Ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen eine Statistik zu sehen, die den erschütternden Niedergang der Zahl von Priesterweihen in Deutschland in den Jahren nach dem Konzil zeigte: Von 550 im Jahr 1962 auf zum Teil weit unter 100 in den Jahren nach 2010. Die Zahlen sind einer offiziellen Statistik der Deutschen Bischofskonferenz entnommen und können daher als gesichert gelten. Trotzdem ist das von ihnen vermittelte Bild unvollständig: In der gleichen Zeit gab es auch eine enorme Zunahme der Laiisierungen - d.h. von geweihten Männern, die nicht nur ihr Priesteramt aufgaben, sondern offiziell um Entlassung aus den damit verbundenen Pflichten baten. 

Zahlen zu diesem Bereich werden kirchlicherseitsn höchst diskret behandelt. In einem Artikel der Welt von 1971 (1.4.) sind nun quantitative Angaben über die weltweit erfolgten Laiisierungen in dern Jahren 1963 - 1970 vorzufinden. Sie können als verläßlich gelten. Danach stieg die Anzahl der Laisierungen in diesem Zeitraum von 167 im Jahr 1963 auf 3800 im Jahr 1970. Und selbst dieser unglaubliche Anstieg um das über 20-fache gibt das Bild nur unvollständig wieder: Laiisieren - meistens um kirchlich heiraten zu können - ließen (und lassen) sich nur Priester, die eine gewisse Bindung an die Kirche bewahrt haben. Andere, die den Glauben ganz verloren haben, gehen einfach weg und tauchen auch in dieser Statistik nicht auf.

Trotz dieser Unvollständigkeit und der unvergleichbarkeit nach Zeitraum und Bezugsort (weltweit gegen Deutschland) sind die aus beiden Statistiken resultierenden Kurven hier einmal nebeneinandergestellt. Das sich daraus ergebende Bild ist zwar nicht zahlenmäßig zutreffend - aber seine Aussage kommt der Wahrheit doch recht nahe.

Japans Christen heute

eigene AufnahmeEs ist anerkennenswert, daß in Japan gerade erst in den Glauben eingeführte Gemeinden einige Grundelemente dieses Glaubens ohne Priester und Sakramente und trotz Verfolgung über 250 Jahre erhalten konnten. Wenigsten so weit, daß ihre Mehrheit diesen Glauben wiedererkannte als die Missionare zurückkehrten, sich von den inzwischen aufgenommenen Irrtümern lossagte und in volle Gemeinschaft eintrat. Aber ein nachahmenswertes Modell für eine basisorientierte Kirche ohne Autorität und Hierarchie ist die Geschichte der versteckten Christen Japans nicht, ganz und gar nicht. Tatsächlich hat es die Kirche in Japan nicht vermocht, diese frühe Einwurzelung des Glaubens in Teilen des Volkes nach der endgültigen Religionsbefreiung Ende des 19. Jahrhunderts für eine erneute missionarische Anstrengung nutzbar zu machen.

Das hängt zum Teil mit Faktoren zusammen, die außerhalb des Einflusses der japanischen Katholiken liegen – auch nach Ende der Christenverfolgung war das gesellschaftliche Klima im autoritär-nationalistischen Japan der Zeit bis 1945 für die Mission extrem ungünstig. Nach 1945 haben auch die dann einsetzende Modernisierung und Verwestlichung daran nichts geändert. Die traditionellen Religionen Japans scheinen zwar als Volksglaube mit nachgerade bayuwarisch-farbenfrohen Zügen dem Säkularisierungsdruck etwas besser widerstanden zu haben als das Christentum in Europa – aber für japanische Christen fand sich darin keine Nische. Heute gehört vielleicht 1 Prozent der 120 Millionen Japaner einer christlichen Gemeinschaft an, weniger als die Hälfte davon sind Katholiken. Zum Vergleich: Im Nachbarland Korea, das nach Kultur, Geschichte und Religion viele Ähnlichkeiten zu Japan aufweist, sind es etwa 30 % Christen.

Ein Grund dafür mag sein, daß im insularen Japan ein konfuzianischer (also seinem Wesen nach nicht religiöser) Gemeinschaftsgeist noch stärker ausgeprägt ist als im übrigen Ostasien: Man entfernt sich nicht von den Sitten und Anschauungen der Verwandten, Nachbarn und Freunde. Ein anderer Grund dafür mag darin bestehen, daß die Jesuiten, die zwar nicht als einzige in der Japanmission aktiv waren, aber doch eine führende Rolle spielten, anscheinend von Anfang an fast alles falsch gemacht haben, was man überhaupt falsch machen kann. Sie passten sich der Umgebung an und überschritten dabei Grenzen, die sie besser eingehalten hätten.

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Heilige des heutigen Tages

Bild: Bestand der königl. Bibliothek KopenhagenEinerseits ist es natürlich eher ein Zufall, daß die Links zu diesen beiden Meldungen gerade nebeneinander auf dem Desktop zu liegen kamen: Kanada: Schwester leitet Trauungszeremonie  und DBK möchte für Trauung keine Priester der Piusbruderschaft. Kanada ist ein weites und immer noch sehr dünn besiedeltes Land – da kann es schon einmal Probleme bereiten, einen Priester zur rechten Zeit an den rechten Ort zu bringen. Die Beauftragung von Laien zur sakramentalen Bezeugung des Ehegelöbnisses ist rechtlich (Can 1112) möglich, und wenn man dann auch noch eine Schwester mit dieser Aufgabe betreut, bekommt der Bischof sicher ein zusätzliches Fleißkärtchen von denen, die jede Gelegenheit nutzen, das Thema „Frauenordination“ am Köcheln zu halten.

Aus rechtlicher Sicht ist auch nichts einzuwenden gegen den Beschluß der deutschen Bischofskonferenz, keine Priester der Piusbruderschaft mit Trauungen im alten Ritus zu beauftragen, sondern ausschließlich andere dafür geeignete Priester zu beauftragen. Wenn sie das einhalten können – warum nicht, und der Bruderschaft gibt es überdies einen Vorgeschmack davon, wie sich im Falle einer Regularisierung die Zusammenarbeit mit den Ortsbischöfen zumindest in Deutschland gestalten könnte. Die Brautleute aus der Piusbruderschaft hätten dann zumindest die Gewähr, ja, das Privileg, daß man ihnen nicht unter Verweis auf den Priestermangel einen Laien oder eine Laiin zur „Eheschließungsassistenz“ delegiert.

Womit wir bei dem Aspekt wären, der dem Nebeneinanderstehen der beiden Meldungen seine Signifikanz gibt. Immer öfter übernehmen – unter dem Beifall der Progressisten – Laien Funktionen, die nach der Tradition oder wegen ihres sakramentalen Charakters von Priestern erfüllt werden. Das muß nicht immer ein grundsätzliches Problem sein – nicht nur die „Eheassistenz“, auch die Taufe kann von bzw. vor einem Laien gespendet werdet werden. Ein Problem liegt darin, daß das eben nicht für alle Sakramente gilt. Weder die Lossprechung in der Beichte noch die traditionell und durchaus zutreffend als „letzte Ölung“ bezeichnete Krankensalbung kann von einem Laien gespendet werden.

In der Konsequenz sind diese beiden Sakramente aus dem entscheidenden letzten Lebensabschnitt der Gläubigen praktisch verschwunden: Der von einer Rätesitzung zur anderen hetzende Priester beauftragt einen Diakon, eine Pastoralassistentin oder einen außerordentlichen Kommunionspender, das Viaticum ans Sterbebett zu bringen – ohne Sorge dafür tragen zu können, daß es würdig empfangen werden kann. Die Gläubigen müssen ihren letzten Weg ohne die Hilfe und den Trost der Sakramente antreten, die dafür ganz besonders wichtig wären. Das dann auch konsequent und bis zum äußersten Ende: Auch die Bestattung, die zwar kein Sakrament ist, aber doch in den Bereich der Sakramentalien gehört, wird immer öfter Laien übertragen.

Diese Praxis in ihrer Gesamtheit ist einerseits Ausdruck der Tatsache, daß das Bewußtsein von der Bedeutung der Sakramente bei den zu ihrer Verwaltung beauftragten Bischöfen und Priestern in skandalöser Weise geschwunden ist. Sie führt ihrerseits dazu, daß dieses Bewußtsein auch bei den Laien, die es sich vielleicht noch in stärkerem Maße bewahrt haben, weiter zurückgeht. Das bietet vielfach älteren Gläubigen ein so großes Ärgernis, daß sie sogar aus dem weltlichen Verbund der Kirche austreten: „Wenn mich noch nicht mal der Pfarrer unter die Erde bringen will...“

Doch das ist nur einer der hier anzusprechenden Aspekte. Von überindividueller Bedeutung ist die Gefahr, daß große Teile der Gemeinschaft, die sich heute noch als Kirche begreift, ihren sakramentalen Charakter einbüßt und damit nicht mehr „Kirche sein“ kann. Vielleicht Kirche der „Heiligen des heutigen Tages“ - aber nicht mehr Kirche Christi.

Es geht um die Sakramente

Scan einer Illustration von B. Kühlen, MönchengladbachDie Spekulationen um eine mögliche Rekonziliation der Piusbruderschaft und die Zukunft von Summorum Pontificum dauern an. Fr. Hunwicke hat zu der Frage, ob mit einer formellen Aufhebung von Sommorum Pontificum zu rechnen ist, am 2. August eine interessante Überlegung veröffentlicht:

Ich denke, es ist nicht der Stil des Heiligen Vaters, solche Dinge ohne Not in einer derart konfrontativen Weise anzugehen. Es gibt in Rom zweifellos einige üble Figuren wie etwa Andrea Grillo, die auf eine Aushölung von Summorum Pontificum hoffen. Das könnte – so dere´n Erwartung – dadurch erreicht werden, daß man die Entscheidungsfreiheit aufhebt, die allen Priestern die Zelebration der außerordentlichen Form ohne besondere Erlaubnis ermöglicht. Aber ich glaube nicht, daß der hl. Vater Summorum Pontificum so einfach aufhebt, ganz bestimmt nicht während sein Vorgänger noch lebt. Ich denke, der gegenwärtige Papst zieht es vor, seine Ziele auf Umwegen und auf subtilere Weise zu erreichen.

Ich habe den Verdacht, daß das Arbeitspapier (zur Konzelebration), das ich so ausführlich besprochen habe (unsere Zusammenfassung samt Linkangaben der Überlegungen Fr. Hunwickes hier) ein Versuch von Papst Bergoglio oder wahrscheinlicher noch eines seiner Vertrauten wie des Präfekten der Kleruskongregation darstellt, genau die Kultur des Priestertums zu zerstören, auf deren Stärkung Summorung Pontificum abzielt.

Allerdings hat Benedikt XVI, der ja nun nicht gerade der dümmste ist, genau dem vorgebeugt, indem er klar gemacht hat, daß es für jeden Papst ultra vires sei, einen Versuch zur Auslöschung des klassischen römischen Ritus zu unternehmen.

Soweit Fr. Hunwicke vom Ordinariat unserer Lieben Frau von Walsingham. Wichtig erscheint uns hier nicht die Spekulation, wer, wann und in welcher Form auf eine Veränderung von Summorum Pontificum hinarbeite – da ist eine Überlegung so gut wie die andere. Wichtiger erscheint die Beobachtung, daß es in den aktuellen Kämpfen längst nicht mehr um die Form des Ritus, sondern um die Kultur, d.h. das Verständnis und Selbstverständnis, um das Wesen des Priestertums selbst geht: Vorstehender Vertreter der Gemeinde oder Verwalter des Sakramentalen Geheimnisses. Und ebenso wichtig ist der Hinweis auf die Methoden, mit denen dieser Kampf ausgetragen wird: Hier sind Fälscher und Betrüger am Werk.

Ein Sommer der Wirrungen I

Bild: Website Settimo CieloDie Ghostwriter des Papstes

In bisher für ihn beispielloser Schärfe attackiert der renommierte Vatikanist Sandro Magister in seinem neuesten Artikel auf Settimo Cielo Papst Franziskus.und sein Umfeld. Der erste Satz setzt den Ton: „Die klassischen kommunistischen Parteien hatten ihre ‚organischen Intellektuellen‘. Papst Franziskus hat sie auch. Ihre Namen sind Antonio Spadaro, Marcelo Figueroa und Victor Manuel Fernández.“ Die ‚Organischen Intellektuellen‘ sind im Denken des marxistischen Theoretikers Antonio Gramsci zumeist dem Bürgertum entstammende Intellektuelle, die sich der Partei der Arbeiterklasse anschließen und unterordnen, um deren Ideologie so auszuformulieren, daß sie für gesellschaftliche Mehrheiten „anschlussfähig“ wird.

Magister fährt dann fort:

Der erste ist Italiener und Jesuit, Chefredakteur von „La Civiltà Cattolica“. Die beiden anderen sind Argentinier, und der letztgenannte ist noch nicht einmal Katholik, sondern Presbyterianischer Pastor. Trotzdem hat Franziskus ihn zum Chef der argentinischen Ausgabe des Osservatore Romano gemacht.

Spadaro hat „La Civiltà Cattolica“ in das Organ das Hauses Santa Marta – also des Papstes – verwandelt. Zusammen mit Figueroa hat er seinen Namen unter einen Artikel in der letzten Ausgabe gesetzt, der die Vereinigten Staaten wie ein Hurrikan getroffen hat, weil er katholische wie protestantische konservative Kreisen gemeinsam beschuldigt, dort eine Logik zu vertreten, „die sich nicht von der unterscheidet, die dem islamischen Fundamentalismus zugrunde liegt“ - gerade so wie Osame bin Laden und das Kalifat.

Und was ist – es spricht immer noch Magister, der seinerseits den Artikel im OR referiert – was ist also die den als „Neue Kreuzzügler“ verdächtigten Katholiken und Protestanten als Basis ihres Kampfes unterstellte Gemeinsamkeit? Es sind „Fragen wie Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehe und schulischer Religionsunterricht“ oder anders ausgedrückt „eine besondere Form der Verteidigung von Religionsfreiheit“. Und das Ergebnis ist – immer noch nach Spadaro/Figueroa – das Entstehen einer „Ökumene des Hasses“ und einer Nostalgie für „einen Staat mit theokratischen Zügen“. Also des genauen Gegenteils des Ökumenismus von Jorge Bergoglio, des Papstes „der Inklusion, des Friedens und der Begegnung“.

Im folgenden stellt Magister fest, daß der Kampf für das Leben, die Familie und Religionsfreiheit seit Jahrzehnten die Hauptkampflinie der amerikanischen Katholiken markiert und verweist auf einige überaus empörte Stellungnahmen aus dem amerikanischen Katholizismus, an der Spitze Erzbischof Chaput von Philadelphia und die sonst eher auf Ausgleich orientierte Publikation „Crux“, deren Autor Sosa meinte, in jeder anderen Redaktion wäre das von den Jesuiten veröffentlichte im Papierkorb gelandet.

Danach wendet sich Magister erneut den „organischen Intellektuellen“ Franziskus‘ zu:

Im Bereich der Lehre nimmt es P. Spadaro schon mal nicht so genau, wenn er meint, daß „in der Theologie 2 + 2 auch „5“ ergeben kann und sich in einer Pose der Unfehlbarkeit zu den großen und kleinen Revolutionen Bergoglios äußert. Freilich steht einer der Berater und Vertrauter des Kreises dem Papst noch näher als Spadaro, und das ist der Argentinier Victor Manuel Fernández – ein Theologe, der 1995 als erste und überaus aufschlußreiche Publikation das Buch vorlegte: „Heile mich mit Deinem Mund. Die Kunst des Küssens“. Kein Wunder, daß Rom nach diesem Auftakt und weiteren nicht weniger zweifelhaften Veröffentlichungen Widerspruch einlegte, als Fernandez zum Rektor der Katholischen Universität Argentinien ernannt werden sollte – bis 2009 sich dann doch der damalige Erzbischof von Buenos Aires durchsetzte, der mit Klauen und Zähnen für seinen Schützling gekämpft hatte.

Unmittelbar nach seiner Wahl 2013 machte Bergoglio Fernández dann sogar zum Erzbischof. Seitdem ist der Mann wohl mehr in Rom als in Argentinien und hat alle Hände voll als Ratgeber und Ghostwriter für seinen päpstlichen Freund zu tun. Große Teile des 8. Kapitels von „Amoris Laetitia“, also des Dokuments von Franziskus, das die Kirche erschüttert, sind komplett aus über 10 Jahre alten Artikeln von Fernandez übernommen.“

Soweit also gestern Sandro Magister, dessen Text im Original zahlreiche Verweise auf andere Artikel mit näheren Belegen und zusätzlichen Ausführungen enthält.

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