Bereichsnavigation Themen:

Papst Pius X. zum Tage

Die neue Ausgabe der Una Voce Korrespondenz liegt auf dem Tisch - und damit auch die Fortsetzung des Abdrucks der Referate von der 16. Kölner Liturgischen Tagung in diesem Frühjahr. Solange wir uns nicht entscheiden können, welches davon hier ausführlicher vorgestellt werden soll - und um Ihnen Zeit zu geben, die Ausgabe der UVK komplett zu erwerben oder noch besser die Zeitschrift zu abonnieren - nehmen wir dankbar zur Kenntnis, daß Weihbischof Athanasius Schneider in seinem Beitrag „Der hl. Pius X. der Große - ein herausragender Förderer des katholischen und apostolischen Glaubens“ ausführlich aus einem uns bislang gänzlich unbekannten Hirtenbrief von Bischof Sarto aus dem Jahre 1887 zitiert. Das liest sich nicht nur wie eine Vorstudie zur großen Ezyklika „Pascendi“ von 1907, das ist auch heute noch von bestürzender Aktualität, ein Zeugnis wahrhaft prophetischer Weitsicht:

Viele Christen, die nur eine oberflächliche Kenntnis des Glaubenswissens haben und ihn wenig praktizieren, beanspruchen Lehrer zu sein, indem sie erklären, dass die Kirche sich nun endlich den Forderungen der Zeit anpassen soll, weil es in der Tat nicht möglich wäre, die ursprüngliche Vollständigkeit ihrer Gesetze aufrecht zu erhalten; dass die weisesten und praktischsten Menschen von nun an die barmherzigsten sein werden, d. h., dass sie fähig sein werden, etwas vom alten Schatz zu opfern, um den Rest zu retten. In solch einem modernen Christentum, in welchem die Torheit des Kreuzes vergessen sein wird, sollen sich die Dogmen des Glaubens bescheidenerweise den Anforderungen der neuen Philosophie anpassen.

Das öffentliche Recht des christlichen Zeitalters soll sich zaghaft den großen Grundsätzen der modernen Zeit stellen. Auch wenn es seinen Ursprung und seine Vergangenheit nicht verleugnet, so soll es wenigstens die Rechtmäßigkeit seiner Niederlage im Angesicht seines Siegers bekennen. Die zu strenge Sittennorm des Evangeliums soll den Freuden und den Anpassungen nachgeben und die Disziplin soll schließlich alle ihre die Natur belästigenden Vorschriften zurücknehmen, um selber beim glücklichen Fortschritt des Gesetzes der Freiheit und der Liebe mitzuwirken.

Solche Grundsätze werden nun nicht mehr von den offenen und erklärten Feinden der Kirche verbreitet, sondern von jenen, die sich selber Kinder der Kirche nennen; und nachdem diese die Gesetzte der Kirche bekämpft und verhöhnt haben, würden sie sich beleidigt fühlen, wenn sie die Kirche als Deserteure ihrer Kampfreihen und Söhne ihres Schmerzes bezeichnen würden. (...) Es ist ein Mangel des Glaubens und der Achtung vor der Kirche, sie mit unseren kurzsichtigen Urteilen unterstützen zu wollen. Halten wir fest an dieser Wahrheit, dass die Kirche göttlich ist und wir werden sehen, dass diese Art zu urteilen und zu handeln nicht nur niederträchtig und treulos, sondern dreist und sündhaft ist. (...)

Ich hoffe, dass diese tödlichen Keime nicht unter euch sind. Da aber der Irrtum einer Pflanze gleicht, die mit der Wurzel ausgerissen werden muss und der Bischof vom Himmel die Pflicht erhielt nicht nur zu ermahnen, zu bestürmen, zurechtzuweisen, sondern auch vorzuwarnen, wiederholt er Euch von Neuem: Habt acht und entfernt Euch von jenen, die auf irgendeine Weise sich die Sendung anmaßen zu raten und zu beschließen, welche Zugeständnisse die Kirche den angeblichen Bedürfnissen der neuen Zeit machen soll.“

Dem ist wenig hinzuzufügen und davon ist erst recht nichts wegzunehmen. Wer es versuchen sollte, hätte es schwer, glaubhaft zu machen, daß er noch ein treuer Sohn der Kirche ist.

Zusätzliche Informationen