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Liturgie - Reform oder Revolution

Scan des BuchumschlagsErst auf dem Umweg über eine englische Übersetzung, die dieser Tage auf Rorate Cæli erschienen ist, erreicht uns die Kenntnis eines Vortrages von Wolfram Schrems über die Liturgiereform. Gehalten wurde dieser Vortrag schon vor einem Jahr anläßlich der Vorstellung der deutschen Ausgabe von Peter Kwasniewskis „Neuanfang inmitten der Krise“ (zu beziehen etwa hier). Er enthält eine der schärfsten Kritiken der Liturgiekonstitution „Sacrosdanctum Concilium“ von katholischer Seite. Danach sind die Mängel der Reform, die schließlich zu ihrem katastrophalen Scheitern in der gottesdienstlichen Realität geführt haben, nicht in einer unzureichenden Umsetzung dieses Dokuments durch das Consilium Bugninis begründet, sondern gehen direkt auf die darin enthaltenen theologischen Fehlkonzeptionen und gezielt eingebauten Zweideutigkeiten zurück. Nicht Reform, sondern Revolution im sinne des Modernismus war das Ziel der Verfasser von Sacrosanctum Concilium

Als weitere hochinteressante Aussagen enthält der Vortrag durchaus begründet erscheinende Ansätze zur Ehrenrettung von Vertretern der liturgischen Bewegung der Zwischenkriegszeit wie Romano Guardini, Odo Casel oder Pius Parsch. Sie werden oft von den Propagandisten der Liturgiezerstörung als Wegbereiter und geistige Vorfahren in Anspruch genommen und von den Verteidigern der Liturgie der Kirche dann auch oft für solche gehalten. Schrems weist überzeugend darauf hin, daß es sich bei diesen und den meisten anderen Vertretern der Liturgischen Bewegung um alles andere als Revolutionäre handelt. Es waren fromme und liturgisch hochgebildete Männer, die früh den Spalt erkannten, der sich zwischen der überlieferten Liturgie und dem Frömmigkeitsempfinden der Moderne öffnete. Nicht alles, was sie vorschlugen, um dem entgegenzuwirken, erscheint in der Rückschau als sinnvoll. Aber es kann keinen Zweifel daran geben, daß sie die Aufgabe von der richtigen Seite her angehen wollten: Es ging ihnen nicht darum, die Liturgie der „modernen Lebenswelt“ anzupassen, sondern sie wollten die Bewohner dieser Lebenswelt darin unterstützen, in den liturgischen Raum einzutreten.

Den Vortrag von Wolfgang Schrems mit einer Länge von 32 Minuten kann man hier anschauen.

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