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Die Präfation zur Palmweihe

Der Palmsonntag ist einer der Tage, an denen der Bruch in der Liturgie nach 1950 besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Nach 1950 – denn hier erfolgte der Umwälzung bereits mit der Einführung der reformierten Karwochen- und Osterliturgie 1955. Zum Wandel von Form und Stellenwert der Palmprozession, der in einigen Elementen bereits mit dem Missale von Trient festgeschrieben wurde, hat László Dobszay das wesentliche gesagt. Er erwähnt natürlich auch die Kürzung des Ritus der Palmweihe, ohne allerdings auf Einzelheiten einzugehen – das wollen wir hier nachtragen.

Die Palmweihe in der überlieferten Fom folgte – ähnlich wie auch die Weihe der Osterkerze und andere Weihezeremonien – dem Konsekrationsritus der hl. Messe, mit der sie den grundsätzlichen Aufbau gemeinsam hat: Nach der Prozession, die hier schon immer die Gebete an den Stufen verdrängte, folgten die Lesung aus dem alten Testament mit dem Bericht vom Manna in der Wüste und nach Zwischengesängen das Evangelium vom Einzug in Jerusalem. Eine kurze Oration an der Stelle, die in der hl. Messe der Gabenbereitung dient, stellt das folgende in den Zusammenhang eines gottgefälligen Lebens: Wir wollen, „Palmzweige und Ölzweige tragend, mit guten Werken Christus entgegen ziehen und durch ihn einziehen in die ewige Freude“.

Danach das umfangreiche Weihegebet, das in seinem Kernbestand und auch nach der Melodie, in der dieser vorgetragen wird, eine Präfation darstellt:

Empor das Herz – wir haben es beim Herrn. Lasset uns danksagen dem Herrn unserem Gott – das ist würdig und recht.

Es ist in Wahrheit würdig und recht, billig und heilsam, Dir immer und überall dankzusagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Ruhmvoll erstrahlst Du im Kreis Deiner Heiligen. Fürwahr, Dir dienen Deine Geschöpfe, weil sie in Dir allein ihren Urheber und Gott erkennen; alles was Du gemacht hast, lobt Dich, und es preisen Dich Deine Heiligen, denn mit freimütiger Stimme bekennen sie vor den Königen und Mächtigen dieser Welt den hohen Namen Deines Eingeborenen. Ihn umstehen Engel, Erzengel, Throne und Herrschaften, und mit der ganzen himmlischen Heerschar singen sie einhellig den Hochgesang Deiner Herrlichkeit und rufen ohne Unterlass: Sanctus...“

Dem folgen insgesamt sieben Orationen. Sie erinnern an den Ölzweig der Taube des Noah, nocheinmal an die jubelnde Menge in Jerusalem, und stellen dann den Zusammenhang mit dem ganzen Erlösungswerk her: „Die Palmzweige deuten nämlich den Sieg an, der über den Fürsten des Todes errungen werden sollte; die Ölzweige aber verkünden gleichsam, daß die geistliche Salbung gekommen ist. Denn schon damals ahnte die beglückte Volksmenge den vorbildlichen Sinn, (...) Wir nun, die den vollen Glauben besitzen, erkennen klar die Vorbedeutung und ihre Erfüllung.“

Noch während der Orationen beginnt die Verteilung der Palmzweige, und danach beginnt die Prozession mit dem großen Hymnus: Gloria, laus et honor tibi sit, Rex Christe, Redemptor.

Die Neue Ordnung hat nichts davon übriggelassen. Die Palmweihe – zu der ausdrücklich vermerkt wird, daß der Priester bei der Besprengung mit Weihwasser kein besonderes Gebet spricht – endet, bevor man merkt, daß sie begonen hat, und um eine eschatologische Perspektive gar nicht erst aufkommen zu lassen, erklärt der aktuelle Schott in seinem Vorspruch zum Tage:

Bis heute ist die Kirche Christi für Welt eine Torheit. Man kann sie verachten, mißhandeln. Sie ist schwach. Oder sie versucht es mit Triumphalismus, das ist noch schlimmer, es ist eine Verfälschung und ein Ärgernis.

Das Reich Gottes, das Jesus verkündet hat, ist für die Armen. Er selbst hat in Armut und Schwachheit gelebt. Der Hosannajubel des Palmsonntags ändert daran nichts. Jesus weiß, bald wird er diese ganze Masse gegen sich haben. Auch die Jünger werden ihn allein lassen. Jesus ist ein armer und demütiger Messias. Er will es so.“

Es fällt schwer, darin keine Halbierung und letztlich ganze Verfälschung des Gedankens zu sehen, den die vorreformatorische Ausgabe des Schott völlig korrekt so wiedergegeben hatte: Wir wollen, „Palmzweige und Ölzweige tragend, mit guten Werken Christus entgegen ziehen und durch ihn einziehen in die ewige Freude“.

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