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Erhaltet die Vorfastenzeit!

Bild: von der Website Fr. HunwickesFr. Hunwicke, dem (verzeihlicherweise) der deutsche Wortgebrauch von der Vorfastenzeit anscheinend nicht geläufig ist, macht heute ausgehend von den Traditionen des Ordinariats einen Vorschlag, der die von den Liturgiereformern „abgeschaffte“ Vorfastenzeit auch für den Novus Ordo retten könnte. Könnte, wenn man den wollte. Hier ungekürzt sein heutiger Zwischenruf:

Vorfasten

- (prelent) so nennt das Missale des Ordinariats höchst angemessener Weise die zweieinhalb Wochen für die „Gesimas“.

Und vernünftigerweise gibt das gleiche Missale, so wie auch der überlieferte Römische Ritus, vor, daß das A-Wort während der ‚Vorfasten‘ nicht gebraucht werden soll.

Für Priester, die daran denken sollen, daß sie das A-Wort in dieser Zeit nicht verwenden können, muß es schwierig sein, wenn sie es eine Stunde später in der nächsten Messe nach dem Novus Ordo dann doch gebrauchen sollen. Das ist für sie wohl eine harte Zeit – und solche „pastoralen“ Details sind alles andere als unwichtig.

Um eine Konvergenz der verschiedenen Formen des römischen Ritus zu erleichtern wäre es zweifellos angemessen, das A-Wort auch im Novus Ordo während dieser drei Wochen nicht zu verwenden. Vielleicht könnte man in dieser Zeit optional auch die Farbe Purpur zulassen, damit die Gläubigen daran denken, Abstand vom A... zu nehmen. Darüberhinaus kann auch die 1969er-Version der (Vorfasten-)Präfation, über die ich hier in den beiden letzten Postings gesprochen habe, an diesen Sonntagen im Novus Ordo gebraucht werden.

Wie es der Zufall will, bietet das Missale des Ordinariats bereits eine Präfation für die Vorfastenzeit (die auch während der Fastenzeit als Alternative zur Fasten-Präfation verwandt werden kann). Ich vermute, das geht ursprünglich auf eine amerikanische Version des Book of Common Prayer zurück – stimmt das?

Ich bin für eine solche (optionale) Vorfasten-Präfation wie die, die ich hier vorgestellt habe (oder auch das Äquivalent aus dem Ordinariat). Für diejenigen, die den alten römischen Ritus feiern, wäre das eine Erinnerung daran, daß wir uns in einer besonderen Zeit des Kirchenjahres befinden, auch an Tagen wie heute, an denen wir zur Feier der hl. Scholastika oder vergleichbarer Heiligen weiße Gewänder anlegen. Und für die Sonntage (der Vorfasten) wäre es ohnehin an der Zeit, sich von der Präfation zur Hl. Dreifaltigkeit zu verabschieden, die Papst Clemens XII. 1759 für die grünen Sonntage vorgeschrieben hat, denn schließlich sind diese Sonntage nicht wirklich „grün“. (Aus dem gleichen Grund begrüße ich auch für den Advent die Verwendung der ‚gallikanischen‘ Adventspräfation, die im französischsprachigen Ordo der Piusbruderschaft empfohlen wird. Ichhabe einmal gehört, daß sie optinonal auch nach dem Missale von 1962 zulässig sein soll, stimmt das? Meine vier Messbücher sind leider wesentlich früherer Jahrgänge.)

Da draußen im Lande gibt es doch sicher jemanden, der etwas in dieser Art in die aufnahmebereiten Ohren von Kardinal Sarah flüstern könnte...

Die Wurzel allen Übels

Gefunden auf der Facebook-Seite Novus Horror MissaeIn Zeal for Thy House von Jay Boyd fanden wir folgende Auszüge aus der Predigt eines leider ungenannten Geistlichen zum liturgischen Mißbrauch als der Wurzel aller Übel, einer ständig erneuerten Auflehnung gegen Gott und eines ständig erneuerten Sündenfalls:

Es beginnt ein langes ZitatMan kann zu Recht sagen, daß die Liturgie unmittelbar unsere Vorstellung von der Heiligkeit Gottes formt. Schauen Sie auf Sinai, schauen Sie auf das Zelt des Bundes, schauen Sie auf das Allerheiligste. Gott hat die Strukturen der Wirklichkeit so geschaffen, daß die Liturgie die Schöpfung erneuert und wieder herstellt. Sie richtet Grenzen neu auf und heilt die Schäden, die von der Sünde verursacht worden sind.

Das, was in der göttlichen Liturgie geschieht, bestimmt auch das Geschehen in der Welt. Die Liturgie leistet Abbitte für die von Adam verlorene Gnade und die schrecklichen Beleidigungen Gottes. Die Liturgie erneuert die Ordnung unserer gefallenen Welt. Und wenn wir erst einmal erkennen, daß die Liturgie die ganze Schöpfung wieder in Ordnung bringt, dann verstehen wir auch den ganzen Schrecken des liturgischen Mißbrauchs.

Was geschieht denn, wenn ein Priester aus freien Stücken liturgische Mißbräuche begeht? Auf symbolische Weise vergegenwärtigt er in der Liturgie die Ursünde geradewegs vor Gottes Angesicht. Statt Ordnung bringt er Unordnung, statt Gnade bringt er Sünde, statt geistiger Genesung bringt er geistige Krankheit, statt des ewigen Lebens bringt er geistigen Tod. Statt die Schlangen aus dem Garten und von seinen Gläubigen fernzuhalten, wendet er sich ihnen zu und lädt sie ein. Letzten Endes sagt der Priester: „Ich will nicht dienen. Ich will meinen Willen haben. Ich will die liturgische Beziehung zu Gott bestimmen. Ich bin selbst für mich das Gesetz. Ich will mich überheben.“ Er macht es so, wie die Söhne Aarons – und wenn er nicht umkehrt, wird er auch die gleiche Strafe erfahren.

Aber nicht nur der Priester wird leiden müssen. Wir alle müssen leiden, wir alle. Das, was in der göttlichen Liturgie geschieht, bestimmt das, was in der Welt geschieht – so ist die Realität, so ist die Wirklichkeit. Was wollen wir damit sagen? Wir sagen damit, daß dann, wenn eine große Anzahl der amtlich bestallten Botschafter, die die kämpfende Kirche vor dem göttlichen Thron vertreten, wenn ein beträchtlicher Teil dieser göttlich eingesetzten Vermittler - also der Priester – unentwegt und bewußt die Ursünde vor dem Angesicht Gottes erneuern, dann werden wir exakt das bekommen, was wir beim ersten Mal bekommen haben: Sünde, Leid, Nacktheit, Unordnung, Verzweiflung, Tod und die Herrschaft Satans.

Soll heißen, wir bekommen exakt das, was wir derzeit haben: Die Kultur des Todes, die gegenwärtige Finsternis, das neue Heidentum. Die Kultur des Todes ist die natürliche Folge verbreiteten liturgischen Mißbrauchs. Der wichtigste Schritt zur Lösung der gegenwärtigen Probleme, und zwar aller Probleme, die unsere Gesellschaft heimsuchen, liegt auf liturgischem Gebiet.“

Soweit das Zitat. Fr. Zuhlsdorf predigt das im Grunde schon seit Jahren: „Save the Liturgy, save the World“. Hier wird der Zusammenhang auch so hergestellt, daß jedermann ihn nachvollziehen kann.

Fanziskus: Diakone vom Altar fernhalten!

Bild Titelseite des 'Spectator' von 2015In der vergangenen Woche hat Papst Franziskus sich in einer Rede  kritisch über den liturgischen Dienst Ständiger Diakone geäußert. Diakone dürften keine „Messdiener erster Klasse oder Priester zweiter Klasse“ sein. Er rate den Bischöfen stets, die Diakone „vom Altar fernzuhalten“, damit sie nicht zu „verhinderten Priestern“ würden und sich besser auf ihren Dienst an den Armen konzentrieren könnten. So die Wiedergabe auf katholisch.de.

Zunächst haben wir diese Ausführungen für eine der üblichen Grobheiten gehalten, mit denen der Argentinier seine Auftritte zu garnieren pflegt – also nicht der Rede wert. Und hat unsereins nicht auch zumindest ein wenig die Vorstellung im Kopf, das Wesen des Diakonenamtes sei die „diakonia“, der Dienst an den Armen und Schutzbedürftigen Mitgliedern der Gemeinde?

Ein Zwischenruf von Fr. Hunwicke (hier auf Deutsch) hat uns motiviert, der Sache etwas näher nachzugehen. Und wie so oft, wenn man bei diesem Papst etwas genauer hinschaut, tun sich wahre Abgründe auf. Der Rat an die Bischöfe, die Diakone „vom Altar fernzuhalten“, erweist sich als nichts weniger als ein Aufruf zur Mißachtung des Kirchenrechtes und eine Abkehr von der zwei Jahrtausende zurückreichenden Lehre der Kirche vom Diakonenamt, die auch noch in den liturgischen Vorschriften der „Revolutionsjahre“ 1968/69 bestätigt worden ist.

Das Kirchenrecht von 1983 enthält zwar keinen eigenen Abschnitt über die Diakone, weist ihnen aber in zahlreichen Paragraphen (767, 861, 910, 1108 …) ausdrücklich Aufgaben im Bereich der Liturgie und der Verkündigung des Wortes zu. Der Codex folgt damit fast wortgetreu dem Abschnitt 29 der „Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium“ des 2. Vatikanischen Konzils, der hinsichtlich der Diakone aussagt:

Mit sakramentaler Gnade gestärkt, dienen sie dem Volke Gottes in der Diakonie der Liturgie, des Wortes und der Liebestätigkeit in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium. Sache des Diakons ist es, je nach Weisung der zuständigen Autorität, feierlich die Taufe zu spenden, die Eucharistie zu verwahren und auszuteilen, der Eheschließung im Namen der Kirche zu assistieren und sie zu segnen, die Wegzehrung den Sterbenden zu überbringen, vor den Gläubigen die Heilige Schrift zu lesen, das Volk zu lehren und zu ermahnen, dem Gottesdienst und dem Gebet der Gläubigen vorzustehen, Sakramentalien zu spenden und den Beerdigungsritus zu leiten. Den Pflichten der Liebestätigkeit und der Verwaltung hingegeben, sollen die Diakone eingedenk sein der Mahnung des heiligen Polykarp: "Barmherzig, eifrig, wandelnd nach der Wahrheit des Herrn, der aller Diener geworden ist."

Der Katechismus schließt sich all dem in seinen Abschnitten über die Weihe der Diakone (1569-1571) vollständig an. Die hier vorgegebene Reihenfolge und Prioritätensetzung ist eindeutig. Noch klarer wird das von der Kirche gewollte Wesen des Diakonats – es handelt sich schließlich um die erste Stufe des dreigliedrigen Weiheamtes – wenn man die Weihegebete betrachtet, mit denen die Kirche diese Weihestufe seit den ältesten Zeiten übertragen hat.

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Der Beitrag des Novus Ordo zur Kirchenkrise

Bild: Screenshot aus dem genannten Youtube-VideoPeter Kwasniewski hat im Februar dieses Jahres auf der Lepanto-Konferenz einen Vortrag gehalten, der genau dieses beunruhigende Thema in den Mittelpunkt stellt. Einen Video-Mitschnitt (ca 50 Minuten) gibt es bei Youtube; eine für den Druck redigierte Fassung ist im Juli bei Rorate Caeli veröffentlicht worden.

Zum Beginn seiner Ausführungen setzt sich Kwasniewski mit der oft gehörten Version auseinander, die Liturgie der Kirche sei wegen des allgemeinen Glaubensverlustes in dem jämmerlichen Zustand, in dem wir sie heute sehen – die Reform Pauls des VI. sei demnach bereits als Reaktion auf die Glaubenskrise zu verstehen, quasi eine Aktion, die gut gedacht, aber schlecht gemacht worden sei. Dem setzt er als Gegenthese entgegen, die Liturgiereform sei tatsächlich die Ursache wenn nicht aller, sondern doch der meisten Erscheinungsformen der heutigen Kirchenkrise. Und er kommt zu einem Schluß, der viele Katholiken, die immer noch und trotz allem in der reformierten Liturgie ihre spirituelle Heimat sehen, schwer treffen muß: Wer angesichts des nicht mehr zu übersehenden Zerfalls an der Liturgi des Novus Ordo festhalte, mache sich, wenn auch vielleicht in einem passiven Sinne, mitschuldig an den davon ausgehenden Zerstörungen. 

Daraus leitet er nicht direkt die Forderung ab, überhaupt nicht mehr an der reformierten Liturgie teilzunehmen und ausschließlich die vorkonziliaren Riten zu praktizieren. Aber er führt doch aus, daß man sein eigenes Seelenheil gefährdet und dem Wohl der Kirche schadet, wenn man sich nicht soweit irgend möglich der überlieferten Liturgie zuwendet und alles in seinen Kräften stehende tut, sie zu fördern. Wörtlich schreibt er:

Es bedarf keiner Reform der Reform, es bedarf ihrer Zurückweisung und der Leistung von Buße. Es reicht nicht, Mißbräuche zurückzudrängen und hier und da traditionelle Elemente einzuführen - ein wenig Weihrauch hier, eine Baßgeige da, heute ein Introitus und morgen „ad orientem“. Das ist wie ein Pflaster auf einer schwärende Wunde oder Multivitaminpillen gegen Krebs. Hier ist etwas viel Radikaleres gefordert.

Der Bericht des Buches Exodus über das Goldene Kalb schließt mit der merkwürdigen Formulierung: Und der Herr schlug das Volk mit der Pest, weil sie das Kalb gemacht hatten, das Aaron gemacht hatte. (2. Mose 32, 29). Dieser Vers enthüllt die Wahrheit über ihre Komplizenschaft: Selbst wenn Aaron letztlich für die Herstellung des Goldenen Kalbs verantwortlich war, so hatte er dafür doch die Zustimmung des Volkes, das deshalb auch Anteil an seiner Schuld hat. Und ebenso tragen auch die Laien, die dem von Montini fabrizierten Novus Ordo anhängen, zu einem unterschiedlich großen Anteil Mitschuld an dessen Defekten.“

Das ist ein schwerer Vorwurf,

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Amazonas ist überall...

Bild: Montage unter verwendung von Bildern von 'Kirchenzeitung', 'Kirchenbote' und Wasmeier...und das in vielerlei Weise. Sandro Magister bringt heute einen längeren Beitrag zu einem Video mit Fr. Nicolini von der Diözese Bologna, das schon seit mehreren Tagen im Internet herumschwirrt: Angeblich, so heißt es da, feiern in Amazonien schon seit längerem verheiratete Diakone mit Erlaubnis ihres Bischofs die Hl. Messe, und angeblich ist auch der Papst über diese Praxis informiert und duldet sie. Originalton des Videos – hier in unserer Übersetzung aus der englischen Version:

Wir haben erfahren, daß eines Tages aus einer isolierten Pfarrei im Amazonasgebiet ein alter Diakon, in den 60ern und verheiratet, bei seinem Bischof anrief um ihm mitzuteilen, daß es am folgenden Sonntag keine hl. Messe geben könne: „Ich muß Ihnen sagen, daß wir morgen keine hl. Messe feiern können, weil kein Priester da ist. Daraufhin sagte ihm der Bischof: Dann gehen Sie hin und feiern die Messe“. (…) Davon hat man auch dem Papst berichtet, und der hat gesagt: „Derzeit können wir dazu nichts Schriftliches geben, aber machen Sie weiter“.

Die Leser von Summorum Pontificum werden das in dieser Form für unwahrscheinlich halten – weder der Papst noch irgendein Bischof, selbst keiner mit deutschen Wurzeln, wie das in Amazonien ja die Regel zu sein scheint, wird einem Diakon sagen, er solle die Messe feiern. Auch Fr. Nicolini, dem man getrost unterstellen kann, daß er es gerne sähe, wenn verheiratete Männer die Messe läsen, wird die Geschichte in dieser Version nicht ernst nehmen. In dem Telefongespräch – wenn es denn überhaupt stattgefunden hat - war in welcher Sprache auch immer natürlich von einer „Wort-Gottes-Feier“ die Rede, und nicht von einer „Eucharistiefeier“.

In einer Zeit, in der vielen Gläubigen das Geheimnis der Eucharistie – die reale Gegenwart Christi in den verwandelten Gaben – nicht mehr verständlich, vielleicht sogar unbekannt, ist, macht das freilich keinen großen Unterschied. Und – an dieser Stelle kommen dann doch die Bischöfe und auch der Papst ins Spiel – die liturgische Praxis der reformierten Liturgie hat viel dazu beigetragen, den wesensmäßigen Unterschied zwischen Wortgottesdienst und Messfeier zu verwischen. Am stärksten vielleicht durch die Unsitte, statt eines vorschriftmäßigen Messgewands eine Mantelalbe zu tragen – der Priester mit der gerade herabhängenden Stola darüber, der Diakon mit der seitlich getragenen Stola, und die Gemeindereferentin mit irgendwas, was irgendwie wie eine Stola aussieht.

Die Menschen glauben, was sie sehen, und was sie in vielen Kirchen bei Gottesdiensten (oder bei bischöflichen „Entsendungsfeiern“ für Laienbeauftragte) zu sehen bekommen, ist nicht geeignet, ihnen die Vorstellung zu vermitteln, daß es da unterschiedliche Ämter und unterschiedliche Abläufe geben könnte.

Man muß nicht nach Amazonien gehen, um nach dem Sonntagsgottesdienst in einer „katholischen“ Gemeinde Sätze zu hören wie: „Das war wieder eine schöne Messe, die unsere Frau Xypsilonz heute gefeiert hat.“ Diese Verwirrung ist nicht irgendwie eingetreten – sie wurde planmäßig herbeigeführt.

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