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Alte Formen für die neue Liturgie?

Bild: https://romancatholicman.com/wp/vatican-liturgy-chief-urges-priests-celebrate-mass-ad-orientem/Die neue Liturgie ist gültig und gnadenvermittelnd – wenn sie in würdiger Form gefeiert wird. Dem stimmen fast alle zu – aber was bedeutet „würdige Form“? Eine Zeit lang verstand man darunter die Verwendung möglichst vieler Kennzeichen der alten Form, beginnend mit Gewändern, Weihrauch und Altarschmuck bis hin zur Körpersprache des Zelebranten, nach Möglichkeit ergänzt durch die Zelebrationsrichtung „ad Dominum“, gregorianischen Gesang und „möglichst viel Latein“.

Die Vertreter dieses Ansatzes – beispielhaft vorgeführt etwa in Heiligenkreuz und im Brompton-Oratory von London – konnten sich für den Versuch zur Beibehaltung möglichst vieler äußeren Merkmale der überlieferten Form auf die mehrfachen Aussagen Pauls VI. stützen, wonach sich am Inhalt der Liturgie durch die Reform nichts ändern solle. Warum dann also die alten Formen generell verwerfen? Dabei sahen sie sich aber mit dem Widerspruch konfrontiert, daß der gleiche Paul VI. z.B. in seinen Predigten zum Inkrafttreten seines Missales hervorgehoben hatte, man müsse viele Formen und Schätze der Vergangenheit aufgeben, darunter auch die Gregorianik, um den vollen Reichtum seines Reformwerkes zu erschließen.

Die Liturgiekongrgation hat dann später den von ihr als Mißstand betrachteten Versuch der Beibehaltung einiger alter Formen und Gebeten, die nicht ausdrücklich „abgeschafft“ worden waren, zurückgewiesen: Nur das sei erlaubt, was tatsächlich in den Rubriken des neuen Missales positiv erwähnt werde – alles andere sei endgültig Vergangenheit. Nachdem inzwischen der gegenwärtig glücklos herrschende Papst die überlieferte Liturgie für unvereinbar mit dem erneuerten Kirchenverständnis des II. Vatikanums erklärt hat, ist damit jede Grundlage für diesen Versöhnungsversuch entfallen.

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Wie arianisch ist der Novus Ordo?

Bild: Aufnahme des UmschlagsDie absurde Behauptung von Papst Franziskus in TC und seines Mitarbeiters Roche in den „Responsa ad Dubia“, daß der Novus Ordo die einzige „lex orandi“ des römischen Ritus darstellte, hat in traditionstreuen Kreisen zu einer verstärkten kritischen Untersuchung des Missales Bugninis und Pauls VI. geführt – in der Regel ohne zu bestreiten, daß die hl. Messe auch nach diesem Missale gültig und gnadenbringend gefeiert werden kann. Kann – aber in der Realität selten genug auch wird.

Im Vordergrund der Kritik steht meistens die empirisch belegbare Feststellung, daß der Novus Ordo durch den Abbau sakraler Formen das Bewußtsein der Gläubigen für die metaphysische Dimension des Geschehens am Altar vermindert und durch die als „aktive Teilnahme“ ausgegebene Einbeziehung der Gemeinde – oft reduziert auf aktivistische „Vorzugslaien“ – die Bedeutung des priesterlichen Handelns herabsetzt oder ganz unsichtbar macht. Abbau der Bereitschaft zur Teilnahme und Verlust zentraler Glaubensinhalte – Stichwort Realpräsenz – sind die zu Recht beklagten Folgen. Danach würde die Feier des Messopfers selbst durch die reformierte Liturgie zwar nicht beeinträchtigt – wohl aber die Fähigkeit der Gläubigen, Wert und Inhalt dieser Feier voll zu erfassen und die daraus hervorgehenden Gnadengaben zu nutzen. Ein wahrhaft paradoxes Ergebnis für eine Reform, die doch das Ziel proklamierte, diese volle und ertragreiche Teilnahme zu befördern.

So berechtigt diese Kritik auf pastoraler Ebene auch ist, so läßt sie doch außer Acht, daß es im Novus Ordo auch auf theologischer Ebene problematische Elemente gibt, die sich auf den Inhalt dessen, was da geschieht und geschehen soll, selbst auswirken können.

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Schluß mit den Lügen!

Bild: Wikimedia commonsWie realitätsblind muß man eigentlich sein, um die Tatsache, daß der Novus Ordo auch würdig und fruchtbringend gefeiert werden kann, als Beleg dafür anzuführen, daß das auch regulär so gemacht werde? Und dann zu fordern: die Tradis sollten sich mal nicht so haben mit ihrem Weihrauch und ihrem Latein und endlich die Erfolgsgeschichte der Liturgiereform anerkennen und sich so auch den Blick auf die Erfolgsgeschichte des II. Vatikanums öffnen. Schließlich lehre uns das Konzil, daß die Eucharistie Quelle und Gipfel des ganzen geistigen Lebens der Kirche sei – daher nun endgültig Schluß mit Debatten und Zwietracht. Und wären denn die großen Erfolge bei der Verkündung des Evangeliums in Asien und Afrika möglich gewesen, wenn die Kirche beim Latein stehen geblieben wäre?

So Autor Larry Chapp, von dem wir auch schon Vernünftiges gelesen haben, im National Catholic Register, in dem wir ebenfalls schon viel besseres gelesen haben, zum Jahrestag der Konzilseröffnung vor nunmehr 60 Jahren. Der Beitrag bzw. seine Argumentation verdient eine (begrenzte) Aufmerksamkeit, weil er typisch dafür ist, wie sich eine nach wie vor zahlenmäßig bedeutende Gruppe von Hyperloyalisten gegen die Einsicht abschottet, daß Pauls VI. Liturgiereform gründlich gescheitert ist – und damit die Zeit verlängert, bis die Kirche Mittel zur Heilung des Schadens anwenden kann.

Natürlich gibt es Beispiele dafür, daß der Novus Ordo würdig gefeiert werden kann. Man muß schon lange in Tradiland suchen, um eine verlorene Stimme zu finden, die das, wie Chapp suggeriert, grundsätzlich bestreitet. Und das von Chapp präsentierte Beispiel vom glorreichen Novus Ordo in der Diözese Lincoln in den späten 70er Jahren mag jüngere Leser ohne Kenntnis der amerikanischen Szene vielleicht beeindrucken – Tatsache ist jedoch, daß Lincoln unter nunmehr drei glaubenstreuen Bischöfen in Folge zwar die Dokumente des Konzils nach Kräften umgesetzt hat, dem „Geist des Konzils“ jedoch striktes Hausverbot erteilt hat. Dazu hat die Diözese früh ein eigenes Priesterseminar eingerichtet, in dem streng auf Lehrtreue geachtet wird – wofür sie jährlich mit einer Zahl von 2 – 5 Priesterweihen belohnt wird. Erst im letzten Jahr wurde erstmalig in der Diözese ein „ständiger Diakon“ geweiht, und Lincoln weigert sich bis zum heutigen Tage, Girl-Altarboys den Dienst am Altar zu gestatten. In Lincoln selbst ist eine Pfarrei der Petrusbruderschaft anvertraut, und auch eines (von 2) Seminaren der Petrusbruderschaft in den USA hat in der Diözese Aufnahme gefunden.

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Liturgisches Niemandsland oder Rituskirche

Bild: Screenshot aus einer Nachrichtensendung von VaticanNewsDie am Sonntag im Petersdom gefeierte Messe im „Ritus von Zaire“ hat die Frage (z.B. hier) aufgeworfen, in welchem Verhältnis dieser „Ritus“ zu der Liturgie des Novus Ordo steht und ob darin ein Widerspruch zu der Behauptung von Papst Franziskus liegt, die im Missale Pauls VI. vorgegebene Liturgie sei die einzige Lex Orandi der katholischen Kirche des lateinischen Ritus.

Papst Franziskus selbst hat diese Frage damit praktisch beantwortet, daß er selbst einmal die Messe in diesem Ritus in seiner Bischofskirche zelebriert hat (am 1. Dezember 2019) und ihr am vergangenen Sonntag am gleichen Ort quasi „in choro“ beiwohnte. Vermutlich sah er sich durch seine Gesundheitsbeschwerden daran gehindert, selbst zu zelebrieren. Beide Feiern fanden am Altar der Kathedra hinter dem Hauptaltar statt – wahrscheinlich, um der nicht allzu großen afrikanischen Gemeinde in Rom einen angemesseneren Rahmen zu bieten als den der riesigen Kathedrale.

Neben diesen praktischen Aktionen gibt es auch „liturgietheoretische“ Aussagen des Papstes zum Thema. Im vergangenen Juni wurde in Rom in Anwesenheit von Franziskus eine französische Ausgabe des bereits 2020 auf Italienisch erschienen Buches „Papst Franzikus und das römische Messbuch für die Diözesen Zaires“ vorgestellt. Dabei sagte Franziskus unter anderem:

Das Römische Messbuch für die Diözesen von Zaire ist bis jetzt das einzige inkulturierte Römische Messbuch, das aus der liturgischen Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils hervorgegangen ist“.

In seinem Vorwort zu diesem Buch, das uns leider nicht vorliegt, stellt Franziskus fest, dieses inkulturierte Missale stelle eine besondere Aufforderung des Heiligen Geistes an die Gläubigen dar, dessen verschiedenartiger Gaben an die ganze Menschheit aufzugreifen. Konkret drückt er dort die Erwartung aus, der „Ritus von Zaire“ könne das Vorbild eines „Ritus für den Amazonas“ bilden. 

Danach kann es also keinen Zweifel geben, daß in den Augen von Franziskus der „Ritus von Zaire“ der angeblich vom Konzil gewollten Liturgie entspricht und eine legitime Form des „einzigen Ausdrucks des Römischen Ritus“ darstellt.

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Häresie der Formlosigkeit

Bild: VaticanNewsIn einem gestern auf Catholic Thing veröffentlichten Artikel konstatiert der amerikanische Kirchenrechtler Fr. Gerald E. Murray schwere Verstöße gegen das Liturgische Recht bei dem Gedenkgottesdienst zum 400. Jahrestag der Heiligsprechung des Jesuitengründers Ignatius von Loyola. Im Zentrum von Murrays Kritik steht der denkwürdige Auftritt von Papst Franziskus bei diesem Gottesdienst. Der Papst verzichtete darauf, die Messe selbst zu feiern, wie das zunächst angekündigt war, sondern überließ die Funktion des Vorstehers dem General seines Ordens Arturo Sosa - das ist der mit dem zu Jesu Zeiten noch nicht erfundenen Tonbandgerät (s. hier). Statt dessen reihte sich Franziskus – so nach seinen Gesten zu urteilen – der Reihe der Konzelebrantenein ein, freilich ohne die für Konzelebranten vorgeschriebenen liturgischen Gewänder zu tragen. Noch nicht einmal eine Stola legte er an, sondern beschränkte sich darauf, im „Papstzivil“ mit im Chorraum präsent zu sein. Über die Gründe können wir nur spekulieren – möglicherweise wollte er dem Chef seines Ordens eine besondere Ehre erweisen, ohne zu bedenken, daß er diese Ehre eben dadurch Christus dem Herrn verweigerte.

Das Handeln Franziskus’ ist nicht nur ein Verstoß gegen eine Handvoll liturgische Vorschriften – die könnte der Papst ja sogar ändern oder davon dispensieren – wenn denn „ein gerechter Grund“ dazu vorläge. Schwerer wiegt in unseren Augen der auch von Murray kritisierte Verstoß gegen die übernatürliche Ordnung. Die Bischöfe sind – und das zweite Vatikanum hat diese Lehre bekräftigt und verstärkt – eben nicht nur Direktoren einer kirchlichen Verwaltungseinheit, sondern für ihr Bistum gleichsam die Quelle aller priesterlichen Vollmacht. „Seine“ Priester können mit dem Bischof konzelebrieren – aber nicht der Bischof mit einem von ihnen in der Position des Hauptzelebranten. Das ist selbst dann nicht unproblematisch, wenn ein alter und kranker Bischof kaum noch in der Lage ist, selbst am Altar zu stehen oder zu sitzen.

Das gilt für jeden Bischof; für den von Rom aber in ganz besonderem Maße. Der Papst sollte ja nicht nur liturgisches Vorbild für die ganze Kirche sein, er ist es auch, die die Ortsbischöfe in ihr Amt beruft und sie, wenn sie die von ihm zu vertretende Ordnung verletzen, auch abberufen kann.

In früheren und formbewußteren Zeiten hätte man die von Franziskus demonstrierte Art der Konzelebration wahrscheinlich als Amtsverzicht ausgelegt oder zumindest zum Anlaß genommen, von Amtsverzicht zu sprechen. Unter dem Regime der Häresie der Formlosigkeit (Mosebach) sind solche Weiterungen eher nicht zu erwarten. Aber diese Hemdsärmeligkeit – die ja nicht alleine steht, wie Franziskus’ Meidung der Kniebeugen am Altar seit Jahren belegt – wirft ein äußerst trübes Licht auf das Verständnis, das dieser Papst aus der Pampas von den liturgischen Dingen und von seinem Amt hat, das unter seinem Regiment immer mehr zu einer selbstreferentiellen Autokratie verkommt. Und es macht ihn extrem unglaubwürdig, wenn er in seinem Begleitbrief an die Bischöfe zu Traditionis Custodes behauptet: „Ich bin traurig über die Mißstände bei der Feier der Liturgie, wie sie auf allen Seiten praktiziert werden.“

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