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Ordo Missæ VI: Die Fürbitten

Bild: aus dem zitierten Artikel des Bistums TrierZur Ordnung der Liturgie und ihrer „organischen“ Entwicklung gehört es auch, daß einzelne Elemente, die nicht zu ihrem wesentlichen Kern gehören, sondern die ihre Existenz überwiegend „praktischen“ Gründen verdanken, verändert oder ganz aufgegeben werden können, wenn die Praxis sich ändert. Generell sind solche Elemente – soweit man ihrer heute überhaupt noch habhaft werden kann – für das Verständnis der eigentlichen Liturgie von geringerer Bedeutung, auch wenn sie durchaus aufschlußreiches Licht auf einzelne Züge des Gemeindelebens früherer Zeiten werfen können. Am Übergang vom Wort- und Predigtgottesdienst der Vormesse zur eigentlichen Opfermesse verlangt nun ein solches „ausgestorbenes“ Element Aufmerksamkeit, weil es durch die Liturgiereform neu belebt und wieder in den Ritus eingeführt worden ist: Die Fürbitten oder das „allgemeine Gebet“ der Gläubigen.

Daß es ein solches Fürbittgebet an dieser Stelle gegeben hat, ist aus den ältesten Quellen belegt. Gebetstexte sind keine erhalten, aber aus verschiedenen Bemerkungen geht hervor, daß hier für die Kirche insgesamt, für die geistliche und weltliche Obrigkeit, für Wohlfahrt und Frieden der Gemeinde und wohl auch für die Verstorbenen gebetet wurde. Den stärksten Grund für ein solches Gebet gerade an dieser Stelle sehen Jungmann uns andere in der mit diesem Einschnitt erfolgenden Entlassung der Katechumenen und der öffentlichen Büßer. Tatsächlich wurde diese Entlassung vielfach feierlich und ausführlich mit Segnungen und Anrufungen verbunden – man kann sich das gut als den Abschluß des öffentlichen ersten Teils der Messfeier vorstellen. Am längsten erhalten haben sich solche feierlichen Segnungen und Anrufungen im Rahmen der österlichen Liturgien, in denen Katechumenen, also erwachsene Taufbewerber, auch dann noch eine sichtbare Rolle spielten, als die Kirche generell schon längst zur Kindertaufe übergegangen war. Von daher ist es einleuchtend, in den großen Fürbitten der Karfreitagsliturgie – in denen übrigens besondere Fürbitten auch ausdrücklich den Katechumenen und den Sündern/Büßern gewidmet sind – nach Baumstarks Gesetz von der „Erhaltung des Alten in liturgisch hochwertiger Zeit“ einen erhalten gebliebenen Rest der alten „allgemeinen Fürbitten“ zu sehen.

Gleichzeitig wird es von daher verständlich, daß diese „Unterbrechung“ des Gottesdiensts ihre Plausibilität verlor, als es in den Gottesdiensten keine Katechumenen oder öffentlichen Büßer mehr gab, die man hätte feierlich entlassen müssen. Spätestens seit der Festigung der Form des Canon Romanus, der im Te igitur und dem Memento Domine einen eigenen Satz von Fürbitten für die Kirche, den Klerus und die Gläubigen sowie in älteren Varianten auch für den weltlichen Herrscher enthält, konnten die Fürbitten des „allgemeinen Gebets“ als entbehrlich erscheinen. Sie wurden nie amtlich „abgeschafft“, sondern kamen einfach außer Gebrauch. Sie sind auf wirklich „organische“ Weise abgestorben – an dem einen Ort schneller und vollständig, an anderen langsamer und in Etappen. In den alten Kulturräumen von Aquitanien und Hochburgund, den Zentren der gallikanischen Liturgieentwicklung, blieben ihnen verwandte Formen am längsten erhalten; in einigen französischsprachigen Gebieten bis ins 19. Jahrhundert. Dort allerdings dann als eine Art Anhängsel zur Predigt und damit außerhalb der eigentlichen Liturgie und des Missales.

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Noch einmal: Mundkommunion

Bild: ISPN, eigene AufnahmeIn fast allen Diözesen Deutschlands und in aller Welt haben die Ortsbischöfe die Spendung der hl. Kommunion in den Mund „verboten“ und damit Priester und Gläubige, die sich der überlieferten Liturgie verpflichtet sehen, in eine äußerst unersprießliche Lage gebracht. Vielfach verzichten Gläubige daher auf den Empfang der Kommunion unter als belastend empfundenen äußeren Umständen, anderswo haben auch Priester von sich aus die Spendung der Kommunion während der hl. Messe eingestellt und verweisen die Gläubigen auf mehr oder weniger private Alternativen, wie sie durch das Kirchenrecht durchaus ermöglicht werden.

Die Foederatio Una Voce Internationalis hat in einem Memorandum überzeugend dargelegt, daß das pauschale Verbot der Mundkommunion durch die Bischöfe vom Kirchenrecht nicht abgedeckt wird, sondern eindeutig rechtswidrig und damit unwirksam ist. Das ist freilich angesichts der realen und von keinem „Synodalen Weg“ in Frage gestellten innerkirchlichen Machtverhältnisse eine eher theoretische Feststellung. Viele Bischöfe sind durch Verweise auf das geltende Recht der Kirche längst nicht mehr zu beeindrucken – sie wissen es besser und machen, was sie wollen.

Im konkreten Fall dürfte ihre erste Motivation darin bestehen, Ergebenheit gegenüber der staatlichen Obrigkeit zu demonstrieren und sich auf gar keinem Fall dem Risiko auszusetzen, von der „sprungbereiten Feindseligkeit“ (Benedikt XVI.) der Medien oder gar vor Gericht als Verbreiter von Infektionen angeschuldigt zu werden. In manchen Fällen mag auch die ebenfalls stets sprungbereite Neigung eine Rolle gespielt haben, die Anhänger der Tradition in Verlegenheit zu bringen – entschlossener Reformgeist scheut vor keiner Instrumentalisierung auch der heiligsten Dinge zurück.

So wie die rechtliche ist auch die medizinisch/naturwissenschaftliche Begründung für das Verbot der Mundkommunion in keiner Weise haltbar oder gar abgesichert.

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Wort Gottes als Gelddruck-Maschine

Bild: Ökumenisches Heiligenlexikon, gemeinfreiSeit 1980 gibt es im katholischen Raum eine sogenannte „Einheitsübersetzung“ der heiligen Schrift, für die 2016 eine überarbeitete Fassung erschienen ist. Seit einem Jahr wird diese neue Version schrittweise auch in den liturgischen Büchern für den offiziellen Gebrauch verpflichtend eingeführt. Gelegentlich hört man die Version, „Einheitsübersetzung“ habe irgendetwas mit ökumenisch zu tun. Das stimmt aber nur sehr begrenzt. Zwar arbeiten auch protestantische Theologen an der als ständige Aufgabe konzipierten Übersetzungsarbeit mit, und von untergeordneter Stelle im Bereich der EKD war in den 70er Jahren auch angedeutet worden, es könne eine überkonfessionell einheitliche Übersetzung geben. Daraus ist nichts geworden, die Protestanten bleiben bei der gelegentlich modernisierten Übersetzung Luthers und haben sich inzwischen von jeder offiziellen Zusammenarbeit mit dem Projekt verabschiedet – nicht zuletzt deshalb, weil die katholische Seite inzwischen das philologische Konstrukt einer „Nova Vulgata“ zur Grundlage jeder offiziellen Übersetzung erhoben hatte.

Seitdem bedeutet das „Einheits“ nur noch, daß der Wortlaut der „EÜ“ verbindlich für die Verwendung in den offiziellen liturgischen Büchern des deutschen Sprachraumes ist. Und da die revidierte Einheitsübersetzung von 2016 zahllose, wenn auch oft unbedeutende, Änderungen des deutschen Wortlauts erbracht hat, müssen jetzt sämtliche liturgischen Bücher durch Neuausgaben ersetzt werden. Das betrifft ausnahmslos die Lektionare, Messbücher, Benediktionale und das Stundenbuch und davon abgeleitet natürlich auch Zusammenstellungen wie das Kantorale und die Bücher für die Feier der Kindertaufe, der Firmung, der Trauung und der Begräbnisfeier, die an die Stelle des früheren Rituale getreten sind. Die Verwendung der Neuausgaben ist hier verpflichtend vorgeschrieben – da kommt also auf die Pfarreien und Gottesdienstorte eine beträchtliche finanzielle Belastung zu.

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FIUV zum Recht auf Mundkommunion

Bild: NetzfundWährend viele Bischöfe bei schwersten liturgischen Mißbräuchen und sakrilegischen Entstellungen der Sakramente gerne in die andere Richtung schauen, haben sich einige von ihnen – oft sind es wohl die gleichen – die Einschränkungen der Corona-Krise zu Nutze gemacht, um einem ihrer liebsten Hobbies nachzugehen: Den Gläubigen, die an der überlieferten Lehre und Liturgie der Kirche festhalten – das Leben schwer zu machen. Werkzeug der Wahl war dabei insbesondere das „Verbot“ der Mundkommunion, die angeblich – es gibt keine epidemiologische Untersuchungen und auch keinerlei auch nur halbwegs plausibel klingende Argumente – die Übertragung von Infektionskrankheiten stärker begünstigen soll als die Handkommunion. Diese war bekanntlich in den 60er Jahren von Kirchenverderbern auf dem Weg des praktizierten Ungehorsams durchgesetzt worden, ohne daß es dafür einen Auftrag des Konzils oder der Liturgiereform gegeben hätte.

Tatsächlich beruht die Möglichkeit der Mundkommunion kirchenrechtlich bis heute auf den Papst Paul VI. abgetrotzten Ausnahmegenehmigungen („Indulten“), während die Mundkommunion nach wie vor die offizielle und quasi „ordentliche“ Form des Empfanges der Eucharistie darstellt. Bischöfe, die für ihren Machtbereich die Spendung der Mundkommunion „verboten“ haben, handeln damit über ihre rechtlichen Möglichkeiten hinaus und begehen selbst einen schweren Rechtsbruch sowohl gegenüber den Gläubigen, denen sie ein ihnen zustehendes Recht vorenthalten, als auch gegenüber Kirche und Papst, deren Gesetze sie mißachten.

Dieser Rechtsbruch erscheint zunächst folgenlos, da es in den letzten Jahrzehnten in Staat und Gesellschaft geradezu üblich geworden ist, über geltendes Recht hinwegzugehen - soweit die eigenen Interessen das erfordern und die eigene Macht das ermöglicht. Die Bischöfe haben zwar im Zug dieser Entwicklung tatsächlich auf vielen Gebieten starke Machtverluste erlitten, aber ihre Fähigkeit und Bereitschaft, ihnen unbequeme Priester zu schikanieren und ihnen das Leben schwer zu machen, sind nach wie vor groß. Da herrschen vielfach noch Verhältnisse wie zu Fürstbischofs Zeiten – der angeblich so energisch geführte „Kampf gegen den Klerikalismus“ bildet nur eine Nebelwand, hinter der Ordinariate, Hochschullehrer und Laienräte um eine Neuverteilung der Macht in einem Kartell kämpfen, das sich selbst jeder Kontrolle entzieht. 

Hinsichtlich gegen die Tradition gerichteter Maßnahmen sind sich die Angehörigen dieses Kartelles ohnehin weitgehend einig. So konnten die Bischöfe ihr Verbot denn auch in großem Umfang durchsetzen, ohne Ordnungsrufe fürchten zu müssen – folgenlos bleibt der damit einhergehende Rechtsbruch dennoch nicht: Bischöfe, die sich so eklatant über das geltende Recht hinwegsetzen, und eine römische Kurie, die das stillschweigend hinnimmt, verletzen das Vertrauensverhältnis zu den Gläubigen und zerstören ihre eigene Autorität. Jeder, der glaubt, damit durchzukommen, nimmt das Recht in die eigenen Hände und tut, was ihm gefällt. Gekniffen sind dann wieder einmal die eher der Tradition zuneigenden Priester und Gemeinschaften, denen das Kirchenrecht noch etwas bedeutet und die schon allein aus Sorge für ihre Gemeinden bestrebt sind, Auseinandersetzungen, die sie nicht gewinnen können, zu vermeiden. Was andererseits Bischöfe nicht daran hindert, auch in einer Situation, in der die Epidemie offenbar abklingt und Massenveranstaltungen mit Zehntausenden Teilnehmern auf engstem Raum von der staatlichen Autorität geduldet werden, das Thema zur Unterstützung ihrer traditionsfeindlichen Ansichten auszunutzen, wie gerade jetzt erst wieder aus den USA berichtet wird.

Die Foederatio Internationalis Una Voce hat zu der Frage des Kommunionempfangs  ein Papier herausgegeben, in dem die gültige Rechtslage  ausführlich dargelegt wird und die dafür maßgeblichen Quellen per Link zugänglich gemacht werden. Die englische Originalfassung wurde am 8. 6.  bei Rorate Cæli veröffentlicht, die deutsche Übersetzung steht bei Pro Missa Tridentina.

Die „Doit yourself-Messe“

Bild: Von der Website des PfarreiverbundesRechtzeitig zu Beginn der Woche, in der die Kirche das eucharistische Hochfest Fronleichnam feiert, informiert kath.net über einen eucharistischen Skandal im Bistum Würzburg (verantwortlich: Franz Jung) , der in Zeiten, in denen die Kirche noch wußte und wollte, was ihre Lehre ist, zu strengen Maßnahmen gegen sämtliche Beteiligte geführt hätte: Von der Suspension der Pfarrer und des Bischofs bis zur Verhängung des Interdikts über die beteiligten Gemeinden.

Wie kath.net dokumentiert, hat die Pfarreiengemeinschaft Effata eine Textvorlage für die Feier von Hausgottesdiensten offensichtlich ohne Beteiligung eines Priesters herausgegeben, die in Text und Aktion auf eine Meßsimulation einschließlich Wandlung mit anschließender Kommunion zuläuft. Als Höhepunkt:

Worte: Bitte nehmen Sie das Brot in die Hand und sprechen, wobei Sie wieder ein Kreuz über das Brot zeichnen:

Wir nehmen und essen das Brot: Es ist für uns Jesu Leib, + der für uns hingegeben wurde. Wir tun es zu seinem Gedächtnis.

Communio: Essen Sie nun das gesegnete und gewandelte Brot im Gedenken an Jesus und der Gewissheit all seiner Verbundenheit in Liebe zu uns. 

Worte: Bitte nehmen Sie den Schluck Wein in die Hand und sprechen, wobei Sie ein Kreuz über den Wein zeichnen: 

Wir nehmen und trinken den Wein: Er ist für uns Jesu Blut, + der Neue Bund in seinem Blut, das für uns vergossen wurde zur Vergebung der Sünden. 

Communio: Trinken Sie den gesegneten und gewandelten Wein im Gedenken an Jesus und der Gewissheit all seiner Verbundenheit in Liebe zu uns.

Nun mag man sich unter Aufbietung eines Höchstmaßes von gutem Willen einen Hausgottesdienst vorstellen, der in eine Art Agape mit Brot und Wein mündet – die moderne Pastoral hat nun mal einen unstillbaren Hang zu Kitsch und Kindergarten. Doch diese Ausflucht bleibt den Verantwortlichen für das hier gegebene Formular einer Meßsimulation verwehrt: Der Wortlaut assoziiert mit klarer Absicht den der Wandlungsworte, und der Kommentar behauptet eindeutig „gewandelt“.

Das ist gelogen, weil hier nichts gewandelt ist; das ist blasphemisch, weil es den vom Priester gewandelten Herrenleib nicht von gewöhnlicher Speise unterscheidet; das ist diabolisch, weil es Verwirrung und Leugnung von zwei Sakramenten enthält, die für das Leben der Kirche von zentraler Bedeutung sind.

Die Kollegen von kath.net haben sich mit einer Presseanfrage an das Bistum gewandt und vom Pressesprecher die Antwort bekommen: „Erstens: Die Diözese Würzburg geht verantwortungsvoll mit den liturgischen Vorgaben um. Zweitens: Die Diözese Würzburg klärt das Thema mit dem zuständigen Pfarrer im direkten Kontakt.“

Das erste kann man nicht nur nach diesem Vorfall bezweifeln; das zweite signalisiert den bürokratischen Geist eines gewerkschaftlich durchstrukturierten Unternehmens, das längst vergessen hat, was und wozu es produziert – solange der Umsatz stimmt. Allzu dringend scheint die Klärung des Themas im direkten Kontakt übrigens nicht zu verlaufen – am Montagnachmittag war das jeglichem Geist und Gesetz der Kirche widersprechende Formular der Do-it-yourself-Messe immer noch onlne.

Die Organisation, die einst die katholische Kirche Deutschlands war und nun auf dem synodalen Weg umherirrt, erntet die Früchte jahrzehntelangen Negativauslese für die Besetzung der Positionen ihres administrativen und universitären Leitungsapparates. Und sie erntet die faulen Früchte einer Liturgiereform, die sich immer mehr als von Anfang an verfehlt erweist. So muß man wohl heute schon sagen – das ist weder katholisch, noch Kirche. Nur noch do it yourself

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