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Novissimus Ordo

Auf Befehl des Papstes hat die Gottesdienstkongregation heute eine Neuordnung der Rubriken im Missale von 1970 vorgenommen, nach der in Zukunft für die Zeremonie der Fußwaschung am Gründonnerstag „12 Personen aus dem Volk Gottes“ ausgewählt werden sollen. Die nach der Tradition der Kirche gültige Einschränkung auf Männer - sie war im engen Zusammenhang der Donnerstagsliturgie mit der Einsetzung des Sakraments der Priesterweihe begründet - wird damit aufgehoben. Die heute verfügte Neuformulierung der Rubrik spricht ausdrücklich davon, daß die Neuregelung es den Gemeindeverantwortlichen ermöglichen soll, für die Fußwaschung „eine Gruppe von Gläubigen zusammenzustellen, die die Vielfalt und Einheit aller Teile des Volkes Gottes repräsentiert". Die Formel lässt in der pastoralen Praxis genügend Raum für die Konstruktion und Einbeziehung weiterer Geschlechter. Sie ist hervorragend geeignet, sich weiteren aus der gesellschaftlichen Lebenswelt herangetragenen Forderungen anzupassen und dürfte damit auf absehbare Zeit zukunftssicher sein. 

Da der Erlass sich auf die Bücher des Novus Ordo bezieht, ist er für die Feier des Gründonnerstags nach der überlieferten Liturgie nicht relevant und soll hier nicht weiter kommentiert werden.

Wir basteln uns eine Liturgie

In seiner lockeren Folge von Artikeln über besonders krasse Fehlleistungen der liturgisch-theologischen Assistenten, denen die Kirche den Novus Ordo verdankt, lenkt Fr. Hunwicke heute den Blick auf das Gebet der römischen Kirche zur Weihe eines Bischofs. Den theologischen Ursprung dieser Weihepräfation in der überlieferten Form verortet er im zweiten Brief des hl. Clemens an die Korinther – einem Brief, der zwar nicht in den Kanon des neuen Testaments aufgenommen wurde, der aber zu einer Zeit entstanden sein dürfte, als der Tempel in Jerusalem noch nicht zerstört war.

Dieser Brief entwickelt die Vorstellung vom Priestertum der Kirche Christi in strenger Parallelität zum aaronitischen Hohen Priestertum des Tempels – und dieser Zug war beherrschendes Element der Weiheliturgie bis nach dem 2. Vatikanum. Fr. Hunwicke hat für diese Parallelität und das Fehlen von neutestamentlichen Schriftverweisen eine bemerkenswerte Erklärung zu bieten: Theologie und Weihegebet des Bischofsamtes „gehen im wesentlichen in diese ganz frühe Periode zurück, als der Kanon des Neuen Testament noch nicht festgeschrieben war und das Neue Testament noch nicht normativ für die Einfärbung der Lehraussagen und Gebetstexte der Kirche war“.

Für einen Liturgieingenieur wie Dom Bernard Botte war derlei natürlich völlig unerträglich. Sein Verdikt lautete: „Die literarische Form dieses Abschnitts kann den mangelhaften Gehalt nicht ausgleichen. Die Typologie betont alleine die kultische Rolle des Bischofs und lässt sein apostolisches Amt völlig außer Betracht.“ Also musste etwas besseres her, und fündig wurden die Reformatoren wie es der Zufall so wollte bei einem Text, den Botte geradfe „kritisch herausgegeben“ hatte: bei einem Weihegebet aus der aus dem frühen 3. Jh. stammenden Traditio Apostolica , die dem römischen Bischof, Gegenpapst und Martyrer Hippolytus zugeschrieben wurde. Wozu Hunwicke anmerkt: „Ein halbes Jahrhundert später ist die Wissenschaft sich darüber einig, daß dieser Text weder die Traditio Apostolica darstellt noch von Hippolytus ist und auch nichts mit Rom zu tun hat.“ Er stammt eher aus monophysitischen und nestorianischen Traditionen des Orients.

Bedenken in dieser Richtung gab es auch schon zur Zeit der Konstruktion des Novus Ordo, und selbst Botte scheint davon nicht frei gewesen zu sein. Doch er verfügte auch über ein Gegenmittel, mit dem sämtliche inhaltlichen Bedenken zu zerstreuen waren. „Die Grundideen der Traditio Apostolica sind überall auffindbar. Den alten Text im römischen Ritus wieder zu verwenden würde die Einheit zwischen Ost und West in Hinblick auf das Bischofsamt bestärken.“

Das Argument zog, und so konnte sich ein Text durchaus zweifelhafter orientalischer Herkunft gegenüber der authentischen römischen Tradition durchsetzen. Fr. Hunwicke kommentiert es mit Sarkasmus: „In der Atmosphäre der 60er konnte man mit jeder Spitzbüberei und jedem Betrug durchkommen, wenn man nur das Mantra ,Ökumenisch' intonierte“. Hier finden Sie den ganzen mit noch mehr Sarkasmen gewürzten Text auf Fr. Hunwicke's Mutual Enrichment.

Liturgiemacher in Aktion

In Rom werden heute vier Heilige offiziell und amtlich zur Ehre der Altäre erhoben. Das ist ein Grund zur Freude. Es sind gleich vier Ordensfrauen: Giovanna Emilia de Villeneuve, Gründerin der Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis; Maria Christina von der Unbefleckten Empfängnis, Gründerin der Kongregation der Schwestern vom Sühneopfer Jesu im Sakrament; Maria Alfonsina Ghattas, Gründerin der Kongregation der Schwestern vom Rosenkranz zu Jerusalem und Maria Baouardy vom gekreuzigten Jesus , Nonne bei den beschuhten Karmeliterinnen.

Allein die Aufzählung der Namen und Gemeinschaften klingt wie ein Text aus einem frommen Buch der Zeit, in der diese frommen Frauen wirkten: der zweiten Hälfte des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. 'Vorkonziliarer' geht es nicht.

Weniger Grund zur Freude ist die Tatsache, daß ausweislich des dieser Tage veröffentlichten 'Librettos' der Ritus der Zeremonie  - er war erst im letzten Jahr grunderneuert worden  - wiederum verändert worden ist. Unter anderem betreffen die Änderungen die Litanei zu allen Heiligen, die 2014 stark gekürzt und jetzt wieder etwas erweitert worden ist. Als besonders irritierend wurde dabei dabei der Umstand wahrgenommen, daß die traditionelle Antrufung am Anfang: „Gott Vater im Himmel - Gott Sohn Erlöser der Welt - Gott Heiliger Geist“ dieses Mal entfällt. Statt dessen gibt es eine dreifache Anrufung der Gottesmutter und der drei Propheten Abraham, Moses und Elias, von denen sonst nur die beiden ersten genannt werden und die in der klassischen Form.

Es ist verfehlt, solche Veränderungen mit weitreichenden theologischen Spekulationen  zu verbinden. Der Ritus der Heiligsprechung im Allgemeinen und die dazu verwandte Litanei zu allen Heiligen sind seit Jahren eine Spielwiese von Liturgieverbesserern - Rorate Cæli hat genau hingeschaut und dabei festgestellt, daß es seit 2010 in jedem Jahr mehr oder weniger eingreifende Veränderunge oder auch Zurücknahmen vorhergehender Änderungen gegeben hat. Das ist offenbar wenig mehr als ein Tätigkeitsnachweis für unterbeschäftigte Kuriale.

Warum kann man nicht wenigstens für Einleitung und Schluss der Litanei bei der Grundform bleiben, die die vier frommen Frauen während ihres ganzen Lebens unzählige Male gesungen haben?

Das genannte 'Libretto' enthält nicht nur die hier verkleinert zusammenmontierten Bilder, sondern auch kurze Biogrphien der 'neuen Heiligen'.

Soziotheologischer Neudenk

Der vierte Sonntag nach Ostern gibt durchaus unwillkommenen Anlass für den Hinweis, daß die Reformer des Novus Ordo sich keinesfalls auf eher äußerliche Maßnahmen wie die Neunummerierung der Sonntage nach Ostern beschränkt haben. Ganz und gar nicht. Kein einziges der Tagesgebete, mit denen die Kirche je nach Region mehr als tausend Jahre lang, überall jedoch seit dem 16. Jahrhundert, die Messliturgie gefeiert hat, fand Gnade vor den Augen der strengen Zensoren. Betrachtet man die Tagesorationen des heutigen Sonntags vor und nach der Reform, wird besonders leicht verständlich, warum das so ist. In der neuen Form heißt es:

Gott unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe.

Daran ist nichts falsch - aber auch wenig Richtung gebendes. Davon sogar noch weniger als in dem Kindergebet „Ich bin klein, mein Herz ist rein“, das immerhin weitergeht mit „soll niemand drin wohnen als du mein liebes Jesulein“.

Da hatte die tausendjährige Form der überlieferten Liturgie ein, und der militärische Ausdruck ist durchaus angebracht, ganz anderes Kaliber:

O Gott,
Du machst die Herzen der Gläubigen eines Sinnes;
so laß Dein Volk das lieben, was Du befiehlst,
das ersehnen, was Du versprichst,
auf daß unsere Herzen inmitten des Wechsels der irdischen Dinge
dort verankert seien, wo die wahren Freuden sind.

Aber zugegeben: Wo so gebetet würde, könnte eine Diskussion über die „Lebenswirklichkeit der Menschen als Quelle der Offenbarung“ gar nicht erst aufkommen. Insofern ist den Kompilatoren des neuen Missales ein gewisser prophetischer Blick nicht abzusprechen.

Zur Sache selbst, die durch das Nicht-Dementi von Bischof Bode kein bißchen besser geworden ist: Die Kirche hat in der Tat die Lebenswirklichkeit der Heiligen stets als Hilfe zum Verständnis der Offenbarung betrachtet - von der „Lebenswirklichkeit der Menschen“ und ähnlichem soziotheologischen Neudenk war dabei nie die Rede.


Nachtrag: Der Denzinger-Katholik macht darauf aufmerksam, daß die am 4. Sonntag nach Ostern gestrichene Oration an einem - möglicherweise für weniger prominent gehaltenen - Sonntag „im Jahreskreis“ wieder auftaucht. Das macht die Willkür, mit der die Bugnini-Kommission arbeitete, nur noch deutlicher, und nimmt wie auch der Denzinger-Katholik unterstreicht, den hier angestellten Überlegungen nichts von ihrer Plausibilität.

Vom Guten Hirten

Heute ist der dritte Sonntag nach Ostern, an dem die Kirche im Evangelium zum ersten Mal darauf hinweist, daß der Erlöser „nur noch eine kleine Weile“ als Der Auferstandene unter den Seinen weilen wird. In der neuen Ordnung wird daraus der „4. Sonntag in der Osterzeit“, und das Evangelium macht den Guten Hirten zum Thema, der in der überlieferten Liturgie am zweiten Sonntag nach Ostern (also letzte Woche) seinen Platz hatte. Die Klempner der Bugnini-Werkstatt haben wirklich nichts ausgelassen, um zu demonstrieren, daß sie sich als Meister und nicht als Schüler der hl. Liturgie sehen. Von wegen „Es soll nichts verändert werden, dessen Nutzen für die Gläubigen nicht klar erwiesen ist.“

Diese Willkür im Formalen ist nicht ohne Auswirkungen auf den Inhalt geblieben. Schmerzhaft deutlich wird das beim Blick auf die Einleitungen zum „4. Sonntag in der Osterzeit“, die die Beuroner Verfasser des Schott diesem Tag für die verschiedenen „Lesejahre“ vorausgestellt haben. Hier zitiert nach der Ausgabe von 1975 ohne Überprüfung auf möglichweise inzwischen erfolgte weitere Änderungen.

Im Lesejahr A präsentieren uns die frommen Mönche einen veritablen Aufruf zur Revolution:

Wir sind mündige Christen. Wir wollen ernst genommen werden. Wir stellen die Autorität in Frage... Wir sind getauft, wir haben den Geist empfangen.“ Es folgt eine wohl unvermeidliche, aber durch geschickten Einbau des „Wir“ doch bestenfalls halbherzige Relativierung: „Einer ist für uns gestorben: der gute Hirt. Und er lebt. Wo wir seine Stimme hören, horchen wir auf. Wenn er uns vorausgeht, gehen wir sicher.“

Wo WIR hören.

Im zweiten Lesejahr setzen sie dann noch eins drauf: Dem Lobpreis des heroischen Menschen folgt der Hinweis, das wohl auch Jesus ein solcher gewesen sei und dann eher unklar: „Er hat mehr für uns getan als ein Hirt für seine Herde tun kann.“

Was das auch immer bedeuten möge - das Dementi folgt im Lesejahr C auf dem Fuß:

Es gibt in der Kirche Hirten und Oberhirten, aber von Herde und Schafpferch reden wir nicht so gern. Keiner will ein Schaf sein. Das wird auch nicht verlangt. In heutiger Sprache würde Jesus vielleicht sagen: ,Ich bin der gute Kamerad, ich setze mein Leben ein für meine Kameraden'.“

Halten wir uns also besser an das Tagesgebet, das im lateinischen Ritus seit vielen Jahrhunderten am heutigen 3. Sonntag nach Ostern gebetet wird:

Gott, Du lässest den Irrenden das Licht Deiner Wahrheit leuchten, damit sie auf den Weg der Gerfechtigkeit zurückkehren können; gib, daß alle, die dem christlichen Bekenntnisse angehören, das verabscheuen, was diesem Namen widerstreitet, und das erstreben, was ihm entspricht.“

Zitiert nach dem Schott, Beuron 1953.

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