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Die Reform der Reform ist tot (3)

Im vierten und fünften Abschnitt seines Artikels zu den inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten einer Reform der Reform behandelt Joseph Shaw zwei populäre Vorschläge, die seitens der Anhänger einer Reform der Reform zur Lösung oder Milderung der Liturgiekrise vorgetragen werden: Den Novus Ordo auf Latein zu feiern oder die Erfüllung einer vermeintlich vom 2. Vatikanum auferlegten Reformverpflichtung durch die Messe nach dem Ordo von 1965.

Zum Thema des lateinischen NO  bezieht Shaw aufgrund der von ihm zuvor festgestellten tiefgreifenden Unterschiede zwischen den von beiden Liturgien vorausgesetzten Spiritualitäten eine ganz klare Position:

Der Novus Ordo auf Latein ist durchaus geeignet, die Gläubigen von der überlieferten Liturgie abzuschrecken.

Für einige Gläubige könne der lateinische NO durchaus eine Brücke zur überlieferten Liturgie und ihrem Umfassenderen Verständnis von Teilhabe am Gottesdienst sein - in der Mehrzahl werde er aber weder jenen, denen es um Verständlichkeit gehe, noch denen, die Sakralität suchen, wirklich genügen.

Zur Liturgie von 1965 weist der Autor nach, daß der damals mit Inter Oecumenici verfügte Ordo keinem sinnvollen Reformkonzept folgte, sondern lediglich darauf abzielte, eine ohne große rechtliche oder organisatorische Vorarbeiten durchsetzbare Interimslösung zu etablieren, mit der der längst eingeschlagene Weg zur Totalrevision unumkehrbar gemacht werden sollte.

Hier zum vierten und dem letzten Abschnitt des Artikels von Joseph Shaw.

Die Reform der Reform ist tot

Wie angekündigt, beginnen wir heute mit der Übersetzung des Artikels von Joseph Shaw zu den inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten einer Reform der Reform, die der misslungenen Liturgiereform von 1970 nachträglich noch eine für Kirche und Gläubige zuträgliche Form geben sollte. Im Unterschied zum Originalbeitrag, der an fünf Tagen in fünf aufeinander folgenden Blogeinträgen erschienen ist, wird Joseph Shaws Text hier zusammenhängend wiedergegeben. Die überleitenden Kurztexte zwischen den einzelnen Tagen entfallen - stattdessen haben wir Zwischenüberschriften eingefügt.

Als erste Lieferung bringen wir heute die beiden ersten Abschnitte des Artikels. Der erste enthält eine Einschätzung der praktischen Probleme, die einer Verwirklichung der Reform der Reform entgegenstehen - und zwar nicht, weil es den Beteiligten an gutem Willen fehlte, sondern weil die beiden Formen der Liturgie ein unterschiedliches und teilweise gegensätzliches Ethos und widerstreitende Begründungszusammenhänge haben. Im zweiten Abschnitt identifiziert Shaw als Erbe der liturgischen Bewegung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eines der Hauptdezifite der Reform und ihrer Träger: Es ist deren Unvermögen, nonverbale Kommunikation als eines der wesentlichen Elemente der überlieferten Liturgie und des rituellen Handelns überhaupt zu erkennen und ernstzunehmen. Mangelnde Sakralität ist daher keine auf Missbräuche zurückführbare Begleiterscheinung des Novus Ordo, sondern deren fest eingebaues Designelement.

Für die Illustration verwenden wir Photos aus den Beiträgen auf dem Blog Joseph Shaws.

Zum Text von Joseph Shaw

Die Reform der Reform ist tot (2)

Im dritten Abschnitt seines Artikels zu den inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten einer Reform der Reform beschäftigt sich Joseph Shaw mit den unterschiedlichen Begriffen vom betenden Menschen, die der überlieferten Liturgie und dem Reformprodukt der 70er Jahre zugrunde liegen. Wo die gewachsene Liturgie sich den Teilnehmern als Ganzheit präsentierte, die alle Sinne und Wahrnehmungsweisen anspricht und so eine umfassende Einbeziehung und Teilnahme bewirkt, reduziert die moderne Form die Ansprache auf die verbale Ebene und das intellektuelle Verständnis von Texten. Sie hat die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diskutierten Frage: „Ist der moderne Mensch noch liturgiefähig?“ offenbar mit einem eindeutigen „Nein“ beantwortet und sich konsequenterweise von fast allen Elementen verabschiedet, die in der Vergangenheit nicht nur des Christentums als tragende Bestandteile jeden Kultes angesehen worden sind.

Das ist von enormer praktischer Relevanz, weil es Kompromiss- und Mischformen, wie sie vielfach zur Überwindung der liturgischen Spaltung ins Auge gefasst werden, praktisch ausschließt:

Wenn man dem Novus Ordo seine wörtliche Verständlichkeit nimmt oder dem Vetus Ordo das Lateinische und die Stille, entsteht daraus nicht die ideale Liturgie. Man gerät in die große Gefahr, etwas hervorzubringen, das weder Fisch noch Fleisch ist und das auf keiner der verschiedenen Kommunikationsebenen funktioniert.

Hier zum dritten Abschnitt des Artikels von Joseph Shaw.

Der Stand der Dinge

Jack o' lantern - Bild WikimediaIn diesen Tagen bereiten in vielen Pfarreien wieder Pastoralreferenten und Pfarrhelferinnen die Halloween-Fete vor, die am Ende des Monats im Pfarrheim Herz-Jesu oder wie auch immer unsere gläubigen Vorfahren das nannten stattfinden soll.

Ein passendes Bild für den Stand der Dinge rund um die Kirche in den „Ländern deutscher Zunge“, wie es manchmal so schön heißt. Dieser Stand wird gegenwärtig gekennzeichnet durch ein Superthema und einen Superstar, vor dem die Verhandlungen über eine neue Regierungskoalition, Dollarkrise und Flüchtlingselend gleichermaßen verblassen: Deutschland jagt den Skandalbischof.

Verblasst ist davor auch ein Detail von der letzten Herbsttagung der deutschen Bischofskonferenz, nämlich die Beerdigung dritter Klasse für die seit einem Jahrzehnt vorbereitete Neuübersetzung des deutschen Messbuchs, die nach einer Entscheidung von Papst Benedikt auch die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte enthalten sollte. Im April 2012 hatten wir geschrieben, der Streit um das „pro multis“ sei nun beendet. Das war voreilig: Der Streit um modernistische Neuerungen ist immer erst dann beendet, wenn die Kirchenverderber sich durchgesetzt haben. Voller Genugtuung kann Christ in der Gegenwart-Redakteur Stephan U. Neumann in der Oktober-Ausgabe des Blattes feststellen, daß sich das Warten auf den neuen Papst gelohnt hat: Schon seit längerem hätte man sich in Österreich

...für eine ‚Entschleunigung‘ aus(gesprochen), um die ungeliebte Übersetzung gemäß der Richtlinien von „Liturgiam authenticam“ auf die lange Bank zu schieben und um kirchenpolitisch auf Zeiten zu hoffen, die eine sprachlich bessere Übersetzung in der Volkssprache zulassen. Auf diesen Kurs sind nun wohl auch die deutschen Bischöfe eingeschwenkt.“ Und weiter: Der Kommission Ecclesia celebrans dürfte damit ihr einziger Auftrag entzogen sein. Offiziell aufgelöst ist sie damit noch nicht, weil sie von der vatikanischen Gottesdienst-Kongregation eingesetzt worden war. Es ist jedoch fraglich, wie weit deren Weisungsautorität noch reicht.“

Ach ja, römische Weisungsautorität“ - womit wir uns wieder dem Skandalbischof Tebartz van Elst“ nähern. Der Fall Wagner hat gezeigt, daß „in den Ländern deutscher Zunge“ niemand gegen den von der Progressistenfronde konzertierten Widerstand der Medien Bischof werden kann. Der nun auf die Entscheidung zutreibende Fall Tebartz demonstriert nach Haas und Mixa ein weiteres Mal, daß auch niemand gegen den von eben dieser Fronde instrumentalisierten Chor der Medienmeute Bischof bleiben kann. Die höchste Autorität“ übersiedelt in die Redaktionen. Nun kann man nur noch darauf warten, in welcher Form Rom das von dieser höchsten Autorität längst gefällte Urteil exekutieren wird.

Soweit es um die Vermeidung überflüssiger Kosten geht, könnte man sich da schon eine Variante vorstellen. In den finsteren Zeiten vor DEM Konzil besuchten in Deutschland allsonntäglich etwa 12 Millionen Katholiken die hl. Messe - heute sind es weniger als 3 Millionen (Quelle). Die Zahl der Mitarbeiter in den kirchlichen Verwaltungen im Allgemeinen und in den Ordinariaten insbesondere ist demgegenüber sprunghaft angestiegen - in mancher Diözesanverwaltung gibt es heute mehr Dezernate und Abteilungen, als 1960 Mitarbeiter. Wie passt das zusammen? Braucht das Diözesane Zentrum auf dem Limburger Domberg wirklich einen neuen Bewohner, der dann wieder für teures Geld das Badezimmer umbauen lassen müsste? Braucht Limburg überhaupt einen Bischof - der nach Lage der Dinge doch nur einer von des Zeitgeists und der Hauptamtlichen-Kamarilla Gnaden sein könnte? Wieviele Bistümer braucht das erfolgreich entchristlichte Land?

Was sonst noch wichtig ist

Erzbischof Pozzo legt einem der Kandidaten die Hände auf.Manchmal haben wir tagelang wenig zu berichten - und dann überstürzen sich die meldenswerten Ereignisse. Also fassen wir zusammen:

Priesterweihe in SS. Trinità dei Pellegrini

Wie angekündigt, hat Erzbischof Pozzo am vergangenen Samstag in der römischen Pfarrkirche der Petrusbruderschaft 3 Männern die Priesterweihe nach dem überlieferten Ritus gespendet – einem italienischen Mitglied der Bruderschaft und zwei Mitgliedern der Söhne des Allerheiligsten Erlösers, aka Transalpinen Redemptoristen. Das waren die ersten Weihen, die Mitglieder dieser Gemeinschaft nach ihrer Rückkehr in die volle Einheit mit dem Papst empfangen konnten. Die Website der Transalpinen Redemptoristen hat einen ausführlichen Bildbericht.

Überlieferte und reformierte Liturgie in der Praxis

Die Gestaltung des Verhältnisses der beiden Formen der Liturgie des römischen Ritus bewegt alle, denen die Reform der Reform, die Wiederannäherung der liturgischen Praxis der Kirche an ihre historischen und spirituellen Wurzeln, am Herzen liegt. Die damit angesprochenen Fragen stellen sich ja nicht nur in nachgerade dramatischer Form in einer programmatisch birituellen Pfarrei wie All Saints in Minneapolis. Sie treten in der einen oder anderen Form überall da auf, wo Gläubige nicht ausschließlich an der Liturgie in der überlieferten Form teilnehmen können (oder wollen) bzw. wo sie erst noch darum ringen müssen, überhaupt Zugang zur überlieferten Form zu erhalten.

Anhand eines für sich gesehen nicht besonders ergiebigen Beitrags auf Fr. Zuhlsdorfs WDTPRS hat sich nun eine Diskussion entwickelt, in deren Rahmen die hier auftretenden Probleme in beispielhafter Fülle und – besonders wichtig – unter überwiegend praktischen Gesichtspunkten angesprochen werden. Sehr lesens- und bedenkenswert. Also nicht nur oder erst in zweiter Linie der Ausgangsartikel, sondern insbesondere die folgenden Leserzuschriften.

Die Entmännlichung der Liturgie in der neuen Form

Unter diesem Titel behandelt auf Rorate Cæli der Diözesanpriester Richard G. Cipolla die bemerkenswerte Entwicklung, die aus dem hl. Messopfer der streitenden Kirche weithin eine Wohlfühlveranstaltung mit Anklängen an Kindergartenpädagogik gemacht hat. Er schreibt ausdrücklich nicht: „Verweiblichung“ - denn seit wann hätten Katholiken etwas gegen das Prinzip der Weiblichkeit. Aber er zeichnet nach, daß und wie sehr die reformierte Liturgie von einem Zeitgeist geprägt ist, der alles Männliche ablehnt und durch verabsolutierte und verzerrte Formen einer neu definierten Weiblichkeit zu ersetzen versucht.

Als Ausgangspunkt nimmt Cipolla dabei das bekannte Diktum des britischen Kardinals Heenan, der 1967 nach der „Vorführungszelebration“ der „missa normativa“, die später zur neuen Messe Pauls VI. wurde, gesagt hatte: "Bei uns zu Hause besuchen nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch Familienväter und junge Männer regelmäßig die hl. Messe. Wenn wir ihnen so etwas anbieten wie das, was wir gestern gesehen haben, bleiben uns bald nur noch die Frauen und Kinder."

Trotz einiger möglicherweise etwas überspitzten Gedankenführungen eine höchst empfehlenswerte Lektüre.

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