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Aus dem Martyrologium zum 18.4.

Bild: Toni Castillo Quero/WikimediaDie Heiligenliste des Martyrologium Romanum für den 18. März liest sich – wieder einmal – wie ein Kommentar zur aktuellen Wirrnis in der Kirche. An erster Stelle stehen die Gründer des Servitenordens, die im 13. Jahrhundert eine Eremitage auf dem Monte Senario bei Florenz errichteten und ihr Leben der frommen Betrachtung des Lebens Mariae widmeten. Später wurde der daraus entstandene Mönchsorden auch in der Heidenmission aktiv. Heute ist er aus Deutschland ganz verschwunden, es gibt noch einige Niederlassungen in Österreich, die sich unter anderem einen Namen in der Umwelterziehung gemacht haben.

An zweiter Stelle folgen eine Reihe von Märtyrern der Verfolgungen in der römischen Kaiserzeit, wie sie an buchstäblich jedem Tag genannt werden. Das spannungsvolle Verhältnis zur weltlichen Gewalt und ihrer Ideologie, das oft zu blutigen Verfolgungen führte, gehört seit jeher „zur DNA“ des Christentum, wie man heute sagen könnte.

Alsdann der im 9. Jahrhundert lebende hispanische Priester Perfectus, der auch nach der Errichtung des islamischen Emirats in Cordoba fest zu seinem Glauben stand und daher von den überaus toleranten und friedliebenden Invasoren um 850 öffentlich geköpft wurde.

Und schließlich der im überaus unruhigen 12. Jahrhundert als Erzbischof von Mailand amtierende Galdino della Sala, der als Kardinal treu zum exilierten Papst Alexander III. stand und schließlich, wie das Martyrologium schreibt: „vom ständigen Einschreiten gegen die Irrlehrer erschöpft“ gestorben ist.

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Die Kathedrale von Cordoba wurde im 16. Jahrhundert nach der Rückgewinnung Spaniens im Zentrum der von den Emiren von Cordoba - nach Abriß einer dort bereits seit Jahrhunderten stehenden Kirche - errichteten „Freitagsmoschee“ erbaut. In den letzten Jahren verlangen neu nach Spanien endringende Moslems lautstark die „Rückgabe“ oder zumindest „Neutralisierung“ des Bauwerks. Sie finden dabei immer öfter die Unterstützung kirchenfeindlicher Kräfte in Spanien und internationaler „Kulturorganisationen“. Diese Position wird auch in Deutschland von Kirchenfeinden propagiert.

Vidi Aquam

Bild: eigene AufnahmeNoch an vier Sonntagen wird zum Asperges vor dem sonntäglichen Hochamt die Antiphon Vidi aquam gesungen. Zumindest in den Gemeinden, die das sonntägliche Taufgedächtnis beibehalten haben und sich auch von der etwas schwierigen Melodie dieser Antiphon nicht abschrecken lassen.

„Vidi aquam egredientem de templo, a latere dextro, alleluja:
et omnes ad quos pervenit aqua ista, salvi facti sunt,
et dicent: alleluja, alleluja.“
„Ich sah Wasser fließen aus der rechten Seite des Tempels, Halleluja,
und alle, zu denen es kam, wurden heil,
und sie werden sagen: Halleluja, Halleluja.“

Die heilende und rettende Wirkung des Wassers, jeden Wassers, gehört im alten Orient und seinen weiten Wüstenregionen zu den ältesten Bildern für Leben und Erlösung. Es wird auch im Alten Testament und da besonders in den Psalmen immer wieder verwandt. Unmittelbar bezieht sich die Antiphon der römischen Liturgie auf die Tempelvision des Propheten Ezechiel im Kapitel 47, in der es zunächst heißt: (Der Engel)

...führte mich hinaus durch das Tor gegen Mitternacht und brachte mich auf den äußeren Weg zum äußeren Tor gegen Morgen; und siehe das Wasser quoll reichlich hervor zur rechten Seite“. (Vers 2) und später heißt es dann „Alles, was lebt und kriecht, bleibt bei Leben, wo immer der Strom hinkommt, und sehr viele Fische wird‘s geben, wenn dies Wasser dahin gekommen; alles, wohin der Strom kommt, wird heil und lebt.(...)Am Ufer des Stromes werden auf beiden Seiten allerlei fruchtbare Bäume wachsen; kein Blatt wird davon abfallen, und nimmer wird es ihnen an Früchten mangeln; alle Monate werden sie neue Früchte bringen, denn ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum, ihre Frucht wird zur Speise dienen und ihre Blätter zur Arznei.“ (Vers 9,12)

Vom heilspenden Wasser ist auch im Neuen Testament immer wieder die Rede, insbesondere im Johannesevangelium, wo sich Jesus gegenüber der samaritanischen Frau selbst als die Quelle des lebendigen Wassers zu erkennen gibt:

Wenn du die Gabe Gottes erkenntest und wer der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken; so würdest Du ihn etwa gebeten haben, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. (…) Jeder, der von dem Wasser (dieses Brunnens) trinkt, dürstet wieder. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit.“ (Johannes 4; 10,13)

Das Bild Ezechiels wird besonders eindrucksvoll aufgegriffen im neutestamentlichen Buch der Offenbarung, wo der Engel dem Seher das Himmlische Jerusalem zeigt, in dem es keinen Tempel gibt, weil die ganze Stadt der Tempel ist, in dessen Mitte der Thron des Lammes steht:

Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, glänzend wie Kristall, der vom Throne Gottes und des Lammes hervorkam. In der Mitte ihres Platzes und von beiden Seiten des Stromes war der Baum des Lebens, der zwölf Früchte trägt, jeden Monat seine Frucht, und die Blätter des Baumes dienen zur Gesundheit der Völker. Und nichts verfluchtes wird mehr sein, sondern der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen. (22, 1-3).

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Für die Zitate aus der Heiligen Schrift haben wir auf die Allioli-Übersetzung des 19. Jahrhunders zurückgegriffen, nachdem uns die Einheitsübersetzung des Jahres 2016 für Ezechiel 47 folgendes zumuten wollte:

Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus und ließ mich außen herum zum äußeren Osttor gehen. Und siehe, das Wasser rieselte an der Südseite hervor.“

„Rieseln“ und „Südseite“ sind Verfälschungen des von der Vulgata (auch noch der Neo-Vulgata!) in Übereinstimmung mit der Septuaginta gebrachten Wortlautes, der eindeutig von „hervorströmen“ und „rechte Seite“ spricht. Das war die Prophezeiung: Der Strom der Gnade fließt aus der durchbohrten Rechten des Erlösers. Mag sein, daß die 500-800 Jahre nach der griechisch-jüdischen Septuaginta vielfach in Abgrenzung vom Christentum redigierte masoretisch-hebräische Fassung des AT die Wiedergabe „rieseln“ und „Südseite“ nahelegt. Diese Version in einer katholischen Bibelübersetzung aufzugreifen, kann nur als Ausdruck des Willens zur Verfälschung der biblischen Grundlagen des christlichen Glaubens verstanden werden.

Form und Inhalt

Bild: Website Goldschmiede BalesDie zunehmende Polarisierung unter den Katholiken führt zumindest in den USA dazu, den oft als „Debatte um Äußerlichkeiten“ mißverstandenen liturgischen Fragen wieder größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Auf Lifesite, wo man sich in dieser Hinsicht zugunsten der angestrebten „breiten Bündnisse“ in den vergangenen Jahren eher zurückgehalten hat, konnte dieser Tage Peter Kwasniewski die Bedeutung, die einer würdigen Feier der Liturgie gerade unter den gegenwärtigen Belastungen zukommt, eingehender begründen.

Er beginnt bei dem grundlegenden Mißverständlich „das sind doch nur Äußerlichkeiten“ und setzt der in angelsächsischen Ländern verbreiteten Redensart: „Man kann ein Buch doch nicht seinem Einband beurteilen“ die Erinnerung an die Evangeliare und Bibeln des Mittelalters entgegen: Unsere Vorfahren gaben enorme Beträge aus, um die Heilige Schrift in Gold, Silber und Edelsteine einzubinden, so daß unmittelbar einsichtig wurde, daß solch ein Buch das Wort Gottes selbst enthielt und höchste Ehrerbietung verdiente“. Dann fährt er fort:

Die heilige Liturgie enthält ebenfalls das Wort Gottes selbst, ja, erstaunlicherweise ist Gott selbst, das Fleisch gewordene Wort, in der heiligen Messe präsent. Es ist mit diesem inneren Gehalt absolut unvereinbar, dem eine äußere Form zu geben, die nicht prächtig, majestätisch, überaus schön, feierlich und ehrfürchtig ist. Wir sollten fähig sein, dieses „Buch“ nach seinem glanzvollen Inhalt zu bewerten. Also die hl. Messe nach ihrem Erscheinungsbild und ihrer Musik, ihren Texten und Zeremonien. Wir sollten fähig sein, im äußeren Ablauf den Wesenskern wahrzunehmen.“ (…)

Die Liturgie dient nicht Gott oder Christus in dem Sinne, als ob sie ihnen etwas hinzufügen könnte – sie sind bereits so gut, heilig und glorreich wie nur irgend möglich. Letztlich dient sie uns, die ihm das Lobopfer darbringen, indem sie unsere Seelen auf ihn als das letzte Ziel hin ausrichten und unsere Herzen mit dem Feuer seiner Liebe erfüllen. Und das gelingt am besten mit einer Liturgie in eindrucksvoller Form und Gestaltung, Gesten und Gewändern, Chorälen und Riten – also mit einer Liturgie, die von Anfang bis zum Ende von Zeichen der Nähe und der Andersartigkeit Gottes durchdrungen ist. Eine wirklich sakrale Liturgie widersetzt sich der Einbindung in weltliche Zielsetzungen und ruft bei denen, die sie wahrnehmen, Ehrerbietung, Staunen und Gebet hervor.“

Kwasniewski widersteht in diesem Beitrag für eine sehr breite und weit über den katholischen Bereich hinausgehende Leserschaft der Versuchung, die überlieferte Liturgie als die einzige Form des Gottesdienstes darzustellen, die diese Ziele fördern kann. Aber er verweist auf die besondere Fähigkeit dieser Liturgie, Herz und Verstand der Menschen zu Gott zu erheben, und darauf, daß diese Einsicht sich in den Vereinigten Staaten an immer mehr Orten durchsetzt. Das ist vermutlich fruchtbarer als der vergebliche Versuch, der in der allgemeinen Tendenz ansteigenden Flut der Mißbräuche und Entstellungen durch Detailkritik entgegenzutreten.

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Bei der Suche nach einer Illustration für diesen Beitrag stießen wir auf die oben gezeigte Abbildung eines Evangeliars aus Groß-Umstadt, dessen Einband der Goldschmied Karlheinz Bales vor einigen Jahren als „zweites Meisterstück“ aus Silber, Gold und Edelsteinen angefertigt hat. Vielleicht findet ein solches Meisterwerk auch wieder einmal den Weg in den liturgischen Gebrauch einer Bischofskirche oder Kathedrale.

Aufbruch aus der Hölle

Wo sich heute unser Blick an Ostern vor allem auf das leere Grab und den Auferstandenen in seiner Glorie richtet, stand den Gläubigen im Mittelalter mindestens ebenso deutlich ein anderes und vielleicht noch stärkeres Bild vor Augen. „Hinabgestiegen in die Hölle“ sprengt der Auferstandene die Pforten der Vorhölle, in der die Gerechten des Alten Bundes auf die ihnen verheißene Erlösung warteten. Zahllose Buchmalereien vor allem aus dem angelsächsischen Raum geben ein plastisches Bild davon, wie Christus den Rachen der Unterwelt aufreißt, um die Seelen der Gerechten als Siegesbeute mit sich in das Paradies zu führen. In den Kirchen des Ostens wird das Motiv auch in der Ausmalung von Kirchen verwandt, im Western eher selten.

Die Evangelien berichten – wenn überhaupt – nichts Eindeutiges von dieser Höllenfahrt. Hauptquelle sind bis in das zweite Jahrhundert zurückreichende Teile der apokryphen „Pilatusakten“, die bei aller späteren romanhaften Ausschmückung wertvolle Informationen zu den allerfrühesten Überlieferungen enthalten und als solche auch von den Kirchenvätern anerkannt und genutzt wurden. Das „descendit ad inferos“ des apostolischen Glaubensbekenntnisses, in modernen Übersetzungen durchaus vertretbar wiedergegeben mit „hinabgestiegen in das Reich des Todes", gehört deshalb unbestreitbar zu den frühesten Glaubensaussagen der Christenheit.

Die „Pilatusakten“ bzw. deren spätere (aus dem frühen 4. Jahrhundert stammende erweiterte) Version, das „Nikodemus-Evangelium“, bieten von dieser Höllenfahrt einen über 350 Zeilen langen hochdramatischen Bericht (hier in Griechisch mit deutscher Übersetzung im Netz) in dessen Zentrum der Dialog zwischen Satan, dem „Erben der Finsternis“, und seinem unterirdischen Statthalter Hades steht.

Das Erdbeben, das den Tod Jesu am Kreuz begleitet, ist auch in der Unterwelt vernommen worden. Hades zeigt sich erschüttert und fürchtet um den Bestand seiner (geliehenen) Macht. Satan macht ihm Mut:

Allesverschlingender und unersättlicher Hades, du bist in solche Angst geraten, da du von unserem gemeinsamen Feind hörtest? Ich hatte keine Angst vor ihm, sondern wirkte auf die Juden ein, und diese kreuzigten Ihn und gaben ihm zu trinken Galle mit Essig. Sei also bereit, nun, wenn er kommt, dich sicher seiner zu bemächtigen.“

Damit kann er aber den Hades, dem erst kurz zuvor auf unerhörte Weise ein gewisser Lazarus entrissen worden war - das dünkt ihm ein übles Vorzeichen - nicht recht überzeugen. So streiten und beratschlagen sie lange hin und her. Doch dann ertönt von draußen der Ruf:

Öffnet, ihr Herrscher, eure Tore, gehet auf ewige Pforten! Einziehen wird der König der Herrlichkeit.“(Ps 23,7)

Daraufhin läßt Hades die Pforten der Hölle für den Sturm befestigen. Aber die von ihm gefangen gehaltenen Vorväter halten ihm die Schrift vor, in der dazu seit David und Jesaia vorhergesagt ist:

Die Toten werden auferstehen, und die in den Gräbern werden auferweckt werden, freuen werden sich die unter der Erde (Ps 26,19). Tod, wo ist dein Stachel, Wo ist, Hades, dein Sieg?“

So fragt schließlich Hades: Wer ist dieser, der König der Herrlichkeit? Und der Einlass verlangende Engel des Herrn vor dem Tor erwidert:

Der Herr, gewaltig und mächtig, der Herr, mächtig im Krieg! (Ps 24).Und zugleich mit diesem Bescheid wurden die ehernen Tore zerschlagen und die eisernen Querbalken zerbrochen und die gefesselten Toten alle von ihren Banden gelöst und wir mit ihnen. Und es kam herein der König der Herrlichkeit wie ein Mensch, und alle dunklen Winkel des Hades wurden licht.“

Der Auferstandene läßt sich dann nicht in lange Dialoge verwickeln, sondern packt alsgleich den Satan am Hals und läßt ihn von seinen Engeln mit Eisenketten an Händen und Füßen fesseln. Darauf kommt es zu einer uns Heutigen eher unerwarteten, in der Antike aber unmittelbar einleuchtenden Wendung:

Dann übergab er ihn Hades und sprach: Nimm Ihn und halte Ihn fest bis zu meiner zweiten Ankunft! Und Hades nahm Satan in Empfang und sprach zu ihm: Beelzebul, Erbe des Feuers und der Pein, Feind der Heiligen, was zwang dich, den Kreuzestod des Königs der Herrlichkeit ins Werk zu setzen, so daß er hierhin kam und uns entmachtete? Wende dich um und schaue, daß kein Toter bei mir zurückgeblieben ist und daß du alles, was du durch das Holz der Erkenntnis gewonnen, durch das Holz des Kreuzes verloren hast!

Christus aber nimmt den Urvater Adam bei der Hand und führt ihn zusammen mit den anderen Vorvätern, Propheten, Märtyrern und Urmüttern aus der Hölle hinaus zum Paradies. Dabei singen die Erlösten Psalm 118: Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn, Alleluja. Ihm gebührt die Herrlichkeit von allen Heiligen.

Das Brot der Gegenwart

Bild: Ohne weitere Quellenangabe im Netz kursierendZwei Passagen aus dem alten Testament, die auf das heiligste Sakrament des Altares vorausdeuten, sind allgemein bekannt: Das Opfer von Brot und Wein, das der Hohepriester Melchisedech beim Treuegelöbnis Abrahams darbrachte (Gen. 14), wird seit den frühesten Zeiten der Kirche im römischen Kanon als Vorgestalt des Meßopfers genannt. Und das Manna, das der Herr seinem wandernden Volk in der Wüste spendete, war nicht nur Nahrung zum Überleben. Es wird von Paulus im 1. Brief an die Korinther (Kap. 10) ausdrücklich als „geistliche Speise“ bezeichnet und zusammen mit dem wasserspendenden Felsen mit Christus gleichgesetzt. Auch dieser Abschnitt kommt in der Liturgie vor, und zwar als Lesung des Sonntags Septuagesima.

Weniger im allgemeinen Bewußtsein ist eine andere Erwähnung von Brot und Wein als Bestandteil des Tempelkultes – vielleicht, weil sie nicht in die Liturgie der Kirche aufgenommen worden ist und ihr Verständnis durch die gängigen Übersetzungen eher behindert als befördert wird. Die Rede ist von den zwölf „Schaubroten“, die auf einem goldenen Tisch im Allerheiligsten des Tempels bereitgestellt waren, zusammen mit dem Räucheraltar und dem Siebenarmigen Leuchter, durch einen Vorhang abgetrennt vom Allerheiligsten mit der Lade des Bundes. Die gesamte Einrichtung ist in Exodus 25 bis ins Detail beschrieben. Eine nach Auskunft von Kennern der alltestamentarischen Sprache bessere Übersetzung für die Schaubrote“ wäre „Brote der Gegenwart“ oder „Brote des Angesichts“, denn zu den drei hohen Festtagen des Jahres, an denen die Juden aufgefordert waren, den Tempel zu besuchen „um das Angesicht Gottes zu schauen“ wurde der Tisch samt den Broten herausgetragen und der frommen Menge gezeigt. Allerdings nur in verhülltem Zustand, denn „kein Mensch kann das Angesicht Gottes schauen und am Leben bleiben.“ (Exodus 33)

Die „Brote der Gegenwart“ waren lebendige Zeichen der Gegenwart Gottes in seinem Tempel und in seinem Volk. Sie wurden an jedem Sabbat – an dem sonst jede Arbeit streng verboten war - nach ins Einzelne gehender Vorschrift neu gebacken. Die Brote der Vorwoche wurden von den Leviten „an einem würdigen Ort“ vermutlich in zeremoniellem Rahmen verzehrt. (Levitikus 24) Niemand, der nicht dem priesterlichen Stamm angehörte, konnte daran teilhaben. Zusammen mit den Broten standen auch Gefäße mit Wein auf dem Tisch im Heiligtum. Im Gesetz des Moses ist von „Kannen und Krügen für die Trankopfer“ die Rede, so daß wir nicht wissen, ob der darin enthaltene Wein lediglich als Opfer ausgegossen, oder beim Verzehr der Brote von den Leviten getrunken wurde. Dagegen spricht, daß dazu in Levitikus 24 im Unterschied zu den Broten keine dahingehende Anordnung überliefert ist. Dafür spricht unter anderem, daß die gesamte Einrichtung des ersten Tempels auf die Visionen des Moses auf dem Sinai zurückgeht, als Moses mit den Ältesten des Volkes – in Abweichung von der oben genannten Regel – „Gott schauen durfte, und sie aßen und tranken“ (Exodus 24)

Zunächst geben die „Schaubrote“ einen Hinweis darauf, daß unblutige Opfer, in der Zeit Abrahams und Melchisedechs erstmals eingeführt, auch im Tempelkult eine hervorragende Rolle spielten. Im Gegensatz zu den öffentlichen und weithin sichtbaren Brandopfern wurden sie im inneren Bereich des Heiligtums dargebracht.

Während die Thora im Buch Exodus lediglich die materielle Ausstattung des Bundeszeltes bzw. des späteren Tempels beschreibt, gibt Levitikus 24 auch Hinweise zum Verständnis der spirituellen Bedeutung der Schaubrote. Die ältere Einheitsübersetzung spricht hier von einer „dauernden Bundesleistung seitens der Israeliten“, die neuere bezeichnet sie als „ewigen Bund vonseiten der Israeliten“. Der Anklang an die in der Wandlung wiederholten Einsetzungsworte vom „Kelch meines Blutes, des neuen und Ewigen Bundes“ ist nicht zu überhören. Ganz bestimmt nicht überhört haben ihn die Apostel beim letzten Abendmahl, die vielleicht keine Schriftgelehrten im strengen Sinne waren, aber doch von ihren alljährlichen Wallfahrten zum Tempel über die „Schaubrote“ und deren Bedeutung wohl unterrichtet gewesen sein dürften.

Eine zweite Parallele zwischen dem Wesen der Schaubrote im alten Bund und dem Brot und Wein der Eucharistie des neuen Bundes ist zu konstatieren. Die „Brote der Gegenwart“ sind einerseits Opfergabe Israels an seinen Gott – andererseits sind sie Zeichen der Gegenwart des Herrn in seinem Volk und von daher eine Vorgestalt des sacrum commercium, des wunderbaren Tausches, der im Opfer der Eucharistie seine Vollendung findet.

Die „Schaubrote“ mögen in der Vorzeit, als der Herr Israel allmählich aus dem Glauben der es umgebenden Heidenvölker herausführte, nicht mehr gewesen sein als Opfergaben vor einem Götterbild. Doch je mehr der Herr sich offenbarte, desto tiefer wurde die Erkenntnis, daß ein Bild, womöglich mit einem Stier- oder Falkenkopf, Gottes Wesen unmöglich wiedergeben konnte. Vom Götterbild blieb nur der leere „Gnadenthron“ auf der Bundeslade, und die Gegenwart der Gottheit zeigte sich im immerwährenden Austausch des Brotes des Bundes. Bis die Menschwerdung des Erlösers die Realität und die Bilder auf eine neue Ebene hob. Damit veränderte auch das Bundesopfer Inhalt und Gestalt.

So ist der neue Bund, seine Lehre und seine Liturgie, organisch aus dem Glauben und der Praxis des alten Bundes hervorgegangen. Beides sollte sich nach der Zerstörung des Tempels drastisch verändern. Der Bruch, der sich in der Folge immer mehr vertiefte, entsteht in seinem Wesen daraus, daß die einen den Jesus von Nazareth als den Messias, den Vollender der Offenbarung und Erlöser aller Menschen anerkennen – und insoweit auf ihren Vorrang als einziges Volk der Auserwählung verzichten – während die Anderen sich dieser Zumutung verweigern.

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Materialgrundlage für diesen Beitrag bildete das Kapitel „The Bread of the Presence“ in Brand Pitre, Jesus and the Jewish Roots of the Eucharist, S. 116-146, Doubleday 2011.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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