Bereichsnavigation Themen:

Im Pontifikat der Pastoral

Dieses Video zeigt heute Rorate Caeli unter der Überschrift: „Wenn Sie nicht Papst sein wollen, dann treten sie ab!“

Maria am Webstuhl

Aus einem Stundenbuch des 14. Jh.Zum Fest Mariä Verkündigung

Nach dem im 2. Jahrhundert entstandenen apokryphen „Protoevangelium des Jakobus“ empfing Maria die Verkündigung des Engels, als sie gerade damit beschäftigt war, im Auftrag der Priesterschaft Wolle für den Vorhang des Tempels zu spinnen oder zu verweben. Historisch ist das – wie so manches andere aus dieser erbaulichen Schrift – vermutlich nicht. Aber die Tatsache, daß die Legende gerade diese fromme Tätigkeit hervorhebt, ist von größter Bedeutung für das Verständnis der Menschwerdung Christi bereits in dieser allerfrühesten Zeit.

Der Vorhang des Tempels war nicht irgendein Bestandteil der Ausstattung des Tempels unter anderen, und die Arbeit an seiner Herstellung hat weitaus größere Bedeutung als etwa die Paramentenstickerei, der fromme Nonnen früherer Jahrhunderte einen großen Teil ihrer Arbeitszeit widmeten. Der Vorhang des Tempels markierte in der Theologie des Tempels – soweit sie uns erschließbar ist, das heutige Judentum hat so gut wie nichts davon bewahrt – die Grenze und Verbindung zwischen der Sphäre des ungeschaffenen Gottes und seiner überweltlichen Wirklichkeit und der geschaffenen Welt. Deshalb war der Vorhang auch in den Farben der vier Elemente gehalten, aus denen die Welt gemacht ist: Rot das Feuer, blau die Luft, purpur das Wasser und das Weiß die Erde, die Flachs und Leinen hervorbringt.

Im Allerheiligsten innerhalb des Vorhangs, das er einmal im Jahr am Entsühnungstag betreten durfte, trug der Hohepriester das weiße Gewand der Engel vor Gottes Thron. Außerhalb zeigte sein Gewand die gleichen Farben wie der Vorhang, den er als einziger durchschreiten durfte: In noch undeutlicher Weise verkörperte er in menschlicher Gestalt das Hinübergreifen, das Wirken des Allmächtigen in und an seiner Schöpfung. So ist der Vorhang des Tempels ein Typus, eine Vorgestalt oder Vorahnung der Inkarnation, und es ist überaus passend, daß Maria als Spinnerin der Wolle oder Weberin des Stoffes für diesen Vorhang dargestellt wird. Sie ist in der Gnade des Allmächtigen das lebendige Werkzeug der nicht nur wie beim Hohenpriester symbolischen, sondern der tatsächlichen Inkarnation des göttlichen Wortes.

Mit dem allmählichen Verlust der Erinnerung an den Tempel, deren Reste uns noch im „Jakobusevangelium“ und anderen Apokryphen begegnen, ist auch das Bild der Maria am Spinnrad verblaßt. Nur in der Buchmalerei einiger Stundenbücher des späten Mittelalters in Frankreich ist Maria, die das Wort der Verkündigung empfängt, gelegentlcih webend oder spinnend dargestellt. Ansonsten zeigt die Kunst Maria meist im Gebet oder beim Lesen in der heiligen Schrift. Ganz untergegangen ist die Erinnerung an den Vorhang des Tempels aber dennoch nicht: Blau, Rot, Purpur und das sparsam sichtbare Weiß des Untergewandes sind bis in die Gegenwart die geradezu kanonischen Farben für die Dartellung des Gewandes der Gottesmutter – Maria ist gekleidet in den Vorhang des Allerheiligsten. Der amerikanische Maler Henry Ossawa Tanner (1859-1937) hat in seinem Bild der Verkündigung den Vorhang sogar unübersehbar als Hintergrund seiner eindrucksvollen Szene aufgespannt.

Bild: Wikimedia Commons

*

Weitere Beiträge mit Bezug zum Tempelvorhang und der Inkarnation: Der zerrissene Vorhang und Der Vorhang des Allerheiligsten.

Alleluia vale!

Bild: aius dem im Text zitierten Artikel auf NLMAb dem Beginn der Vorfastenzeit schweigt in der Liturgie das Alleluja. Am 28. Januar haben wir hier im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf Septuagesima den mittelalterlichen Brauch erwähnt, aus diesem Anlaß das Alleluja feierlich zu Grabe zu tragen, um es am Ostersonntag noch feierlicher wieder auferstehen zu lassen. Nun, nur noch aus dem Mittelalter belegt scheint dieser Brauch nicht mehr zu sein: New Liturgical Movement bringt einen kleinen Bildbericht aus immerhin vier Orten, an denen in diesem Jahr der alte Brauch wieder aufgenommen worden ist.

Um ehrlich zu sein: Bei aller Freude an der Tradition hinterlassen diese Bilder mit dem Alleluja im offenen Grab einen etwas zwiespältigen Eindruck: Der Karnevalsbrauch – denn um einen solchen handelt es sich ja letztlich – und die feierliche Form scheinen nicht ganz zueinander zu passen. Es ist auch gar nicht mit Sicherheit bekannt, ob in früheren Zeiten ein Priester eine förmliche Beerdigung des Alleluja vornahmen – oder ob Akolythen und Scholasänger zum Gaudi der Gemeinde einen Leichenzug parodierten. Aber vielleicht ist unsereins im 21. Jahrhundert auch nur nicht mehr fähig oder willens, das „Mitten in dem Leben sind wir vom Tod umfangen“ nachzuempfinden, das dem Karneval seinen Namen gegeben hat: Carne Vale, vom Fleisch und aller Lust Abschied zu nehmen, wenn auch (vorerst) nur auf Zeit.

So weiß man nicht ganz, was man von den Bildern des Priesters im schwarzen Rauchmantel am offenen Grab halten soll: Ist das eher eine fromme Mahnung, ein sinnfällig inszeniertes „memento mori“ - oder nur ein makabrer Scherz? Vielleicht waren es solche Überlegungen, die der Zeremonie des Abschieds vom Alleluja, über die New Liturgical Movement aus Padua in Buffalo, New York, berichtet, ihre besondere Form gegeben haben: dort wird ein Schild mit der Aufschrift „Alleluja“ in einer kleinen Prozession zum Seitenaltar getragen, dort unter dem Altartuch abgelegt und so quasi symbolisch begraben. Für den, der hinschaut, bleibt die Schrift immer lesbar.

Evangelium des Anfangs

Bild: Wikimedia CommonsDer Vortrag des Schöpfungsberichtes als Lesung in der heiligen Messe, wie er für den Montag nach dem 5. Sonntag im Jahreskreis vorgesehen ist, provoziert gleich mehrere Verständnisprobleme. Die Tatsache, daß im Bewußtsein der meisten Gläubigen ein „irgendwie“ naturwissenschaftlich fundiertes Weltverständnis vorherrscht, führt zunächst einmal dazu, diesen Bericht als eine fromme Erzählung zu betrachten, die nicht mehr sagen will, als daß Gott der Schöpfer dieser unserer Welt ist – und nicht wir selbst. Das ist immerhin schon etwas. Aber wer genauer hingehört hat, wird zu diesem Bericht zahlreiche Fragen haben, die weit über die Diskrepanzen gegenüber einem naturwissenschaftlichen Verständnis hinausgehen. Um ein paar davon zu nennen:

  • Wo ist in diesem Bericht das „Wort Gottes“, die Zweite Person, durch die nach dem Johannesevangelium alles geworden ist? Ist es verdeckt vorhanden in der vielfach wiederholten Wendung „Gott sprach“?
  • Und wer oder was ist der Geist Gottes, der über dem Wasser schwebt? Haben wir hier etwa ebenfalls in verdeckter Form bereits in den ersten Worten der Bibel einen Hinweis auf den dreifaltigen Gott? Aber wie hätten die gottesfürchtigen Juden einen solchen Hinweis übersehen können?
  • Wer oder was ist das Licht, mit dem alles anfängt, wenn die Sonne erst am 4. Tag erschaffen wird?
  • Der Mensch wird als Mann und als Frau erschaffen – so bildet er das Bild Gottes. Was sagt dieses Bild über Gott – von dem wir uns doch kein Bild machen sollen?

Außerdem gibt es in diesem Bericht zwei bemerkenswerte Leerstellen: Wer ist der Berichterstatter, wer hat die Schöpfung beobachtet, wem wurde dieser Bericht offenbart? Und die zweite: Kein Wort über die Erschaffung der „unsichtbaren Welt“ der Engel und Geisteswesen, die dann im dritten Kapitel wie selbstverständlich erscheinen: Die Cherubim und das Flammenschwert (nicht: mit dem Flammenschwert) und schon zuvor ein anderes Geisteswesen, wenn auch in entstellter Gestalt: Die Schlange der Versuchung, in einigen Übersetzungen auch sehr treffend als „der Schleicher“ wiedergegeben.

Die Benennung der Fragen genügt, um die Weisheit der überlieferten Theologie zu erahnen, die die Thora als wenig geeignet für die Verlesung im Gottesdienst betrachtet hat und sie selbst im Tagesgebet der Menschen, die ein gottgeweihtes Leben führen, nur zurückhaltend verwendet. Und sie mag andeutungsweise einen Hinweis darauf geben, warum unter den streng orthodoxen Juden Israels mehr als die Hälfte der Männer keiner Berufstätigkeit nachgeht, sondern Tag und Leben dem Studium der heiligen Schrift und deren Kommentierung im Talmud widmet. Dieses Studium ist nichts für Faulenzer, sondern ein hartes Brot.

Die oben punktierten Fragen müssen daher hier unbehandelt bleiben - aber auf die beiden genannten Leerstellen soll etwas ausführlicher eingegangen werden, weil beide zumindest teilweise durch andere Passagen der hl. Schrift erläutert werden, teilweise auch in der Liturgie der Kirche.

Einen ersten Hinweis auf die Offenbarung der Schöpfungsgeschichte kann man aus dem 2. Buch Moses im Bericht von der Übergabe des Gesetzes auf dem Berg Horeb erschließen. Sechs Tage lang hatte Moses dort auszuharren, bevor der Herr ihn zu sich rief, und dann blieb er noch einmal 40 Tage dort. Das 2. Buch Moses geht danach gleich zum Inhalt des dem Mose erteilten Gesetzes über – alte außerbiblische Überlieferungen glauben mehr zu wissen. In dieser Zeit zeigte der Herr dem Moses in einer Vision die ganze Geschichte Israels von der Erschaffung der Welt bis zur Zukunft der Besitznahme des gelobten Landes. (Buch d. Jubiläen 2. Kapitel) Im Volksglauben des vorchristlichen Judentums, das noch keinen festgefügten Kanon heiliger Schriften kannte, scheint diese Überlieferung einen festen Platz gehabt zu haben: Danach habe Moses den Schöpfungsbericht neben den anderen Offenbarungen und Weisungen vom Sinai mitgebracht – eine noch größere Autorität war im Weltbild des Alten Testaments kaum denkbar.

Paraphrasen des Schöpfungsberichtes finden sich an mehreren Stellen der Heiligen Schrift. Etwa in Psalm 148, der leicht erweitert im Anschluss an Genesis 1 die Schöpfungstaten Gottes aufzählt – die Menschen dabei konkretisiert als Könige und Völker, Fürsten und Richter der Erde, junge Männer und junge Frauen, Kinder und Greise. In einem Punkt allerdings geht Psalm 148 über den Bericht der Genesis hinaus: An erster Stelle nennt er die Engel und die himmlischen Heerscharen.

Ganz ähnlich im Lobgesang der drei Jünglinge aus dem 3. Buch Daniel, dessen Aufzählung der Werke des Herrn ebenfalls mit den Engeln beginnt und dann mit einer konkretisierten Aufzählung der Menschen endet: Hier wird zunächst die Menschheit insgesamt genannt, dann wird Israel besonders hervorgehoben samt der Priester und Diener des Herrn und allen gottesfürchtigen Menschen (Israels). Beide Gesänge spielen eine bedeutende Rolle in den Laudes des Breviers.

Weiterlesen...

Septuagesima - Sonntag des Anfangs

Bild: Holzschnitt von Andreas Bernhard, 17. Jh. gemeinfreiMit dem Sonntag Septuagesima, der in diesem Jahr auf den 17. Februar fällt, beginnt nach dem überlieferten Kalender die Vorfastenzeit: Noch 70 Tage bis Ostern, ungefähr. Im Vor Beginn der Neuzeit, als es noch keine Unterscheidung zwischen kirchlichem und säkularem Jahr gab, begann das neue Jahr nach römischem Brauch, aber auch nach jüdischen Gewohnheit, im Frühjahr. Vielfach markierte der Abschluß der Weihnachtszeit – der vom Ostertermin abhängt - den Beginn des neuen Jahres. Aber auch Ostern selbst kam als Jahresanfang vor, ein anderer Termin war der Beginn der vorösterlichen Fastenzeit. Die Fastenzeit wurde teils mit 40 und teils mit 70 Fasttagen gerechnet – von daher entstand als eine Art Kompromiß die Unterscheidung einer Vor-Fastenzeit von der eigentlichen Fastenzeit.

Unter den möglichen Terminen für den Jahresbeginn zwischen dem Abschluß der Weihnachtszeit und Ostern war der Sonntag Septuagesima noch dadurch besonders hervorgehoben, daß vielfach die Unterrichtung der Katechumenen, die in der Osternacht getauft werden sollten, an diesem Tag in die entscheidende Phase trat. So ist dieser Sonntag seit der frühesten Zeit auf verschiedene Weise mit dem Charakter des Neuen Anfangs verbunden. Im römischen Brevier kommt das bis auf den heutigen Tag dadurch zum Ausdruck, das die (theoretisch) kontinuierliche Lesung des Bibel in der Matutin am Sonntag Septuagesima mit der Verlesung des Schöpfungsberichtes aus dem 1. Buches Moses eröffnet wird : Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde... Diese Lesung aus dem alten Testament wird auch in den folgenden Tagen und Wochen bis zum Dienstag vor Aschermittwoch fortgesetzt – dann geht das Brevier mit Lesungen aus dem Evangelium zum Thema der Fastenzeit und zur Vorbereitung auf das Leiden des Herrn über.

Soweit das Brevier – im Missale Romanum spielen Lesungen aus den Büchern Moses praktisch keine Rolle; lediglich der Schöpfungsbericht hat in der Liturgie der Osternacht einen Platz erhalten. Da Brevier und Missale liturgisch eine Eineit bildeten, war das auch kein Problem.

Das Missale des Novus Ordo sieht demgegenüber für Lesungen aus dem alten Testament an allen Tagen einen eigenen Platz vor. Für dies Lesungen an den Werktagen gibt es einen zweijährigen Lesezyklus, dessen erstes Jahr ausschließlich Texten aus den fünf Büchern Moses, d.h. der jüdischen Tora, vorbehalten ist. Dieser Lesezyklus beginnt am Montag nach dem 5. Sonntag im Jahreskreis – also in ungefährer zeitlicher Nähe zum Sonntag Septuagesima – ebenfalls mit dem Schöpfungsbericht. In diesem Jahr war das der Montag der nun zu Ende gehenden Woche.

In der Theorie erfüllt das neue Missale mit dieser Leseordnung den Auftrag der Konzilskonstitution über die Liturgie, den Gläubigen „den Tisch des Wortes reicher zu bereiten“. In der Praxis kann davon kaum die Rede sein, da der Besuch der Werktagsmessen stark zurückgegangen ist – wenn eine solche Messe überhaupt noch regelmäßig „angeboten“ wird. Der Montag ist vielerorts ohnehin LiFT - „liturgiefreier Tag“. Vielerorts läßt man auch nicht nur am Werktag, sonden auch am Sonntag, die eigentlich vorgeschriebene Lesung aus dem alten Testament ganz ausfallen.

So unerfreulich diese Entwicklung ist, so ist sie doch auch eine verständliche Folge der Tatsache, daß die Liturgie sich anders, als die Liturgiekonstitution das wohl annahm, nicht wirklich dazu eignet, die Kenntnis des alten Testamentes durch bloßes Vorlesen von Textausschnitten zu verbreiten. Selbst das traditionelle Brevier, das aus der Gebetspraxis theologisch vorgebildeter Beter in Klöstern und Stiften entstanden ist, konfrontierte diese ja nicht einfach so mit diesen Textern, sondern begleitet sie seit alters her mit Kommentaren aus den Schriften der Kirchenväter. Diese sind freilich heute in vielen Fällen ebenfalls erklärungsbedürftig.

Unterkategorien

  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen