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Nicola Bux zur Taufe

In seinem Buch „Mit den Sakramenten spielt man nicht“, das wir hier bereits im Januar kurz vorgestellt hatten, bietet der Autor eine ausführliche Darstellung des theologischen Wesens und der liturgiegeschichtlichen Formentwicklung der Sieben Sakramente, zum Teil begleitet von der kritischen Darstellung von im Bereich des Novus ordo inzwischen nachgerade flächendeckend eingetretenen Mißständen. Zur Notwendigkeit der Taufe schreibt Bux:

Es beginnt ein langes ZitatDie letzten Worte Jesu, bevor er sichtbar diese Welt verließ, lauten: „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk 16,16). Es ist also nötig, die Taufe zu empfangen, um in das ewige Leben einzugehen. Aber vorher treten wir in die Welt ein, in der das Böse herrscht, daher müssen wir von seiner Macht befreit und Kinder Gottes werden. Durch die Auflehnung Adams, des ersten Menschen, gegen Gott, sind wir Waisen geworden. Gott hat das Heil an das Taufsakrament gebunden, aber Er ist nicht an die Sakramente gebunden (KKK 1257) Wer zum Beispiel für den Glauben stirbt, ohne schon getauft zu sein, erlangt das Heil durch die „Bluttaufe“, durch die „Begierdetaufe“, wenn er das Verlangen nach der Taufe hatte.
Es fragt sich: Werden die Kinder, die ohne Taufe sterben, gerettet? Papst Innozent III. sandte 1201 an den Bischof von Arles, Imbert d‘Eyguiéres (1130 – 1202), einen Brief, in dem er betonte, daß die Taufe der Kinder nützlich und vernünftig ist, weil sie die Gefahr der Verdammung abwendet, ihre Wiedergeburt im Wasser und im heiligen Geist bewirkt und ihren Eintritt in das Himmelreich ermöglicht, in der Hoffnung, daß die Kinder, die ohne Taufe sterben, von der göttlichen Gerechtigkeit gerettet werden, die ihnen ein Heilmittel zukommen läßt. So denkt die Kirche auch heute noch.“

Soweit Bux auf S. 37/38 der deutschen Ausgabe. Anders als Bischof Imbert leben wir heute freilich in einer Zeit und einer Gesellschaft, die nicht vom Geist des Christentums dominiert wird – und sei das noch so oberflächlich. Wir wissen von Menschen – etwa den Indianern vor Kolumbus – die nie von Christus hören und nie von Missionaren erreicht werden konnten. Und wir ahnen, daß es solche „Präkolumbianer“ auch heute und fast überall geben könnte, zumal sich die Kirche von der Pflicht zur Mission seit Jahrzehnten praktisch dispensiert hat. Der kirchliche Mainstream zumindest in Europa, Rom keinesfalls ausgenommen, beruhigt sich in dieser Situation mit einer kaum verhüllten Allerlösungslehre – frei nach Goethes „wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“. Das wäre also das glatte Gegenteil zum Grundsatz „Ohne Taufe kein Eintritt ins Himmelreich“ - von dem die Kirche selbst freilich mit dem Konzept der „Begierdetaufe“ und dem Verweis auf Gottes unbeschränktes Gnadenhandeln im Fall der ungetauften schuldunfähigen Kinder Ausnahmen anerkennt. Warum und unter welchen Bedingungen sollten solche Ausnahmen auf „Schuldunfähigkeit wegen jugendbedingt unentwickelter Vernunft“ begrenzt bleiben?

Das skizzierte Problemfeld verlangt nach einer intensivere Ausleuchtung, als sie von Bux hier geboten wird. Möglicherweise würde das aber den Rahmen von Zielsetzung und Möglichkeiten einer kurzgefassten Darstellung überschreiten.

Nicola Bux: Mit den Sakramenten spielt man nicht, 156 Seiten, 14,80 €, Edition Una Voce, Tremsbüttel 2018.

Stationskirchen der Fastenzeit

Bild: Aus New Liturgical Movement v. 26.3. 2019Im Jahr 2013 hat summorum-pontificum.de an jedem Tag der Fastenzeit die römische Stationskirche dieses Tages vorgestellt – hier zum Inhaltsverzeichnis. Diese Vorstellungen oientierten sich im wesentlichen an dem 1926 erschienenen Buch „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirsch und anderer Literatur aus der Vorkriegszeit – danach ist in Deutschland nichts wesentliches mehr erschienen. Für „Nicht-Römer“ haben unsere Kurzvorstellungen von damals immer noch manches Wisssenswerte zu bieten – aber die Forschungen sind weiter gegangen und haben sowohl zur Baugeschichte der Kirchen als auch zu den Bräuchen um die Stationskirchen viele neue Kenntnisse gebracht. Gregory di Pippo hat daher in diesem Jahr die Artikel von New Liturgical Movement zu den Stationskirchen überarbeitet und ergänzt. Dabei ist ihm nicht zuletzt die Tatsache zugute gekommen, daß die alten Bräuche um die Stationskirchen in den letzten Jahren in erheblichem Umfang wiederbelebt worden sind. In einigen Stationskirchen, die zumeist auch Titelkirchen von Kardinälen sind, feiern die Kardinäle selbst an diesem Tag ein feierliches Hochamt. Für andere haben sich Bruderschaften oder Freundeskreise gebildet, die dafür sorgen, daß an diesem Tag zumindest eine besonders feierliche Liturgie gefeiert wird und die die Kirchen auch das Jahr über mehr mehr oder weniger intensiv betreuen.

Hier Links zu den bisher in diesem Jahr erschienenen Beiträgen, in denen stets mehrere Kirchen zusammengefasst behandelt werden.

Roman Pilgrims at the Station Churches 2019 (Part 1)
Roman Pilgrims at the Station Churches 2019 (Part 2)
Roman Pilgrims at the Station Churches 2019 (Part 3)

In einer weiteren Serie hat New Liturgical Movement in diesem Jahr damit begonnen, die Stationskirchen nach dem mittelalterlichen Ritus von Paris vorzustellen. Viele davon sind zwar in der Zeit der Revolution zerstört worden, es gibt jedoch genug historische Unterlagen, um ein farbenreiches und vielfältiges Bild von dieser Facette des liturgischen Lebens in Frankreich zu zeichen. Die bisherigen Beiträge:

Lenten Stations in the Ancient Rite of Paris
Lenten Stations in the Ancient Rite of Paris (Part 2)
Lenten Stations in the Ancient Rite of Paris (Part 3)

Im Pontifikat der Pastoral

Dieses Video zeigt heute Rorate Caeli unter der Überschrift: „Wenn Sie nicht Papst sein wollen, dann treten sie ab!“

Maria am Webstuhl

Aus einem Stundenbuch des 14. Jh.Zum Fest Mariä Verkündigung

Nach dem im 2. Jahrhundert entstandenen apokryphen „Protoevangelium des Jakobus“ empfing Maria die Verkündigung des Engels, als sie gerade damit beschäftigt war, im Auftrag der Priesterschaft Wolle für den Vorhang des Tempels zu spinnen oder zu verweben. Historisch ist das – wie so manches andere aus dieser erbaulichen Schrift – vermutlich nicht. Aber die Tatsache, daß die Legende gerade diese fromme Tätigkeit hervorhebt, ist von größter Bedeutung für das Verständnis der Menschwerdung Christi bereits in dieser allerfrühesten Zeit.

Der Vorhang des Tempels war nicht irgendein Bestandteil der Ausstattung des Tempels unter anderen, und die Arbeit an seiner Herstellung hat weitaus größere Bedeutung als etwa die Paramentenstickerei, der fromme Nonnen früherer Jahrhunderte einen großen Teil ihrer Arbeitszeit widmeten. Der Vorhang des Tempels markierte in der Theologie des Tempels – soweit sie uns erschließbar ist, das heutige Judentum hat so gut wie nichts davon bewahrt – die Grenze und Verbindung zwischen der Sphäre des ungeschaffenen Gottes und seiner überweltlichen Wirklichkeit und der geschaffenen Welt. Deshalb war der Vorhang auch in den Farben der vier Elemente gehalten, aus denen die Welt gemacht ist: Rot das Feuer, blau die Luft, purpur das Wasser und das Weiß die Erde, die Flachs und Leinen hervorbringt.

Im Allerheiligsten innerhalb des Vorhangs, das er einmal im Jahr am Entsühnungstag betreten durfte, trug der Hohepriester das weiße Gewand der Engel vor Gottes Thron. Außerhalb zeigte sein Gewand die gleichen Farben wie der Vorhang, den er als einziger durchschreiten durfte: In noch undeutlicher Weise verkörperte er in menschlicher Gestalt das Hinübergreifen, das Wirken des Allmächtigen in und an seiner Schöpfung. So ist der Vorhang des Tempels ein Typus, eine Vorgestalt oder Vorahnung der Inkarnation, und es ist überaus passend, daß Maria als Spinnerin der Wolle oder Weberin des Stoffes für diesen Vorhang dargestellt wird. Sie ist in der Gnade des Allmächtigen das lebendige Werkzeug der nicht nur wie beim Hohenpriester symbolischen, sondern der tatsächlichen Inkarnation des göttlichen Wortes.

Mit dem allmählichen Verlust der Erinnerung an den Tempel, deren Reste uns noch im „Jakobusevangelium“ und anderen Apokryphen begegnen, ist auch das Bild der Maria am Spinnrad verblaßt. Nur in der Buchmalerei einiger Stundenbücher des späten Mittelalters in Frankreich ist Maria, die das Wort der Verkündigung empfängt, gelegentlcih webend oder spinnend dargestellt. Ansonsten zeigt die Kunst Maria meist im Gebet oder beim Lesen in der heiligen Schrift. Ganz untergegangen ist die Erinnerung an den Vorhang des Tempels aber dennoch nicht: Blau, Rot, Purpur und das sparsam sichtbare Weiß des Untergewandes sind bis in die Gegenwart die geradezu kanonischen Farben für die Dartellung des Gewandes der Gottesmutter – Maria ist gekleidet in den Vorhang des Allerheiligsten. Der amerikanische Maler Henry Ossawa Tanner (1859-1937) hat in seinem Bild der Verkündigung den Vorhang sogar unübersehbar als Hintergrund seiner eindrucksvollen Szene aufgespannt.

Bild: Wikimedia Commons

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Weitere Beiträge mit Bezug zum Tempelvorhang und der Inkarnation: Der zerrissene Vorhang und Der Vorhang des Allerheiligsten.

Alleluia vale!

Bild: aius dem im Text zitierten Artikel auf NLMAb dem Beginn der Vorfastenzeit schweigt in der Liturgie das Alleluja. Am 28. Januar haben wir hier im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf Septuagesima den mittelalterlichen Brauch erwähnt, aus diesem Anlaß das Alleluja feierlich zu Grabe zu tragen, um es am Ostersonntag noch feierlicher wieder auferstehen zu lassen. Nun, nur noch aus dem Mittelalter belegt scheint dieser Brauch nicht mehr zu sein: New Liturgical Movement bringt einen kleinen Bildbericht aus immerhin vier Orten, an denen in diesem Jahr der alte Brauch wieder aufgenommen worden ist.

Um ehrlich zu sein: Bei aller Freude an der Tradition hinterlassen diese Bilder mit dem Alleluja im offenen Grab einen etwas zwiespältigen Eindruck: Der Karnevalsbrauch – denn um einen solchen handelt es sich ja letztlich – und die feierliche Form scheinen nicht ganz zueinander zu passen. Es ist auch gar nicht mit Sicherheit bekannt, ob in früheren Zeiten ein Priester eine förmliche Beerdigung des Alleluja vornahmen – oder ob Akolythen und Scholasänger zum Gaudi der Gemeinde einen Leichenzug parodierten. Aber vielleicht ist unsereins im 21. Jahrhundert auch nur nicht mehr fähig oder willens, das „Mitten in dem Leben sind wir vom Tod umfangen“ nachzuempfinden, das dem Karneval seinen Namen gegeben hat: Carne Vale, vom Fleisch und aller Lust Abschied zu nehmen, wenn auch (vorerst) nur auf Zeit.

So weiß man nicht ganz, was man von den Bildern des Priesters im schwarzen Rauchmantel am offenen Grab halten soll: Ist das eher eine fromme Mahnung, ein sinnfällig inszeniertes „memento mori“ - oder nur ein makabrer Scherz? Vielleicht waren es solche Überlegungen, die der Zeremonie des Abschieds vom Alleluja, über die New Liturgical Movement aus Padua in Buffalo, New York, berichtet, ihre besondere Form gegeben haben: dort wird ein Schild mit der Aufschrift „Alleluja“ in einer kleinen Prozession zum Seitenaltar getragen, dort unter dem Altartuch abgelegt und so quasi symbolisch begraben. Für den, der hinschaut, bleibt die Schrift immer lesbar.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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