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Sieben Schmerzen Mariens

Seit dem hohen Mittelalter gedenkt die Kirche am Freitag der Woche nach dem Passionssonntag der Sieben Schmerzen Mariens: Des ersten Blutvergießens Jesu bei der Beschneidung, der Flucht nach Ägypten, der Suche nach dem im Tempel zurückgebliebenen Jungen, der Begegnung bei der Kreuztragung, der Kreuzigung, der Kreuzabnahme und der Grablegung. Sieben Tage vor dem Karfreitag erscheint dieses Gedenken überaus angemessen. Im Brevier hat dieses Gedenken den ursprünglichen Charakter des Tages schon früh überlagert. Im Missale blieb er in der Reihe der Berichte über die Ereignisse, die schließlich zur Kreuzigung führten, noch lange unbeeinträchtigt erhalten. Erst im 18. Jahrhundert wurde „Sieben Schmerzen“ für die ganze Kirche vorgeschrieben, ohne die altüberlieferte Messe des Freitags in der Passionswoche jemals ganz zu verdrängen.

In der Volksfrömmigkeit entfaltete das Bild von der leidenden Mutter, deren Herz das siebenfache Schwert durchdringt, eine besonders tiefgehende Wirkung. Unter seinem Einfluss entstanden zahllose Bildwerke und Dichtungen. Die bekannteste davon ist sicher das Iacobus Tudertinus aus dem 13. Jahrhundert zugeschriebene Stabat Mater, das als Sequenz in der Liturgie des Tagesdächtnisses übernommen wurde. Die erste Hälfte wird auch als Hymnus in der Vesper des traditionellen Stundengebets gesungen:

Christi Mutter stand mit Schmerzen
bei dem Kreuz und weint von Herzen,
als ihr lieber Sohn da hing.
Durch die Seele voller Trauer,
scheidend unter Todesschauer,
jetzt das Schwert des Leidens ging.

Welch ein Schmerz der Auserkornen,
da sie sah den Eingebornen,
wie er mit dem Tode rang.
Angst und Jammer, Qual und Bangen,
alles Leid hielt sie umfangen,
das nur je ein Herz durchdrang.

Ist ein Mensch auf aller Erden,
der nicht muss erweichet werden,
wenn er Christi Mutter denkt,
wie sie, ganz von Weh zerschlagen,
bleich da steht, ohn alles Klagen,
nur ins Leid des Sohns versenkt?

Ach, für seiner Brüder Schulden
sah sie ihn die Marter dulden,
Geißeln, Dornen, Spott und Hohn;
sah ihn trostlos und verlassen
an dem blutgen Kreuz erblassen,
ihren lieben einzgen Sohn.

O du Mutter, Brunn der Liebe,
mich erfüll mit gleichem Triebe,
dass ich fühl die Schmerzen dein;
dass mein Herz, im Leid entzündet,
sich mit deiner Lieb verbindet,
um zu lieben Gott allein.

Den vollständigen Text samt der lateinischen Fassung, bei der es sich vermutlich um eine Rückübersetzung aus der frühitalienischen Volkssprache handelt, finden Sie auf dem Hymnarium.

Statio in S. Pudenziana

Zur Mitte der Fastenzeit scheint es angebracht, noch einmal auf unsere Stationskirchenserie des vergangen Jahres zu verweisen - und natürlich auch darauf, daß in diesem Jahr New Liturgical Movement eine Serie über die Stationskirchen bringt, die zahlreiche Photos von den dort aktuell stattfindenden Stationsgottesdiensten präsentiert. Inzwischen ist die Serie bei der 7. Folge angekommen.

Am Dienstag dieser Woche war statio in S. Pudenziana. Diese Kirche wurde wohl bereits im 2. Jahrhundert in ein römisches Badehaus eingebaut - keine von den großen Thermen wie S. Maria degli Angeli, sondern wohl eher eine private Anlage, und als solche dann doch wieder von ungewöhnlicher Größe. Berühmt ist S. Pudenziana wegen des Apsis-Mosaiks. Es stammt in der Grundanlage aus dem 4. Jahrhundert und zeigt den in kaiserlichen Ornat gewandeten Christus Pantokrator, umgeben von seinen Aposteln, als Weltenrichter. Es gilt als das älteste erhaltene Mosaik einer römischen Kirche überhaupt, wurde allerdings bei zahlreichen Renovierungen und baulichen Veränderungen in seiner langen Geschichte heftig verändert und durch Einbauten verstümmelt. Hier mehr Informationen und Bilder zur Baugeschichte der Kirche.

Verkündigung Mariens

Verkündigung Mariens von Dante Gabriel Rossetti (1828 - 1882)Die Kirche feiert heute, am 25 März, also 9 Monate vor Weihnachten, das Hochfest der Verkündigung Mariens. Mit dem „mir geschehe, wie Du gesagt“ der Jungfrau nimmt die Menschwerdung des Erlösers, des ewigen Wortes und Gottessohnes, ihren Anfang. Mit gutem Grund haben die Kirchenväter in dem „Ave“ des englischen Grußes die Umkehrung des Namens „Eva“ erkannt; die eine brachte den Tod in die Welt, die andere öffnete den Weg zur Wiederkehr des Lebens. Mit Dom Prosper Gueranger (Kirchenjahr, Bd. 5, S. 504f.):

So hat, wie der große heilige Irenäus und mit ihm die ganze christliche Tradition erklärt, der Gehorsam des zweiten Weibes den Ungehorsam des ersten gesühnt: Denn die Jungfrau von Nazareth hat nicht so bald ihr Fiat gesprochen, als der ewige Sohn Gottes im Schoße Marias sein menschliches Leben begann. Eine Jungfrau wird Mutter, die Mutter eines Gottes, und die Zustimmung dieser Jungfrau zu dem Willen des Höchsten macht sie durch die Kraft des Heiligen Geistes fruchtbar. Welch hohes Geheimnis, das zwischen dem ewigen Worte und einem einfachen Weibe ein Band knüpft wie zwischen Sohn und Mutter, welches dem Allmächtigen ein seiner würdiges Mittel liefert, um den Triumph über den höllischen Geist sicher zu Stellen, dessen Kühnheit und Schlauheit bisher den göttlichen Plan durchkreuzt zu haben schien. Darum grüßen wir Kinder des Menschengeschlechtes, die wir durch den Gehorsam Marias dem Zahne der höllischen Schlange entrissen worden sind, heute die Morgenröte unserer Befreiung.“

In der Tradition der Kirchen des Morgen- wie des Abendlandes wird der 25. März denn auch als Marienfest begangen. Die Liturgiereform hat das Fest beibehalten, aber zum „Herrenfest“ umdeklariert. Das ist natürlich nicht falsch - letztlich kann man alle Stationen der Heilsgeschichte als Herrenfeste verstehen. Und doch: Die Änderungssucht triumphierte ein weiteres Mal über die Anhänglichkeit an das Ererbte, der Geist der Rationalisierung und Systematik über Lebensnähe und fromme Anschaulichkeit.

Stationskirchen der Fastenzeit

Im vergangenen Jahr hat Summorum-Pontificum die Stationskirchen der Fastenzeit vorgestellt. Der Rückgriff darauf ist auch für dieses Jahr durchaus zu empfehlen. Die Beiträge sind hier gesammelt und könne nach Namen der Kirche oder zeitlicher Reihenfolge abgerufen werden.

In diesem Jahr hat nun The New Liturgical Movement die Stationskirchen zum Thema gemacht, und das auf eine ganz besondere Weise: In immer mehr Stationskirchen finden am Tag der jeweiligen Fasten-Statio feierliche Gottesdienste statt, teilweise angeführt von dem Kardinal, dem sie als Titelkirche zugewiesen ist. Der in Rom lebende NLM-Redakteur Gregory DiPippo nimmt in diesem Jahr an vielen dieser Stationsgottesdienste teil und veröffentlicht anschließend einen Bericht und vor allem zahlreiche Bilder. Bisher waren das aus den Tagen nach Aschermittwoch S. Giorgio in Velabro, SS. Giovanni e Paolo, S. Agostino und der Lateran. Aus der ersten Fastenwoche bis jetzt S. Pietro in Vinculis, S. Anastasia und S. Maria Maggiore, ebenfalls als Sammelbericht. Sehr empfehlenswert.

Ebenfalls empfehlenswert sind die Fotos und das Video vom feierlichen Pontifikalamt, das Erzbischof Sample von Portland an Quinquagesima anläßlich einer Tagung über Gregorianik im Brigittinenkloster von Amity zelebriert hat.

Woher gute Früchte kommen

Porträt nach einem KupferstichMittwoch, Freitag und Samstag der ersten Fastenwoche sind seit alters her Quatembertage – die viermal jährlich angesetzten Tage der Buße, des Fastens und der Besinnung, mit denen die Christenheit die Jahreszeiten des natürlichen Jahres einleitet und begleitet. Aus Dom Prosper Guerangers „Kirchenjahr“ zitieren wir zur Fastenquatember einige Abschnitte, in denen der große Erneuerer der gläubigen Tradition die Konsequenzen darstellt, die er aus dem seinerzeit bereits weit fortgeschrittenen Verfall der Fasten- und Bußpraxis befürchtet. (Bd. 5, S. 16-17)

Es beginnt ein langes ZitatDerselbe Papst (Benedikt XIV.), den noch niemand übertriebener Strenge gegen die Gläubigen angeklagt hat, richtete im ersten Jahr seines Pontifikates am 30. Mai 1741 eine Enzyklika an alle Bischöfe der christlichen Welt; in kräftigen Worten drückte er den Kummer aus, der ihn beim Anblick der allgemeinen, in leichtfertigen und unbegründeten (bischöflichen) Dispensen zu Tage tretenden Lässigkeit erfasse.

In der Fastenobservanz“, sagte der Papst, „liegt die Zucht unserer Heerschaar; durch sie unterscheiden wir uns von den Feinden des Kreuzes Jesu Christi, durch sie wenden wir die Geißel des göttlichen Zornes von uns ab, durch sie, von himmlischer Hilfe während des Tages geschützt, stärken wir uns gegen den Fürsten der Finsternis. Wenn diese Observanz lasch wird, so geschieht dies zum Nachtheile der Herrlichkeit Gottes, zur Schmach der katholischen Religion, zur Gefährdung der christlichen Seelen; uns kann kein Zweifel darüber obwalten, daß diese Nachlässigkeit eine Quelle von Leiden erschließen wird, Unheil in den öffentlichen Angelegenheiten für die Völker und alle Art von Mißgeschick für die Einzelnen.“

Seit diesem feierlichen Hinweis des Papstes ist ein Jahrhundert verflossen, und die Lässigkeit, welche er aufhalten wollte, wuchs stets. Wie viele Christen zählt man heute noch in unseren Städten, welche die Fastenvorschriften auch nur in der so sehr gemilderten Form von heute streng beobachten. Jedes Jahr sehen wir die Oberhirten umfassendere Dispense erteilen und die Zahl derer, welche diese Dispense nicht überschreiten, vermindert sich von Jahr zu Jahr.

Wohin soll nun diese ohne Ende wachsende Erschlaffung führen? Zu allgemeiner Charakterlosigkeit und dann zum Umsturz der Gesellschaft. Was Benedikt XIV. voraussagte, tritt bereits als traurige Thatsache nur zu sehr vor das Auge. Die Völker, bei welchen der Gedanke an eine Sühne erloschen ist, kümmern sich auch nicht weiter um den göttlichen Zorn. Und wenn das so fort geht, so wird ihnen bald kein anderes Los mehr übrig bleiben als innerer Zerfall oder äußere Unterjochung. Fromme, muthvolle Anstrengungen werden eben gemacht, um die Sonntagsfeier wieder herzustellen. Da und dort krönt auch ein unverhoffter Erfolg diese Anstrengungen. Ohne zweifel wird es seine guten Früchte tragen, wenn ein Volk wiederum an das Haus Gottes und an seine Verehrung sich erinnert. Man ist berechtigt, darauf Hoffnungen zu gründen, aber die Hoffnung wäre berechtigter, wenn wir, wie einst die Bewohner von Ninive, zu dem längst verlassenen Wege der Sühne und Buße Zurückkehrten.“

Mittwoch bis Samstag der ersten Fastenwoche sind seit alters her Quatembertage – die viermal jährlich angesetzten Tage der Buße, des Fastens und der Besinnung, mit denen die Christenheit die Jahreszeiten des natürlichen Jahres einleitet und begleitet. Aus Dom Prosper Guerangers „Kirchenjahr“ zitieren wir zur Fastenquatember einige Abschnitte, in denen der große Erneuerer der gläubigen Tradition die Konsequenzen darstellt, die er aus dem seinerzeit bereits weit fortgeschrittenen Verfall der Fasten- und Bußpraxis befürchtet. (Bd. 5, S. 16-17)

Derselbe Papst (Benedikt XIV.), den noch niemand übertriebener Strenge gegen die Gläubigen angeklagt hat, richtete im ersten Jahr seines Pontifikates am 30. Mai 1741 eine Enzyklika an alle Bischöfe der christlichen Welt; in kräftigen Worten drückte er den Kummer aus, der ihn beim Anblick der allgemeinen, in leichtfertigen und unbegründeten (bischöflichen) Dispensen zu Tage tretenden Lässigkeit erfasse. „In der Fastenobservanz“, sagte der Papst, „liegt die Zucht unserer Heerschaar; durch sie unterscheiden wir uns von den Feinden des Kreuzes Jesu Christi, durch sie wenden wir die Geißel des göttlichen Zornes von uns ab, durch sie, von himmlischer Hilfe während des Tages geschützt, stärken wir uns gegen den Fürsten der Finsternis. Wenn diese Observanz lasch wird, so geschieht dies zum Nachtheile der Herrlichkeit Gottes, zur Schmach der katholischen Religion, zur Gefährdung der christlichen Seelen; uns kann kein Zweifel darüber obwalten, daß diese Nachlässigkeit eine Quelle von Leiden erschließen wird, Unheil in den öffentlichen Angelegenheiten für die Völker und alle Art von Mißgeschick für die Einzelnen.“

Seit diesem feierlichen Hinweis des Papstes ist ein Jahrhundert verflossen, und die Lässigkeit, welche er aufhalten wollte, wuchs stets. Wie viele Christen zählt man heute noch in unseren Städten, welche die Fastenvorschriften auch nur in der so sehr gemilderten Form von heute streng beobachten. Jedes Jahr sehen wir die Oberhirten umfassendere Dispense erteilen und die Zahl derer, welche diese Dispense nicht überschreiten, vermindert sich von Jahr zu Jahr.



Wohin soll nun diese ohne Ende wachsende Erschlaffung führen? Zu allgemeiner Charakterlosigkeit und dann zum Umsturz der Gesellschaft. Was Benedikt XIV. Voraussagte, tritt bereits als traurige Thatsache nur zu sehr vor das Auge. Di Völker, bei welchen der Gedanke an eine Sühne erloschen ist, kümmern sich auch nicht weiter um den göttlichen Zorn. Und wenn das so fort geht, so wird ihnen bald kein anderes Los mehr übrig bleiben als innerer Zerfall oder äußere Unterjochung. Fromme, muthvolle Anstrengungen werden eben gemacht, um die Sonntagsfeier wieder herzustellen. Da und dort krönt auch ein unverhoffter Erfolg diese Anstrengungen. Ohne zweifel wird es seine guten Früchte tragen, wenn ein Volk wiederum an das Haus Gottes und an seine Verehrung sich erinnert. Man ist berechtigt, darauf Hoffnungen zu gründen, aber die Hoffnung wäre berechtigter, wenn wir, wie einst die Bewohner von Ninive, zu dem längst verlassenen Wege der Sühne und Buße Zurückkehrten.“



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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen