Bereichsnavigation Themen:

Predigt zur Darstellung des Herrn

Die Kunst der Predigt ist so gut wie erloschen, seitdem den Seminaristen beigebracht wird, eine Predigt habe mit der Schilderung einer Begegnung in der Straßenbahn zu beginnen, dürfe nicht länger als 4,5 Minuten dauern und solle möglicherweise Anstoß erregende Wörter wie Sünde, Erlösung oder Gott nach Möglichkeit vermeiden. Daß die  Predigtkunst dennoch nicht vollständig ausgestorben ist, demonstrierte  Fr. Richard Cipolla, Pfarrer von  St. Mary in Norwalk, Connecticut und an vielen Fronten aktiv als wortgewaltiger Kämpfer für den rechten Glauben, in seiner Predigt zum Fest Mariä Lichtmess. Sein „pastorales Englisch“ ist leicht zu lesen, aber schwer zu übersetzen. Wir verweisen daher ausnahmsweise direkt auf den englischen Text, wie er auf Rorate Cæli wiedergegeben ist. Ein Hinweis zur Ermutigung: Fr. Cipolla hält die 4,5-Minuten-Regel ein.

Septuagesima 2018

Bild: eigene AufnahmeOstern kommt früh in diesem Jahr, und zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit - das letzte Mal war 2016 - fällt der Sonntag Septuagesima und  der Beginn der Vor-Fastenzeit vor den 2. Februar und damit vor das traditionelle Ende der Weihnachstzeit an Mariä Lichtmeß. So ergibt sich auch in diesem Jahr wieder das eher seltene Bild, daß der Priester bereits in violett am Altar steht, während anderswo in der Kirche noch die Weihnachtskrippe aufgebaut ist. Beides gilt freilich nur für die wenigen Kirchen, deren Ordnung der überlieferten Liturgie folgt. Die „neue Ordnung“, die nun auch schon auf ihr fast 50 jähriges Bestehen zurückschauen, hat die Vorfastenzeit wie so vieles einfach „abgeschafft“ - und von den „ein aktuelles Problem aufgrefenden“ Krippendarstellungen in manchen modenen Gemeinden schweigen wir lieber. 

Die 40 Tage der Fastenzeit beruhen ganz klar auf einer in der heiligen Schrift bezeugten alttestamentlichen Tradition, die sowohl von Moses als auch Elias und schließlich von Christus ein vierzigtägiges Fasten überliefert. Die (gerundet) siebzig Tage ab Septuagesima sind demgegenüber nicht aus dem Gebrauch des alten Testaments ableitbar. Seit Amalar von Metz († um 850) wird die Zahl als gleichnishafte Aufnahme des siebzigjährigen babylonischen Exils des Volkes Israel gedeutet: Um darauf hinzuweisen, daß uns durch die Gnade Christi die Sünden nachgelassen wurden, seien die 70 Jahre in 70 Tage umgewandelt worden. Gleichzeitig sei das aber auch eine Erinnerung daran, daß die Gläubigen des gegenwärtigen Zeitalters immer noch im Exil weilen und sich erst noch durch Fasten und Buße von der Sünde der Welt lösen und der Aufnahme in das himmlische Jerusalem würdig erweisen müssen.

Die traditionelle Liturgie der Zeit der 70 Tage bringt diesen Charakter in vielfacher Weise zum Ausdruck, die auffälligsten davon: Im Offizium wird an allen Tagen, auch an den Sonntagen, der Bußpsalm Miserere gebetet, die fortlaufende Lesung beginnt neu mit dem Pentateuch und den Berichten über die Erschaffung der Welt und den Sündenfall, die Alleluja-Rufe verstummen. In der hl. Messe entfällt der Gesang des Gloria, verschiedene Melodien werden vereinfacht, die Entlassungsformel des Ite missa est wird durch Benedicamus Domino ersetzt. Zur Erklärung dieser äußeren Zeichen greift Amalar auch hier auf die Parallele zum babylonischen Exil zurück und zitiert aus Psalm 64: Wie sollen wir in fremdem Land die Lieder des Herrn singen?

Das Verstummen der Gesänge gab im Mittelalter den Anlass zu vielerlei Bräuchen, in denen Klerus und Volk feierlich Abschied vom Alleluja und Gloria nahmen. Durandus von Mende († 1334) erklärt diese Zeremonien damit, „daß wir jene (Gesänge) überaus lieben und in der Schatzkammer unseres Herzens bewahren, so wie wir einen Freund, der zu einer langen Reise aufbricht, vielmals umarmen und auf den Mund oder das Gesicht küssen“. Der hier bereits anklingende Überschwang führte gelegentlich auch zu Begängnissen, die eher zum etwa gleichzeitig stattfindenden Karneval als zum Auftakt der Bußzeit gepasst haben dürften, etwa wenn Alleluja und Gloria in Art einer Beerdigungsprozession mit großem Pomp zu Grabe getragen wurden. Aus einer französischen Kirche des 15. Jahrhunderts ist überliefert, daß dort nach der Vesper am Samstag vor Septuagesima eine Strohpuppe, auf der in goldenen Buchstaben „Alleluja“ geschrieben war, von Ministranten und Chorknaben mit Stöcken aus dem Allerheiligsten und durch das Kirchenschiff getrieben und anschließend auf dem Friedhof beigesetzt wurde - mit Weihrauch, Weihwasser und allem Drum und Dran.

Wir sehen: Die Geschichte der Liturgie enthält auch eine Geschichte liturgischer Missbräuche - noch nicht einmal die sind auf dem eigenen Mist der Liturgieverderber in der Gegenwart gewachsen – zumindest nicht alle.

St. Peter goes digital

Bild: Ökumenisches HeiligenlexikonDie Allen Organ Company of Macungie (Pensylvania) hat dem Petersdom eine elektronische Orgel gestiftet, die künftig bei päpstlichen Feierlichkeiten bevorzugt zum Einsatz kommen soll. Die bisher allein zur Verfügung stehende Pfeifenorgel aus den Jahren unmittelbar vor dem Konzil war – so die offiziösen Erklärungen – den Anforderungen des digitalen Zeitalters nicht mehr gewachsen, da ihr Klang, um z.B. auf den Petersplatz oder gleich weltweit übertragen zu werden, erst durch Mikrophone aufgefangen und neu aufbereitet werden mußte.

Der erste Auftritt des neuen Geräts in der Weihnachtsnacht hat nun heftige Debatten ausgelöst.
Viele Anhänger einer Modernisierung der Kirche auf allen Gebieten sind begeistert. „Die Digitalorgel kann einen der größten Kulträume der Welt vollständig beschallen“ freut sich das englische „Tablet“ und weist besonders darauf hin, daß die Elektronik dem aktuellsten Stand der Technik entspreche. Msgr Palombella, Chef des Chors der Sixtinischen Kapelle begründet die Neuerung so: „Vor dem II. Vatikanum fanden päpstliche Zeremonien in der Sixtinischen Kapelle statt, und es war nicht erforderlich, den Ton aufzunehmen und international zu senden. Nach den liturgischen Reformen des Konzils wurde zunehmend die ganze Peterskirche für päpstliche Feiern verwandt; daraus ergab sich die Notwendigkeit, sich ständig um die Verbesserung der auszustrahlenden Tonqualität zu bemühen.“

Eine solche „Notwendigkeit“ soll wohl dazu dienen, zumindest den Anschein einer Übereinstimmung mit dem Konzilsdekret Sacrosanctum Concilium über die Liturgiereform zu erwecken, das in Abschnitt 120 bestimmt:

Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben. Andere Instrumente aber dürfen nach dem Ermessen und mit Zustimmung der für die einzelnen Gebiete zuständigen Autorität nach Maßgabe der Art. 22. § 2,37 und 40 zur Liturgie zugelassen werden, sofern sie sich für den heiligen Gebrauch eignen oder für ihn geeignet gemacht werden können, der Würde des Gotteshauses angemessen sind und die Erbauung der Gläubigen wirklich fördern.

Das Vorbild in St. Peter wird nun sicher an vielen Orten dafür herhalten müssen, die noch verbliebenen Kirchenorgeln – soweit sie nicht ohnehin schon durch Klavier oder Gittaren ersetzt worden sind – durch zeitgemäße Nachfolger abzulösen. Erstaunlicherweise ist allerdings gerade aus dem Bereich der Kirche in Deutschland, die ansonsten doch jede Gelegenheit zum Bruch mit Traditionen begrüßt, heftiger Widerspruch gegen das römische Vorpreschen laut geworden.

Das Bischöfliche Sprachrohr katholisch.de hat am 15. 1. eine Stellungnahme des Kölner Domorganisten Prof. Winfried Bönig veröffentlicht, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Darin bezeichnet Bönig die römische Neuerwerbung als eine „armselige Lösung“ und meint weiter:

Elektronische Orgeln sind keinesfalls ein Trend. Eigentlich ist ihre Zeit schon vorbei. Deswegen verursacht das neue Instrument im Petersdom auch gerade einigen Wirbel, die Fachwelt befindet sich irgendwo zwischen Entsetzen, Bestürzung und Unverständnis. Das war eine ganz und gar unkünstlerische Entscheidung. Das hat schon etwas von Ironie: In dem Moment, wo die Unesco die Orgeln und das Orgelspiel zum Weltkulturerbe erklärt, baut der Petersdom als die Kirche der katholischen Welt so ein Instrument ein.

Dem ist wenig hinzu zu fügen. Lesen Sie das Ganze hier.

Das Leben Mariens in Photos

Der gestrige zweite Sonntag nach Erscheinung mit dem Evangelium von der Hochzeit zu Kana gibt willkommene Gelegenheit zu einem Buch-Hinweis: Franz Michel Willam: Das Leben Marias der Mutter Jesu, erschienen in 1. Auflage 1936 bei Herder. Über 60 der ca 550 Seiten dieses Buches sind dem Wunder von Kana gwidmet, und jede davon verspricht dem Leser auch heute noch reichlichen Gewinn. Keine kleine Rolle dabei spielen die Bilder, die Willam bei einer Reise ins hl. Land in den 20er Jahren des 20. Jh. von dem Jerusalemer Photographen C. Raad bereitstellen ließ und deren Auswertung ein zentraler Bestandteil seiner Arbeitsweise ist. Das Alltagsleben, so setzt der volkskundlich bewanderte Autor mit guten Gründen voraus, hat sich in diesem Land zwischen dem 1. und dem 19. Jahrhundert in vielem nur wenig verändert: Man kann das Leben Mariens photographieren - 1925. Zweites zentrales Element ist dann ein absolutes Vertrauen in die Verläßlichkeit der der Darstellung in den Evangelien. Zunächst ein Bild, wie es sich wohl zwei Jahrtausende lang bei einer Hochzeitsfeier in Palästina bieten konnte, dazu Willams Kommentierung:

Das Bild gibt eine gute Vorstellung vom Getriebe bei einer orientalischen Hochzeitsfeier. Man kennt keine Tische mit eng aneinander gereihten Stühlen, auf denen man pflichtschuldig sitzen bleibt, bis alles vorüber ist. Ungezwungen geht man hin und her, ein und aus.

Weiterlesen...

Weihnachten und Märtyrerfeste

Bild: Summorum-Pontificum.deWeihnachten gilt als Fest der Harmonie und des Friedens, und die Menschwerdung des göttlichen Wortes ist in der Tat das nachdrücklichste „Friedensangebot“, das der Menschheit je gemacht worden ist. Wie wenig damit für den „Frieden auf Erden“ schon erreicht ist, zeigt der liturgische Kalender für die Tage der Weihnachtsoktav in bestürzender Deutlichkeit. An zwei Tagen setzt sich die blutrote Farbe des Martyriums auch in unseren überaus friedliebenden Tagen noch gegen das Weiß der Weihnachtsfreude durch – das beginnt gleich am – der Liturgie im eigentlichen Sinne unbekannten - „zweiten Weihnachtsfeiertag“ mit dem Fest des Erzmärtyrers Stephanus. Dem folgt zwei Tage später das Märtyrerfest der heiligen Unschuldigen Kinder.

Bis zu den liturgischen Reformen der 60er Jahre war Rot auch die Farbe des 29. Dezember, an dem die Kirche das Fest des hl. Thomas von Canterbury feierte, der wegen seines Widerstands gegen die Anmaßungen von König Henry II. Von dessen Gefolgsleuten ermordet wurde – in seiner Bischofskirche während der Vesper. Die Reform hat dieses Fest zu einem bloßen „Gedächtnis“ herabgestuft und in die Reihe der Oktavtage zu Weihnachten eingeebnet. Ein insoweit erstaunlicher Vorgang, als die Reformer ansonsten keine Gelegenheit ausließen, Oktaven zu beseitigen. Mit Blut hat schließlich auch der 1. Januar zu tun, der 8. Tag nach Weihnachten ist nicht nur feierlicher Abschluß der Weihnachtsoktav, sondern erinnert auch daran, daß Jesus an diesem Tag nach dem Gesetz Moses beschnitten, so in das Volk des Bundes eingegliedert wurde und den Opfergang zur Erlösung begann. Davon ist nach zwei liturgischen Reformen des 20. Jahrhunderts und der Umbenennung des „Festes der Beschneidung des Herrn“ in das „Hochfest der Gottesmutter Maria“ nur noch am Rande die Rede.

Vier mal Blut, Martyrium, Opfer und Leiden und das an Weihnachten – das ist dem modernen Menschen wohl nicht mehr vermittelbar.
Dabei wäre jedes dieser vier Feste mit seinen Festgedanken heute von höchster Aktualität. Das Martyrium des Stephanus steht für das Leiden, mit dem jeder rechnen muß, der sich um des Glaubens willen den in der Gesellschaft herrschenden (Un-)Wertvorstellungen widersetzt. Der Kindermord zu Bethlehem erinnert nicht nur daran, daß politische Machthaber zu jeder Zeit bereit waren und sind, buchstäblich über Leichen gehen, um ihre Macht zu erhalten. Das herodianische Gemetzel beschwört auch die Bilder des heutigen Massenmordes an Ungeborenen, mit dem die Gesellschaft ihre Kinder auf den Altären des Wohlergehens opfert – nur daß diese Altäre heute nicht mehr Baal und Moloch, sondern angeblich unabdingbaren individuellen Freiheitsrechten geweiht sind.

Thomas von Canterbury verweist darauf, daß im Verhältnis zwischen Staat und der Kirche Christi zu jeder Zeit tiefe Gegensätze aufbrechen können, die dem Gläubigen immer wieder abverlangen, sich für den Dienst an weltlichen Herren oder am göttlichen Gesetz zu entscheiden. Selbst der Sohn Gottes in seiner menschlichen Gestalt sah sich der Erfüllung dieses Gesetzes verpflichtet. Preiswerter ist Erlösung nicht zu haben

Unterkategorien

  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen