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Traditionspflege

Unsere Erwähnung des mittelalterlichen Brauchs, nach der Vesper zu Septuagesima das Alleluja zu beerdigen, war eher als Erinnerung daran gedacht, daß sich in der Tradition um die Liturgie hier und da auch Bräuche entwickelt haben, die mit Recht aufgegeben und vergessen worden sind. In La Londe-les-Maures in der französischen Diözese Frejus+Toulon bei der Bruderschaft des Hl. Josephs des Schutzherrn scheint man das - zumindest in Blick auf diese bestimmte Übung - etwas anders zu sehen: Dort wurde, wie New Liturgical Movement jetzt mitgeteilt hat, der alte Brauch wieder aufgegriffen und unter den geduldigen Augen des Hl. Joseph ein kalligraphisch gestaltetes Alleluja zu Grabe getragen. Ohne Weihwasser und Weihrauch, den Bildern nach zu urteilen, aber sonst mit allen pompes funèbres, die zu einem ordentlichen Begräbnis dazu gehören.

Das ist sicher kein Skandal und so praktiziert wohl auch kein Missbrauch - besser in Wiederbelebung eines volkstümlichen Brauchs aus der katholischen ein Alleluja beerdigen, als gleich diese ganze Tradition versenken und  mit bischöflichem Segen über dem Grab des hl. Martin in der Kathedrale von Tours den Koran rezitieren zu lassen.

Wesen und Identität des katholischen Glaubens und der wahren Kirche sind in diesen Jahren auf vielfältige Weise bedroht und angegriffen - von innen fast noch mehr als von außen, von oben ebenso wie von unten. Um dem entgegen zu wirken, braucht es jedenfalls mehr als Nostalgie.

Nicht jammern - tun!

Am vergangenen Freitag feierte das Ordinariat unserer lieben Frau von Walsingham den 5. Jahrestag seiner Errichtung. Fr. John Hunwicke, Priester des Ordinariats, hat dazu auf seinem Blog einen bemerkenswerten Beritrag verfaßt, den wir hier vollständig übersetzen:

Es beginnt ein langes ZitatMit der Feier des 5. Jahrestages unseres Ordinariats feiern wir natürlich auch unseren Gründer – mit großer Liebe, Treue und Dankbarkeit gegen Gott. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, wo sie waren, als sie von der Wahl Benedikts erfuhren. Ich weiß es auf jeden Fall noch (ein kleines Dorf bei Lands End) und ich erinnere mich an diesen plötzlichen Ausbruch von Freude: Unser Freund ist Papst geworden Jetzt kann alles geschehen!

Drei Dinge, die geschehen sind, drei zusammengehörige Dinge, zeichnen das letzte Pontifikat ganz besonders aus: Die Lehre hinsichtlich der Hermeneutik der Reform in Kontinuität, Summorum Pontificum und Anglicanorum Coetibus. Dazu gleich mehr.

Ich wünschte, ich könnte als 4. Dazu das Jahr des Glaubens nennen. In diesem Jahr sollte, so die Hoffnung des heiligen Vaters, eine wirkliche Wahrnehmung dessen erfolgen, was das Konzil tatsächlich gesagt hat. Leider war diesem Versuch kein großer Erfolg beschieden. Die Tradis hoffen einfach, daß das Konzil möglichst bald in Vergessenheit gerät. Die Progressiven werden in ihren schlaflosen Nächten von einer nagenden Furcht geplagt: nämlich daß gewöhnliche Katholiken die Dokumente des Konzils tatsächlich lesen und so die Täuschungen erkennen könnten, die ihnen nach dem Konzil von wohlmeinenden Männern vorgesetzt wurden, die bereit waren, die Unwahrheit zu sagen, weil alles schnell gehen sollte.

Keine der beiden Seiten hatte ein Interesse daran, den Staub von den alten vergilbenden Bänden wegzublasen.

Papst Benedikt hatte erkannt, daß die nachkonziliaren Entstellungen zu tief eingewurzelt waren, um sie über Nacht durch bloße Anordnung von oben zu beseitigen – obwohl er durch lehramtliche Dokumente, auf die man sich berufen konnte, Unterstützung dafür bot. Statt dessen entschied er sich als Werkzeug für die interessante und durchaus dem Stil der Zeit entsprechende Idee der Subsidiarität. Wenn Bischöfe mit Applomb von Subsisarität sprechen, denken sie natürlich an nichts anderes als möglichst viel Macht an sich und die Bischofskonferenzen zu reißen. Elegant, ja geradezu listig, konterkarierte Benedikt das, indem er jedem Priester der lateinischen Kirche das Recht zum Gebrauch der außerordentlichen Form einräumte, ohne irgend jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen.

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Das Geheimnis der Menschwerdung

Relief aus dem 12. Jh. an der Kathedrale von Arles, Photo von Juliana LeesDem Hymnarium und summorum-pontificum.de, die bekanntlich nahe miteinander verwandt sind, gelang in diesen Weihnachtstagen ganz unbeabsichtigt eine Demonstration, wie theologische und dogmatische Gegenpositionen sich im Lauf der Zeit entschärfen lassen – wenn nur die Liebe zu Christus, dem Mensch gewordenen Sohn des dreieinigen Gottes, gemeinsames Hauptelement auf beiden Seiten ist.

Das Hymnarium präsentiert – so geplant von René Strasser -– zu Weihnachten den Hymnus Verbo verbum virgo concipiens des Theologen, Philosophen und Dichters Abælard. Petrus Abælardus war eine der umstrittensten und streitlustigsten Gestalten des an strittigen Persönlichkeiten nicht armen 12. Jahrhunderts. In meisterlichem Latein gelingt es ihm, eine Brücke zwischen der Idylle im Stall und der Theologie der Inkarnation zu schlagen. Und dabei greift er ganz massiv auch noch in eine theologische Streitfrage ein, die den Theologen seiner Zeit nicht wenig zu schaffen machte und die noch auf Jahrhunderte als unentschieden gelten sollte.

Zu reden ist von dem Bad des Jesuskindes, das in unserem Krippenbild von Buoninsegna unübersehbar im Vordergrund stattfindet – auch wenn davon anders als bei der gleichrangig dargestellten Anbetung der Hirten im Evangelium keine Rede ist. Demgegenüber hatte Abælard etwa ein Jahrhundert früher in der 5. und 6. Strophe seines Weihnachtshymnus mit streitlustiger Entschiedenheit geschrieben:

Helferinnen und Hebammen gabs hier nicht... Möglichkeit zum Baden fehlte schlicht – Schmutz und Flecken abzuwaschen gab's ja nicht.

Gut möglich, daß er sich dabei genau auf das zu seiner Zeit entstandene oben abgebildete Relief aus der Kathedrale von Arles bezog.

Abælard ist hier Vertreter der seit der Lateransynode von 649 – freilich lange nicht konkurrenzlos - hochgehaltenen Lehre von der immerwährenden Jungfräulichkeit der heiligen Gottesmutter Maria vor, während und nach der Geburt. Diese von den meisten Kirchenväternb geteilte Ansicht stützt sich nicht zuletzt auf die Überlegung, es sei nicht anzunehmen, daß die frei von Erbsünde Empfangene unter der Strafe für Evas Schuld leiden sollte, oder daß der Herr der Barmherzigkeit seiner Mutter beim Eintritt in die Welt Schmerzen zugefügt hätte. Problematisch konnte diese Ansicht da erscheinen, wo sie in unangemessener Weise konkretisiert wurde und zu Theorien führte, daß der Christus auf überirdischeWeise aus dem unversehrten Leibe der Mutter hervorgetreten sei. Hier lag die Gefahr in der Luft, die wahre Menschlichkeit des Gottessohnes aus dem Blick zu verlieren und genau das war der Streitpunkt.

Schon früh bildete sich daher eine Gegenposition, die Wert darauf legte, daß die Geburt des Gottmenschen nicht in einer Weise vorgestellt wurde, die sich allzusehr von der anderer Menschenkinder unterschied. Einer der bedeutendsten Vertreter dieser Position, die die Natürlichkeit dieses Geburtsvorganges betonte und die Jungfräulichkeit allein vor und nach der Geburt anerkennen wollte, war übrigens Thomas von Aquin, der etwa ein Jahrhundert nach Abælard lebte. Seine Ansicht spiegelt sich in dem Bild Buoninsegnas getreulich wider: Das Jesuskind als wahrer Mensch wurde geboren wie alle anderen Menschen auch und bedurfte deshalb nach der Geburt des reinigenden Bades.

Die ganze Geschichte und ihre Pointe

Die Erlösung

Als die „fehlende Sonntagsmesse" zum 4. Advent irgendwann – vielleicht im 8. oder 9. Jahrhundert – nachgetragen wurde, orientierten sich die Verfasser für die Oratio an der „Excita"-Formel der beiden ersten Sonntage. Inhaltlich bieten sie dabei wenig anderes als eine Paraphrase des Gedankens, der schon am ersten Advent ausgedrückt worden war.:

Biete Deine Macht auf, o Herr, und komm, wir bitten Dich. Eile uns mit starker Macht zur Hilfe, damit, auf Deine Gnade gestützt, Deine Vergebung umso schneller (das Heil) herbeiführe, dessen Eintreten unsere Sünden behindern.

Auch hier wieder, formal noch stärker akzentuiert als am ersten Sonntag, die Parallelführung der Gedanken : Was wir gefallene Menschen selbst bewirken, ist und bringt nur Unheil – allein die Gnade und Vergebung des Herrn kann dem entgegen zum Heil führen.

Die Collecta des Formulars im Novus Ordo drückt – zumindest zum Teil – den gleichen Gedanken aus. Durch die Aufnahme des Textes der Oration aus dem Angelus stellt sie ihn durchaus passender Weise in die marianische Perspektive, die bereits den Inhalt der ersten beidenQuatembertage geprägt hat und bringt gleichzeitig die weiteren Stationen des Erlösungswerks in den Blick:

Herr wir bitten Dich, gieße Deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi Deines Sohnes erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.

Allerdings wird auch in diesem Fall die Ursache der Erlösungsbedürftigkeit, die uns die Excita-Orationen der überlieferten Form immer wieder stark vor Augen stellen, eher diskret beschwiegen.

Quatember III: Iesaia propheta

Aus dem Klosterneuburger Evangelienwerk des 14. Jh.Der Quatember-Samstag im Advent ist nach dem Karsamstag bzw. der Osternacht mit ihren 12 Prophetien der Tag in der überlieferten Liturgie mit der größten Zahl von Lesungen. In sechs Lesungen werden die Gläubigen in die Verheißung des Messias eingeführt, eine weitere Lesung steht im Zusammenhang mit den traditionell an diesem Tag stattfindenden niederen und höheren Weihen.

Die Liturgiereformer haben die Aufforderung der Konzilskonstitution „Sacrosanctum concilium", den Gläubigen in der Liturgie „den Tisch des Gotteswortes reicher zu bereiten und die Schatzkammer der Bibel weiter aufzutun" (Abschnitt 51) bekanntlich dahingehend ausgelegt, daß sie unter Berufung auf solche alten Vorbilder die Zahl der Lesungen generell auf drei erhöhten. Dabei haben sie allerdings nicht beachtet, daß in den überlieferten Liturgien mit mehreren Lesungen diese Texte stets ein inhaltliches Ganzes bilden. Indem sie mechanisch das Prinzip der Lectio continua aus der monastischen Praxis zur Richtschnur ihrer Kompilation machen, haben sie den inhaltlichen Zusammenhang innerhalb des Tages aufgegeben und damit das Aufnahmevermögen der Gläubigen, die längst nicht mehr kontinuierlich am Gottesdienst teilnehmen, überfordert.

Das Lesungs-Programm der Osternacht ist die gesamte Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bís zur Auferstehung. Der Quatembersamstag im Advent bietet entsprechend ein Kompendium der Prophetien von der Ankunft des Messias. Die Tradition hat dazu zunächst aus dem Propheten Jesaias die Auszüge aus den Kapiteln 19, 35 40 und 45 zusammengestellt, die den Kern der messianischen Verheißung enthalten. In der fünften Lesung wird dieses Thema durch den Bericht und Hymnus Daniels über die drei Jünglinge im Feuerofen unterbrochen – zu vermuten ist, daß damit ein Bezug auf die nun vorzunehmenden niederen und höheren Weihen hergestellt wird: Die künftigen Kleriker werden des besonderen göttlichen Schutzes versichert. Mit der Epistel aus dem Brief an die Thessalonicher über die Wiederkunft des Herrn am Ende der Zeiten wird das Ausgangsthema wieder aufgegriffen und mit dem dann folgenden Evangelium nach Lukas über die Predigt des „Rufers in der Wüste" bis an die Schwelle des Weihnachtstages herangeführt: „Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alles Fleisch wird schauen Gottes Heil."

Auch die übrigen Texte der ursprünglichen Vigilfeier des 4. Adventssonntags bleiben dann beim Thema. Der Tractus schließt mit dem Versikel: „Biete Deine Macht auf, O Herr, und komm uns zu erlösen", das Offertorium ruft mit Zacharias: „Juble auf, Tochter Jerusalem, Siehe, dein König kommt zu Dir, der Heilige, der Heiland." Die Communio zitiert Psalm 18, 6-7: „Gleich wie ein Kriegsheld jauchzend eilt er seine Bahn. Von einem Himmelsende aus beginnt er Seinen Weg, und bis zum anderen Ende geht Sein Lauf."

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen