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2. Oktober: Schutzengelfest

Bild: Gemeinfrei - WiktionaryWenige Tage nach dem mit dem höchsten Rang (Duplex I. Class) ausgezeichneten Fest des hl. Erzengels Michael am 29. September verzeichnet der überlieferte Kalender für den 2. Oktober das Schutzengelfest (Dupl. Major). Ähnlich wie das Fest des als besonderer Patron der Deutschen betrachteten Erzengels hat auch das Schutzengelfest eine spezielle Verbindung zu unserem Land: Es wurde 1676 – knapp zwei Jahrzehnte nach dem Ende des verheerenden 30-jährigen Krieges – von Papst Clemens IX. auf Bitten von Kaiser Leopold I. für das Römisch-Deutsche Kaiserreich eingeführt und wenige Jahre später auf die ganze Kirche ausgedehnt. Der moderne Kalender bewahrt den Termin als Gedenktag.

Die Schutzengel gehören zum im Glauben verpflichtenden Bestand der Lehre der Kirche. Der Katholische Katechismus von 1993 schreibt in Abschnitt3 336 dazu:

Von der Kindheit an bis zum Tod umgeben die Engel mit ihrer Hut und Fürbitte das Leben der Menschen. „Einem jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“ (Basilius, Eun. 3,1). Schon auf dieser Erde hat das christliche Leben im Glauben an der glückseligen Gemeinschaft der in Gott vereinten Engel und Menschen teil.

Die oben abgebildete Postkarte vom Ende des 19. Jahrhunderts gibt – wenn auch in reichlich kitschiger Darstellung – einen Begriff davon, wie tief der Glaube an das segensreiche Wirken der Schutzengel verwurzelt war. In der populären Katechese verband sich dieser Glaube mit dem oft, aber nicht ausschließlich, an Kinder gerichteten Appell, die Sünde zu meiden, „um deinen Schutzengel nicht zu betrüben“.

Restbestände des Glaubens an Schutzengel haben sich in vormals christlichen Gesellschaften weit über den Bereich der Kirchen und Glaubensgemeinschaften erhalten. Vielfach jedoch in einer degenerierten Form. Die moderne psychologisch-therapeutische Spiritualität schätzt Schutzengel als individuelle Ansprechpartner, denen eine größere Zugänglichkeit als dem fernen und unerreichbaren Gott zugeschrieben wird. Vielfach werden unter dem Begriff der Schutzengel Träger magischer Kräfte und Eigenschaften verstanden, die in Verbindung mit bestimmten Farben und Materialien (Halbedelsteine) als Talismane nutzbar gemacht werden können. Hoch aufschlußreich über die unterschiedliche Entwicklung dieser psychologisierenden Tendenzen ist ein Vergleich der Ergebnisse der Google-Bildersuche für den deutschen und den angelsächsischen Sprachraum: Schutzengel und Guardian angel.

Fest des Erzengels Michael

Bild: Wikimedia, Gemeinfrei, Ausschnitt aus Francesco Botticini, Assumptio Mariae, 1474Der 29. September ist seit alters her Festtag des hl. Erzengels Michael, der an diesem Tag im Jahre 493 den Bewohnern von Siponto erschienen sein soll. Im Jahr 2015 zitierte Summorum Pontificum zu diesem Tage aus einer Predigt des hl. Papstes Gregor über die Engel - einer eher nüchternen systematischen Ausführung. Im darauffolgenden Jahr dann quasi als Gegengewicht im Rahmen katholischer Spannweite eine Passage über die Vertreibung der aufständischen Engel aus der Gegenwart des Herrn im Großen Leben Jesu des Kapuziners Martin von Cochem, das in Wirklichkeit eine Universalgeschichte der Welt aus der frommen Perspektive der Barockzeit darstellt.

Die erzählerische Einkleidung der Geschichte beim frommen Bruder Martin entspricht ganz und gar seiner Zeit – die Geschichte selbst hat er jedoch in gar keiner Weise selbst erfunden, sondern aus dem seit über 2000 Jahren überlieferten Glauben der Kirche und Israels geschöpft. Eigentliche Quellen sind nicht-kanonische Bücher aus dem Umkreis des alten Testamentes wie das Buch Enoch oder das Buch der Jubiläen, die den frühen Christen gut bekannt waren und von ihnen oft höher geschätzt wurden als von den Juden zumindest der rabbinischen Schulen. Wie sehr geschätzt sieht man unter anderem daran, daß die Geheime Offenbarung des Johannes in vielem der Darstellung dieser beiden Schriften verpflichtet ist.

Vor der autoritativen Festlegung eines Kanons der Bücher des alten Testaments – der bekanntlich von Juden und Christen, Protestanten und Katholiken unterschiedlich definiert wird – gehörten beide Bücher für viele frühe Lehrer des Glaubens fraglos zur Heiligen Schrift. Heute gelten sie nur noch in der koptisch-orthodoxen Kirche Äthiopens als kanonisch – und darüber gönnerhaft zu lächeln vergeht einem spätestens beim Gedanken an die 21 Märtyrer von Sirte, deren Glaube in diesem Kanon verwurzelt war.

Ein Gesamtbild des Erzengels aus den kanonischen wie den nichtkanonischen Schriften der Bibel zeichnet die englische Alttestament-Forscherin Margaret Barker:

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So vergeht der Ruhm der Päpste

Stahlstich des 18. Jh. - Liturgical Arts JournalNachdem Papst Paul VI. im November 1964 – einige Jahre vor dem offenen Ausbruch der marxistisch inspirierten 68er-Bewegung – seine Tiara abgelegt hatte, um sie zugunsten der Armen der Welt versteigern zu lassen, hat sein Nachfolger Albino Luciani (Johannes Paul I) auf die Krönungszeremonie verzichtet – so wie seitdem alles seine Nachfolger. Der materiellen Ertrag der spektakulären Geste Pauls VI. war ürigens eher bescheiden. Lange fand sich kein Käufer, bis sich schließlich ein frommer amerikanischer Millionär erbarmte und das Teil für 20 000$ erwarb – heute wird es im „National Shrine“ zu Washington ausgestellt.

Da Benedikt XVI. die Tiara auch aus dem päpstlichen Wappen entfernt hat, ist Franziskus der erste Papst der Neuzeit, der sich von Amtsbeginn an in gar keiner Weise mit dem alten Würdezeichen der Päpste auseinandersetzen mußte. Das ist schade, denn die Tiara war immer mehr als bloß ein „Machtsymbol“, und die Krönungszeremonie enthielt eben nicht nur den Akt der Krönung, sondern auch einen ebenso spektakulären Akt der Erinnerung daran, daß die dem Papst verliehene Macht einem sterblichen Menschen zugeteilt ist, der sich eines Tages für Gebrauch und Mißbrauch seines hohen Amtes verantworten muß.

An drei Stellen der Prozession, die den Papst auf dem Tragesitz zur Krönung durch die Peterskirche führte, brachte ein Mönch den feierlichen Zug zum Stehen, entzündete ein Büschel Werg auf einem speziellen Leuchter, und rief mit lauter Stimme: Pater sancte – sic transit gloria mundi! So war es im 19. und 20. Jahrhundert – in früheren Jahrhunderten war der Ritus noch aufwendiger gestaltet. Filmaufnahmen der Zeremonie bei der Krönung des letzten gekrönten Papstes Johannes XXIII. im Jahr 1958 und ausführliche historische Erläuterungen bringt das Liturgical Arts Journal.

Hermann der Krüppel

Wikimedia: CC BY-SA 3.0 de, © Hilarmont (Kempten)Der 25. September wird – das wissen wir auch nur, weil New Liturgical Movement das gestern mitgeteilt hat – in einigen Benediktinerklöstern als Gedenktag des sel. Hermannus Contractus gefeiert. Wir haben seiner hier bereits 2013 einmal zu seinem 1000. Geburtstag am 18. Juli gedacht. Daraus  zur Erinnerung an den Dichter des Salve Regina und von Alma Redemptoris Mater eine Zusammenfassung:

Herimann, genannt Contractus (der Verkrümmte), wurde 1013 in Altshausen im Saulgau geboren – eines von insgesamt 14 Kindern des Grafen Wolfenrad II. von Vehrungen und dessen Frau Hiltrude. Ob das Kind als „Mißgeburt“ – einige Quellen deuten in Richtung spina bifida – zur Welt gekommen war oder später an Kinderlähmung oder einer amyotrophen Lateralsklerose (wie Stephen Hawking) erkrankte, ist bei Medizinhistorikern umstritten. Seine Eltern haben ihn jedenfalls nicht vor der Geburt abgetrieben und nicht nach der Geburt umgebracht. Sie übergaben ihn – wohl samt einigen Äckern für seinen Unterhalt – im Alter von sieben Jahren den Benediktinern auf der Reichenau, die ihn weiter erzogen, seinen glänzenden Geist erkannten und förderten und später voll Dankbarkeit die von ihm gedichteten und komponierten Hymnen sangen.

Als Universalgelehrter und poeta doctus befasste sich Heriman mit allen Wissenschaften und Künsten der Epoche. Mit dem Chronicon Augiense stellte er die erste Weltchronik des Mittelalters zusammen. Von seinen teilweise als Reimdichtungen abgefassten Heiligenbiographien ist nur die über die hl. Märtyrerin Afra von Augsburg erhalten geblieben; andere über den hl. Gregor, die heiligen Giordanus und Epimachus, Bischof Wolfgang von Regensburg und weitere gelten als verloren. Verloren oder zumindest ihm nicht mehr zuzuordnen sind auch seine Kompositionen, die von den Zeitgenossen ganz besonders bewundert worden waren. Erhalten ist hingegen ein musiktheoretisches Werk, das die russische Komponistin Galina Ustvolskaya (gest. 2006) bei einigen ihrer Werke inspirierte.

Hermann blieb zeitlebens körperlich schwerst behindert und konnte sich ohne fremde Hilfe kaum bewegen – die Mitbrüder trugen ihn auf einem Tragstuhl durchs Kloster. Auch sprechen konnte er kaum; nur wenige Mönche verstanden sein Flüstern, mit anderen verkehrte er durch Notizen auf einem Täfelchen. In seinen letzten Lebensjahren verlor er auch noch das Augenlicht. Seine Hymnendichtungen diktierte er.

Bei seinen Studien über Astronomie, Mathematik und Seefahrtskunde stützte der gelehrte Mönch sich auf damals bereits vorliegende lateinische Übersetzungen wichtiger Werke aus dem Arabischen, die ihrerseits größtenteils auf im Westen wenig beachteten griechischen Werken beruhten, zum Teil auch indische Quellen erschlossen. Ob er selbst Arabisch konnte, ist ungewiss, dagegen steht fest, daß er selbst nicht in die Länder des Orients gereist sein kann. Tatsächlich hat er nie sein Kloster auf der Insel Reichenau verlassen.

Erst mit seinen Hymnen kam Hermannus Contractus, der 1863 von Papst Pius IX. selig gesprochen wurde, doch noch in den Orient: Das Salve Regina war das Kampflied, unter dem das Heer des 1. Kreuzzuges in  die Schlacht um Jerusalem, zogen, und von daher hat es Petrus Venerabilis im Jahr 1135 als Prozessionsgesang ins Offizium eingeführt. Das Offizium ist auch ein Sturmlied auf das himmlische Jerusalem.

Die überlieferten Hymnen des Hermann von Reichenau und weitere Informationen zu seiner Person finden Sie auf dem Hymnarium.

Lebendige Tradition im Missale

Alle Bilder eigene AufnahmenAm 18. September hat Fr. Hunwicke unter dem Titel „Organic Development“ in seinem Blog einen Beitrag veröffentlicht, in dem er anhand eines Missales aus dem Jahr 1903, das viele Änderungen und Ergänzungen enthält, definiert, was er unter „organischer Entwicklung“ versteht:

Dieses Buch kann man auch heute, mehr als ein Jahrhundert nach seinem Druck, für die Feier der überlieferten Messe verwenden. Das ist der Lackmus-Test für eine organische Entwicklung. Und den bestehen die Bücher, die in den 1960er und 70er Jahren fabriziert worden sind und die nun in den Sakristeien Englands Staub ansetzen, sicher nicht“.

Dem ist voll zuzustimmen. Tatsächlich hätte Fr. Hunwicke statt „ein Jahrhundert“ auch ruhig „zwei“ oder „drei“ sagen können. Hier liegt ein Missale Romano-Moguntinum mit Druckdatum 1742 (Bild 496), das man ebenfalls auch heute noch verwenden könnte – obwohl es auf den ersten Blick gesehen recht einschneidende Veränderungen erlebt hat. 

Die im Text verschiedentlich eingefügten Zahlen verweisen auf die Abbildungen in einem Flickr-Album, in dem 21 großformatige Reproduktionen aus dem Missale präsentiert und kurz kommentiert sind.

Unser Missale aus kurfürstlicher Zeit stammt aus dem Besitz der St. Gereonskirche im eng mit dem Kurfürsten von Mainz verbundenen Nackenheim – die Weinfreunde kennen den Ort. Es dürfte aus einer der letzten Auflagen sein, in der die gesungene Teile noch in der mittelalterlichen Hufnagelnotion aufgezeichnet sind und die einen auch in der Melodie mehr oder weniger stark abweichenden „rheinischen Dialekt“ der Gregorianik präsentieren. (Hier als Muster eine erhalten gebliebene Seite mit dem Exsultet - 499) Dieser Dialekt wird von der Schola in Kiedrich im Rheingau noch heute zumindest gelegentlich gesungen, aber im übrigen Rheinlannd ist er spätestens Mitte des 18. Jh. außer Gebrauch gekommen.

Die Folge: Eines Tages konnte ein neu nach Nackenheim gekommener Pfarrer die Noten nicht mehr entziffern und griff zu einer radikalen Maßnahme: Er schnitt die meistgesungenen Seiten mit den Präfationen und dem Paternoster heraus und ersetzte sie durch 36 Seiten einer „moderneren“ Ausgabe - vermutlich aus den 80er Jahren des 18. Jh. (502) Vielleicht war der Mann mit der Schere ja Pfarrer Karl Melchior Arand, gleichzeitig Regens des kurfürstlichen Priesterseminars und allem Fortschrittlichen zugeneigt: Als 1793 die Armeen der französischen Revolution das linke Rheinufer besetzten, war er es, der sich als einer der Ersten vom Kurfürsten abwandte und die Nackenheimer dazu brachte, den Eid auf die französische Republik abzulegen. Bald sah er sich mit der Ernennung zum Maire, zum Bürgermeister, des Dörfchens belohnt. Was weiter aus ihm geworden ist, konnten wir noch nicht nachrecherchieren – aber der Heimat- und Verkehrsverein von Nackenheim hat vor 50 Jahren ein Büchlein zur „Nackenheimer Revolution“ gemacht, das wir hoffentlich demnächst erhalten werden.

Doch zurück zum Missale. Auch im neu eingefügten Block der Präfationen kam es später noch zu Eingriffen: Zwischen die Seiten aus dem späten 18. Jh wurde eine undatierte, aber wohl aus dem 19. Jh. stammende Fassung der Präfationen für die Wochentage der Himmelfahrtsoktav eingeklebt, dazu dann nocheinmal fast hundert Jahre später eine in der Melodie vereinfachte Fassung der Präfation zum Fest der Erscheinung des Herrn. Sie ist ebenfalls undatiert, wurde aber in einem Umdruckverfahren der 50er Jahre des 20. Jh. produziert. (Alles zusammen auf Bild 503) Bereits zuvor waren die Seiten aus dem 18. Jahrhundert durch einen weiteren Einschub mit 8 Seiten mit den Präfationen zu den Messen des hl. Joseph (Bild 505) und für Totenmessen ergänzt worden, datiert in Rom April 1919 und Regensburg August 1919. Im allgemeinen steht Ergänzung vor Ersetzung. So finden sich zum Beispiel die alte und die neue Notation für das Anstimmen des Gloria (501) ebenso nebeneinander wie verschiedene Fassungen des Pater noster (507).

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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