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Der hl. Longinus

Bild: Wikimedia, GryffindorAm Mittwoch, den 15. März, versäumten wir den Blick ins Martyrologium der alten Ordnung. Das ist schade, weil dieser Tag eine lange Liste von Märtyrern aus der Frühzeit der Kirche präsentiert – beginnend mit dem hl. Longinus: Zu Caesarea erlitt den Märtyrertod der Soldat Longinus, dem befohlen ward, die Seite des Herrn mit der Lanze zu durchbohren.

Im Johannesevangelium (19,34) wird erwähnt, daß einer der Soldaten des Hinrichtungskommandes die Seite des Gekreuzigten öffnete, um sich seines Todes zu vergewissern; bei Matthäus ist überliefert, daß daß dies Soldaten angesichts des Erdbebens und der Sonnenverfinsterung beim Tod Jesu bekannten: „Wahrlich dieser war Gottes Sohn“. In beiden Fällen wurde kein Name genannt, in der frühen apokryphen Literatur, namentlich den „Pilatusakten“ (Evangelium des Nikodemus) aus dem frühen 4. Jahrhundert taucht dann erstmals der Name Longinus auf.

Spätere Überlieferungen, die dann in der Legenda Aurea des Jacobus de Voragine zusammenfließen, wissen noch mehr zu berichten als die Evangelien:

Etliche schreiben, daß er sonderlich sei gläubig geworden, da das Blut Christi, das an der Lanze herablief, von ungefähr seine Augen berührte, die von Krankheit oder Alter schwach waren, und ihm alsbald sein klares Gesicht wieder gab.Also sagte er aller Ritterschaft ab und empfing von den Aposteln die Lehre des Glaubens. In der Stadt Caesarea im Lande Cappadocien lebte er 28 Jahre gleich einem Mönche und bekehrte viele Menschen mit seinem Wort und seinem Beispiel.

Eine als Lanze des Longinus angesehene römische Lanzenspitze gehörte seit dem hohen Mittelalter zu den Reichskleinodien und Insignien des Heiligen Römischen Kaisers. Diese Reliquie wurde im frühen 11. Jahrhundert zusammen mit einer großen Kreuzreliquie Bestandteil des Reichskreuzes, das heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrt wird.

Die frohe Botschaft

Bild: WikimediaDer Mittwoch, der heutige Freitag und der Samstag dieser Woche sind die Quatember-Tage in der Fastenzeit. Die Sünde, die durch die Erbsünde in die Welt kam, und die Gebote Gottes, die uns sagen, was richtig und was falsch ist, stehen im Zentrum der liturgischen Texte dieser Tage, die einen überaus ernsten Ton anschlagen: „Wer (selbst) gesündigt hat, soll sterben“ – so die heutige Lesung mit den Worten des Propheten Ezechiel (Ez 18, 20-28). Doch das harte Urteil wird gemildert durch das Erbarmen Gottes, von dem Ezechiel sagt: „Wenn aber der Gottlose Buße tut für alle Sünden, die er begangen hat, wenn er alle Meine Gebote hält und Recht und Gerechtigkeit übt, soll er leben und nicht sterben.“

Das oben eingeklammerte „selbst“ steht ganz ohne Klammer so im Text, um die Aussage abzugrenzen gegenüber die im alten Judentum durchaus geläufige Vorstellung, daß Gott die „Sünden der Väter“ auch an den Nachkommen strafe „bis ins siebte Glied“. Das Wissen um die Individualität des Menschen und seine je einzigartige Verantwortung ist erst langsam gewachsen. Diese Verantwortung, so betont es Ezechiel in der heute gelesenen Passage, lastet auf dem Menschen, solange er lebt. Es gibt keinen einmaligen Akt, der die Rettung garantiert – und auch keinen, der unwiderruflich ins Verderben führt. Das war anscheinend auch den Juden der Zeit Ezechiels nicht ganz klar, denn der Prophet beschließt die heute vorgelesene Ermahnung mit den Worten:

So höre doch, Haus Israel: Ist etwa Mein Weg nicht gerecht; sind nicht vielmehr eure Wege verkehrt? Wenn der Gerechte sich abwendet von seiner Gerechtigkeit und Böses tut, so wird er darin sterben; um der Ungerechtigkeit willen, die er begangen hat, soll er sterben. Doch wenn der Gottlose sich abwendet von seiner Gottlosigkeit, in der er gelebt hat, und Recht und Gerechtigkeit übt, so wird er sich das Leben erhalten. Weil er in sich gegangen und sich von allen Freveln, die er verübt, abgewendet hat, wird er das Leben haben.“

Nur die Verfasser der angeblich reichhaltigeren Leseordnung des Novus Ordo werden wissen, warum diese Mahnung des Ezechiel in ihrem Evangliar nirgendwo einen Platz gefunden hat.

Lohn für die guten und Strafe für die bösen Taten der Menschen sind auch Hauptthema der insgesamt 5 Lesungen am morgigen Quatembersamstag, nach denen jeweils die verschiedenen Stufen der Weihe zum priesterlichen Amt gespendet wurden.

Besonders erwähnenswert aus der Liturgie dieser Quatembertage ist noch die Secreta vom Quatembermittwoch, die in der unübertrefflichen Präzision römischer Orationen den Inhalt des Messopfers zusammenfasst:

Hostias tibi, Domine, placationis offerimus: ut delicta nostra miseratus absolvas, et nutantia corda tu dirigas.

Wir bringen Dir, o Her, das Opfer der Versöhnung dar, hab drum Erbarmen, sprich uns los von unseren Sünden, und lenke Du unser unbeständigen Herzen.

Dieses Gebet wird ebenfalls in der Votivmesse zur Vergebung der Sünden gesprochen, es ist auch noch in der Novus-Ordo-Version dieser Messe enthalten.

Hl. Caecilia, bitte für uns!

Plastik in S. Cecilia in Trastevere, Bild: WikimediaVor 50 Jahren, am 5. März 1967, unterzeichnete Papst Paul VI. ein von der damaligen hl. Ritenkongregation ausgearbeitetes Dokument über die Bedeutung der traditionellen Kirchenmusik „Musicam sacram“. Die praktische Bedeutung des Textes war gleich Null – der zwei Jahre später vom gleichen Papst angeordnete „Novus Ordo“ nahm keinerlei Rücksicht auf die überlieferte musikalische Gestalt der hl. Messe. Tatsächlich erklärte der Papst des Zwiespalts die überlieferte Kirchenmusik und damit sein eigenes Dokument selbst implizit für obsolet, als er in einer Predigt zur Einführung der neuen Liturgie einräumte: „Wir werden einen großen Teil jenes großartigen und unvergleichlichen künstlerischen und spirituellen Gebildes, der Gregorianik, verlieren.“ (Hier die ganze Ansprache).

Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – hat eine international zusammengesetzte Gruppe von 200 Kirchenmusikern jetzt den unseligen Jahrestag zum Anlaß genommen, eine in starke Worte gekleidete Stellungnahme zur Wiederanmeignung des musikalischen Erbes der Kirche vorzulegen. Der unter der etwas mißverständlichen Überschrift Cantate Domino canticum novum veröffentlichte Text enthält an zentraler Stelle eine ebenso klarsichtige wie kritische Betrachtung zum Ist-Zustand der Kirchenmusik zu Beginn des 3. Jahrtausends, die wir im folgenden stark gekürzt wiedergeben. Der vollständige Text, der auch einige gutgemeinte, wenn auch wenig aussichtsreiche Anregungen zur Überwindung des traurigen Zustandes enthält, ist unter anderem auf kath.net nachzulesen. Hier unsere Auszüge:

Im Lichte des so oft ausgedrückten Sensus ecclesiae können wir nicht umhin, über den gegenwärtigen Zustand der Kirchenmusik besorgt zu sein, der nichts weniger als katastrophal ist und bei dem Missbräuche im Bereich der liturgischen Musik nun fast eher die Regel als die Ausnahme sind. (...)

Wir wollen hier einige der Faktoren zusammenfassen, die zur gegenwärtigen beklagenswerten Lage der Kirchenmusik wie auch der Liturgie beitragen:

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Aschermittwoch

Gefunden hier: http://www.zyciezakonne.pl/wiadomosci/kraj/13908-13908/Die Zählung der Vorfastentage als den jeweils 70., 60. und 50.Tag vor Ostern erfordert schon einige kalkulatorische Flexibilität, und mit der Quadragesima, also der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern, die heute beginnt, wird die Sache nicht einfacher. Zumal hier nicht nur der Aschermittwoch im Spiel ist, sondern auch der kommende erste Fastensonntag, der im Mittelalter ebenfalls die Bezeichnung „Quadragesima“ trug. Da unser Glaube ein rationaler ist und Behauptungen wie 2 + 2 könne erforderlichenfalls auch 5 sein, seit jeher mit dem allergrößten Mißtrauen begegnete, hatte die Unschärfe der Tageszählung um die Fastenzeit schon immer Erklärungsbedarf. Ein typisches und sowohl historisch als auch allegorisch überzeugendes Beispiel einer solchen Erklärung liefert Rupert v. Deutz (1070-1129)  im 9. Kapitel des 4. Buches seines Liber de divinis officiis – er setzt dabei mit dem 1. Fastensonntag an:

Nicht nur dieser Sonntag heißt Quadragesima, wie die vorhergehenden Sonntage Quinquagesima, Sexagesima und Septuagesima heißen, sondern auch die ganze folgende Zeit, die von diesem Tag an bis zum hochheiligen Osterfest reicht, trägt den Namen Quadragesima, nämlich wegen der Nachahmung des Fastens des Herrn, die wir diese Tage hindurch andauern lassen.

Doch bei dieser Berechnung fehlen nachweislich vier Tage. Denn wenngleich von hier an bis zur heiligen Osternacht zweiundvierzig Tage gezählt werden, nimmt sich die christliche Frömmigkeit dennoch vor, nur sechsunddreißig Tage der Enthaltsamkeit zu weihen. Die rechtmäßige Autorität der Kirche verbietet nämlich, daß jemals ein Wölkchen öffentlichen Fastens den ersten Tag der Woche verdunkelt, der vom Glanz der Auferstehung des Herrn erleuchtet worden ist. Damit also die Feier unseres Fastens sich enger mit dem Beispiel des Herrn verbindet, sind die vier Tage, die diesem Sonntag voraufgehen, dem vorher genannten zehnten Teil des ganzen Jahres hinzugefügt worden, denn vom ganzen Jahr, das heißt der Zahl von dreihundertsechzig Tagen, ist die oben genannte Zahl sechsunddreißig der zehnte Teil. Wenn diese vier hinzugefügt sind, sind es vierzig, das heißt vier zusammen mit dem zehnten Teil. Und dies ist die richtigere sprachliche Herleitung der Bezeichnung Quadragesima; anderenfalls ist allein ein Tag, das heißt der dritte Wochentag (nämlich der Mittwoch) dieser Woche, vom Ostertag her gerechnet der vierzigste. (Zitiert nach der zweisprachigen Ausgabe der Fontes Christiani, Herder 1999)

Interessant ist hier noch der Hinweis auf die 36 als den (großzügig gerechnet) 10. Teil des Jahres. Rupert bezieht sich hier auf eine bis auf die Kirchenväter zurückgehende strenge Vorstellung, daß die frühen Christen aus Dankbarkeit für die Erlösung und zur Buße für die Sünden des Menschengeschlechtes das ganze Leben hindurch, also an allen Tagen des Jahres (außer den Sonntage) gefastet hätten. Da dies jedoch die Kräfte der meisten überforderte, habe Papst Telesphorus († 136) den zehnten Teil der Tage des Jahres zur Fastenzeit bestimmt. Das passt sehr schön zu dem Gedanken, auch in Hinsicht auf die leiblichen Genüsse einen „Zehnten“ zu entrichten – weniger gut jedoch zur tatsächlichen Tradition der Kirchen des Ostens, aber auch im Westen, die ursprünglich und teilweise bis auf den heutigen Tag eine erheblich größere Zahl von Fastentagen (im Westen war auch der Advent Fastenzeit) kannte.

So bleibt es also beim Brauch eines 40-Tägigen Fastens, wie er weit in die Tradition des neuen und des alten Testaments zurückreicht.

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Im jahr 2013 hatte wir die Stationskirchen für jeden Tag der Fastenzeit einzeln vorgestellt. Ein Besuch der Seiten hat auch 2017 nichts an Aktualität verloren.

Heute mit Kreuz?

Bild: St. Michaelsbund (mk-online.de)Zur Feier des Reformationsjahres empfängt Papst Franziskus heute in Rom eine Delegation der evangelischen Kirche in Deutschland. Mit dabei ist Erzbischof Kardinal Marx, schließlich war Luther unser aller Kirchenlehrer. Ein Herz und eine Seele? Wieviel bei all der Herzlichkeit von der Lehre noch übriggeblieben ist, kann man einem heute auf katholisch.de erschienen bemerkenswert nüchternen Kommentar entnehmen:

Es ist die Herzlichkeit zweier Geschiedener, die vor vielen Jahren in einem Mega-Krach auseinandergegangen sind und sich dann langsam wieder angenähert haben. Beide sind froh und erleichtert darüber, dass sie wieder miteinander reden, manchmal sogar zusammen feiern. Sie pflegen den Kontakt, passen deshalb auch genau auf, dass sie nichts Falsches sagen. Aber noch einmal zusammenziehen? Das natürlich nicht! Sie bleiben einvernehmlich geschieden.

(...) Der deutsche Durchschnittschrist sieht die Sache seit langem pragmatisch. Beispiel Köln, Heiligabend: Da findet man Protestanten in der katholischen Kirche St. Peter, weil's dort ein Krippenspiel mit echten Lamas gibt. Und in der protestantischen Friedenskirche im Multikulti-Stadtteil Ehrenfeld sitzen umgekehrt Katholiken. Denn dort dürfen die Kinder am Ende den Christbaum plündern - und Süßigkeiten mitnehmen. Für viele ein geradezu zwingendes Argument, zur "Konkurrenz" zu wechseln...

War da noch was?

Seit einem Jahr veröffentlicht P. Engelberg Recktenwald von der Petrusbruderschaft auf seinem Portal zur katholischen Geisteswelt abschnittweise die erstmal 1832 erschienene Abhandlung von Johann Adam Möhler: "Symbolik oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften". Das ist ein dickes Werk von über 600 Druckseiten - soviel war von den dogmatischen Gegensätzen schon zu sagen, bevor die Protestanten mit kritischer Bibellektüre, Frauenordination und Homo-Ehe den Abstand zur Lehre Christi ins unendliche gesteigert haben. Das Werk Möhlers mag alt sein - veraltet ist es dennoch nicht, zumindest, was die Darstellung der katholischen Positionen darstellt, denn die Dogmatik entzieht sich, so sehr die Kardinäle Marx, Kasper & Co das bedauern mögen, starrsinnig allen Anpassungwünschen, mögen die nun aus Wittenberg, München oder Buenos Aires vorgetragen werden. Zur Lektüre, oder besser gesagt: zum Studium, durchaus empfohlen - und wer die inzwischen von Recktenwald präsentierten 109 Folgen als nicht wirklich lesefreundlich empfindet, wird für unter 10 € auch im Antiquariatshandel fündig.

Die 600 Seiten stellen, Gott sei's gedankt, keinen Grund dar, sich den Schädel einzuschlagen. Aber mit Weihnachtsplätzchen aufwiegen lassen sie sich auch nicht.

 

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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