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Quatember II: Dominica vacat

Der Donnerstag gehört nicht zu den Quatembertagen – vielleicht weil die Quatember bis in die Zeit zurückreichen, an denen dieser Tag der Woche „aliturgischer Tag“ war. Was wiederum seine Ursache darin haben soll, daß der Donnerstag dem Zeus geheiligt war, und die Christen jeden Anschein von sich weisen wollten, damit irgend etwas zu tun zu haben.

Vom hohen Alter und der überragenden Bedeutung der Quatembertage Mittwoch, Freitag und Samstag zeugt, daß aus den ältesten Zeiten Predigten überliefert oder zumindest erwähnt sind, die von Päpsten aus diesem Anlass gehalten worden sind. Ein weiteres Zeugnis sind die Besonderheiten der Liturgie, die sich an diesen Tagen erhalten haben. Eine plausible Bestätigung von Baumstarks Gesetz der Erhaltung des Alten in liturgisch besonders hochwertiger Zeit. Bis ins Missale von 1962 zeigt sich diese Besonderheit insbesondere an der größeren Zahl von Lesungen im Gottesdienst – am Mittwoch sind das drei, am Samstag sogar sechs.

Der Samstag wurde noch zusätzlich dadurch akzentuiert, daß dieser Tag regelmäßiger Termin für die niedrigeren und die höheren Weihen war, die zwischen die Lektionen eingeschoben wurden. Während die Weihegebete nicht zum Messformular gehören, sondern dem Zeremoniale der Bischöfe entnommen werden, gab es in der Messe, auch wenn keine Weihen stattfanden, am Samstag zwischen den Lesungen nicht nur den üblichen Stufengesang , sondern auch noch besondere Orationen. Sie werden ähnlich wie am Karfreitag durch die Aufforderung „flectamus genua – levate“ eingeleitet und zeugen damit von einer in der frühen Kirche möglicherweise weiter verbreiteten Praxis.

Nach der 5. Lesung aus dem 3. Kapitel des Buches Daniel (47-51) und der darauf folgenden Weihe der Subdiakone wird die bei Daniel folgende große Litanei des Gotteslobes (52-56) als Hymnus gesungen, nach der Epistel (6. Lesung) erfolgt vor dem Tractus die Weihe der Diakone und zu dessen Abschluss die Weihe der Priester. Als Evangelium wird das vom 4. Adventssonntag genommen.

Diese für den Samstag einigermaßen erstaunliche Wahl des Evangeliums findet – ebenso wie die ungewöhnlich hohe Zahl der Lesungen - ihre Erklärung darin, daß die Feier des Quatembersamstags ursprünglich im Rahmen eines Nachtgottesdienstes stattfand. Er begann am späten Samstagabend (denn auch der Samstag war lange ‚aliturgischer Tag' wegen der Grabesruhe des Herrn) mit einer Matutin als Vigilfeier, die wegen der zumindest in Rom und an anderen Bischofskirchen eingebetteten Weihen bis tief in den Sonntagmorgen hinein andauerte. Das Evangelium und die ganze eigentliche Messfeier wurden in diesem Fall nicht nur in der Fiktion, sondern auch tatsächlich erst am frühen Sonntagmorgen gesungen. Diese Messe war war also die Sonntagsmesse – deshalb erhielt der 4. Adventssonntrag erst verhältnismäßig spät sein eigenes Messformular, nachdem die Begängnisse der Nacht auf den Samstag vorgerückt worden waren.

Solange – zumindest in Rom – Klerus und Volk vom späten Samstagabend bis zum frühen Sonntag die verbundenen Gottesdienste der Vigil, der Weihen und der abschließenden Sonntagsmesse feierten und anschließend rechtschaffen müde nach Hause gingen, blieb der vom Tageslicht erhellte Anteil des Sonntags ohne eigene Messe, was ihm in frühen liturgischen Schriften die Bezeichnung „dominica vacat“ eingetragen hat.

Quatember I: Missa Aurea

Mittwoch, Freitag und Samstag dieser Woche sind die Quatembertage des Advent. Viermal im Jahr (quattuor tempora) ruft die Kirche zum Beginn einer neuen Jahreszeit die Gläubigen zu Gebet, Buße und guten Werken auf, um für die Gnaden der vergangenen Monate zu danken und sich auf die kommende Zeit einzustimmen. Die Einrichtung der Quatembertage wird im Liber Pontificalis, das auf das 4. Jahrhundert zurückgeht, dem Papst Callistus (217-222) zugeschrieben; Papst Leo der Große (440 – 461), von dem mehrere Quatemberpredigten erhalten sind, führt ihren Ursprung direkt auf die Apostel zurück. Das ist insoweit durchaus plausibel, als es bereits in vorchristlicher römischer Tradition vergleichbare „Markierungstage“ für den Übergang zwischen den Jahreszeiten gab. Es ist ein aus den vorindustriellen Epochen vielen Kulturen bezeugtes allgemein menschliches Bedürfnis, die Abfolge der Jahreszeiten durch den öffentlichen Kultus zu akzentuieren und bewußt zu machen.

Da drei dieser Quatemberwochen in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zu den größten Festen der Kirche (Weihnachten, Ostervorbereitung, Pfingsten) stehen, haben sie den ursprünglich wohl deutlicheren Zusammenhang mit dem Jahreslauf weitgehend verloren, nur im Herbst hat sich der Charakter des Erntedanks stärker gehalten.

Entgegen einer oft vertretenen Ansicht hat die Kirche die Quatembertage nicht rundum abgeschafft. Sie wurden zwar mit Papst Paul VI. Dekret Paenitemini von 1966 aus dem Verzeichnis der Fast- und Bußtage gestrichen, ihre Liturgien blieben jedoch zunächst erhalten. Mit dem Neuen Messbuch sind sie dann liturgisch praktisch verschwunden. Die Kompetenz für die als blasse Erinnerung erhaltenen Quatembertage wurde den nationalen Bischofskonferenzen übertragen; die „Grundordnung des Kirchenjahres“ führt dazu in Abschnitt VII. aus:

45. An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen; auch eignen sich die Tage für den öffentlichen Dank.

46. Damit die Bitt- und Quatembertage den unterschiedlichen örtlichen und menschlichen Gegebenheiten auch tatsächlich entsprechen, sollen die Bischofskonferenzen Termine und Arten der Feier angeben. Demnach sollen die zuständigen Autoritäten unter Berücksichtigung der jeweiligen Verhältnisse bestimmen, ob ein Tag oder mehrere und wie oft sie im Jahr gehalten werden.

47. Die liturgische Ordnung für die Meßfeier an solchen Tagen möge entsprechend dem jeweiligen Anliegen den Messen für besondere Anliegen entnommen werden.“

In nicht wenigen deutschen Gemeinden werden die Quatembertage auf Grund des besonderen Einsatzes ihrer Pfarrer oder auch durch Engagement aus der Gemeinde noch in diesem Sinne bewahrt; im institutionellen Auftreten der Kirche und im öffentlichen Bewußtsein der Gesellschaft spielen sie keine Rolle mehr. Was „fakultativ“ gestellt und damit als entbehrlich gekennzeichnet wird, überlebt, wenn überhaupt, nur noch als Folklore.

Wie bereits angedeutet, haben die Quatembertage in der Tradition stets dazu tendiert, die Farbe ihres feiertäglichen Umfeldes anzunehmen. Für den Quatembermittwoch im Advent, zum Abschluss der Oktav nach dem Hochfest von Mariä unbefleckter Empfängnis, bedeutete das eine weitgehende Umformung in ein Marienfest. Die Grundstruktur des Messformulars ähnelt der Rorate-Messe – also der Marienmesse an den Samstagen des Advents. Als Besonderheit für den überlieferten Ritus gibt es an diesem Tag zwei Lesungen. Zur 2. Lesung wird die vom Fest Mariä Verkündigung genommen, ebenso dann das Evangelium von diesem Festtag. Römische Stationskirche war Maria Maggiore – damit wurde der Quattembermittwoch im Advent auf eine Stufe mit den großen Marienfesten gestellt. Sein Charakters als Fast- und Bußtag blieb allerdings weiterhin gewahrt.

Dementsprechend war dieser Mittwoch auch kein weltlicher Feiertag – die Gläubigen besuchten daher vor Beginn ihres Arbeitstage eine frühe Messe, die dann an vielen Kirchen wegen der frühen Stunde im Licht vieler Kerzen und mit besonderem Gepränge gefeiert wurde. Zusammen mit der Tatsache, daß die Seite des Evangeliars mit dem Verkündigungsevangelium oft mit prachtvollen goldenen Initialen geschmückt war, trug das der Frühmesse dieses Tages die Bezeichnung „Missa Aurea“ ein. Dom Mark Kirby vom Priorat Silverstream macht darauf aufmerksam, daß in manchen Klöstern das Evangelium dieses Tages nach der Melodie des Pfingst-Evangeliums gesungen wird: „Die Verkündigung ist ein Vor-Pfingsten. Die jungfräuliche Mutter, überschattet vom Heiligen Geist, ist das lebendige Bild der Kirche, die an Pfingsten vom Heiligen Geist überschattet wird.“

„Erleuchte die Finsternis“

Dem hoffnungsfrohen Gaudete des Introitus verdankt der dritte Adventssonntag seine Sonderstellung, die ihn aus dem – freilich in der Westkirche längst vergessenen – ursprünglichen Charakter des Advents als Buß- und Fastenzeit hinaushebt. Sichtbar gemacht wird diese Sonderstellung durch das zum rosacea aufgehellte Violett. Die hellere Grundstimmung ist aber nicht das einzige, das diesen von den anderen Adventssonntagen unterscheidet. Auch das Tagesgebet beginnt nicht wie an den drei anderen Sonntagen mit dem Aufruf excita, sondern bringt nach Textform und Inhalt eine eigene Farbe in die Reihe:

Wir bitten Dich Herr, neige Dein Ohr unseren Bitten, und erleuchte die Finsternis unseres Geistes durch die Gnade Deiner Ankunft.

Das unterscheidet sich deutlich von den drei excita-Orationen – während diese in ihrer Klarheit und ihrem Elan mehr einer Dur-Tonart entsprechen, klingt die Bitte des dritten Advent in ihrer schlichten Formulierung irgendwie gedämpft, kommt von der Tonart her also eher in moll. Das ist insoweit bemerkenswert, als die Oration damit eine entgegengesetzte Bewegung zum generell helleren und freudigeren Charakter des Tages anzudeuten scheint.

Daß eine derartige Gegenläufigkeit bewußt angelegt wurde, ist schwerlich zu beweisen, würde aber durchaus dem Geist der Liturgie in ihrer organischen Entwicklung entsprechen. Jedenfalls ist das Proprium des 3. Adventssontags sehr alt. Schon bei Rupert von Deutz im 11. Jahrhundert hat es im wesentlichen die gleiche Form wie im Missale von 1962. Es stammt also aus einer Zeit, in der der Sinn für das Denken in Parallelismen und Kontrapunktierung, für Symmetrie und Assymetrie hoch entwickelt war.

Für unsere Gegenwart scheint das weniger zuzutreffen. Das Tagesgebet  des 3. Adventssonntag im Novus Ordo ist – wie an den anderen Adventssonntagen auch – geradezu unrömisch wortreich. Die in der Alten Form anerkannt „Finsternis des Geistes" ist für die Neuerer kein Thema – wir sind schließlich schon gläubig. Stattdessen schlagen die Verfasser in vermeintlicher Übereinstimmung mit dem optimistischen Grundgedanken des Sonntags explizit den Bogen zur Weihnachtsfreude und verdoppeln damit letztlich nur die Aussage des Introitus.

Allmächtiger Gott, sie gnädig auf dein Volk, das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet. Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.

Maria, Patronin der Luftfahrt

Das Martyrologium für den heutigen Tag bietet zunächst eine eindrucksvolle Liste von Märtyrern, die unter den Kaisern Diokletian, Galerius Maximianus, Julian dem Abtrünnigen und Maximian größtenteils auf barbarische Weise zu Tode gebracht worden sind. Ganz am Schluss steht dann der Eintrag:

Loreto in den Marken, die Übertragung des Hauses der hl. Gottesmutter Maria, in dem das Wort Fleisch geworden ist. Und eben daher hat Papst Benedikt der XV. die allerseligste Jungfrau unter der Titulatur „von Loreto" als besondere Fürsprecherin aller Luftfahrenden benannt und angesprochen.

Der Zusammenhang ist heute nur noch schwer verständlich – zu Zeiten Benedikt XV. (Papst 1914 – 1922) wusste noch jedes Kind, daß das Wohnhaus der Gottesmutter im 13. Jahrhundert nach einer schweren Niederlage der Kreuzfahrer, die Nazareth wieder in die Gewalt der Sultane gebracht hatte, von Engeln durch die Lüfte nach Italien gebracht worden war.

Die Historische Wahrheit, wie sie im ökumenischen Heiligenlexikon () beschrieben ist nicht ganz so spektakulär, aber immer noch wunderbar genug:

Als Ergebnis neuerer Erkenntnisse aus Dokumenten, Ausgrabungen und philologischer sowie ikonographischer Studien wird die Erklärung vertreten, dass die Steine des Heiligen Hauses durch eine adelige Familie namens Angeli, Engel, die damals über Epirus in Griechenland herrschte, mit einem Schiff der Kreuzfahrer über das Meer nach Loreto gebracht wurden: Niceforo Angelo, Beherrscher des Epirus, überreichte anlässlich der Hochzeit seiner Tochter Ithamar dem Bräutigam Philipp von Tarent, dem Sohn des Königs von Neapel, Karl II. von Anjou, als Geschenk u.a die heiligen Steine, weggetragen aus dem Hause Unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Mutter Gottes. Zwischen den Steinen des Hauses wurden neben zwei Münzen von Guido de La Roche, dem Herzog vonAthen und Sohn der Helena Angeli und des Philipp von Tarent, auch fünf rote Stoffkreuze von Kreuzfahrermänteln gefunden, dazu Reste eines Straußeneis - das Straußenei galt im Heiligen Land als Symbol der jungfräulichen Geburt Mariens. Vergleiche des Hauses mit der Grotte in Nazaret ergaben, dass Grotte und Haus exakt zusammenpassen.

Die heutige Ostwand des Hauses, an der der Altar steht, gab es in Nazaret nicht, weil sich dort die Grotte anschloss. Die drei anderen Mauern haben eine Höhe von drei Metern und ergeben einen Raum von nur 9,5 x 4 Metern. Sie haben kein Fundament, denn sie waren in Nazaret auf einer alten Straße aufgebaut worden. Das restliche Mauerwerk ist beim Wiederaufbau in Loreto mit italienischen Ziegeln dazugebaut worden, ebenso im Jahr 1536 das Gewölbe, um den Raum für den Gottesdienst geeigneter zu machen. An den Wänden sind noch Reste von Fresken aus der umbrischen Schule des 14. Jahrhunderts zu erkennen. Um das eigentliche Marienhaus herum ließ Papst Julius II. nach Plänen von Donato Bramante im Jahr 1507 eine monumentale Marmorverkleidung erbauen, die von berühmten italienischen Künstlern der Renaissance gestaltet wurde. Wie auf einem altrömischen Triumphbogen oder einem Reliquienschrein wird darauf die Herrlichkeit der Maria gefeiert; ihre Geschichte - von Sybillen und Propheten vorausverkündet - ist in flachen Reliefs dargestellt.

Das Bild von Joachim Schäfer entnehmen wir ebenfalls dem Heiligenlexikon, es kann unter der dort spezifizierten CC-Lizenz weiterverwandt werden.

Maria, sündenlos empfangen

Die apokryphen Schriften des Frühchristentums wissen viel über Kindheit, Jugend und das ganze Leben der hl. Gottesmutter zu berichten - einiges davon ist über die Werke der Kirchenväter auch in die Predigt und den Volksglauben bis zum Beginn des 20. Jahrunderts eingegangen.  Bildliche Darstellungen zu diesem Themenbereich erfüllten wohl oft schon zu ihrer Entstehungszeit nicht gerade die Ansprüche eines gehobenen Geschmacks. In der Kirche der Gegenwart spielt das Thema praktisch keine Rolle. Das Dogma von der unbefleckten Empfängnis wird von den Gläubigen ohne große Begeisterung hingenommen, oft besteht Unklarheit über seinen Inhalt. Den Ungläubigen ist es noch nicht einmal die Mühe der Verspottung wert.

Eine interessante Ausnahme stellt der katholische Schriftsteller Franz Michel Willam dar Er widmet in seinem 1936 erschienen Buch Das Leben Marias der Mutter Jesu ein ganzes Kapitel der Frage, was das wohl für einen Menschen bedeutet haben mag, in einer Welt, die ganz den Folgen der  Erbsünde unterworfen ist, als einzige frei von Schuld und Sünde zu leben.

Maria lebte in einer Einsamkeit, für die die Einsamkeit eines Kindes, das unter lauter Erwachsenen aufwächst, ein zwasr schwaches, aber immerhin doch brauchbares Gleichnis darstellt. Maria, die Begnadete, lebte nämlich, um beim Bilde zu bleiben, als höchstes und vollkommenstes Kind Gottes unter lauter Menschen, die der Gotteskindschaft verlustig gegangen und mehr oder weniger der Sünde verfallen und den bösen Neigungen asgeliefert waren. (...) Alle diese Menschen lebten in den Augen Marias in einer Welt, zu der sie selber keinerlei Verhältnis besaß. ... Sie konnte, menschlich gesprochen, ja überhaupt nicht begreifen, wieso nur die Menschen sündigen, und die Sünde, wenn es nicht gerade ungewöhnliche Gräueltaten waren, als etwas zu ihnen Gehöriges und gleichsam 'Natürliches' empfanden.

Die Schweigsamkeit, die an Maria später immer wieder wahrgenommen und vom Evangelisten ausdrücklich hervorgehoben wird, war also in doppelter Hinsicht eine natürliche Folge der Stellung Marias unter den Menschen, die sie umgaben. Ihr besonderes Verhältnis zu Gott zwang sie zum Schweigen über ihre religiösen Verhältnisse. Ihr besonderes Verhä#ltnis zur Sünde versiegelte ihr den Mund noch ein zweites Mal. Niemand musste soviel wie sie schweigen und verschweigen. Niemand konnte aber auch so gut wie sie die Geheimnisse 'im Herzen bewahren'.

Eine Frage für sich ist wieder, wie die anderen Menschen dieses Besonderssein Marias empfunden und wie sie sich zu ihr verhalten haben. Stellt man sich die Enge einer orientalischen Stadt und die Lebhaftigkeit ihrer Bewohner vor, so beschleicht einen freilich ein wehmütiges Grauen. Der größte Teil der Nachbarinnen - für Maria kamen im Verkehr nur Frauen in Frage - hat wohl das Besonderssein Marias gefühlt, aber nichts von jener Liebe und Herzensweite besessen, die ihr in so reichem Maße eigen war. Leute aus dem Volk greifen aber in dieser Lage immer zu demselben Auswege: Ist jemand in ihrem Lebensbereiche nicht so wie sie, ist er anders, besser als sie, so wird er mit dem Hinweis gerichtet und vernichtet, daß er stolz und hochmütig sei, sich alles mögliche einbilde und sich für zu gut halte, mit den gewöhnlichen Leuten zu reden.

Maria, die Demütigste von allen, ist wohl mehr als einmal in ihrem Leben als die Hochmütigste von allen, als eine 'Schande für das Haus David' bezeichnet und auch dementsprechend behandelt worden.“

Stark gekürzt aus F.M. Willam, Das Leben Marias der Mutter Jesu, Freiburg 1936, S. 12 - 18.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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