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Kalenderreform und Tradition

Die neuerdings wieder diskutierte Frage des Ostertermins hat zwei Seiten, die des gemeinsamen Termins aller christlichen Kirchen und die eines festen Datums, das den weltlichen Kalender von dem Ärgernis gleitender Festtage mit unregelmäßigen Abständen zu weltlichen Terminen entlasten würde. Beide Aspekte zu vermischen, indem man einen gemeinsamen festen Ostertermin vorschlägt, macht die Dinge kompliziert bis unmöglich. Aber der Reihe nach:

Anders als Weihnachten, das stets auf den 25. Dezember fällt, hat Ostern hat im Jahreskalender keinen festen Termin – und kann diesen nach Ansicht vieler Christen und der gesamten Orthodoxie auch nicht haben – weil Ostern auf einen Sonntag fallen muß. Wochentage und damit eben auch die Sonntage haben aber prinzipiell keinen festen Tag im Jahr, und die Versuche diverser Revolutionskalender, ihren Platz zu fixieren, in dem man jedes Jahr mit einem Sonn- oder Montag beginnen lässt, hatten bislang keinen Erfolg. Die Kirche hat solche Versuche – zum letzten Mal übrigens auf dem 2. Vatikanum – stets abgelehnt, weil dadurch am Jahresende eine Reihe von Tagen „außer der Reihe“ entstehen und somit der siebentägige Zyklus der Woche aufgebrochen würde.

Außerdem kann Ostern aber auch nicht auf einen beliebigen Sonntag fallen, sondern fällt bisher zumindest stets auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im astronomischen Frühjahr. Da der Mond aber zum Leidwesen aller Kalendermacher der vergangenen 5 Jahrtausende einen ziemlich krummen ungefähr-29-Tage-Zyklus verfolgt, kann der Frühjahrsbeginn ebenfalls in diesem Zeitraum von 29 bzw. 30 Tagen gleiten. Alles in allem also: ein ärgerlicher Programmierfehler der Schöpfungsordnung.

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Veterum saperlot!

Am 22. Februar 1962 erließ Papst Johannes XXIII. das Motu Proprio Veterum Sapientia über die „Die Förderung des Studiums der lateinischen Sprache“. Das war ziemlich genau drei Jahre nach seiner Ankündigung vom 15. Januar 1959, ein Konzil einzuberufen, um die Kirche zu „verheutigen“. Wenn wir dem heiligen Papst also nicht völlige Plan- und Ziellosigkeit unterstellen wollen, müssen wir davon ausgehen, daß er in seinem Hohen Lied auf die Weisheit der Altvorderen und den Wert des Latein als Kirchensprache keinen Gegensatz zu dem von ihm angestrebten „Aggiornamento“ sah, sondern ein Mittel, um diesem Ziel in Treue zur Tradition und Lehre der Kirche näher zu kommen, womöglich sogar dem herannahenden Konzil eine Richtschnur zu geben.

Soviel dialektische Klugheit war den Modernisten, die auf und nach dem Konzil dessen angeblichen Geist für sich reklamierten, nicht gegeben. Sie sahen und sehen immer noch in der lateinischen Sprache für die Liturgie ein Hindernis bei der Durchsetzung ihrer Gemeinschaftlichkeits-Ideologie und für die Wissenschaft eine Fessel an die von ihnen ebenso verachtete wie gefürchtete Tradition. Also weg mit dem Latein und weg mit Veterum Sapientia, der vielleicht am konsequentesten totgeschwiegenen und missachteten lehramtlichen Erklärung des 20. Jahrhunderts.

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Fronleichnam

Treu dem heiligen Befehle
wandeln wir zum Heil der Seele
in sein Opfer Brot und Wein.

Doch wie uns der Glaube kündet,
der Gestalten Wesen schwindet,
Fleisch und Blut wird Brot und Wein.

Was das Auge nicht kann sehen,
der Verstand nicht kann verstehen,
sieht der feste Glaube ein.

Unter beiderlei Gestalten
hohe Dinge sind enthalten,
in den Zeichen tief verhüllt.

Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise,
doch der Herr bleibt gleicherweise
ungeteilt in beider Bild.

Aus der Fronleichnamssequenz, verfasst vom hl. Thomas von Aquin. Den vollständigen Text finden Sie auf dem Hymnarium - dort auch die anderen eucharistischen Dichtungen des h. Thomas.

Bücherverbrennung katholisch

Wir haben einen Gedenktag übersehen: Am 22. Februar 1962 erließ Papst Johannes XXIII. das Motu Proprio Veterum Sapientia über die „Die Förderung des Studiums der lateinischen Sprache“. Das war ziemlich genau drei Jahre nach seiner Ankündigung vom 15. Januar 1959, ein Konzil einzuberufen, um die Kirche zu „verheutigen“. Wenn wir dem heiligen Papst also nicht völlige Plan- und Ziellosigkeit unterstellen wollen, müssen wir davon ausgehen, daß er in seinem Hohen Lied auf die Weisheit der Altvorderen und den Wert des Latein als Kirchensprache keinen Gegensatz zu dem von ihm angestrebten „Aggiornamento“ sah, sondern ein Mittel, um diesem Ziel in Treue zur Tradition und Lehre der Kirche näher zu kommen, womöglich sogar dem herannahenden Konzil eine Richtschnur zu geben. Denn ein Motu Proprio ist ja nicht nur ein Loblied, sondern auch ein bindender Gesetzesakt der Kirche.

Soviel dialektische Klugheit war den Modernisten, die auf und nach dem Konzil dessen angeblichen Geist für sich reklamierten, nicht gegeben. Sie sahen und sehen immer noch in der lateinischen Sprache für die Liturgie ein Hindernis bei der Durchsetzung ihrer Gemeinschaftlichkeits-Ideologie und für die Wissenschaft eine Fessel an die von ihnen ebenso verachtete wie gefürchtete Tradition. Also weg mit dem Latein und weg mit Veterum Sapientia, der vielleicht am konsequentesten totgeschwiegenen und missachteten lehramtlichen Erklärung des 20. Jahrhunderts.

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Trallala sollicitudini

Wie es scheint, hat es in den letzten hundert Jahren in der Kirche genau eine einzige lehramtliche Aussage mit unbedingter dogmatischer Geltung gegeben: Die Forderung nach „participatio actuosa“ der Gläubigen bei der Feier der heiligen Messe. Diese Formel wird gebetsmühlenartig wiederholt wo immer es darum geht, die Liturgie dem Geschmack des jeweils wortführenden Theologen, Ortsbischofs, Gemeindepfarrers, Vereinskaplans. Liturgieausschussvorsitzenden anzupassen – und jeder Widerspruch verstummt. Ob Konzilskonstitution über die Liturgie oder Einführung ins (neue) Missale Romanum in welcher Sprache auch immer – auch viele amtlichen Texte machen diese beiden Worte zum Dreh und Angelpunkt, der die Perspektive für alles andere vorgibt. Selbst dem Wortlaut nach so eindeutige Aussagen wie die Direktive „Schließlich sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es.“ (SC 23) werden zu Schall und Rauch, wo die „participatio actuosa“ es angeblich gebietet. Auch im Tradilager versäumen es die wenigsten, dem Gesslerhut die geschuldete Referenz zu erweisen – äußerstenfalls krittelt man ein wenig an Übersetzungen wie „aktive Mitwirkung“ herum: So sei das nicht gemeint gewesen.

Mag sein – aber meinem bescheidenen Sprachgefühl nach gibt es für „participatio actuosa“ ein breites Feld von Übersetzungsmöglichkeiten zwischen „tätiger Anteilnahme“ und „geschäftigem Mittun“ - der Übersetzer hat die Wahl, und weithin gilt: „traditore traduttore“. Mit Sprachkritik kommt man der Sache nicht bei.

Etwas mehr Klarheit bringt da schon der Blick auf das Dokument, dem das Schlagwort allgemeinem Verständnis nach entnommen ist: Das Motu proprio „Tra le sollicitudini“ des hl. Papstes Pius X. über die Kirchenmusik vom November 1903. Dort erscheint es recht bescheiden zum ersten Mal im dritten Absatz der Einleitung, ist keinesfalls als lehramtliche Aussage besonderen Gewichtes markiert und sagt nicht mehr, daß es das Anliegen des hl. Papstes ist, den wahrhaft christlichen Geist in den Gläubigen wieder zu erwecken, weshalb man für die Würde und Heiligkeit des Gottesdienstes sorgen müsse – aktive Teilnahme daran sei die erste und unentbehrliche Quelle dieses Geistes. Im Hauptteil des Dokumentes beschreibt der Papst dann im einzelnen, was man zur Würde und Heiligkeit des Gottesdienstes tun müsse, um den Gläubigen die aktive Teilnahme in seinem Sinne zu ermöglichen.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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